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Laufberichte

Unique, spectacular, alpine

 

Nur wenige Berglaufveranstaltungen besitzen so ein großes Renommee wie die Swissalpine- Laufserie in Davos. Zu ihrer 33. Austragung wurden 12 unterschiedliche Wettbewerbe kreiert, um im internationalen Wettbewerb der Alpinrunning-Events weiter ganz vorne dabei zu sein.

Judith und ich haben uns für unsere erste Teilnahme gleich den T88 ausgesucht, Nachfolger des legendären K78. Lange Zeit hätte ich es nicht für realistisch gehalten, hier einmal zu starten, aber nach einigen Trailläufen in den letzten Jahren glauben wir den Anforderungen nun gewachsen zu sein. Darüber hinaus überzeugen uns das großzügige Zeitlimit von 25,5 Stunden und die Möglichkeit, nach 45 Kilometern mit einer Sonderwertung auszusteigen.  Auf der Sollseite stehen 85 Kilometer mit 3.641m hinauf und 3.933 m hinab.

Vom Prolog eine Woche vor dem Haupttermin hat Birgit bereits an dieser Stelle berichtet. Am schönsten wäre natürlich ein etwas längerer Aufenthalt in Graubünden gewesen, mit der Teilnahme an gleich zwei Wettbewerben. Leider fehlen dafür die Urlaubstage, sodass wir erst am Freitagnachmittag über eine wunderbare Straße ins 1.560 Meter hoch gelegene Davos anreisen. Bekannt ist der Schauplatz von Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ und Austragungsort des Weltwirtschaftsforums vor allem für seine Wintersportmöglichkeiten. Im Sommer lockt er mit zahlreichen Mountainbikestrecken.

Erste Anlaufstelle für uns ist das Kongresszentrum, wo wir die Startunterlagen abholen. Die vielen Aussteller sind schon mit dem Abbau ihrer Stände beschäftigt, sodass wir schnell mit unserem schmalen Papierttüten die Ausstellung verlassen. Im Sinne eines grünen Events, bei dem kein überflüssiger Plastikmüll erzeugt werden soll, werden wir unsere Wechselklamotten in einem selbst mitgebrachten Beutel abgeben.

Beim Frühstück um fünf Uhr treffen wir auf einen weiteren T88-Teilnehmer. Patrick nimmt uns im Auto mit zum Bahnhof Davos Platz, den wir ansonsten per pedes angesteuert hätten. Als studierter Glaziologe kennt er sich mit Gletschern perfekt aus. Wir werden ihn in den nächsten Stunden noch oft treffen, bevor er uns dann doch abhängen wird.

Zwei Sonderzüge der Rhätischen Bahn bringen die Sportler in anderthalb Stunden nach St. Moritz,  mondäner Wintersportort und zweimaliger Schauplatz Olympischer Winterspiele. Die Kosten für die Fahrt sind, wie auch die Anreise mit der Bahn ab der Schweizer Grenze, im Startpreis enthalten. In dem ultramodernen Zug durch das Gebirge zu fahren, ist an sich schon ein Erlebnis. Fast möchte man gar nicht mehr aussteigen. Um uns das Leben so einfach wie möglich zu machen, geht es vom Bahnhof über lange Rolltreppen ins Zentrum. Das große Badrutt`s-Palace-Hotel kommt mir bekannt vor, nachdem ich als Junge im Fernsehen mal einen langen Bericht über Gunter Sachs, Brigitte Bardot und das Hotel gesehen habe.

In der kurzen Schlange vor den Toiletten wird über die geplante Laufzeit gefachsimpelt. Hatte ich noch gedacht, man könnte vor Anbruch der Dunkelheit im Ziel sein, tippte Klaus vor einer Woche eher auf einen Sonnenuntergang auf dem Sertigpass. Die Herren vor mir denken über die Uhrzeit nach, zu der sie die Keschhütte erreichen wollen. Es bleibt spannend.

Direkt am Startbogen kann man seinen Beutel für die Wechselstelle Bergün und das Ziel abgeben. Dick mit Sonnenschutz eingecremt warten wir, von Alphornbläsern unterhalten, auf das Signal.

