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Laufberichte

20. Runde und kein Ende in Sicht

 

Der WACHAUmarathon ist seit nunmehr 20 Jahren ein fester Bestandteil des österreichischen Laufkalenders. Die Wachau, auch ein bekanntes Weinanbaugebiet, ist als UNESCO-Kulturerbe natürlich immer einen Besuch wert. Beliebt bei Urlaubern sind mehrtägige Radtouren meist von Passau bis Wien oder Flusskreuzfahrten. Wir wollen heute zumindest eine Teilstrecke per pedes erledigen.

Die Anfahrt aus Deutschland ist über die Passauer Autobahn relativ einfach. Wir fahren bis Melk und dann weiter auf der Marathonstrecke nach Krems an der Donau. Von dort sind es nur noch 75 Kilometer bis Wien. Auch in Wien besteht die Möglichkeit zur Startnummernabholung und am Sonntag fahren von der Hauptstadt Sonderzüge nach Krems und weiter zum Start nach Emmersdorf. Für Judith und mich ist das der sechste Marathon an der Donau. In Tuttlingen, Ulm, Regensburg, Linz und Wien waren wir schon am Start. Ich denke, donauabwärts warten da noch einige weitere Läufe auf uns.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es noch viele. Lediglich die booking-Systeme im Internet fanden kurzfristig nichts mehr. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass viele kleine Gasthäuser sich die horrenden Vermittlungsgebühren von bis zu 20 Prozent des Zimmerpreises sparen wollen. Also lohnt es sich für Spätentschlossene, einfach mal beim Fremdenverkehrsamt anzurufen.

Wir verbringen den Nachmittag in der Altstadt von Krems. Die vielen Kneipen um den Dom sind noch geschlossen, zeugen aber vom studentischen Leben der Universitätsstadt. Für Marathonläufer besser geeignet ist der Besuch eines typischen Kaffeehauses. Dort kann man dann auch die Werbung für eine Weiterbildung zum Sportrechtsexperten an der Uni Krems näher begutachten, die sich neben vielerlei Produktproben im Starterbeutel fand.

 

 
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Marathontag

 

Am Bahnhof Krems ist die Hölle los. Unzählige Busse transportieren Halbmarathonis zu deren Start in Spitz. Sonderzüge gibt es auch, ebenso wäre eine Bootsfahrt möglich. Je nach Geschmack und je nachdem, wie eilig man es hat. Im Bus treffen wir M4Y-Autor Anton Reiter aus Wien und haben während der langen Fahrt viel Gesprächsstoff.  Wir fahren auf der rechten Donauseite durch viele nette Weindörfer, dann in Melk wieder zurück auf die linke Donauseite zum Start in Emmersdorf.

Es ist feuchtkalt. Noch 45 Minuten bis zum Start um 10:00 Uhr. Ein Steckerlfischgrill verströmt nicht genug Wärme. Der Moderator interviewt Nikolaus Schmid, der alle Wachau-Marathons mitgemacht hat und zum 20. Mal dabei ist, jedes Jahr auf den Tag fit. Judith und ich sind mit Vorhersagen eher vorsichtig: Der ebm-Papst-Marathon von letzter Woche steckt uns noch in den Knochen. Positiv ist das gute Laufwetter: 13 Grad und bedeckt. Die warme Kleidung wird erst kurz vor dem Start ausgezogen und in den Gepäckbussen abgelegt.

Pünktlich geht es los, parallel mit den Halbmarathonis 16 km weiter flussabwärts. Um die Distanz auszugleichen, laufen wir erst mal donauaufwärts in Richtung des heute ebenfalls stattfindenden Ulm-Marathons, wie ich meinem Nebenläufer scherzhaft erkläre. Der wünscht mir viel Glück, damit ich noch rechtzeitig hinkomme.

 

 
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Viele schöne Ausblicke bieten sich auf die Donau und das Stift Melk auf der anderen Flussseite. Nach 2,5 Kilometern kommen uns links auf dem Donauradweg die Führenden entgegen. Im kleinen Dörfchen Weitenegg am schönen ockergelben Gebäude der H.M. Habich AG bei km 3,8 Wende und nun 38 km donauabwärts. Lauftechnisch bringt das wenig. Geschätzte 15 Höhenmeter verliert der Fluss bis dorthin. Unsere Straße hat dabei noch einiges an minimalem Auf und Ab zu bieten. Die markantesten Anstiege sind 10 Höhenmeter auf einem Kilometer. Es handelt sich also um einen flachen und schnellen Kurs, da immer auf der gesperrten B3 gelegen. Spaßeshalber titulierte ich das heute mal als langen Trainingslauf und muss nach wenigen Kilometern feststellen, dass Judith und ich uns noch nicht so recht vom Vier-Stunden-Pacer überholen lassen wollen. Der macht seine Sache ganz gut und läuft konstant 5:30 min pro Kilometer, um sich und seiner Gefolgschaft einen kleinen Puffer herauszuarbeiten. Passt mir ins Konzept und so wusele ich, hin und wieder durch Fotostopps ausgebremst, immer um das Grüppchen herum.

