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Laufberichte

Da ist der Wurm drin

16.06.12

Nein, die Veranstalter hatten keinen Fehler begangen, ganz im Gegenteil. Sie erweiterten im vergangenen Jahr erfolgreich den Laufkalender um einen weiteren schönen, aber durchaus anspruchsvollen Landschaftslauf, der den Vergleich mit vielen anderen etablierten Veranstaltungen dieser Gattung nicht zu scheuen braucht.

Der Fehler lag vielmehr beim Verfasser, der meinte, mit krankheitsbedingt erheblichem Trainingsrückstand gleich wieder Bäume ausreißen zu müssen. Folgerichtig war bei km 28 die Kraft zu Ende und das erste und bisher einzige DNF zu verzeichnen. Ganz abgesehen davon, daß die Strecke zur Wiederkehr reizvoll genug ist, mußte diese Schmach unbedingt durch ein Erfolgserlebnis getilgt werden.

Die beiden Protagonisten des Laufs, die Ultraläufer Andy Ufer und Rolf Kaufmann, haben die Erfahrungen aus der Erstveranstaltung ausgewertet und einige Straßenkilometer durch schöne(re) Waldwege und Trails ersetzt. Dabei sind auch rund 40 zusätzliche Höhenmeter herausgekommen. Marathon und Halbmarathon sind bis km 20 absolut identisch, auch der Viertelmarathon (10,5 km) verläuft bis km 4,5 auf der gleichen Strecke.

Nicht verändert wurden die örtlichen Gegebenheiten: Der 9 km² große Biggesee im südlichen Sauerland (Kreis Olpe) ist landschaftlich herrlich zwischen den Städten Olpe am Süd- und Attendorn am Nordende gelegen. Von 1956 bis 1965 gebaut, dient er der Regulierung mehrerer Flüsse und der Wasserversorgung u. a. des Ruhrgebiets. Daß sich Marathonlaufen lohnt, konnte wieder einmal schnell bewiesen werden: Nach unserem gemeinsamen Einsatz beim Röntgenlauf vor zweieinhalb Jahren treffe ich auf der Strecke des Mittelrheinmarathons Peter, erzähle ihm von meinem Vorhaben und schon habe ich für heute nicht nur einen netten Begleiter, sondern auch einen Chauffeur gewonnen. Josef ist wieder mal dabei, er wird den Halbmarathon unter die Füße nehmen.

 
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Verändert hat man noch die Startzeit: Die Vorverlegung von 16 auf 14 Uhr ist für mich bei anderthalb Stunden Anreise quer durch die Wallachei optimal, so kann ich zu einer noch christlichen Zeit wieder zuhause sein. Die Sollzeit ist zwar mit sechs Stunden um eine halbe Stunde gekürzt worden, aber immer noch großzügig bemessen. Grob gesagt liegt der Einrundenkurs jeweils zur Hälfte zunächst nordostwärts und dann nordwestlich des Biggesees, mit viel Phantasie hat er die Form einer liegenden Acht. Halb- und Viertelmarathon werden 30 bzw. 45 min. später hintereinander gestartet.

Der Hauptsponsor, Northland Store Peter Schneider aus Lennestadt, organisiert im Start-/Zielbereich eine kleine, attraktive Sportwarenmesse direkt am Strandbad in der Waldenburger Bucht, wo die Strandpiraten für Speisen und Getränke sowie entsprechende Stimmung sorgen. An warmen Sommertagen herrscht hier reger Publikumsverkehr. A propos warme Sommertage: Es soll ja Kollegen geben, die nicht übers Wetter reden - ich als bekennender Schönwetterläufer schon. War das eine Sch… im letzten Jahr! Da kommst Du mitten im Juni in eine wunderbare Fremdenverkehrsgegend, bist auf Sommerurlaub eingestellt und hast Aprilwetter vom Feinsten bei rund 10°! Andy und Rolf haben auch daraus gelernt und wenigstens ein paar Grade draufgepackt. Na also, geht doch! Gar nicht dagegen geht, daß es noch mehr schifft, als im vergangenen Jahr. Aber es muß für 2013 ja noch Potential bleiben…

