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Laufberichte

Grenzenloses, freies Laufen ist angesagt

13.11.11
Autor: Joe Kelbel

Samstag: Ein riesiges Gebrüll, als ich in der Sportschule Werdau ankomme. Siegrid, Hajo, Gerd und Peter - sie und der Veranstalter haben schon auf mich gewartet, mein Bierchen steht auf dem Tisch.

Sehr viele Läufer haben mich gefragt, ob ich Neues von Siegrid Eichner weiß. Nein, weiß ich nicht. Dann diese freudige Entdeckung: Unsere Rekordläuferin lebt! Es wird morgen ihr fünfter Lauf nach den 790 km von Horb-Berlin. Aber sie sieht sehr mitgenomen aus, die Arterien machen ihr wieder zu schaffen, schnüren die Beinmuskeln ab, es müssen höllische Schmerzen sein. Die Blutverdünner bewirken blaue Flecken im Gesicht. Beim heutigen Bornamarathon ist sie gestürzt und hat viel Blut verloren, eine klaffende Wunde auf der Nase erzählt davon. Bier hilft ihr gegen die Krämpfe.

 
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Manche Leute sagen, sie mache zu viel. Doch „unser Omi“ muss laufen, ohne Laufen würde sie am  Rollator hängen, aber das ist  keine Option für unser Vorbild. Alles Gute für die nächsten Arzttermine!

Die Sportschule Werdau ist genial, dort ist die Startnummernausgabe, Start und Ziel. 30 Euro für Abendessen, Übernachtung und Frühstück. Der Dieter Bohlen ist heute langweilig, ich döse frühzeitig vor der Glotze weg, im Halbschlaf erscheinen Bilder:  zu spät am Start, zu langsam, oder nur zu viel des Guten.

Die Slawenkämpfe begannen schon unter Karl dem Großen um 800. Hundert Jahre später  siedelten sich Einwanderer aus dem Westen im Schutz von Burg Schönfels, Feste Schweinsburg, Rudolfsburg, Schloß Werdau  und dem Urwalddunkel des sumpfigen Pleißelandes an. Der Ortsname Werdau setzt sich aus den germanischen Wörtern warid = Werder = erhöhtes Land und awa = Aue = wasserreiches Land zusammen.

Sonntag: Ich schleppe mich in den Frühstücksraum, greife mir eine große Kanne Kaffee, kann nichts essen. Die Startzeit 11 Uhr ist der sächsischen Feiertagsregelung geschuldet, 5 Stunden Zeitlimit der früh einsetzenden Dunkelheit. Eine Eisschicht liegt auf dem Freibad der Schule, aber die Sonne macht Laune. Dem Gewusel im Speisesaal, wo die Startnummern ausgegeben werden, entfliehe ich. Es ist keine Voranmeldung nötig und so finden sich noch etliche Nachmelder ein.

 
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Ich drücke mich lieber in den geheizten Gängen der Sportschule rum. Klaus-Peter war gestern auch in Zeil, Siegrid, Hajo und Gerd in Borna, doch Bernd und Stefan, die Kanarienvögel haben den Kanarienvogel abgeschossen: Karnevalsmarathon, Borna und jetzt in Werdau. Siegrid und Hajo starten ihren Doppeler um 10 Uhr.

Berhard hatte mich vor dem Anstieg direkt nach dem Start gewarnt, doch der ist nicht so schlimm. Schon der erste Schritt macht Spass, einfach klasse. Wir laufen durch die Waldsiedlung. Straßennamen wie Ulmen- und Eschenweg erinnern an die Geschichte der Siedlung. Dazu gleich mehr, wenn wir die Cottaeiche bei km 3,6 passiert haben.

 
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Johann Heinrich Cotta (1763-1844) begründete die  Forstwissenschaft. Seine Berufsbezeichnung war passenderweise Forstläufer. Er war auch ein eifriger Sammler von Fossilien. Seine Sammlung war damals die größte der Welt. Goethe und Alexander von Humboldt gingen bei ihm ein und aus. Teile seiner Sammlung sind in den Museen von Berlin, London, Freiberg, Chemnitz und Dresden zu finden.

Dem Konzept der Nachhaltigkeit wirkte die sowjetische Besatzungsmacht entgegen. Sie brauchte Kisten, um die deutschen Maschinen abzutransportieren. Und die Kisten mussten aus astfreiem Holz sein. Also befahl man den Flüchtlingen aus Schlesien, den nach den Regeln von Cotta gehütetenWald radikal abzuholzen. Da die Besatzer alle Schwermaschinen beschlagnahmt hatten, musste man die urtümlichen Dampfmaschinen reaktivieren. Die sind jetzt im Museum Blankenhain (Sachsen) zu bestaunen. Das Land wurde dann für 2,5 Pf/m2 verkauft und füllte wieder die russische Kasse.

Nach den Vorstellungen der damaligen Stadtplaner sollte auf diesem Gebiet eine Wohnsiedlung entstehen. Der Name der Kleingartensiedlung  “Stiefelknecht” ist eine Überlieferung aus der Geschichte des Werdauer Waldes. Die Holztransporte mit Pferd und Wagen benötigten eine Ausweich- und Wendemöglichkeit, dort wo heute die Siedlergaststätte steht.

Tischberg (km 8.5)  Rechts von uns mussten Teile der Ortschaft Sorge-Settendorf der Uranförderung der SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft) weichen. Die DDR lieferte 30 % des sowjetischen Uranbedarfes.

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Informationen: Werdauer Herbstmarathon
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