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Laufberichte

Drei Inseln und 360 Kirchen

 

Endlich Malta. Schon lange stand diese Insel auf unserer Wunschliste. Aber irgendwie hat es erst in diesem Jahr geklappt. Der kleine Staat im südlichen Mittelmeer, unter anderem geprägt von der Herrschaft des Johanniterordens und der Zeit als britische Kronkolonie, wurde 1964 unabhängig und 1974 Republik. Seit 2004 gehört er der EU an und führte 2008 den Euro als Währung ein.

2018 wird die Kapitale Valletta den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ tragen und bereitet sich mit vielerlei Baumaßnahmen darauf vor. Malta liegt 93 Kilometer südlich von Sizilien und damit schon auf der Höhe der Touristenhochburgen um Monastir in Tunesien. Der Staat besteht aus fünf Inseln, von denen nur Malta, Gozo und Comino bewohnt sind.

Dieses Mal soll es ein etwas längerer Aufenthalt werden, da wir etwas mehr über das Land erfahren wollen, als es während eines kurzen Wochenendausflugs möglich wäre. Die Fläche der Inseln ist mit insgesamt 316 Quadratkilometern ungefähr so groß wie München, Dresden oder Bremen. Über 400.000 Malteser wohnen hier. Man geht davon aus, dass weitere 400.000 im Ausland leben, da es aufgrund der wirtschaftlichen Lage zu mehreren Auswanderungswellen kam.

Das Maltesische (Malti) ist eine der 24 offiziellen EU-Amtssprachen. Es erinnert sehr an das Arabische und wird anscheinend auch von Libyern verstanden. Ferner handelt es sich beim Malti um die einzige semitische Sprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Um es den Reisenden leicht zu machen, ist Englisch die zweite Amtssprache des Landes, sodass alles zweisprachig ausgeschildert ist. Außerdem wird viel Italienisch gesprochen, wie auch allerlei spanische und französische Wörter Aufnahme ins Maltesische gefunden haben.

Also „Bonġu“ in Malta. Nach kurzer Fahrt haben wir unser Hotel in St. Julians (San Ġiljan) erreicht. Das liegt bei Sliema in der Nähe der Hauptstadt Valletta. Vor 20 Jahren noch ein verträumtes Fischerdorf, gilt St.Julians heute mit dem riesigen Hochhaus Portomaso Tower als Sinnbild des modernen Malta. Ein luxuriöser Yachthafen mit teuren Appartementhäusern findet sich hier ebenso wie die Feiermeile im Ortsteil Paceville, die vor allem jüngere Besucher anzieht.

Im Hotel Cavalieri haben außer uns auch fast 100 weitere Marathon-Teilnehmer Quartier bezogen. Viele waren mir wegen ihrer Laufschuhe und -uhren schon im Flieger aufgefallen. Malta ist übrigens recht günstig mit Air Malta in Kooperation mit Lufthansa zu erreichen. Erste Billigflieger nehmen dieses Jahr von Deutschland aus die Strecke ins Programm. Übernachtungstechnisch kann man in den relativ sonnigen Wintermonaten leicht ein Schnäppchen finden. Unser Hotel ist nobel genug, um eines Vormittags, als wir gerade zu einem Ausflug starten, den roten Teppich für Maltas Präsidentin Marie Louise Coleiro Preca auszurollen.

Die Startunterlagen erhält man an den drei Abenden vor dem Marathon in einem kleinen Geschäft in der Einkaufspassage des nahe gelegenen Hotels Le Meridien. Im Preis enthalten sind ein nettes Fruit-Of-The-Loom-T-Shirt aus Baumwolle, einige Leckereien, Kartoffelchips, Vodafone-SIM-Karte und Gutscheine. Tickets für den Bustransfer von Sliema zum Start kann man zusätzlich erwerben. Obwohl zahlreiche Firmen als Sponsoren auftreten, gibt es keine Marathonmesse, wie wir sie von anderen Veranstaltungen her kennen.

 

Il-Maratona Ta' Malta

 

Der Start des 31. Malta Marathons liegt in der Inselmitte vor dem Eingangstor zur ehemaligen Hauptstadt Mdina. Von dort geht es nach Westen zum Meer an Valletta vorbei nach Sliema. Das ist quasi die Halbmarathonstrecke. Die Marathonis laufen eine zusätzliche Schleife nach dem Start und ein paar kleine Runden zusätzlich.

Vom Ziel am Meer in Sliema starten die Shuttlebusse um 6:00 Uhr. Früh aufstehen ist also angesagt. Wie ich feststellte, fahren am Sonntagmorgen auch schon Linienbusse nach Mdina. Das wäre eine Alternative gewesen, um sich die Anfahrt zum Shuttle zu ersparen.

