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Laufberichte

Höhepunkt an Höhepunkt

01.05.10

Er stand in der Schlafzimmertüre, sah sie mit schmachtendem Blick an und stöhnte: „Ich könnte schon wieder!“ Nach so manchem Ehejahr wusste sie, wie diese Aussage und der Ausdruck in seinen Augen zu deuten waren und wie sie Abhilfe schaffen konnte. Sie stand vom Bett auf, von wo aus sie eben noch im elektronischen Kontakt zu ihrer Freundin gestanden hatte, zog ihn zu sich auf die Matratze und ließ ihre flinken Finger spielen. Die Kenntnis  seiner Vorlieben machten es ihr leicht und bald schon landete sie dort, wo sie fündig wurde. Mit einem sanften Grunzen quittierte er ihr Versprechen, dass sie ihn auf eine Reise mit multiplem Höhepunkt schicken würde und mit einem wohligen Kribbeln in allen Gliedern schlief er ein.

Fündig wurde sie in der Terminliste auf der bevorzugten Website der Marathonläufer, in welcher akribisch alle erdenklichen Marathons und Ultras gelistet sind.

Auch ich darf dorthin fahren, wohin sie ihn schickt und wo nicht nur für einen Höhepunkt gesorgt wird. Um wohligen Schlaf ist es jedoch bei mir nicht so gut bestellt, denn ich muss früh aus den Federn. Die Fahrt in Richtung Naturpark Saar-Hunsrück dauert auf fast leeren Autobahnen annähernd vier Stunden. Nicht ganz so leer wie die Straßen sind aber dem Anschein nach einige der wenigen Lenker. Zwei Geisterfahrer werden im Verkehrsfunk gemeldet, dazu fahre ich an einem mit Salto frisch ins Spargelfeld versenkten Auto vorbei. Hilfe ist glücklicherweise schon vor Ort und das Blaulicht auf der Gegenseite schon im Anzug. Dieser automotive Tiefpunkt in der Karriere eines Mitmenschen bremst mich auf dem Weg zu meinen Höhepunkten wenigstens nicht aus.

Mein Abflug von der Autobahn verläuft geordnet und führt mich direkt zum Kreisverkehr bei Neubrücke, einem Ortsteil der Gemeinde Hoppstädten-Weiersbach in der Verbandsgemeinde Birkenfeld. Hier hängt ein Wegweiser für alle, die heute zum 3. Bärenfels 50kmTrail wollen, dem der Zählung nach jüngsten Kind der Bärenfelsläufe, der zusammen mit dem Heiligabend-Marathon 2009  und dem Ultra Trail Mitte Juli Wertungslauf für den Bärenfels-Cup ist.

Es dauert nicht lange, bis mir andere Autos meinem auf dem Parkplatz beim Heizkraftwerk Gesellschaft leisten und sportlich Gekleidete sich daraus hinausschälen. Wie wenn sie etwas zu verstecken hätten und es ihnen peinlich wäre, hier gesehen zu werden, verhüllen sich alle sogleich. Die Erklärung dafür ist einfach, denn zeitgleich mit unserer Ankunft öffnen sich die Schleusen des Himmels.

 
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Ein kurzer Fußmarsch und es wird ein Platz im Trockenen geboten. Ein kleines Festzelt dient als Wettkampfzentrum, Startnummernausgabe, Zeitnahmeschleuse, Zieleinlauf und eben als Unterstand.  So, wie sich alle zieren, draußen im Regen zu stehen, könnte man nicht meinen, dass es sich bei dieser Horde um Läuferinnen und Läufer handelt, die sich angeblich auf schlammigen, matschigen Trails erst so richtig wohl fühlen.

Von den 62 Teilnehmern (Husky Basic mitgerechnet) haben sich 39 die lange Strecke vorgenommen, 3 machen den Schülerlauf unter sich aus, der Rest geht einmal auf die 10,5km lange Runde. Richtig, im Vergleich zum Vorjahr ist eine Runde 900 Meter länger, womit der 50km Trail nicht mehr zwei Kilometer zu kurz, sondern zweieinhalb zu lang ist. Weil die Strecke um den Bärenfels führt und die Gegend dort ziemlich hügelig ist, kommen noch fünf mal 340 Höhenmeter dazu.

Wer den Ausführungen von Robert Feller zuhört, kann nachher nicht vom rechten Pfad abkommen. Die Hinweise auf die Streckenmarkierung und diese selbst lassen keinen Zweifel, wo es langgeht.

 
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Nach dem Start und hundert Metern Forststraße geht es dann gleich links ab auf einen Bilderbuchtrail. Für Neulinge auf dieser Art Laufuntergrund ist ein Schild angebracht, das vor den typischen Stolperfallen warnt:  Wurzeln, Treppen, Felsen und Steine. Schmierseife müsste man vielleicht noch beifügen. Nicht weil irgendein Dödel die dort hingekippt hätte. Erfahrene Trailläufer wissen, dass die Synthese von Waldboden und Regenwetter rutschiges Terrain ist. Wer Trailschuhe im Sortiment und an den Füßen hat, darf einen leichten Vorteil für sich in Anspruch nehmen. Die paar Sekunden, die man mit Straßenlaufschuhen einbüßt, sind in Anbetracht der Streckenlänge trotzdem vernachlässigbar. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung des Schuhwerks dürfte bei diesen vorwiegend in leuchtendem Weiß gehalten Tretern dann eher ein Problem darstellen.

Nach zwei Kilometern ist diese Demonstration von Traillauf pur vorübergehend fertig und geht fließend in einen Waldweg über.  Das erste Auf und Ab ist geschafft – mit einem deutlichen Mehranteil des Erstgenannten – und ein erster Höhepunkt erreicht.

Auf einem Stück Schotterweg kann ich mich rollend auf das nächste Hindernis hinbewegen, von welchem ich noch nichts weiß. An einer Weggabelung geht es über einen kurzen Graspfad hinein in die nächste Steigung. Sie beginnt fast unmerklich, aber entwickelt sich exponentiell. Der Böschungswinkel ist also anfänglich kein Thema, auch Läufer mit größeren Karosserieüberhängen können den Übergang nach ohne hängen zu bleiben bewältigen. Die Schwerkraft gibt dann aber unweigerlich Auskunft über den Neigungswinkel.

Der Anstieg scheint gerade wieder abzuflachen, da zeigt eine weitere blaue Farbmarkierung am Boden an, dass es rechts zwischen irgendwelchem Grünzeug hindurch steil ein Bord hochgeht. Dieser Fingerzeig am Boden ist deutlich genug, wer aber immer noch nicht glaubt, dass es so ist, der wird von den Flatterbändern eines Besseren belehrt. Dort, wo die hängen, geht es durch. Wie wenn dieser kurze - gefühlt senkrechte – Anstieg für sich alleine nicht schon Höhepunkt genug wäre, ist er noch mit einer Baumleiche gespickt, über welche das Bein noch höher gehoben werden muss.

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Informationen: Bärenfels Mai-Trail
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