Wer bei einem großen Stadtmarathon an der Strecke steht, tippt fast automatisch mit. Fällt heute der Streckenrekord? Bleibt die Spitze unter 2:05 Stunden? Holt die Favoritin den Sieg, oder kommt eine Überraschung aus der zweiten Reihe? Unter Lauffreunden wird um solche Fragen gern ein Kaffee oder ein Bier gewettet. Weniger bekannt ist, dass es solche Tipps auch bei Buchmachern gibt. Allerdings in einem viel kleineren Rahmen als bei Fußball oder Tennis und mit ein paar Besonderheiten, die man als Läuferin oder Läufer kennen sollte.
Im Wettprogramm der großen Anbieter steht der Laufsport ganz hinten, meist unter „Leichtathletik“ oder bei den Specials. Angeboten wird vor allem dann etwas, wenn die Aufmerksamkeit groß ist: bei Olympischen Spielen, bei Weltmeisterschaften und bei den bekannten Stadtmarathons mit Weltklassefeld. An einem gewöhnlichen Laufwochenende findet man dagegen oft gar nichts.
Wer sich das Angebot anschauen will, sollte ausschließlich Anbieter mit deutscher Erlaubnis nutzen. Sie prüfen Alter und Identität, müssen Einzahlungslimits anbieten und sind an das bundesweite Sperrsystem angeschlossen. Einen Überblick über seriöse Wettanbieter in Deutschland und darüber, wer überhaupt Randsportarten im Programm hat, liefern Vergleichsportale. Gerade bei der Leichtathletik lohnt der Blick vorab, denn das Angebot unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter stark.
Wenn es Marathon-Quoten gibt, dann meist für die Rennen der World Marathon Majors. Zu dieser Serie gehören Boston, London, Berlin, Chicago, New York, Tokio und seit Kurzem auch Sydney. Dort laufen die schnellsten Athletinnen und Athleten der Welt, die Starterfelder stehen früh fest, und aus den Vorjahren gibt es genug Ergebnisse, um Formkurven zu vergleichen.
Für Fans aus Deutschland ist vor allem der Berlin-Marathon interessant. Die flache Strecke gilt als eine der schnellsten der Welt, viele Weltrekorde der vergangenen Jahrzehnte wurden hier gelaufen. Genau das macht das Rennen auch für Wetten spannend. Neben dem Sieg geht es häufig um die Siegerzeit oder um die Frage, ob eine Bestmarke fällt.
• Siegwette: Wer gewinnt bei den Männern, wer bei den Frauen?
• Duell: Welcher von zwei ausgewählten Läufern kommt zuerst ins Ziel?
• Siegerzeit über/unter: Bleibt die schnellste Zeit unter einer festgelegten Marke?
• Podium: Landet ein bestimmter Athlet unter den ersten drei?
• Nation des Siegers: Kommt der Gewinner aus Kenia, Äthiopien oder einem anderen Land?
Nicht jede dieser Wetten gibt es bei jedem Anbieter, oft steht nur die Siegwette zur Auswahl. Aus Läufersicht ist die Wette auf die Siegerzeit am interessantesten. Hier zählt nicht nur die Form der Favoriten, sondern auch das Wetter. Ein paar Grad mehr, Gegenwind auf der zweiten Hälfte oder ein zu forsches Anfangstempo der Tempomacher kosten schnell eine Minute. Wer selbst Marathon läuft, kennt diese Faktoren aus eigener Erfahrung und kann sie oft besser einschätzen als jede Statistik.
Ganz anders sieht es im Trailrunning aus. Der Ultra-Trail du Mont-Blanc rund um Chamonix ist mit etwa 170 Kilometern und rund 10.000 Höhenmetern das bekannteste Ultrarennen der Welt. Trotzdem findet man dafür bei den meisten Buchmachern keine Quoten. Wenn überhaupt, taucht vereinzelt eine Siegwette als Special auf.
Die Gründe kennt jeder, der schon einmal einen Ultra gelaufen ist. Bei einem Rennen über 20 Stunden und mehr passiert zu viel, was sich nicht vorhersagen lässt: Magenprobleme, Stürze, ein Wetterumschwung in der Nacht oder die Aufgabe an einer Verpflegungsstelle. Selbst klare Favoriten steigen regelmäßig aus. Hinzu kommt, dass es zwischen den Spitzenleuten nur wenige direkte Vergleiche gibt, weil die Saison aus vielen Rennen auf ganz unterschiedlichen Strecken besteht. Für Buchmacher ist das Risiko kaum zu kalkulieren, für Tipper genauso wenig.
Für kleinere Trailrennen, Bergläufe oder Volksläufe gibt es überhaupt keine Wetten. Hobby- und Amateurrennen gehören bei legalen Anbietern nicht zum Wettprogramm. Und das ist auch gut so, denn dort geht es um das gemeinsame Erlebnis und die eigene Zeit, nicht um Quoten.
Wer auf einen Marathon tippt, sollte das als Unterhaltung sehen und bei kleinen Beträgen bleiben. Die Märkte sind klein, die Quoten auf Außenseiter oft knapp bemessen, und über den aktuellen Trainingsstand der Eliteläufer wissen andere mehr als der Zuschauer an der Strecke. Sinnvoll sind ein festes Monatsbudget und die Limits, die jeder legale Anbieter einrichten muss. Wetten ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Wer merkt, dass aus Spaß Druck wird, bekommt beim kostenlosen und anonymen Beratungstelefon zur Glücksspielsucht unter 0800 1 37 27 00 Hilfe.
Am Ende bleibt Laufen ein Sport, den man am besten am Streckenrand oder auf der eigenen Runde erlebt. Eine kleine Wette auf die Siegerzeit in Berlin kann das Zuschauen spannender machen. Den eigenen Lauf ersetzt sie nicht.