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Pisa Marathon – Babbo Natale lässt grüßen

 

Marco Filippeschi, Bürgermeister der Stadt Pisa, ist „al settimo cielo“ - im siebtem Himmel: „Ein Tag zum Einrahmen mit so vielen Teilnehmern“, schwärmt er vor der Presse. Mit seiner 17. Austragung hat sich der Pisa Marathon nach einem neuerlichen Plus bei den Teilnehmerzahlen unter die zehn größten Marathons Italiens geschoben. In den Zeitungen wurde über eine sehr gute Auslastung der Hotels vor Ort berichtet.

Starter aus über 40 Nationen nehmen teil, darunter auch viele aus dem deutschsprachigen Raum. Für mich ist das durchaus verständlich, bietet sich Pisa doch besonders für Marathonreisende an, die kurz vor Weihnachten einen schönen Lauf bei gemäßigten Temperaturen unternehmen wollen.

Auch Judith und ich sind nach unserer Teilnahme 2012 gerne am vierten Adventswochenende nach Pisa gekommen. Unterstützt durch ein günstiges Flugangebot der Gesellschaft Air Dolomiti, die auch mit dem settimocielo wirbt. Wir sind nicht die einzigen Sportler im Flieger. Ein Rom-Marathon-Rucksack ist zu sehen, außerdem zwei Ironman-Taschen. Mehrere Laufuhren an den Armen durchtrainierter Sportler, hochwertige Laufschuhe. Eine junge Dame ist gleich in Sporthose unterwegs. Ich schätze mal, dass 15% der Fluggäste in Pisa den Marathon auf dem Programm haben.

Der Flughafen „Galileo Galilei“ wird ständig erweitert, teilt er sich doch das Verkehrsaufkommen mit dem nahe gelegenen Flughafen Florenz. Sogar ein People-Mover zum Hauptbahnhof befindet sich im Bau. Für uns ist selbstverständlich, dass wir die anderthalb Kilometer zum Bahnhof per pedes zurücklegen. Dort ist man quasi schon in der Altstadt, in der unser Hotel liegt. Zu Fuß vom Flughafen ins Zentrum – das ist einzigartig.

Der historische Kern der knapp 90.000 Einwohner zählenden Stadt ist relativ klein. Der freundliche junge Mann in der Touristeninformation meinte sogar, man könne in zwei Stunden alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abklappern, womit er seiner Heimatstadt wirklich keinen Gefallen getan hat. 25 Kirchen gibt es im Zentrum, viele schöne Palazzi und einige Museen, darunter auch ein Rechengerätemuseum.

 
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Zu Fuß geht es dann auch gleich weiter durch die Porta San Zeno zum Universitätssportgelände. Am Freitagmittag wirkt das alles recht beschaulich. In der Tennishalle, in der die kleine Marathonmesse stattfindet, ist dann doch schon einiges los. In der Startgebühr von ca. 40 € sind ein schönes Laufhemd und ein Stirnband enthalten. Außerdem die bekannten nahrhaften Pistazien und einige Infos.  Alles Weitere ist im Internet verfügbar.

Das Design des Marathonauftritts ist im Stil des Malers Toulouse-Lautrec gehalten. Für dessen Ausstellung im Blu Palazzo d'Arte e Cultura gibt es dann auch eine Ermäßigung. 2012 orientierte sich die Gestaltung noch an Keith Haring, der an der Piazza Vittorio Emanuele ein großes Wandgemälde geschaffen hat.

Den Samstag nutzen wir zu einem Ausflug mit der Bahn in die Ferienorte Quercianella und Castiglioncello. Dort trifft ein Gebirgszug aufs Meer und bildet damit eine ganz andere Kulisse als jene, die uns am Sonntag erwarten wird.

 

La maratona

 

Der Marathontag beginnt neblig mit einer Temperatur unter 10 Grad. Wir verzichten auf warme Kleidung samt Tasche und machen uns plastikumwickelt auf den kurzen Weg zum Startbereich auf der Piazza Manin. Viel zu früh angekommen flüchten wir vor der Kälte in ein Schnellrestaurant und genießen ein italienisches Frühstück. Aus den Hotels und B&Bs am Platze sieht man Läufer kurz vor dem Start in die Kälte treten.

 
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Mit uns werden 1650 Halbmarathonis und einige Babbi Natale (als Weihnachtsmänner verkleidete Teilnehmer an den 3,7 und 14 km langen Fun Runs) starten. 3.500 Läuferinnen und Läufer bringen die Startaufstellung gehörig durcheinander. Wir schieben uns durch die Zuschauermassen nach hinten, die Pacemaker stehen fast direkt an der Startlinie. Nach Leistung gestaffelte Blöcke gibt es nicht. Ruhig bleiben - ein Marathon wird in unserer Klasse nicht vorne entschieden. Kurz nach neun geht es ohne Nationalhymne los.