 

 

 

Zur Einstimmung ganz flach (ca. 8 km)

 

Um 8:30 Uhr geht es für uns 470 Teilnehmer dann los. Nach unten, zum See, den wir halb umrunden und der im Winter auch als Eis-Golffläche dient. In St. Moritz gibt es heute Kamele und Zebras zu sehen. Ein Zirkus macht gerade Station. Schade, dass keine Elefanten im 17 Grad warmen See baden.

Auf der Karte wirkte der acht Kilometer lange Abschnitt bis Pontresina recht flach. Verglichen mit dem Folgenden ist er das auch. Wir haben auf dem schönen Abschnitt schon mal die Möglichkeit, ein wenig auf und ab zu laufen. Im Stazerwald, am Rande von Hochmooren, geht es voran. Am Lej da Staz-See kann man um kurz vor 9 schon zwei Schwimmer begutachten. Dank geringer Tiefe heizt dieses Gewässer sich schneller auf, als die größeren Seen. Dann sehe ich eine Uhr an einer Parkbank. „Carpe diem“ ermahnt sie, „Nutze die Zeit“.

Pontresina empfängt uns mit den Aufbauarbeiten zu einem weiteren Familiensportevent. Der große Bahnhof verbindet zwei Schmalspurnetze mit unterschiedlichem Stromsystem. Die großen Touristenzüge wie der Heidi-Express wechseln hier die E-Lok. Wir sind im Berninatal, nördlich des bekannten Passes. Über die historische Brücke Punt Ota queren wir eine schöne Schlucht. Pontresina mit seinen Luxushotels gefällt mir ganz gut. Die erste Verpflegungsstelle, dann geht es mit einem Mal richtig zur Sache.

 

 

 

Muottas Muragl rauf und wieder hinab (ca. 4+9 km)

 

Steil führen uns Wanderwege nach oben. Der Blick öffnet sich nach einigen Kilometern auf ein schönes Hochtal. Die vorangehenden Läufer, erkennbar als farbige Punkte, zeigen uns, dass wir nach links oben auf den Kamm müssen. Ich freue mich, dass Judith und ich eine gute Position im hinteren Feld haben. Und wir treffen auf die ersten Trailrunner mit der T127-Nummer. Die sind 8,5 Stunden vor uns in Samedan gestartet und umrunden gerade St. Moritz, was ihnen gute zusätzliche 40 Kilometer und 2.600 Höhenmeter beschert. Aber auch diese beschwerliche Strecke wird es auf 113 Finisher bringen.

Auf den Muottas Muragl kann man auch mit der ältesten Standseilbahn im Engadin fahren. Eröffnung war 1907. Muottas ist rätoromanisch für Anhöhe, hier 2.453 m über dem Meer. Viele Wandergruppen kommen uns nun auf ihrem Spaziergang nach unten entgegen. Spätestens am großen gleichnamigen Romantik Hotel lohnt sich der Blick auf St. Moritz und die Engadiner Seenplatte, den Malojapass knapp über dem Ort und die Alpenkette mit ihren Gletschern. Das war bisher ja wirklich ganz locker.

 

 

Hinunter geht es über einen schönen Trail mit allem, was dazu gehört. Und es dauert mir zu lang. Ich beobachte den Flughafen St. Moritz, auf dem einige kleine Düsenmaschinen starten und landen. Sicher ein einzigartiger Ausblick von einem Trailrun.

Das Tal wird nicht direkt gequert, sondern es geht einige Kilometer am Inn entlang flussaufwärts, näher zum Flugplatz und zu dem Städtchen Samedan. Karl-Walter neben mir findet das nicht so spannend, aber ich schaue mir ja auch immer gerne an, wie die Leute anderswo leben. „En“, der rätoromanische Name des Flusses, gab dem Tal und der Region den Namen Engadin. Rechtskurve und wir laufen in eine Sporthalle ein. Wieder mal was Neues. Hier wird man bestens versorgt. An einigen Schaltern gibt es warme Gerichte, Bänke und Tische laden dazu ein, das Mittagsmahl ausgiebig zu genießen. Der T127 wurde von hier aus gestartet. Trotz der angenehmen Atmosphäre mahne ich zum Aufbruch.

