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Comrades vom Bilstein

 

Eine Stunde beträgt die Fahrtzeit zwischen dem Kyffhäuser Marathon am Samstag und dem Bilstein-Ultra am Sonntag. Früher hätte sich eine so günstige Konstellation schnell bei den Mehrfachtätern rumgesprochen. Gut, dass es noch Klaus Egedesö vom 100 MC Dänemark gibt. Er nimmt mich mit zum Bilstein, in die Nähe von Kassel.

Witzenhausen ist Universitätsstadt, Spezialität ökologische Landwirtschaft. Hier wurde 1983 die mysteriöse Biotonne erfunden. Zwar ist der Nebenstandort der Uni Kassel erst 1981 gegründet worden, doch die landwirtschaftliche Ausbildung begann hier schon 1898 mit der Deutschen Kolonialschule Wilhelmshof, in der Übersiedler in die deutschen Kolonien landwirtschaftlich und in Sprachen (sogar Suaheli ) ausgebildet wurden. Die Wahl fiel auf Witzenhausen wegen der  äusserst differenzierten Natur und Landwirtschaft, seiner zahlreichen Handwerksbetriebe und kleinen Fabriken (z.B. Tabak und Konserven). Von hier siedelte man direkt nach Neu Guinea, Indonesien, Ost- oder Südwestafrika um.

Heute bildet die Uni Witzenhausen Facharbeiter für Endwicklungshilfeprojekte aus.  
Neben Witzenhausen liegt Kleinamerode, der Startort des 57 km Ultras. Das große Nudelbuffet wird von der Tochter von Anneliese kredenzt. Über Anneliese, die nette Dorf-Omi berichte ich jedes Jahr. Sie ist eine klasse Frau. Ihre aufgeweckte, ausgesprochen lebensbejahende, liberale, herzliche und manchmal raue Art erinnert mich an meine eigene Großmutter. „Lockenköpfchen, was hast du mit deinen Haaren gemacht?“ So begrüßt sie mich.

 
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Klaus Neumann hält einen Vortrag über den Comrades, dem größten Ultramarathon der Welt, ausgetragen in Südafrika. Das Rennen wurde von Vic Clapham 1921 ins Leben gerufen. Er wollte damit an die Qualen seiner Kamerden in 4 Kriegsjahren erinnern, während der sie 2700 km durch Ost-Afrika gelaufen sind.

Und nun exclusiv von mir, der wahre Hintergrund:

Vic Clapham war in Deutsch-Ost-Afrika stationiert, Teil der 300.000 Mann starken alliierten Truppe, die nur eine Aufgabe hatte: Den einzigen deutschen General der Kolonie zu stellen.

General Lettow-Vorbeck hatte 300 deutsche Soldaten und  2700 Massaikrieger. Abgeschnitten von jeglicher Nachschubversorgung narrte er 4 Jahre lang eine 100fache Übermacht. Er eroberte Militärdepots des Gegeners, Zuckerfabriken und Bananenplantagen.

Für den Überlebenskampf ohne Nachschubversorgung waren die Soldaten bestens ausgebildet worden, und zwar in Witzenhausen, in der Kolonialschule Wilhelmshof. So fertigte man aus Elefantenleder Stiefel und aus Baumrinde ein Medikament gegen Malaria. Die improvisierten Uniformen wurden mit Pflanzen gefärbt und aus Kokosnüssen wurde ein benzolähnliches Treibmittel für Kfz-Motoren hergestellt.

Wenn der diesjährige Südafrika-Comrades am 31. Mai ausgetragen wird, dann sollten sich die deutschen Läufer daran erinnern, warum Vic Clapham soviel laufen musste. Ich mache jetzt Heia, „Heia Safari“, das Lied der schwarzen deutsch-ostafrikanischen Soldaten und Kameraden.

 

Guten Morgen Comrades!

 

Safar ist Suaheli, bedeutet „Reise“, Heia  bedeutet „Halali“, also „Auf zur Reise!“. 57 km und 1800 Hm liegen vor uns. Der Bilstein-Ultra wird von den Comrades, also den Kameraden Martin, Mathias, Hartmut, Gerno, Klaus und Kevin organisiert. Der Bilstein Ultra ist härter geworden, trailiger, länger. Er entwickelt sich zu einem der großen Ultras, die Startplätze sind schon im Februar ausgebucht.

 
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Kirschenkönigin Saskia I macht mir den Start schwer, die Bürgermeisterin weniger. Hier ist Kirschenland. Dieses Jahr ist keine Kirchblüte, denn der Termin des Bilstein Ultra richtet sich indirekt nach dem Ostertermin. An Ostern hat die örtliche Feuerwehr andere Dinge zu tun, als Läufer zu sichern.

Für nächstes Jahr setze ich auf Klimaerwärmung, damit die Weinberge bald die Kirschenplantagen ersetzen.. Ich mag nur die „Piemontkirsche“. Die stammt wirklich von hier, nur die Familie Ferrero stammt aus dem Piemont, dort wo allenfalls Barolobäume wachsen.

 
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Die kleine Runde durchs Dorf ist angenehm, der Aufstieg zum Rodeberg auch. Linker Hand die schlafenden Kirschbäume, rechter Hand die schlafenden Bienenstöcke, hinter mir die schlafenden Läufer. Dazu optimales kühles, sonniges Laufwetter.

Steil hinab, so geht es nun weiter um den Rodeberg. Grenzsteine Königreich Hannover (KH), Kurfürstentum Hessen (KFH) von 1838. Die Leute hier mussten an beide Landsherren Steuern zahlen, je 10 %. Aber dafür waren sie vom Kriegsdienst befreit.

Der Frau Holle Weg führt nicht nur deshalb hier entlang, weil die Gebrüder Grimm hier recherchierten. Das liegt daran, dass Bonifatius die Donar-Eiche oben am Hohen Meisner fällen und die Kultstätte der Freya zerstören liess. Wie zur Wiedergutmachung gibt es in Witzhausen nun ein Konsulat, welches die Interessen der Frau Holle, ehemals Freya vertritt. Das Zeichen der Freya ist die sternförmige Hagal-Rune, sieht aus wie eine Schneeflocke.

Die Öffnungszeiten des Konsulates im Burghotel Witzhausen lassen jedenfalls auf reichlich Interesse an einem Visum für die Unterwelt schliessen. Für uns geht es auch ohne Visum abwärts, schnell und reichlich zur Hasenmühle, die mich Jahr für Jahr reizt. Es ist ein mittelalterlicher Hof, nun Hotel.

 
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Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Täler wurden von Karst-Einbrüchen gebildet. Die Wiesen darüber sind feucht, aber ausreichend trocken.

Zurück in Kleinalmerode. Der Hühnergarten pennt noch, dann links und hinauf, Richtung Sportplatz. Hier parken, packen, und wurschteln die Halbmarathonläufer und Marathonläufer, die nach uns starten werden.

Hinter dem Sportlerheim ( km 15), wo ein großes Schild darauf hinweist, dass wir hier später duschen können, dort beginnt der Aufstieg zum Mühlstein. Es geht stetig, je nach Gangart 45 Minten an den dicken Schichten des Buntsandstein vorbei.  Fast oben überholen mich die ersten Halbmarathonläufer. Beneidenswert, wie die den Berg hinauslaufen können.

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Informationen: Bilstein-Marathon
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