Auf der folgenden breiten Via Bonanno kann jeder  seine individuelle Geschwindigkeit finden. Wobei wir auf den ersten zwei Kilometern immer wieder Nikoläuse überholen. Viele Zuschauer stehen hier und schicken uns auf die weite Reise. Am Castello Torre Guelfa treffen wir auf den Fluss Arno, an dessen Ufer entlang es nun weiter geht. Jemand ruft meinen Namen: Gerhard Wally aus Österreich ist auch dabei und wird heute in 3:36:59 Stunden seinen 564. Marathon beenden. Ein kurzes Gespräch, dann ist er auf und davon.

Die Häuser am Arno strahlen golden in der aufgehenden Sonne. Viele Palazzi tragen die Fahnen der EU, Italiens und der Universität Pisa. Der Palazzo alla Gironata ist der Sitz des Rektorats der Universität. 49.000 Studenten gibt es hier an mehreren Lehranstalten. Darunter auch zwei sehr renommierte Eliteschulen, die Scuola Normale Superiore (270 Studierende) und die Scuola Superiore Sant'Anna (1.600 Studierende). Ein gewisser Galileo Galilei hat seine wissenschaftliche Laufbahn in Pisa begonnen.

 
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Der Arno ist nach dem Tiber der zweitwichtigste Fluss Mittelitaliens und hier in seinem gezähmten Bett nicht sonderlich schön anzusehen. Nach Regenfällen im Apennin kann er sehr schnell anschwellen, außerdem gibt es seit den 1960er Jahren einen Kanal, der an Pisa vorbei zum Meer führt, sodass hier heute nur trübes Wasser steht.

Die Piazza Garibaldi mit entsprechendem Standbild liegt an der Ponte di Mezzo und markiert den Beginn der Gässchen auf der nördlichen Arnoseite. Für uns geht es noch an zwei weiteren Plätzen mit obligatorischem Weihnachtsbaum vorbei. Dieser ist hier stets mit blinkenden, farbigen Lämpchen versehen. Auch wiederverwendbare Plastikbäumchen scheinen im Wohnzimmer oder auf dem Balkon nicht verpönt zu sein. Dafür sind die „offiziellen“ Bäume auf den Piazze dann meist echt. Vor uns, noch leicht im Nebel liegend, kann man schemenhaft die Läuferschar auf der Ponte della Fortezza erkennen. Die Festung von San Gallo werden wir nicht sehen, da wir auf der südlichen Arnoseite wieder zurücklaufen.

Noch zwei bekannte Gesichter fallen mir auf: Der 69-jährige Italiener Aligi Vandelli, der über 250 Marathons hinter sich hat, und ein italienischer Läufer, der wieder mit seinem Hund auf die Strecke gegangen ist. In Ravenna erzählte er mir, dass sein treuer Freund auch schon einen 100-km-Lauf mitgemacht hat.

Auf der Piazza XX Settembre wieder eine schöne Christbaumgruppe, dahinter die weißen Logge di Banchi mitsamt einem italienischen Weihnachtsmarkt. Von hier führt der Corso Italia direkt zum Hauptbahnhof, gesäumt von vielen Geschäften und Bars. Wer es ein bisschen ruhiger will und nette Kneipen und Restaurants sucht, wird östlich davon im Viertel San Martino fündig. Im „Numeroundici“ (Via San Martino 47) kann man die auf einer Kreidetafel angebotenen Gerichte auswählen, am Tresen selbst abholen und im urigen Ambiente mit Studierenden und Marathonis verzehren. Nur mit den Namen der italienischen Speisen sollte man sich auskennen - oder sich halt überraschen lassen.

Wir haben unser Hotel am recht schmalen Corso Italia gewählt und die letzte Nacht sehr schlecht geschlafen: Anlässlich des Events „Notte Bianca in Blu“ hatten die Geschäfte publikumswirksam bis 24:00 Uhr geöffnet. An vielen Stellen der Altstadt gab es Musik und Kleinkunstbühnen. Und dann noch diese netten marschierenden Dudelsackspieler und die „Large Street Band“. Ein echtes Erlebnis, als die um 23 Uhr noch einmal laut trompetend vorbei kam. Kurz nach Feierabend in der gegenüber liegenden Disco traten dann um 5 Uhr die Reinigungsmaschinen auf den Plan, und anschließend rumpelten die Rollköfferchen der Reisenden auf dem Weg zum Bahnhof lautstark über die geriffelten Bodenplatten. Kurzum, man kann als Tourist wirklich was erleben. Da boten die im Hotel eigens verteilten Ohrenstöpsel kaum Abhilfe. Leider bleiben uns Marathonläufern im Gegensatz zu den Nikoläusen des Family Runs die schönen Gässchen der Altstadt verborgen.

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