 

Von Samedan über den Crap Alv nach Bergün

 

Noch ein Stück durch den Ort. Das imposante Bernina-Hotel wird von der Straße und uns unterquert. Zwei Kilometer weiter wenden wir uns nach Süden in das Bever-Tal. Langsam geht es auf der Forststraße bergauf. Wir treffen Judit, die wir vor fünf Jahren beim Fichtelgebirgsmarathon kennengelernt haben, wo sie für Davos trainierte. Den K78 beendete sie seinerzeit in hervorragenden 12 Stunden und versucht sich heute wie wir an seinem „Nachfolger“ T88. Damals wäre es für mich nie denkbar gewesen, so lange zu laufen, und jetzt bin ich hier. Viel gibt es zu erzählen. Fast hätte ich das Spanferkel übersehen, das auf einem Campingplatz über dem Feuer brät. Ein Tal wie aus dem Bilderbuch.

Links von uns die Strecke der RhB, hier müssen wir also heute schon mal gefahren sein. In Spinas empfangen uns eine gut besuchte Ausflugsgaststätte und die Baustelle für den neuen Tunnel. Der alte 5,86 km lange Albulatunnel ist wohl sanierungsbedürftig und man hat errechnet, dass ein neuer Tunnel wirtschaftlicher wäre. Die alte Röhre wird nach Eröffnung des Neubaus in Stand gesetzt und als Fluchttunnel verwendet, mehrmals werden Verbindungen zum neuen Tunnel gebaut. Spannend liest sich die Baugeschichte aus dem Jahr 1899. Vielfach gelangte Wasser mit Sand in den Tunnel. Auch eine Treibsandstrecke im Berg musste gemeistert werden.

 

 

Am VP Palüd Marscha setzt leichter Regen ein. Wenigstens besteht jetzt also keine Sonnenbrandgefahr. Alle ziehen ihre Jacken an, auch Judith und ich. Nach dem VP verlassen wir den Forstweg und es geht in Serpentinen auf einen Wanderpfad unterhalb einer Felswand. Wir sind nicht mehr ganz so schwungvoll unterwegs wie beim ersten Anstieg, kämpfen aber um die Positionen. Ein Blick nach oben trügt. Immer wieder müssen wir nach einer Kuppe noch weiter hinauf. Auf 2.466 Metern Höhe geht es über den Pass Fuorcla Crap Alv. Eine Schutzhütte steht hier und wir überqueren die Wasserscheide zwischen Rhein und Inn. Die Landschaft ändert ihr Gesicht. Karge Flächen, von kleinen Tümpeln durchsetzt. Sehenswertes Hochgebirge. Nur langsam geht es wieder nach unten.

Grün wird es nach dem Überqueren der Albula-Passstraße bei km 35. Ich erzähle dem Läufer vor mir, dass ich schon gerne bis Mitternacht im Hotel wäre. Das Zimmer soll nicht leer stehen. Er ist trotz einer leichten Bewegungseinschränkung am rechen Fußgelenk zügig unterwegs. Beeindruckend, wie er hier hinunter hüpft.

Wir kommen zum Lai da Palpuogno. Ein schöner Bergsee mit vielen Grillstellen. Im Radio hörten wir, dass zurzeit fast in der ganzen Schweiz wegen der Trockenheit offene Feuer verboten sind.

Rechts ein großer heller Schutthaufen. Wir haben den Tunnelmund bei Preda auf der anderen Seite samt Baustelle für den neuen Tunnel erreicht. Der Abraum soll für die Herstellung von Beton verwendet werden.

Dieses Bergün lässt sich viel Zeit - oder Judith und ich sind ganz schön langsam geworden. Wir genießen noch mal einen VP in Naz mit bestens gelaunten Betreuern, die zusätzlich zum sonstigen Programm frischgebackene Muffins anbieten.

Über den Bahnerlebnisweg Albula geht es steil hinunter. Ohne erkennbares System liegen hier Brücken, Tunnel und Gleise. Das Zauberwort heißt Kehr- und Spiraltunnel, die hier gebaut wurden, um die Gleisstrecke mit nicht zu starker Steigung anzulegen. Die Strecke ist Weltkulturerbe. Schön wäre auch mal eine Mitfahrt in einem offenen Waggon, der bei warmem Wetter angehängt wird. Auch Nostalgiefahrten mit der Schweizer Krokodillok werden angeboten. Die Züge der RhB können Teilnehmer eine Woche lang kostenlos benutzen. Lediglich die weiterführende Bernina-Bahn ist in diesem Arrangement nicht enthalten.

