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Rimini und Marathon - das passt

 

Rimini ist vor allem als beliebtes Urlaubsziel der Deutschen seit den 1960er und 1970er Jahren ein Begriff. Die Stadt an der italienischen Adriaküste in der Emilia-Romagna, als römische Kolonie benannt nach der Mündung des Flusses Ariminus (heutiger Name: Marecchia), hat knapp 150 000 Einwohner. Die Küste bei Rimini bietet Strandeinrichtungen auf 40 km Länge und rund 2000 Hotels in verschiedenen Preisklassen.

Doch die Geburtsstadt des bekannten Filmregisseurs Federico Fellini ist nicht nur ein Zentrum des Badetourismus, sondern hat sich auch mit Messe- und Kongressveranstaltungen einen Namen gemacht. Wichtige Bauwerke Riminis sind der „Tempio Malatestiano“ genannte, im 15. Jahrhundert vom Herrscher Sigismondo Malatesta in Auftrag gegebene Dom, die Burg Sismondo aus derselben Zeit, die im Jahr 1400 aus Versatzstücken verschiedener Epochen konstruierte Fontana della Pigna (Pinienzapfenbrunnen), archäologische Funde wie das „Haus des Chirurgen“ und die römische Tiberiusbrücke. Abwechslung vom Strandleben bieten diverse Freizeitparks in der Umgebung sowie Schlösser, Burgen und Kirchen im Hinterland oder ein Ausflug in die nahe gelegene Republik San Marino.

Alles schön und gut, doch uns zieht es heute zum zentral gelegenen Augustusbogen (Arco d`Augusto), mit dem der römische Kaiser im Jahr 27 v. Chr. für die Wiederherstellung der dort endenden Via Flaminia geehrt wurde. Hier befinden sich Start und Ziel des 3. Rimini-Marathons sowie die Marathonmesse mit Abholung der Unterlagen. Rimini mag bei deutschen Urlaubern etwas aus der Mode gekommen sein, doch wir haben den Ort vor einigen Jahren neu entdeckt - wegen seiner günstigen Hotelangebote in der Nebensaison und wegen der langen Strandpromenaden, die sich bestens für Trainingszwecke eignen. Und nun gibt es hier sogar einen Marathon. Da wollen wir (nach schlechten Wetterprognosen in den ersten beiden Jahren) bei der dritten Auflage nicht fehlen.

Es herrschen fast sommerliche Temperaturen, als wir am Samstag gegen 17 Uhr eintreffen und gerade der letzte Teilnehmer der Kinderläufe hoch motiviert an Mutters Hand ins Ziel eilt. Dabeisein ist alles, lautet das Motto an diesem Wochenende für rund 5000 große und kleine Sportler. Seit dem frühen Morgen läuft beim Augustusbogen ein buntes Unterhaltungsprogramm mit diversen Interviews, einer Infoveranstaltung zum Thema „Sport und Gesundheit“, der Vorstellung der Pacemaker und Musik von „Radio Sabbia“ („Radio Sand“) bis 22 Uhr.

Das schwarze Startertäschchen enthält ein ärmelloses Funktionshemd (leider nur noch verfügbar in Größe M und in einem Schnitt, welcher der italienischen Modeindustrie keinesfalls zur Ehre gereicht), Flipflops im Rimini-Marathon-Design, mehrere Müsliriegel, eine Probe des guten Parmigiano Reggiano-Käses, einen Schwamm, Iso-Gel und Gutscheine für verschiedene Preisnachlässe. Der Infozettel mit Programm und Streckenverlauf mahnt die Einheimischen, am nächsten Tag auf keinen Fall die Teilnahme am Referendum zu vergessen. Dieses bezieht sich auf die Verlängerung der Ölbohrlizenzen vor der Küste. Vergebliche Liebesmüh´: Am Montag wird sich herausstellen, dass das nötige Quorum nicht zustande kam.

 

 
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Das Rennen

 

Gestartet wird in der Via Flaminia direkt außerhalb der ehemaligen römischen Stadt. Schöne Häuser säumen die Straße, die vielen Bars sind gut besucht und von den Balkonen betrachten die Anwohner das Treiben vor ihren Häusern. Wahrscheinlich ist das der einzige Sonntag im Jahr ohne Autoverkehr. Die Taschenabgabe mit späterer Duschmöglichkeit liegt einige hundert Meter weiter in der Sporthalle Palasport Flaminio.  

Die Aufstellungsbereiche sind farblich gekennzeichnet, genau wie die Startnummern. Daran kann man gleich erkennen, dass Judith und ich nicht zu den Schnellsten gehören werden. Der letzte Block hinter unserem umfasst recht großzügig die Zeiten von 4:30 bis 7:00 Stunden. Es dürften also auch viele Genussläufer an diesem Marathon teilnehmen.