 
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Mdina liegt majestätisch auf einem Hügel. Die einstige Hauptstadt Maltas existiert schon seit phönizischer Zeit und wurde mehr und mehr zur Festung ausgebaut. Anno 1422 hielt sie einem Angriff von 18.000 Türken stand und bekam den Titel „Città Notabile“. Der Ritterorden der Johanniter, der vom 16. Jahrhundert bis Ende des 18. Jahrhunderts das Schicksal Maltas bestimmte, wählte Mdina, die „stille Stadt“, 1530 zu seinem Hauptquartier, verließ es aber bald wieder, um sich näher am Wasser anzusiedeln. Seit dem Bau Vallettas verlor Mdina zunehmend an Bedeutung. Heute zählt die autofreie Stadt nur noch 400 Einwohner. Mit den labyrinthartig angelegten Gassen und wunderbar herausgeputzten Bauwerken, darunter viele Adelspaläste, gehört sie heute zu den touristischen Höhepunkten Maltas.

Wir nutzen die Zeit bis zum Start um 7:30 Uhr mit vielen anderen Läufern für einen Spaziergang durch die Gassen. Leider bläst ein sehr starker und kühler Wind. Überall sieht man schlotternde Marathonis in den Hauseingängen Schutz suchen. Vor dem Haupttor liegt die Stadt Rabat, in der eine Festa-Musikkapelle den Unbillen des Morgens trotzt. Der Startbogen wird sicher festgezurrt. Die Internationalität des Feldes ist leicht auszumachen: Viele Shirts zeugen von sportlichen Taten in unterschiedlichen Ländern. Auch Gesichter bekannter Marathonsammler stechen heraus.

„Vorturnerin“ Joanna bietet ein Aufwärmtraining an, das von vielen gern genutzt wird. Der Sprecher ruft um 7:15 Uhr zur Aufstellung. Über 650 Läufer, keine Startblöcke und trotzdem kein Gedränge - man hat Zeit.

Los geht's mit einer Schleife durch Rabat. Die Häuser aus gelb leuchtendem Kalkstein entsprechen mit ihren verschiedenfarbigen Erkern aus Holz dem landestypischen Stil. Einige Bewohner sind schon auf den Beinen und sehen uns zu. Es gibt viel zu sehen: Mdina liegt jetzt schon über uns im Morgendunst und wird die nächsten zwei Stunden immer mal wieder in unserem Blickfeld erscheinen.

 
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30 Musikgruppen sind angekündigt, und so geht es Schlag auf Schlag. Eine Festa-Band jagt die andere. Mit Festa werden im überwiegend katholischen Malta die Patronatsfeste der Kirchenheiligen bezeichnet. Während der mehrtägigen Feiern mit großem Feuerwerk werden Statuen in einer großen Prozession durch die Stadt getragen. Gerne auch an anderen Kirchen vorbei. Deren Gemeindemitglieder sparen dann nicht mit Schmährufen und es sollen auch schon mal Gegenstände in Richtung Heiligenfigur fliegen. Aber alles nur aus Traditionsgründen, meinte unser Reiseleiter. Heute zumindest sind die Bands gerne gesehen und beworfen werden wir gottlob auch nicht.

Wir kommen in eine Ebene, Ta' Qali: Weithin sichtbar die Beleuchtungsmasten des Nationalstadions. Einige km-Markierungen im höheren Bereich zeigen an, dass wir hier nochmals vorbeikommen werden. Wir haben das Glück, im maltesischen Winter zu laufen. Die ganze Insel ist grün, obwohl aktuell der trockenste Winter seit 1966 herrscht. Besonders schön sind die blühenden Mandelbäume. Im Sommer sieht das ganz anders aus.

Mehrmals überqueren wir Parkplätze, wo an einigen Stellen gerade mobile Gemüse- und Blumenstände eröffnen. Dementsprechend kommt es zu ersten Kontakten mit der motorisierten Kundschaft. Auch einige Glasbläsereien und Töpfereien haben sich angesiedelt. Es folgt Ħ'Attard, eine typische ländliche Gemeinde, die sich seit 30 Jahren als Wohnort wachsender Beliebtheit erfreut.

 
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Die nächste Ortschaft Il-Mosta hat nicht nur eine schnurgerade Straße, sondern auch die Mariä-Himmelfahrts-Kirche, gemeinhin als Rotunde von Mosta bekannt. Das 1860 fertiggestellte Gotteshaus besitzt die viertgrößte Kirchenkuppel der Welt (37,2 m Innendurchmesser).

Zeitweise benutzen wir den Fußgänger- und Radstreifen der folgenden Landstraße, bevor es wieder über kleinere Straßen weiter geht. Außer vielen Kakteen gibt es vereinzelt auch Orangenbäume zu sehen. Olivenbäume und ein großes Weingut runden das landwirtschaftliche Angebot ab. Besonders die Weinsorten Maltas und Gozos haben es Judith und mir angetan. Außer einigen Hunden werden uns keine Tiere begegnen. Aber auf einer schönen Wanderung im Süden von den Dingli-Klippen zur Blauen Grotte haben wir Ziegen und Schafe gesehen. Deren Milch ergibt einen vorzüglichen Käse, den man mit dem Olivenöl als Antipasto verspeist – oder als Füllung von Ravioli, ideal zum Carboloading.

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Informationen: Vodafon Malta Marathon
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