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Laufberichte

Wien-Reminiszenzen

14.04.13

Eine Dekade Langstreckenlauf, zehn Jahre seit meiner Marathonpremiere in Wien 2003. Wie kam es dazu, dass ich damals bei dieser Hitzeschlacht dabei war?

Eigentlich wollte ich mit 42 Jahren meinen ersten und einzigen Marathon in meiner Heimatstadt Linz laufen, Anfang April 2003, unter 4 Stunden. Eigentlich. Dass ich bei der Startnummernabholung am Freitag schon kränkelte, wollte ich mir nicht eingestehen. Jedenfalls war an ein Laufen am Sonntag nicht zu denken. Mit Daunenanorak stand ich dick vermummt und wehmütig an der Strecke. Auch als heftiges Schneetreiben einsetzte, hätte ich dabei sein wollen. Ich war nur mehr wenige Wochen 42 Jahre alt und suchte einen Ersatztermin in nächster Zeit. Den fand ich in Wien am 25. Mai. Es war der 20. Wien-Marathon. Wir hatten 22°C am Start und 33°C im Ziel sowie eine enorm hohe Ausfallsquote. Meine Familie am Streckenrand litt unter der Hitze ebenso wie ich. Ich war froh, ins Ziel gekommen zu sein. Mit meiner Zeit aber war ich gar nicht zufrieden. Daher konnte es nicht bei einem Marathon bleiben. Es wurden mehr, viel mehr sogar.

2006 war ich wieder zum Marathon in Wien. Kurz entschlossen hatte ich mich damals angemeldet. Das geht mittlerweile nicht mehr, der Andrang ist nun viel größer. Seit Jänner 2013 ist die Marathondistanz mit 10.500 Startern ausverkauft, ebenso der Halbmarathon mit 15.000 Startplätzen. Dazu kommen über 3.000 Staffeln.

Mein 10-jähriges Marathonjubiläum wollte ich am Ort meines ersten Marathons begehen. So meldete ich mich am Tag des 2012-Wien-Marathons für 2013 an. Der Fernseher lief, Haile Gebrselassie hatte gerade Paula Radcliffe überholt, als ich Startnummer 433 bekam.

 
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Am Samstag fahre ich nach Wien. Um nicht allzu viel gehen zu müssen, habe ich mein Fahrrad dabei. Mittags bin ich in der Messehalle D, um meine Startnummer zu übernehmen. Das geht ohne langes Warten. Ein Jahr ist es her, dass ich dafür bezahlt habe. Bei der Chip-Miete geht es nicht ganz so schnell, aber seit ich nun endlich meinen eigenen Champion-Chip habe, muss ich mich dafür nicht mehr anstellen. Neben Sportartikelhändlern und Reiseveranstaltern bewerben viele Lauf-Veranstalter ihren Marathon: Graz, Salzburg, München, Dresden, Schlössermarathon Marchfeld mit einer Dame im barocken Kleid, Bodensee, Wachau, Florenz, Verona, Mallorca . . .

Mittelalterlich gekleidete Herrschaften wollen auf den Lauf auf die Burg Hochosterwitz in Kärnten aufmerksam machen, während der behelmte Ritter seinen Chip ausleiht.

Zur Friendship Party musste man ins Rathaus, ganze Laufvereine sind da und pilgern treppauf. Pasta oder Kaiserschmarrn um € 9,-, ein Getränk um € 3,50, ortsübliche Preise. Vor 10 Jahren war ich schon einmal im Festsaal des Rathauses, unbedingt sehenswert. Die ersten friendship runners werden vorgestellt, einer pro Nation. Sie sollen Ansprechpartner sein für ihre Landsleute, wenn sie in Wien laufen wollen.

 
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Am späteren Nachmittag gibt es zwei Laufbewerbe für Kinder und Jugendliche. Ich habe mich als Fahnenträger gemeldet. Jede Fahne jeder Nation wird präsentiert, während der Läufernachwuchs vorbei läuft. Da meine Fahne schon vergeben ist, greife ich mir die  Fahne Marokkos. Seit meinem Marrakesch-Marathon im Jänner habe ich einen kleinen Bezug zu Marokko. Neben mir steht der slowenische friendship runner mit seiner Fahne. Wir werden uns beim Radenska-Marathon wiedersehen. Links von mir ist Martin mit der tschechischen Fahne, er wird morgen seinen ersten Marathon in Angriff nehmen. Am Vorabend 75min mit einer Fahne auf der Straße zu stehen, ist allerdings keine ideale Vorbereitung. Als die ersten Kinder vorbeikommen, fängt er an anzufeuern und kann gar nicht mehr aufhören damit. Je nach Alter haben sie 2 oder 4,2km zu absolvieren.

 
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Hinterher gibt es mit den Fahnen und ihren Trägern am Heldenplatz unmittelbar vor der Marathon-Ziellinie die offizielle Begrüßungsfeier, ein buntes Bild. Gespielt wird in kräftiger Lautstärke die „Ode an die Freude“ (Song of Joy). Hört sich gut an. Beethoven verbrachte viele Jahre seines Lebens in Wien. Er ist hier am riesigen Zentralfriedhof begraben.

Sonntag, der Wecker läutet um 6h30. Es hat 9°C und strahlenden Sonnenschein, kaum Wind. Eine Stunde später mache ich mit S-Bahn und prall gefüllter U-Bahn auf den Weg zum Start vor der Wiener UNO-City. Sie wurde 1979 fertig gestellt, eigentlich heißt der Gebäudekomplex „Vienna International Centre“, kurz VIC. Das VIC wird den Vereinten Nationen zu 1,- Schilling (= 0,07 EURO) p.a. vermietet. Als ich kurz vor 8h eintreffe, ist schon viel los, vor den Dixie-Klos haben sich bereits Menschenschlangen gebildet, dennoch eine entspannte Atmosphäre. Die Kleiderbeutel kann man bei den LKW-Wechselaufbauten abgeben, es sind mindestens 30. Groß ist angeschrieben, welche Startnummernbeutel man wo abgeben kann. Sie werden noch vor uns beim Ziel sein.

 
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Ich laufe der Susanne über den Weg, sie ist in der Vorwoche am Toten Meer in Jordanien gelaufen und will heuer noch viel mehr machen. Es scheint heute endlich einmal warm zu werden, über uns ein gelber Hubschrauber am tiefblauen Himmel. Sie wäre bereits an die Wärme gewöhnt, meint sie.

Für alle, die vor dem Start einen trockenen Mund haben, wird Mineralwasser ausgegeben. Aufgrund meiner Startnummer  begebe ich mich in das grüne Startfeld, wo schon viel los ist. Laut Startsprechern, abwechselnd auf deutsch und englisch, sind heute LäuferInnen aus 120 Nationen am Start. In Anbetracht des babylonischen Sprachengewirrs durchaus glaubhaft. Ich suche mir ein kühles Platzerl im Schatten. Es hat nun 12°C, aber Sonne werde ich heute noch genug abbekommen.

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