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Laufberichte

Verona Marathon: Una festa per la città

 

Verona war Dank seiner geografischen Lage zwischen Alpen und Po-Ebene schon in der Römerzeit eine blühende Stadt. Aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt die Arena, die im Sommer den Rahmen für die bekannten Opernfestspiele bildet. Ebenso findet man dort viele Baudenkmäler aus dem Mittelalter und der Renaissance.

Verona liegt an der Kreuzung der Eisenbahnstrecken und Autobahnen vom Brenner-Pass nach Bologna und der Ost-West-Verbindung Turin-Triest. Die Stadt ist auch per Flugzeug zu erreichen.

Nach einem Wochenende über den 3. Oktober in Lido di Jesolo legen Judith und ich auf der Rückfahrt nach Hause einen Stopp in Verona ein. Der dortige Marathon erlebt heuer bereits seine 13. Auflage, nach vielen Jahren mit einer Punkt-zu-Punkt-Strecke erstmalig mit Start und Ziel auf der Piazza Bra.

Dort befindet sich auch die Marathonmesse direkt neben der antiken Arena. Es werden nicht nur Laufartikel, sondern auch allerlei Schlemmereien angeboten. Italiener lieben solche Stände, an denen man qualitativ hochwertige Lebensmittel meist direkt vom Produzenten erwerben kann.

 
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Die Abholung der Startnummer geht schnell. Die Kopie des obligatorischen Gesundheitszeugnisses wird diesmal nicht verlangt. Der TDS-Chip ist direkt an der Startnummer befestigt. Hier noch mal der Tipp, den Chip lieber zusätzlich festzukleben, damit er sich nicht löst, wenn man die Nummer beim Laufen recht heftig attackiert. Die Tüte enthält ein schönes Funktionsshirt und eine Probe der Zuegg-Fruchtgelee-Riegel. Eigentlich recht wenig für italienische Verhältnisse. Vielleicht war die Tüte für die 42-km-Läufer großzügiger bestückt.

Leider gibt es keine Starterinformationen mehr. Die könne man ja im Internet herunterladen, hieß es auf Anfrage. Also am Infostand schnell ein Foto des Laufstreckenplans gemacht, um sich ein wenig vorzubereiten.

Wir stürzen uns ins samstägliche Altstadt-Treiben und stoßen durch Zufall auf das Haus der Julia mit dem berühmten Balkon - ein wahrer Publikumsmagnet in der „City of Love“. Ich bin da ein bisschen unbedarft, aber Judith hat Shakespeare gelesen und kann mich aufklären. Im Hof steht auch eine Skulptur der Julia, von der eine Kopie am Rande des Münchner Marienplatzes zu finden ist. Eine Information, die ich erst dem München-Marathonbericht von Klaus Klein aus dem Jahre 2012 entnommen habe. Mit Graffiti und Bittbriefen an den Wänden des Durchgangs wollen Liebende aus aller Welt ihrer Suche nach dem/der Traumpartner/in zum Erfolg verhelfen. Romeo gibt es hier übrigens keinen; der wohnte bekanntlich in einem anderen, entsprechend markierten Haus.

An den noblen Geschäften in der Via Mazzini kann man sofort erkennen, dass Verona viele wohlhabende Menschen leben. Wir genießen bei warmen Abendtemperaturen unsere private Pasta-Party im Freien.

Für die Übernachtung haben wir das Euromotel am Rande der Stadt gewählt. Dort wird das Frühstück etwas früher serviert (außer uns sind noch einige Marathonis am Buffet), sodass wir um 7:30 Uhr den Bus zum Start erwischen. An den Haltestellen steigen diverse Teilnehmer des traditionellen Last-10 km-Laufes oder -Marsches zu. Der ist heute interessanterweise nur 7 km lang und wird nach dem Marathon und Halbmarathon gestartet.

Eine Stunde vor dem großen Ereignis herrscht noch wenig Trubel auf der Piazza Bra. Italienische Sportler haben es nicht eilig. Heute werden 950 Marathonis und 1.450 Halbmarathonis gemeinsam auf die Strecke gehen. Es gibt Startblöcke, deren Zugang auch kontrolliert wird. Zur Gepäckabgabe bringt man seine Sporttaschen mit.

Die Sprecherin gibt die wichtigsten Informationen auch auf Englisch, sodass wir vor sommerlichen Temperaturen über 20 Grad gewarnt sind. Eine Trommelgruppe heizt am kühlen Morgen noch etwas ein. Die Vielzahl ausländischer Starter ist nicht zu übersehen. Verona ist in aller Welt als Ziel für Städtereisen beliebt.

 
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Pünktlich um 9:00 Uhr geht es mit Startschuss, aber ohne italienische Nationalhymne los. Zuerst einmal den Corso Porta Nuova in Richtung des gleichnamigen Stadttors auf und ab. Dahinter liegt der namensgleiche Hauptbahnhof. Nach 2 km sind wir dann schon wieder im Startbereich, haben die ganze Läuferschar vor und hinter uns gesehen und dürfen durch die unscheinbarere Via Roma auf die Festung und Residenz Castelvecchio zulaufen, das wichtigste profane mittelalterliche Bauwerk Veronas. Heute ist in der Burg das städtische Kunstmuseum untergebracht. Unter dem Adelsgeschlecht der Skaliger erlebte Verona eine mittelalterliche Blütezeit. Die beeindruckenden Grabmäler der Fürsten werden wir nach dem Lauf besichtigen. Der Name Cangrande-Halbmarathon wurde im Gedenken an den gleichnamigen Fürsten Cangrande della Scala gewählt.