Eine gesperrte Straße entlang des Sees bringt uns zunächst bis zur Waldenburger Kapelle, eine im Zuge der Errichtung der Talsperre an ihren heutigen Standort umgezogene Marienwallfahrtsstätte. Die ersten gut hundert auf 458 Höhenmeter können wir schon nach zwei km abhaken, das geht ja wieder gut los.  „Steil ist geil!“ verkündet uns das Motivationsschild und oben dann „Steiler ist geiler!“. Ein wichtiger Hinweis, aber die meisten dürften es auch so bemerkt haben! Bald ist auch die Ruine der ehemaligen, um das Jahr 1000 errichteten, Waldenburg erreicht. Für kurze Zeit gab es in ihr wie in meinem Heimatort Waldbreitbach auch mal eine Kommende (Niederlassung/Verwaltung) des Deutschen Ordens.

Nach Überquerung der Straße nach Helden werden wir bei km 7 an der ersten von acht Verpflegungsstationen mit Wasser gestärkt, später werden noch Iso, Cola, Kuchen, Riegel und Obst dazukommen. Ein richtig starker Trailabschnitt fordert uns auf den nächsten ca. zwei km. Eng, naß, matschig, alles ist dabei, was zu diesem Sauwetter dazugehört. Hoffentlich gibt es davon im weiteren Verlauf noch mehr, das macht echt Spaß und wir sauen uns direkt ordentlich ein. Weit über das Land ins Tal der Bigge können wir nach dem Waldaustritt sehen und ich muß schauen, wie ich die Kamera vor dem steten Regen gerettet bekomme. Raus aus dem Tütchen, rein ins Tütchen, ein ständiger Wechsel, der sich aber lohnt.

 
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Die anfangs gewonnenen Höhenmeter hatten wir nach rund 10 km schon wieder vollständig eingebüßt, etliche davon müssen bis zur zweiten  Versorgungsstation bei etwa km 12 wieder genommen werden. Hier stehen die Reservistenkameraden, schön, daß die sich auch hier einbringen. Nach rund einem Viertel der Strecke biegen wieder nach Westen in Richtung Start und Ziel ein. Nach der Ortschaft Dünschede müssen auf asphaltiertem Weg wieder etliche Höhenmeter genommen werden. Die Schlange auf der Straße kurz vor VP 3 hat leider ihr Leben ausgehaucht; an einem Baum, entdecke ich das Wegzeichen des Jakobswegs. Gibt es eigentlich Wanderwege, die nicht damit in Verbindung stehen? Man meint fast, nein, so häufig sieht man sie. Nach gut eineinviertel Stunden überholt mich der führende Halbmarathoner, der eine halbe Stunde nach uns gestartet war, geflogen muß er sein. Ich knipse auch den Führradfahrer und der revanchiert sich direkt.

Ein schönes Romantikhotel erfreut nur kurz das Auge, bevor es auf etlichen  Auf- und Ab-km über Stock und Stein gegenüber der 4. Versorgung ein weiteres historisch bedeutendes Bauwerk zu bewundern gilt: Die Burg Schnellenberg. Anfang des 13. Jahrhunderts als Schutzburg des Kölner Erzbischofs für Attendorn errichtet, war sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom Verfall bedroht, wurde glücklicherweise gerettet und wird seitdem als Hotel und Restaurant genutzt. In der Oberburg ist eine kleine Kapelle im Originalzustand von 1600 komplett erhalten. Schade, da hätte ich gerne mal hineingeschaut. Unmittelbar an der Burgmauer entlang führt ein schmaler Pfad bald steil nach links bergab, in der ersten engen Kurve ist es tierisch matschig und meine beiden Begleiter rudern wie wild mit den Armen, um nicht abzuschmieren.

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Informationen: Biggesee Marathon
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