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Laufberichte

Das 24 Stunden-Experiment

 

Bin ich blöd? Es ist halb zwei, stockfinstere Nacht und ich renne schon seit Stunden wie ein neurotischer Hamster im Laufrad dieselbe Runde. Immer die gleichen zweieinhalb Kilometer. Wie viele mögen es bislang gewesen sein? Genau weiß ich es nicht mehr. Mein Kopf ist leer, ich bin einfach nur hundemüde. Warum tue ich mir das an? Ich will nur noch eins: In mein Zelt, rein in den kuscheligen Schlafsack …

 

24 Stunden laufen – ein Selbstversuch


Curro, ergo sum - ich laufe, also bin ich. Als Läufer kommt man bisweilen ins Philosophieren. Zugegebenermaßen: Ein wenig geklaut habe ich bei diesem Spruch. Rene Descartes wird es mir nachsehen. Und das Denken („cogito“) einfach durch das Laufen (curro“) ersetzt. Wobei es bei dem, was ich da gerade treibe, durchaus Sinn macht, das Denken auszuschalten. Denn ein vernünftig Denkender käme wohl nicht auf die aberwitzige Idee, einfach mal so 24 Stunden zu laufen. Am Stück, von 20 Uhr bis 20 Uhr. Freiwillig.

 
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Verwirklichen kann man solch ein Unterfangen in München, konkreter im Olympiapark, auf einem amtlich vermessenen Rundkurs von 2,538 km, der einen die architektonischen Highlights der olympischen Spiele von 1972 ebenso erleben lässt wie die extravaganten Baumonumente des Autoschraubers BMW.

Zum vierten Mal ruft das Team von SOG Events am 28.05.2013 zum 24 Stunden-Lauf nach  München. Laufkalendarisch ungewohnt startet dieser an einem Mittwoch, was einem aber dennoch keinen Urlaubstag abnötigt, ist doch der Start erst am Abend und der Folge- ein Feiertag: Christi Himmelfahrt, vielen eher als Vatertag geläufig. Um teilzunehmen muss man auch keineswegs 24 Stunden auf die Piste. Alternativ kann man sich auf 6 oder 12 Stunden beschränken und sich die Strecke als 4er-, 8er oder beim 24 Stundenlauf auch als Team mit 12 bis 24 Teilnehmern teilen. Die wahren Pistenwölfe laufen jedoch die 24 Stunden und das solo, immerhin 54 in diesem Jahr. Und - wenn schon denn schon - bin ich bei denen dabei, einfach um mal zu sehen: Wie weit schaffst du es, in 24 Stunden zu laufen bzw. zu gehen bzw. zu schleichen bzw. zu krabbeln bzw. ….. ?

 

Start im Herzen von Olympia


Das Herz des Spektakels schlägt auf dem Coubertinplatz, der großen Freifläche zwischen Olympiastadion, Olympiahalle und Schwimmstadion, inmitten jener einzigartigen Kulisse, die zum Pflichtprogramm jedes München-Touristen gehört. Umgeben sind wir hier von den sich wie Monsterwellen durch die Lüfte schwingenden transparenten Stadiondächern, die von gewaltigen Stahltrossen gebändigt werden. Über 40 Jahre sind diese Dächer nun schon alt, aber von ihrer Faszination haben sie nichts verloren. 300 Meter hoch ragt der Olympiaturm aus dem Dächermeer empor. Gen Süden dümpeln tief unter uns die stillen Gestade des Olympiasees vor der üppig grünen Kulisse des sich bis 564 m üNN auftürmenden, sanft gerundeten Olympiabergs.

 

 
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Im Eventcenter auf dem Coubertinplatz bekomme ich auf einer Bühne die Startunterlagen. Start, Ziel und Staffelwechselstelle finde ich davor, den zentralen Verpflegungsstand für die Läufer gleich daneben. Noch wird eifrig gewerkelt. Doch schon bald liegt Musik in der Luft und Moderator Peter Maisenbacher redet sich warm.

Die Laufteams richten rund um das Eventcenter und entlang der Laufstrecke häuslich ein. Ein richtiges Zelt- und Pavillondorf entsteht auf diese Weise. So mancher hat auch sein Wohnmobil dabei. Eine Sondereinfahrtgenehmigung macht's möglich. Am schönsten residieren aber die, die mit kleinem Zelt anreisen. Denn die dürfen ihr Standquartier auf den sich vom Platz in terrassierten Stufen gen See absenkenden Wiesen einrichten.