Noch fünf Kilometer auf gut laufbarem Forstweg bergab, durch einen Campingplatz mit viel Zuspruch und Applaus, dann erreichen wir Bergün mit den typischen Häusern im Engadiner Stil, mit Fassadenmalereien und Erkern.

Viele Zuschauer feiern uns kurz nach 17:00 Uhr. Wieder gibt es ein perfektes Hallenprogramm. Judith und ich haben unser Minimalziel erreicht und genießen Pasta, Kuchen, Kaffee. Wir bekommen unsere Wechselsäcke. Für mich ist klar, dass ich weitermache. 16,5 Stunden bleiben bis zum Zielschluss. Das Bett im Hotel ist mir inzwischen egal. Außerdem geht es jetzt auf die alte K78-Strecke und die soll doch viel anspruchsloser sein.

 

 

 

Von Bergün zur Keschhütte (ca. 16 km)

 

Weiter. Der dritte lange Anstieg auf einer Forststraße mit tausenden von Kehren steht an. Vereinzelt kommen uns Abbrecher entgegen, die sich entschieden haben, nun doch lieber mit dem Zug ins Ziel weiterzufahren. Wir unterqueren viele Male einen Sessellift, bis wir endlich den Bergbauernhof Alp Darlux mit einem Brunnen erreichen. Der Bauer gibt freundlich Auskunft darüber, was nun noch folgt. Andächtig lausche ich seinen Hinweisen. Leider hatte weder das schöne Guide-Heft noch die Startnummer eine genaue Strecken- und Höhenbeschreibung enthalten, sodass ich auf mein gutes Gedächtnis der Informationen von der Internetseite angewiesen bin. Manchmal hat es ja auch Vorteile, wenn man nicht so genau weiß, was einen erwartet. Und natürlich habe ich zur Sicherheit die topografischen Karten auf mein Mobiltelefon heruntergeladen.

 

 

Auf den folgenden Kilometern stapfen wir am Rande eines Tals oberhalb der Baumgrenze auf einem Single-Trail dahin und dann passiert etwas Eindrucksvolles: Der Regen hört auf, die Wolken lassen die Sonne hindurch und wir erleben den vermutlich schönsten Sonnenuntergang, den es in dieser Bergregion je gab. Zwei Hochtäler liegen vor uns. Im rechten sieht man ganz hinten eine Hütte. Dort müssen wir hin. Wie angekündigt geht es vorher nochmals ein Stück bergab. An der Alp digl Chant, einem weiteren Verpflegungspunkt, endet die Dämmerung. Nur die hellen Schweine kann man gut sehen und natürlich riechen. Noch mal kurz nach unten, dann biegen wir nun auf den breiten Wanderweg Richtung Hütte ein.

Steil geht es dann bergauf. Erst jetzt sind wir auf der ehemaligen K78-Strecke. Die Hütte will einfach nicht auftauchen. Wir packen unsere Stirnlampen aus. Ich freue mich zum x-ten Male über die Stöcke, die ich heute das erste Mal auf einem Trailrun dabei habe und die seit Bergün meine Beine unterstützen. Endlich tauchen die hell erleuchteten Fenster der Hütte auf. Es ist noch weit. Die Luft ist dünn. Weitere Trailer haben sich hinter Judith und mir eingereiht. Gelegentlich überholen viel schnellere. Auf einmal ist die Hütte weg. Stromausfall. Kurze Zeit später sieht man sie und dann sind wir um 22:30 endlich da. Ein Hubschrauber landet hinter dem Gebäude. Ich finde einen Platz auf der Bank. Kurze Erholung. Judith bringt mir einen Kaffee. Um uns herum liegen Dreitausender mit Gletschern. Patrick wüsste dazu sicher etwas zu erzählen. Leider ist es jetzt stockdunkel.

 

Über den Sertigpass nach  Sertig Dörfli (ca. 12 km)

 

Nächstes Ziel ist der Sertigpass. Anhand der Lichtpunkte vor uns ist zu erkennen, dass es noch mal nach unten geht und dann wieder hinauf. Neben uns startet der Helikopter, fliegt Richtung Pass und landet dort hinten.