 

 
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Radio Sabbia beschallt uns mit lauter Musik und spielt zum Start den im Internet von den Teilnehmern ausgewählten Song. Ruckzuck geht es Richtung Meer durch die breite Via Tripolis. Schön, endlich mal ein Marathon in südlichen Gefilden, bei dem die Platanen grüne Blätter tragen. Prompt die erste Musikgruppe. Nach Unterquerung der Bahnhauptstrecke, die in den Süden Italiens führt, erreichen wir bei der Kirche Santa Maria Ausiliatrice die Hotelzone von Rimini. Diese zieht sich hier in südlicher Richtung bis zum Beginn des Appenins bei Gatteo a Mare über 20 Kilometer hin. Feinster gelber Sandstrand ist das große Plus dieses Küstenabschnitts. Ein Bagno (Badeanstalt) reiht sich hier an das andere, ordentlich durchnummeriert.

Wir biegen auf die Meeresstraße Richtung Norden ein und beginnen beim Bagno 40. Einige der Rimineser Bademeister (Bagnini) sind auch gute Läufer und im Team jedes Jahr beim München Marathon zu erleben. Der zugehörige Stand auf der Marathonmesse, samt vorzüglichen kulinarischen Spezialitäten aus der Emilia-Romagna, gab für uns den Ausschlag, hier auch einmal zu laufen. Diese Gegend Italiens hat einige wunderschöne Marathons zu bieten: Ravenna, Ferrara, Cesenatico und dieses Jahr erstmals einen Naturlauf durch die Salinen im Hinterland.

Die fast 1000 Hotelbetriebe Riminis liegen an zwei Straßen, die parallel zum Strand verlaufen und die auch einen Teil des Großstadtverkehrs aufnehmen. Nicht unbedingt das, was man sich unter einem entspannenden Urlaub vorstellt. Dennoch boomt der Tourismus. Zweisprachigkeit ist angesagt, wobei neben dem Italienischen inzwischen das Russische dominiert. Im Lande Putins muss Rimini ziemlich angesagt sein und ist dank des internationalen Flughafens auch leicht per Charterflug zu erreichen.

Für uns ist dieser Saisonbeginn, ebenso wie die Zeit im Spätherbst, die Möglichkeit, äußerst günstig  an ein Hotelzimmer zu kommen. Unser Vier-Sterne-Hotel kostet inklusive großem Frühstücksbuffet 26 Euro pro Nacht – für zwei Personen! In Kürze – und erst recht in der Hauptreisezeit im August - wird das dann um einiges teurer werden.

Bei km 3 kommen wir zum berühmten Grand Hotel. Schneeweiß und frisch renoviert wartet die noble Herberge, die von Fellini besonders geschätzt und in Filmen wie „Amarcord“ verewigt ist, auf zahlungskräftige Kundschaft. Am Piazzale John F. Kennedy werden wir von einer Rock-Gruppe empfangen. Fetzige Musik wartet auf uns. Am Bagno 1 ist der Hafen erreicht. Wir vermissen das charakteristische weiße Riesenrad, das wir von früheren Aufenthalten kennen. Weit draußen am Ende der Mole liegen einige kleine Fischlokale. Wir drehen flussaufwärts und können die Boote im Hafen betrachten. Anscheinend wird hier immer noch mit der Fischerei Geld verdient. Danach die Segelboote der Reichen.

 

 
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An der Brücke Enio Coletti ist damit Schluss. Wir überqueren den Hafenkanal und laufen weiter Richtung Norden. Der Marecchia-Fluss mündet inzwischen einen halben Kilometer weiter nördlich ins Meer. Nach dessen Überquerung geht es wieder auf die Strandallee. Die Ortsteile Rivabella, Viserba, Viserbella und Torre Pedrera sind zu durchqueren. Irgendwie gefällt es mir hier besser als im südlichen Teil Riminis. Alles ist nicht so eng bebaut, es gibt schöne alte Villen zu sehen und vor vielen Hotels stehen die ersten Gäste und applaudieren uns. In Viserba haben ein paar Spaßvögel eine „Dopping“-Stelle aufgebaut. Hat das trotz der abweichenden Schreibweise etwas mit Doping zu tun? Ebenso lautstark wie vergeblich wirbt man um Freiwillige, die sich hier massieren lassen sollen. Ein bisschen früh für unseren Geschmack, wir haben ja noch einiges vor. Und wer weiß, was die mit uns anfangen, wenn wir uns da auf die Pritsche legen...

Ich würde gerne ein paar Tage bleiben – obwohl bei 10 Grad Wassertemperatur nur Sonnenbaden in Frage kommt. Hinter Torre Pedrera gibt es eine weitere Eigenart italienischen Strandlebens zu besichtigen: In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurden an der Küste inmitteln von Pinienwäldern Erholungsheime für Kinder aus den Großstädten gebaut. Viele dieser Bauwerke verfielen in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs, als die Familien es sich plötzlich leisten konnten, gemeinsam in den Urlaub ans Meer fahren. Auf diesem Abschnitt sieht man jedoch etliche renovierte Anlagen, teilweise mit neuer Bestimmung als Kuranstalten und Altersheime (eine Option für mich?), teilweise als Kinderclubs. Hinter einem geschlossenen Tor schauen uns betagte Italiener zu. Ich fordere sie auf, das Tor zu öffnen und sich an die Straße zu trauen. Dafür entdecke ich gleich darauf eine private Verpflegungsstelle vor einem Heim – Heimverpflegung nenne ich das mal.

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