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Wo einst die Bagger wühlten ...

 

Wo heute das Touristenfreizeitgebiet der Goitzsche (Einheimische sagen „Gottsche“) ist, war vor 25 Jahren noch eine riesige, vom Braunkohle-Tagebau  geschundene Brachlandfläche. Der Name kommt wahrscheinlich aus dem Germanischen und bedeutet Gottes Aue.

Zu Göttern gibt es noch einen anderen Bezug, denn den hier ebenfalls gewonnenen Bernstein nennt man auch Tränen der Götter. Der gelbe Schmuckstein aus fossilem Harz verfolgt mich schon die ganze Woche, denn auch in Kolobrzeg/Polen und Usedom wird, wie überall an der Ostsee, Bernsteinschmuck verkauft. Viel davon stammt aus der Goitzsche.

Die Goitzsche ist eine Seenlandschaft bei Bitterfeld. Geografisch sind wir etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale), etwa 35 km nördlich von Leipzig und rund 60 km südwestlich von der Lutherstadt Wittenberg. Die Braunkohlevorkommen wurden vor etwa 100 Jahren entdeckt. Viele Dörfer mussten den gefräßigen Baggern weichen. Bis zu 70m tief wurde die ehemalige Naturlandschaft ausgefräst. In Bitterfeld waren aber auch riesige Chemie- und Rüstungsbetriebe ansässig. Auf Natur und Umwelt nahm man keine Rücksicht. Bitterfeld war berüchtigt für miserable Luft. Manchmal soll es so schlimm gewesen sein, dass man auch tagsüber mit Licht fahren musste. Chemische Industrie gibt es auch heute noch. Es sind moderne Betriebe auf dem neuesten technischen Stand. Und die erwähnte  Seenlandschaft ist ein beliebtes Freizeit- und Erholungsgebiet.  

 

 
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Nach einem Jahr Pause findet der Goitzsche-Marathon neuerdings unter der Leitung des Dachverbandes Goitzsche e. v. statt. Dies ist ein Zusammenschluss von Vereinen, Verbänden und Privatleuten. Es wird ein ganzes Wochenende mit Programm und Skating-Wettbewerb angeboten. Am Sonntag kann man dann laufen und zwar Marathon, Halbmarathon, 10km, Staffel 10x4,2 km und auch die Walker werden unterwegs sein. Der Marathon kostet zwischen 25€ und 35€, Nachmelder müssen vor Ort 3€ drauflegen.

Für eine Staffel hat man eine hochkarätige Sportlerin gewinnen können. Heike Drechsler, die zweimalige Olympiasiegerin, wird in einer Charity-Staffel laufen. Am Vorabend hat sie viele Zuhörer am Hafen mit ihrem Vortrag begeistert.

Heute am Sonntagmorgen müssen wir uns alle selbst begeistern für einen mehr oder weniger langen Lauf um die große Seenlandschaft in der Wärme und mit viel Wind. Um 9 Uhr ist Start für die Marathonis, die Marathonstaffeln und für die 10km Läufer.

 

 
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So gegen 8:30 Uhr füllt sich langsam der Parkplatz neben dem Hafen, nur 200m vom Start und Ziel entfernt. Wie so oft werde ich von einigen Läufern angesprochen, denn man kennt Marathon4you und daher auch mich. Hier treffe ich auch wieder Marita, die mir gestern Abend viel von der Goitzsche erzählt hat. Sie wird die 10km laufen und 2. in ihrer Altersklasse werden.

Nun geht es aber erstmal für die 10km und Marathonis um 9 Uhr pünktlich auf die Strecke. Wir laufen vom Hafen aus direkt am Uferweg in Richtung Bernsteinvilla. Die Villa am Bernsteinsee ist ein Stilmix mit einer Neorenaissancefassade. Sie gehört zu den repräsentativsten Gebäuden in der Region. Wir folgen dem Radweg am See entlang und kommen kurz am Strandbad mit dem Pegelturm vorbei. Über eine Brücke kann man den 26m hohen Turm über zwei gegenläufige Wendeltreppen besteigen. Kurz danach geht es über eine kleine Brücke die der Muldezufluss zum See ist.

Vorbei am Strandbad Mühlbeck, wo sich einige Zuschauer aufhalten, erreichen wir bei km 5 die Halbinsel Pouch. Während wir Marathonis nun einige Kilometer auf der Halbinsel sammeln, geht es für die 10km in einer kleinen Schleife wieder zurück zum Ziel. Hier befindet sich die 1. Wasserstation. Es beginnt die Einsamkeit nicht nur des langsamen Marathonläufers, denn zum Neustart des Goitzsche Marathons haben sich leider nur rund 60 LäuferInnen gemeldet, zwischen denen schnell riesige Abstände gibt. Zunächst sind wir noch zu viert zusammen, dann läuft jeder seinen Stiefel und man ist, wie bei Natur- und Landschaftsläufen meist üblich,  allein. Das macht den Reiz dieser Läufe unter anderem  ja auch aus.