Wir trotten dahin. Der Weg ist im Schein der Lampen gut zu erkennen. Die vielen reflektierenden Markierungsbänder helfen zusätzlich. Alles erscheint Schwarzweiß. Oft kommt von hinten ein heller Schein. Gilt im Straßenverkehr der SUV als Statussymbol, so ist es am Berg die möglichst lichtstarke Stirnflampe. Dann sieht man auf einmal die grüne Wiese in Farbe am Wegesrand und springt schnell zur Seite, da hier jemand vorbei will. Judith ärgert sich darüber, dass wir allzu offensichtlich nach hinten durchgereicht werden, bis ein Mitläufer uns aufklärt: Um 20:15 Uhr wurde in Bergün der T39 gestartet und viele der noch vergleichsweise frischen Teilnehmer/innen wollen nach vorne. Der Markt für Nachttrails ist also vorhanden.

Um exakt 0 Uhr erreichen wir den VP am Sertigpass auf fast 2.739 Metern Höhe. Ein Lagerfeuer wärmt etwas auf und wir genießen ein legendäres Risotto. Noch zwanzig Höhenmeter hinauf und dann nur noch bergab. Ein Blick zurück zeigt uns noch viele folgende Lichtpunkte. Einige hundert Meter mühen wir uns durch ein Geröllmeer, dann weiter über steile Standwege hinab. Die T39er lassen ihre noch unverbrauchten Muskeln spielen. Der Mond leuchtet hell und klar, so sauber wie nirgendwo. Wir sind ja in der Schweiz. Ein Späßchen geht noch. Leider haben wir die Mondfinsternis um einen Tag verpasst.

15 Kilometer vor dem Ziel überqueren wir den Kühalpbach und befinden uns auf einer schönen Forststraße. Hier könnte man jetzt perfekt Speed geben, kurzfristig sogar auf Teer. Wir belassen es beim Powerwalking, aus dem allmählich die Power entweicht. Judith hat muskuläre Probleme und mein Kreislauf ist recht mau. Auf einmal leuchten uns Reflektoren von Schuhen entgegen. Zuschauer, die sich trotz der späten (oder frühen) Stunde hier platziert haben, feuern uns an. Dann sind wir in Sertig Dörfli, VP und Krankenstation. Der Sanitäter berichtet gerade von einem Gestrandeten, dem es soweit aber gut geht.

 

Durch den Wald (ca. 11km)

 

Hinter dem VP geht es leicht bergauf auf einen Wanderweg am rechten Rand des Tals. Dann endlich das Schild mit der Aufschrift „10 km“. Vier Kilometer marschieren wir durch einen dunklen Wald. Ziemlich gespenstisch - gut, dass Judith dabei ist und die gelegentlichen T39-Überholer. Ansonsten bietet die Strecke hier nicht viel Abwechslung, mit Ausnahme einer kurzen Hängebrücke.

Nun ziehen einige bekannte Gesichter des T88 vorbei. Wir durchqueren den Ortsteil Clavadel. Zwei junge Männer feuern uns an. Viele leere Bierflaschen stehen neben ihnen. Ich bedanke mich für die Unterstützung. Noch einmal in den Wald. Nun sieht man das lang gestreckte Davos links unter uns. Schöne Ausblicke auf das Lichtermeer im Ort. Vereinzelte Rufe vom nahen Ziel dringen an unser Ohr. Auf einen Sprecher hat man um 4:00 Uhr natürlich verzichtet. Bequem geht es auf breiter Forststraße nach unten. Einen knappen Kilometer vor dem Ziel sind wir im Ort.

Auf der Tartanbahn des Sportzentrums werden wir noch von einem 127er überholt, den wir von unterwegs kennen und der nun ständig nach einer offenbar verschollenen „Nadja“ ruft, bevor wir unter dem Applaus einiger Zuschauer um 4:45 Uhr den hell erleuchteten Zielbogen durchschreiten. Ein spannendes Erlebnis liegt hinter uns. Judith und ich gehören nun auch zum erlauchten Kreis der Swissalpine T88-Finisher.

Aber unser Lauf ist noch immer nicht beendet, denn nach dem Empfang von Medaille, Finisher-Shirt und Wechselbeutel gilt es jetzt zwei weitere Kilometer zum Hotel durch den Nebel der Tagesdämmerung zurückzulegen. Die Vögel zwitschern bereits. Dann noch ein kurzes Nickerchen, bevor es ein gutes Frühstück gibt.