Nächstes Highlight ist der römische Triumphbogen Arco dei Gavi. So leuchtend schneeweiß, wie er sich heute präsentiert, ist er wahrscheinlich noch nie in seiner Geschichte geputzt worden. Damit nicht der Eindruck entsteht, die Stadt habe sonst nichts zu bieten, laufen wir am Palazzo Canossa, dem Sitz der örtlichen Filiale der Banca d´Italia, vorbei auf das nächste Tor zu, die Porta dei Borsari aus römischer Zeit.

Dann geht es über die Ponte di Vittoria, natürlich flankiert von monumentalen Statuen, auf die andere Seite der Etsch (Adige). Links das Castello mit der mittelalterlichen Brücke über den Fluss. 600 Jahre hatte die Brücke den Hochwassern getrotzt und wurde  im April 1945 von den deutschen Truppen zerstört, ebenso wie die römische Brücke Ponte Pietra. Inzwischen wurden aber beide mit den alten Baumaterialien wieder aufgebaut, sodass sich unsere Last-10km -Läufer auf diesem Wege zurück ins Zentrum begeben können. Interessant, wie viele von denen schon in unserem Block mitgelaufen sind.

 
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Es geht am Fluss in eine Gegenschleife. Die Straße heißt sinnigerweise Lungadige, zu Deutsch Etschpromenade. Mir gefällt ein Wohnhaus mit Teich davor sehr gut. Drei Kilometer liegen hinter uns und damit leider auch die Stadtbesichtigung. Nur von fern sehen wir die romanische Abtei San Zeno Maggiore - neben der Arena das berühmteste Baudenkmal Veronas - und kommen stattdessen am großen Krankenhaus vorbei. Bei km 6 überquert uns eine Brücke, dort werden wir bei km 17 zurücklaufen. Die gesamte Strecke kann man sich wie eine langgezogene 8 vorstellen.

Die Sonne steht noch tief hinter uns, sodass man einen schönen Blick auf das Ponte Diga di Chievo-Wehr hat. Dort stehen einige Zuschauer und dürfen nicht weiter. Das Tor ist verschlossen – wohl wegen uns. Spätestens hier muss ich feststellen, dass man nicht mehr mit allzu viel Zuspruch und Applaus am Wegesrand rechnen kann. Es wird immer mal wieder Zuschauer geben, die aber meist keine besonderen Aktivitäten entfalten. Musikalische Unterstützung sucht man auch vergebens.

Hinter der nächsten Biegung wird es wirklich italienisch romantisch. Das Städtchen Parona schmiegt sich zwischen Weinberge und Fluss. Umgeben von großen Zypressen liegt die Pfarrkirche am Hang. In der Tageszeitung „L'Arena“ wird man am nächsten Tag lesen, dass die Bewohner sich sehr über den verkehrsfreien Sonntag gefreut haben. Immerhin laufen wir hier auf der Landstraße Richtung Brenner-Pass. Na ja, wo sich da jemand gefreut hat, kann ich nicht sagen, jedenfalls nicht an der Laufstrecke. Und natürlich ist später auch zu lesen, dass ein Anwohner sich über die Absperrung geärgert hat, weil er seine beiden Omas nicht mit dem Auto auf eine Spritztour mitnehmen konnte...

Wir unterqueren die Eisenbahnstrecke. Auf der Via del Lavoro (Straße der Arbeit) gibt es wie alle 5 km Schwämme zur Erfrischung. Die Felder zwischen den Weinstöcken sind frisch umgepflügt. Halbmetergroße Erdklumpen sind da zu sehen. Wir befinden uns im Valpolicella-Anbaugebiet. Als ich gegen die Sonne laufe, weiß ich, dass wir auf dem Weg zurück nach Verona sind.

 
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Schon öfter habe ich bei italienischen Laufveranstaltungen rote Hemden mit der Aufschrift „Simone 42,159“ gesehen. Simone ist heute selbst dabei. Er wird in seinem Spezialfahrzeug von seinem Team begleitet und freut sich sehr über den schönen Tag. Leider habe ich vor Ort die Chance vertan, etwas mehr über Simone und seine Freunde zu erfahren. Das Internet ist da nicht ergiebig. Ich werde das bei meinem nächsten Lauf in Italien nachholen.

Die Stimmung bei dieser Truppe ist bestens. Stehen mal wieder Zuschauer am Wegesrand, wird ihnen ein „emozioni“ zugerufen und dann beginnen die Leute tatsächlich zu klatschen. Ich probiere ein paar Mal „Ciao Italia“ aus. Klappt auch ganz gut. Einmal kommt so eine Reaktion wie „Ja, ja ist schon gut“.

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