Es geht im Zickzack über die Halbinsel, die wir bei km 10 wieder verlassen. Hier steht der 2. Versorgungsposten. Wir folgen dann wieder dem Seerundweg unterhalb vom Ort Pouch in Richtung Roter Turm. Die Ortschaft Pouch ist schon fast 1000 Jahre alt.  Ende des 10. Jh. gab es hier eine Burg bzw. Schloss. Das Schloss, der „Rote Turm“ und die im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaute Kirche sind mit einem spätgotischen vierflügeligen geschnitzten Hochaltar echt sehenswert. Das Altargemälde soll aus der Werkstatt des Wittenberger Malers und Reformators Lucas Cranach stammen. Wer die 105 Stufen hochsteigt, hat einen Rundumblick über die Dübener Heide und die große Seenlandschaft.

 

 
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Es geht weiter am See entlang zum nächsten Versorgungsposten bei km 15. Kurz danach wechseln wir von Sachsen-Anhalt zu Sachsen und  streifen den Ort Löbnitz und den Weinberg Sausedlitz, der Seelhausener See wird teilweise umrundet.

Bei km 20 gibt es wieder Versorgung, dazu sehr viel Sonne und heftigen Wind. Ich spüre, dass es ein schwerer Lauf werden wird,  oder, wie man neuerdings sagt, es ist wohl ein gebrauchter Tag. Ich lege immer wieder Gehpausen ein und sammele so halt viel langsamer als gedacht meine Kilometer. Die nächsten 3 km geht es durch die sogenannte Goitzsche-Wildnis (Naturschutzgebiet der Kulturlandschaft Goitzsche), eine  Heidelandschaft mit kleinen Wäldchen.

Beim Km 25 kommen wir zum ca. 100ha großen Paupitzscher See, der als Tagebaurestesee geflutet wurde. Ein Schild weist uns darauf hin, dass es hier einmal den Ort Paupitz gab,  der der Kohle weichen musste. Auf den nächsten Kilometern ist die Strecke meist wellig, manchmal  sogar manchmal ziemlich heftig.
Eine dieser heftigen Wellen überrascht mich bei km 31, als es steil hinunter zu einem Bachlauf und gleich ebenso  steil wieder nach oben geht.  Nach einer Brücke wartet die nächste steile Rampe. Wir bleiben für eine Weile im Wald und kommen zu Beginn der letzten 8km an den Holzweißiger See. Rechts das Wasser und ein Stück weiter linksseitig etwas erhöht ein sehr großes Kunstwerk, der „Bitterfelder Bogen“. Diese stählerne Bogenkonstruktion sieht von weitem wie eine riesige Brücke aus. Hier kann man stufenlos über verschieden lange Rampen zick zack zum oberen Balkon gehen und den Ausblick genießen. Gestern habe ich den Ausblick von oben genossen, heute schaue ich mir das Ganze von unten an.

 

 
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Die letzten Kilometer sind wegen der Gehpausen fast unendlich. Am Abzweig zur Kreismülldeponie wären es nur noch 3 Kilometer, würden wir geradeaus laufen. Um aber auf 42,195 km zu kommen, machen wir eine Schleife durch ein. Km 40, wir sind wieder am Goitzsche See und haben vor uns die Halbinsel Pouch und ein Stück weiter links sehen wir bereits den Hafen mit dem Ziel. Es geht vorbei am Camping- und Sportplatz, wo wir anschließend duschen können. Am Sandstrand ist eine 60 Meter lange Blaue Sitzbank, geschaffen vom Berliner Künstler Roland Fuhrmann.  Die Form soll einen Sandsackwall darstellen und an die Flutkatastrophe von 2002 erinnern. Auf der Rückenlehne sind auf Metallschildern die Namen der Fluthelfer verewigt.  

Der starke Wind kostet nun die letzten Körner und erzeugt auf dem Wasser richtig große Wellen. Noch 1500 Meter, dann ist der Kampf für heute vorbei. Marita holt mich mit dem Rad ab. Sie hat nicht nur ihren 10er sehr erfolgreich beendet, sondern auch ihre Muttertagfeier. Ich erreiche als Letzter das Ziel und werde mit einem alkoholfreien Weizenbier erwartet. Als  3. in meiner AK bekomme ich noch einen Sachpreis und eine Medaille.

Fazit:

Heute ein Lauf zumeist in praller Sonne und bei starkem Gegenwind auf der 1. Hälfte. Eine perfekt markierte und landschaftlich sehr schöne Strecke präsentiert, zu 90% Asphalt. Die Strecke ist manchmal wellig, jedoch nicht sehr schwer. Alles in allem ist der Goitzsche Marathon sehr empfehlenswert. Langsame Läufer sollten eine Getränkeflasche und etwas zum Essen dabei haben.

Im Ziel:

Gesamt im Marathon 59 davon 51 Männer und 8 Frauen, 10km 68 Frauen und 90 Männer, 1o km Nordic-Walking 19 Frauen und 6 Männer, 40 km Inline-Skating 2 Frauen und 6 Männer, Halbmarathon 28 Frauen und 83 Männer, sowie 11 Staffeln.

 

Ergebnisse: Marathon
 

Männer:
1.    Christoph Descher    TLV Rangsdorf                3:03:33
2.    Wieland Metzner    Adra                    3:06:09
3.    Ralf Lessig        SG Dresdner Bank            3:06:20

Frauen:
1.    Katja von der Burg    ASICS Frontrunner/LG eXa Leipzig    3:31:54
2.    Silvia Schmied        LAV-Halensia                3:38:12
3.    Nicole Neumann    Wolfen                    4:08:43

 

Informationen: Goitzsche Marathon
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