Das Ziel ist für den T39, T88 und T127 bis 10:00 Uhr geöffnet und einige Teilnehmer werden auch so lange unterwegs sein. Die beeindruckenden Zeiten der Ersten stehen unten.

Zum ersten Mal bin ich nach einem Wettkampf sprachlos. Ich brauche einige Tage, um dieses Abenteuer zu verarbeiten. Hätten wir es geschafft, den Sertigpass vor Sonnenuntergang zu erreichen, wäre das Naturerlebnis noch schöner gewesen. Da muss ich mich halt bei meinem nächsten Start noch mehr anstrengen.

 

Fazit:

–    Irontrail: Der Name ist Programm. Hier sind Ausdauer, Erfahrung mit allen Arten von Bergwegen und Laufuntergründen erforderlich. Sehr anspruchsvolle Geröllfelder nur auf wenigen hundert Metern. Die Wege sind nie beunruhigend ausgesetzt.
–    Sehr gute Markierung durch Reflektorbänder, Fähnchen des Sponsors Migros und später Flatterbänder.
–    Sanitätsstellen an den großen VP. Hubschrauber sind im Einsatz. Die Notrufnummer sollte im Handy gespeichert werden.
–    Man sollte auf jeden Fall warme Kleidung mitnehmen, Handschuhe, ebenso eine Rettungsfolie für den Fall, dass man doch irgendwo länger ausharren müsste.
–    Die Verpflegungsstellen sind sehr gut organisiert, die Helfer sehr nett. Es gibt eine große
Auswahl an unterschiedlichen Speisen und Getränken, darunter: Wasser, Iso-Tee, Iso, Cola, Gemüsesuppe, Power Beef, Farmer Riegel, Käse. Pasta (2x), Risotto(1x), Kuchen, Kaffee
–    Die Abstände zwischen den VP mit maximal 10 km (T127: 14 km) können sich gefühlt in die Länge ziehen. Eigengetränke sind sinnvoll. Einige Brunnen sind markiert. Becher sind mitzubringen, Einwegbecher aber vorhanden. Versorgungstechnisch sehr hohes Niveau.
–    Mehrmals Zeitnahme mit Video, gesponsert von Migros.
–    Eher wenig Zuschauer, aber manche halten dafür die ganze Nacht durch
–    Im Startpreis sind Fahrten mit den Regionallinien der Bahn enthalten. Ebenso eine kostenlose Hin- und Rückfahrt von einem beliebigen Schweizer Bahnhof.
–    De facto erreichen viele Teilnehmer des T127 und T88 den Sertigpass erst in der Dunkelheit. Wer wissen will, was er verpasst, sollte die Berichte auf Marathon4you und Trailrunning.de  aus den vergangenen Jahren lesen. Um diesen Abschnitt bei Tageslicht zu erleben, hätte man als langsamer oder Durchschnittsläufer am diesjährigen K43 teilnehmen müssen.

 

 

Impressionen

(Klaus und Margot Duwe)

 

 
 

 

T88 Sieger Frauen,  61 Finisher
1. Bleasdale Julia, 1981, Pontresina                   9:42.14,4
2. Nunige Jasmin, 1973, Davos Platz                    10:09.11,5
3. Hediger-Weiss Katharina, 1972, Berg TG              11:18.37,5

T88 Sieger Männer, 239 Finisher
1. Castanyer Tofol, 1972, E-Soller mallorca            8:20.43,0
2. Armstrong Vajin, 1980, NZL-Christchurch             9:08.23,3
3. Cathry Patrick, 1981, Andermatt                     9:08.55,0

Ca. 80 Sonderwertungen in Bergün


T127 Sieger Frauen, 21
1. Zimmermann Denise, 1975, Wangs                      18:47.17,4  
2. Förster Basilia, 1980, D-Neuried                    20:25.12,8  
3. Ogi Helene, 1976, Kandergrund                       21:06.01,1

T127 Sieger Herren, 92
1. Casanovas Ramon, 1980, Biel/Bienne                  15:40.36,4  
2. Willcock Patrick, 1976, Müswangen                   17:23.32,7
3. Gyger Oliver, 1969, Zweisimmen                      18:13.05,3

Mehr als 40 Nationen waren am Start.

 

 

 

 

 

 

Informationen: Swissalpine Irontrail
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