Links am Jachthafen vorbei und kurz nach Kilometer sieben wieder unter dem Startbogen hindurch. Der Rauch des Steckerlfischs umfängt uns. Zeitnahme. Weil auch Läufe über kürzere Distanzen angeboten werden, gibt es heute sechs Zwischenzeiten. Der Zeitnehmer stellt entsprechend viele Möglichkeiten zur Verfügung, seine Position im Feld mit anderen Teilnehmern zu vergleichen. Wenn schon meine Zielzeit eher mittelmäßig ist, freue ich mich doch immer, wenn ich im Laufe eines Rennens einige Plätze gutmachen konnte.

 

 
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Es ist Wahlkampf in Österreich. Ein versonnen blickender junger Mann – es handelt sich um den 31-jährigen Außenminister Sebastian Kurz von der ÖVP - schaut uns von Plakaten zu und mahnt: „Es ist Zeit“. Also auf.

Schallemmersdorf. Auch hier wieder einige wetterresistente Zuschauer, die uns fleißig anfeuern, was bis zum Beginn des Dauerregens so bleiben wird. Links geht es zur Romantikstraße und zur Skiarena. Wir bleiben bis ins Ziel auf der B3. Das gibt Speed, aber dadurch sehen wir von den meisten Dörfern nur die Bundesstraßenseite. Die alten Ortsdurchfahren bleiben uns verborgen. Die Landschaft ist abwechslungsreich: Weinreben, meist abgeerntet. Obstbäume - ein Straßenschild weist auf 7 Kilometer Obstverkauf hin, soll das etwa eine Warnung sein? - und steile Felswände. Hier bei Kilometer 10 geht es an Wiesen und Feldern vorbei. Einige Sonnenblumen erinnern an den warmen Sommer, der sich nun leider verabschiedet hat. Der Kilometer zieht sich ein wenig und später werde ich feststellen, dass hier einer der leichten Anstiege eingebaut war. Links von uns nun die ersten steilen Donauhänge. Über 200 Meter geht es nach oben. Auf dem Fluss kommen uns viele Hotelschiffe entgegen.

Aggsbach Markt erwartet uns als „Gesunde Gemeinde“ samt Feuerwerksproduzent Pinto. Hier haben Judith und ich vor vielen Jahren mal ein Kaffeepäuschen auf der Rückfahrt von Wien eingelegt und ich bin das erste und einzige Mal in der Donau geschwommen. Die kann im Sommer weit über 20 Grad warm werden. Eine zünftige Blaskapelle macht Dampf, aber dann kommt schon wieder eine dieser fantastischen Verpflegungsstellen. Lang genug, um sicher auch ein Mehrfaches der Läufermenge abzufertigen, gut ausgestattet und mit perfekter Beschilderung. Zusätzlich zum Standard mit Riegel, Iso-Geltütchen und Red Bull. Allerdings keine warmen Getränke und – etwas  verwunderlich bei dem Namenszusatz „weinmalig“ für den Marathon - kein Wein. Aber wie erklärt mir ein Streckenposten: In Niederösterreich werden Sport und Vergnügen getrennt. Wobei mir der Lauf wirklich viel Vergnügen bereitet.

 

 
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Der Ortsteil auf der anderen Donauseite nennt sich Aggsbach Dorf. Danach folgt Aggstein mit der gleichnamigen, 300 Meter über der Donau gelegenen Burgruine, die sich mit allen Mitteln dagegen wehrt, von mir abgelichtet zu werden. Aber ich bin stur, versuche es auf den nächsten Kilometern immer wieder. Die Burg wurde vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet. Im 15. Jahrhundert bekam Jörg Scheck von Wald das Mautrecht für flussaufwärts fahrende Schiffe. Das reichte ihm als Einnahmequelle wohl nicht, sodass er auf Raubritter umsattelte und seitdem „Schreckenwald“ genannt wurde. 1529 wurde die Burg von den Osmanen niedergebrannt.