Man merkt auch daran: Das ist keine so ganz normale Laufveranstaltung. Auch ich habe ein Wurfzelt dabei und platziere es für eine potenzielle Auszeit auf einer der Wiesenstufen. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, vor dem Lauf relaxt vor meiner „Hütte“ liegend die Ruhe vor dem Sturm und den Panoramablick auf Olympiasee und -berg zu genießen. Doch leider meint es Petrus nicht so gut mit uns. Bei düsteren Wolken und Regen kann ich nur die Gemütlichkeit eines Zelts von innen testen.  

Wohl auch wegen der äußeren Umstände hält sich der Andrang beim Briefing, zu dem Peter Maisenbacher eine halbe Stunde vor dem Start zur Bühne ruft, in Grenzen. So richtig betriebsam wird es vor der Bühne erst, als es schon fast 20 Uhr ist. Die Läufer sammeln sich im Startkorridor. Etwa 325 Teilnehmer sind heuer insgesamt gemeldet, wovon allerdings erst einmal nur die 24 Stunden-Einzelläufer und die Startläufer der 24 Stunden-Staffeln auf die Piste geschickt werden. Der Rest ist zum Anfeuern angetreten.  

 

Auf zum Rundlauf


Drei, zwei, eins …. und los geht es. Gen Westen verlassen wir den Coubertinplatz. Oberhalb des Olympiasees geht es dahin. Zu unserer Rechten spitzt zwischen den Bäumen das Olympiastadion hervor. Auf der anderen Seite fällt der Blick auf das Theatron, das sich vor dem über dem See thronenden Schwimmstadion in den Uferhang schmiegt. Wie oft bin ich da schon bei einem der sommerlichen Konzertevents gesessen ....

 

 
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Eine weit gespannte Brücke bringt uns direkt vor dem Südzugang des Stadions an einer Schmalstelle auf die andere Seite des Olympiasees. Hier senkt sich unser Laufkurs in einer kurzen Steilkurve direkt hinab an dessen Südufer und schlängelt sich im Folgenden an diesem entlang. Grandios ist von hier der Blick auf das Wellengebirge der Stadiondächer hoch über dem jenseitigen Ufer.

Um das östliche Seeende herum geht es direkt am Sealife vorbei. So wie das Erlebnisaquarium mit Acryltunnel im Inneren in das Gelände eingebuddelt ist, könnte man meinen, es sei direkt Tolkiens „Herr der Ringe“-Dorf Hobbingen entsprungen. Vergleichsweise profan wirken die „Socca Arena“ und das Eislaufstadion nebenan. Wie ein gewaltiger Riesenzahnstocher ragt direkt vor uns der Olympiaturm in den Himmel. Erste Höhenmeter sammeln wir beim folgenden langsamen Anstieg auf einer über den Mittleren Ring führenden Fußgängerbrücke.

Der Mittlere Ring trennt vielspurig die Sportstätten vom Olympischen Dorf. Und vom Werksgelände von BMW. Vor mir thront der berühmte silbrige Vierzylinder-Turm, seit 1973 Sitz der BMW-Hauptverwaltung. Auffälligstes Stück im BMW Ensemble ist mittlerweile allerdings die „BMW“-Welt, die erst 2007 fertig gestellte Ausstellungs-, Auslieferungs-, Erlebnis-, Museums- und Eventstätte am Rande des Werksgeländes. Einst führte der Kurs mitten durch die Hallen des Showrooms hindurch. Schade, dass BMW sich da ausgeklinkt hat. So dürfen wir nur noch staunend an diesem unbeschreiblichen Konstrukt aus Beton, Stahl und Glas vorbei laufen.   

Neuerlich Höhenmeter gewinnen wir auf dem folgenden Wegstück. Zur Rechten ziehen die Hochhäuser des Olympischen Dorfs, davor die langen Reihen bunt bemalter Studentenbungalows an uns vorbei. Die breite Hanns Braun-Brücke lässt uns erneut den Mittleren Ring queren und führt uns zurück zu den Sportstätten. Direkt unter den weit gespannten Zeltdächern zwischen Olympiahalle und -stadion laufen wir hindurch und schon kurz darauf schließt sich der Kreis unserer Laufrunde auf dem Coubertinplatz.   

13 Minuten dauert es bei mir, dann ist die erste Runde bewältigt. Hochgerechnet auf 24 Stunden wären das 110 Runden bzw. 281 km. Eine nette Milchmädchenrechnung, ist mir schon klar. Aber eine durchaus beeindruckende. 202 km hat der beste Sololäufer im letzten Jahr geschafft, 345 km die laufstärkste Staffel.

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Informationen: 24 Stundenlauf München
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