Links Steckerlfisch und „Rudi's Heuriger“. Warum da wohl ein Apostroph steht? Auch Mag. Katrin blickt da nachdenklich in meine Kamera und rast davon. In Willendorf ist Party am Haus der Freiwilligen Feuerwehr. Am 7.8.1908 fand man hier beim Bau der Donauuferbahn eine 29.500 Jahre alte 11 cm große Statuette, genannt „Venus von Willendorf“. Der fülligen Figur nach zu urteilen handelt es sich dabei um keine Läuferin. Das Original kann heute im Naturhistorischen Museum in Wien besichtigt werden.

Weit vor uns die Silhouette von Schwallenbach. St. Sigismund hat einen interessanten Kirchturm.  

13 Verpflegungsstationen liegen an der Strecke. Sicher sehr wichtig, wenn mal die Sonne herunterbrennt. Heute jedoch empfehle ich Judith und mir, nicht überall auf ein Schwätzchen zu halten, denn das kostet zu viel Zeit.

 

 
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Am Steinbruch Spitz vorbei, direkt davor der Halbmarathon-Bogen der „Wiener Städtischen Versicherung“, die auch die roten Regencapes gesponsert hat. Pacemaker Martin samt Truppe ist uns auf den Fersen. Hohe Felsen links von uns. Die Teufelsmauer von Spitz, ein markanter Felsvorsprung, entgeht mir leider. Der Sage nach gelang es dem Teufel nicht, an dieser Stelle eine Mauer zu errichten, um die obere Wachau zu überfluten. Staffelwechsel und Startbereich des HM hier bei km 23. Partystimmung unter Palmen, ja, die gibt es auch in Niederösterreich.

Viele rote Plastikcapes in nasser grüner Wiese am Straßenrand. Entlang den Gleisen der Wachaubahn wundere ich mich: Ich  laufe fast vier Stunden an dieser Strecke und sehe keinen einzigen Zug. Für einen Eisenbahnfan ziemlich enttäuschend. Einen Sonderfahrplan gibt es für Finisher, die nach dem Lauf zurück zu den Startpunkten müssen, weil sie dort ihr Auto geparkt haben. Im Moment geht es mal wieder ganz leicht bergauf, 15 hm auf 1,5 km. Teuflisch eng ist es zwischen Fluss und Berg. Dann Sankt Michael mit alter Stadtmauer und Wehrkirche aus der Zeit um 1500. Darüber auf einer Höhe von 738 Metern die Gruber-Warte mit schönem Ausblick.

Wösendorf, Immer wieder findet man Treppelwege, auch Leinpfade oder Treidelwege genannt. Diese wurden angelegt, um Menschen oder Zugtieren das Flussaufwärtsziehen von Lastkähnen zu ermöglichen. Zweimal sehe ich größere Rollfähren. Über dem Fluss ist ein Stahlseil gespannt, an dem ein Rollwägelchen läuft, welches ebenfalls per Seil mit einer Fähre verbunden ist. Durch das Querstellen der Fähre wird diese von der Strömung auf die andere Donauseite geschoben.

Weißenkirchen, Wehrkirche Mariae Himmelfahrt und Weinbaumuseum im historischen Teisenhoferhof. Immer wieder kann man neu errichtete Hochwasserschutzdämme sehen beziehungsweise niedrige Betonsockel. Bei Hochwassergefahr werden in den vorbereiteten Sockel Metallwände eingesetzt. Sieht beeindruckend aus.

 

 
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Kilometer 31, ein etwas eintöniger Streckenabschnitt ist zu Ende: Musik und - hier „Pipibox“ genannte - mobile Toiletten, soweit das Auge reicht. An dieser Stelle wurde um 9:30 Uhr der Viertelmarathon (11km) gestartet. Wir nähern uns in einer Donauschleife Dürnstein, idyllisch oberhalb des Flusses gelegen mit dem markanten weiß-blauen Kirchturm samt Burgruine, eines der bekanntesten touristischen Ziele in Österreich. In der heute nebelverhangenen Burgruine oder einer Nebenburg wurde auf der Rückkehr vom dritten Kreuzzug der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten und dann an den deutschen Kaiser Heinrich VI ausgeliefert.

Der Veranstalter macht es uns hier etwas leichter und lässt uns durch einen fast 500 Meter langen Tunnel laufen. Geht es im Tunnel bergauf oder bergab? Da unterscheiden sich die Meinungen meiner Begleiter. Aber zumindest ist es trocken. Draußen hingegen ist die anfängliche Feuchtigkeit einem beständigen Nieselregen gewichen. Eine 500 Meter lange Schleife über den Parkplatz an der Donau steht an. Der österreichische Viellauf-Champion Gerhard Wally kommt mir entgegen. Er wird heute in sehr guten 3:49 h finishen. Judith liegt ein paar hundert Meter hinter mir. Die Trommelgruppe steht strategisch an der Zufahrt zum Parkplatz, wirkt also doppelt.

Noch sechs Kilometer. Vierzig Minuten bleiben für eine Zeit unter vier Stunden. Jetzt bloß nicht einbrechen.

Unterloiben -  hier haben die Häuser an der B3 fast vier Meter hohe Betonmauern am Garten, samt Fenstern. Davor natürlich eine Verpflegungsstelle. Der Weiler Rothenhof sieht wirklich idyllisch aus. Kurz danach das Schild „Ende des Weinanbaugebiets Wachau“, gefolgt von: „Willkommen im Dauertiefstpreisgebiet“ eines Baumarkts. Das Ziel ist nicht mehr weit. Trotzdem will die Mauterner Stahlbrücke aus dem Jahre 1895 nicht so recht näher rücken. „Von den Nazi-Faschisten am 8.5.1945 zerstört und von den sowjetischen Pionieren bis 30.9.1945 wiedererrichtet“ kann man am Brückenbeginn lesen, wobei die eigentliche Arbeit wohl von deutschen Kriegsgefangenen geleistet wurde.

An Stein an der Donau vorbei. Auch diese Ortschaft macht von weitem einen sehr malerischen Eindruck.

Dann Krems:  Auf der Ringstraße laufen wir dem Zielbogen entgegen, dann noch eine kleine Schleife um den Stadtpark. Wenn ich Gas gebe, bleibe ich unter 3:55 h. Auf das Steiner Tor zu, das Wahrzeichen der Stadt. Dahinter liegt die Fußgängerzone. Dieses Jahr wurde auf Wunsch der Läufer die Kremser Innenstadtschleife gestrichen. Die Kilometer, die dadurch wegfallen, sind wir am Anfang gelaufen. Darüber bin ich im Moment wirklich froh. Nur noch dreihundert Meter leicht bergab. Wir werden vom Moderator namentlich begrüßt. 40 Sekunden trennen mich von einem Platz in der ersten Hälfte aller Teilnehmer. Das zeigt, wie schnell die Strecke ist. Judith kommt kurz nach mir ins Ziel.

 

 

Leider ist der Nieselregen einem Dauerregen gewichen. Gleich nebenan im Stadion gibt es die leckere Zielverpflegung. Als ich die dicke Kleidung der Helfer sehe, fange ich an zu frösteln. Kalt ist es geworden. Noch einen warmen Tee und einen köstlichen Käsekuchen, Tasche suchen im Bus und dann ab ins nahe Schwimmbad, hinein ins Heißwasserbecken. Als wir geschniegelt wieder zum Stadtpark kommen, sind die Abbauarbeiten in vollem Gange.

Judith kann sich als Zweite der Altersklasse über eine Flasche des guten Wachauer Weins freuen und dann geht es schon wieder nach Hause.

Mir hat der Lauf trotz nicht ganz optimalen Wetters sehr viel Spaß gemacht, da die Streckenführung nicht nur schöne Landschaftseindrücke bietet, sondern auch ein sehr gutes sportliches Ergebnis ermöglicht hat.

 

Fazit:

–    Sehr gut organisierter Punkt-zu-Punkt-Marathon
–    Große Verpflegungsstationen mit vielseitigem Angebot
–    Landschaftlich schöne Strecke entlang der Donau in der Wachau
–    Schnelle Strecke auf der B3, wenige Kurven, flach
–    Absolut auto- und radfahrerfrei (was auch am Wetter gelegen haben könnte)
–    Transfers im Startpreis inbegriffen.
–    Schwimmbadeintritt inkludiert, viele Werbegeschenke im Startersackerl
–    Infoheft und gute Informationen auf der Internetseite


Marathonsieger

1 Wallner Wolfgang     AUT 2:32:23 (fünfter Heimsieg, Jg. 64)
2 Sturmlechner Mario     AUT 2:41:01
3 Glaser Robert     AUT 2:43:03

Marathonsiegerinnen

1 Krapfenbauer Cornelia    AUT 3:01:18 (2. Sieg)
2 Leitner Verena        AUT 3:06:07
3 Limberger Veronika        AUT 3:06:39

Finisher
636     Marathon
3.997     Halbmarathon
1.347     Viertelmarathon
118     2/3/4 Staffeln

Samstags Kinder- und Jugendläufe

 

Informationen: WACHAUmarathon
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