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Laufberichte

Marató Costa Daurada in Tarragona

 

Eisen berühren bringt Glück – Goldene Strände und viel Kultur

 

Auf der Suche nach neuen Marathonzielen stieß ich im Herbst auf den Marató Costa Daurada. Wie sich herausstellt, liegt die „Goldküste“ 80 Kilometer südlich von Barcelona bei der Stadt Tarragona. Von München fliegt die Iberia-Tochter Vueling für 35 € hin und fast genauso günstig zurück. Na ja, entgegen den Regeln der EU wird ganz am Ende des Buchungsvorgangs noch ein Verwaltungsaufschlag von 10 Euro fällig. Aber trotzdem ein gutes Angebot. Der Flughafen Reus, der noch näher an Tarragona liegt, wird von Ryanair bedient.

Pünktlich zu Beginn der Frostperiode in Deutschland, die auch in Teilen Spaniens die Höchsttemperatur von 19 auf 14 Grad drückt, heben wir für einen kurzen Flug Richtung Süden ab. Vom Flughafen El Prat in Barcelona geht es mit der S-Bahn zum Bahnhof Sants und dann mit einem schönen Zug in einer guten Stunde ins Zentrum von Tarragona. Am Meer entlang wechseln sich Sandstrände mit Felswänden ab. Viele Tunnel sind zu durchfahren und unterbrechen immer wieder das lange Telefonat, das der junge Mann in der Sitzreihe vor uns mit einer sehr redseligen Dame namens Laura führt. Die Urlaubsorte halten Winterschlaf. 

Tarragona, eine Stadt mit ca. 130.000 Einwohnern, liegt auf einem Hügel am Meer. Mit Rolltreppen geht es nach oben ins Hotel auf der Rambla Nova nahe der Altstadt.

Start und Ziel befinden sich am Hafenbecken. Dort ist in der Halle Refugi 1 auch die Startnummernabholung samt kleiner Messe untergebracht. Der Hafen von Tarragona gehört zu den größten des Mittelmeers. Was ich allerdings auch über zahlreiche andere Häfen schon gelesen habe. Selbstredend hat man diesen Teil der historischen Anlage inzwischen in einen modernen Sporthafen umgewandelt. Es gibt mehrere alte Kräne zu sehen. In einer der Hallen ist ein maritimes Museum untergebracht. Gegenüber liegen zwei sehr große Jachten vor Anker. Auch eine schnittige Segeljacht kann bewundert werden. Der wesentlich größere Teil des neuen Hafens befindet sich außerhalb unseres Blickfelds etwas weiter im Westen. Die Petrochemie bildet heute einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor Tarragonas. Spannend für uns auch der Vergleich mit der dreimal so großen Stadt Málaga, in der wir vor einem Monat waren.

 
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Das Startersäckchen ist mit einem Nike-Funktionshemd, einem Schlüsselarmband, einem Bon für ein kostenloses Zielfoto sowie einigen Pröbchen gut gefüllt. Damit verdient die Veranstaltung bei einer Startgebühr zwischen 25 und 65 Euro das Prädikat „super value“. Schön auch das Infoheftchen. Besonders die etwas verwirrende Streckenführung mit einigen mehrmals zu absolvierenden Abschnitten kann darin gut nachvollzogen werden. Einziges Manko: Nahezu alle Informationen gibt es nur auf Katalanisch und Spanisch. Der Marathon findet wohl zum sechsten Mal statt. Die Strecke soll optimiert worden sein und diesmal den städtischen Bereich stärker einbeziehen.

Touristen trifft man in der Universitätsstadt zu dieser Jahreszeit fast keine. Einige Hotels und Lokale öffnen erst im Frühjahr wieder. Die zahlreichen Kneipen und Restaurants im historischen Zentrum lassen aber darauf schließen, dass im Sommer viele kulturbeflissene Ausflügler von ihren Urlaubsorten am Meer aus Tarragona einen Besuch abstatten. Denn antike und mittelalterliche Bauten gibt es hier zuhauf. Unser Spaziergang fällt kurz aus, da es am Abend schon recht kühl ist. Also schnell zurück ins warme Hotelzimmer.

Vom Stadtzentrum ist es nicht weit zum Hafen, sodass wir am Sonntag recht spät aufbrechen können. Etwas hektisch wird es dann doch noch, da die Taschen erst bei der Abgabe mit den Startnummern beschriftet werden und wir uns mit unseren selbstgemachten Nümmerchen trotzdem hinten anstellen müssen. Toiletten gibt es, gar nicht so leicht zu finden, an den Enden der Halle.

Und dann hinaus ins Getümmel, wo der Ansager gerade prominente Teilnehmer vorstellt. Mit dabei auch Martín Fiz, Marathonweltmeister von 1995, der heute die 30 km läuft und das Rennen als Zweiter beenden wird. Eine konsequente Einteilung nach Startzonen kann ich nicht erkennen. Also stellen wir uns zu anderen Läufern mit weißem Armband für die Zone 3. Keine fünf Minuten später geht es los. Zusammen mit den 10- und 30-km-Sportlern laufen wir auf den Damm Moll de Levant. Oben weist eine zweispurige Straße einen grünen Seitenstreifen für Fußgänger und Läufer sowie einen roten für Radfahrer aus.

Am Beginn der Mole werden 0 Grad Temperatur angezeigt. Die Sonne schickt aber schon wärmende Strahlen, sodass ein Großteil der Läufer relativ leicht bekleidet ist. Positiv an der Streckenführung ist die Möglichkeit, ohne viel Ablenkung seine Position im Feld zu finden. Ich grüble darüber nach, was der Veranstalter wohl für Alternativen bereit hält für den Fall, dass es einmal stürmen sollte. Vielleicht läuft man dann unten im Hafengebiet? Dort gibt es außer vielen Hallen nur zwei große Röhren zu sehen, an denen viele Ventile angebracht sind. Auf einem schwarzen Hallendach wärmen sich einige Möwen. Dann gibt es viel Kohle zu sehen. Also die echte, schwarze. Ein Schiff heißt, dazu so gar nicht passend, „Bel Air“. In weiter Ferne sehen wir den Leuchtturm Far de la Banya samt Außenstelle des Hafenmuseums. Dort ist nach 3,7 km die Wende fällig. An sich könnte man noch ein gutes Stück weiter laufen. Zurück ist das Ganze aber schon etwas interessanter: Die Sonne taucht Tarragona in ein goldenes Licht.

 
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Am Jachthafen mit der Bar Pica Pica hat sich eine Trommlergruppe strategisch günstig platziert. Wir kommen noch einige Male vorbei, können ihre Vorstellung also öfter genießen. Einmal auf und ab am Stadtstrand Platja del Miracle. Damit hat man die Chance, fast das gesamte Teilnehmerfeld noch mal zu sehen.

Bei Kilometer 10 das Ziel für die „Kurzstreckler“. Alle anderen laufen weiter. Natürlich mit viel Tamtam und Anfeuerung. Dank der optimalen Streckenführung ist der Sieger sogar schneller (29:15 min für Camillo Santiago) als bei dem heute ebenfalls stattfindenden 10-km-Lauf in Barcelona.

Hinter den Hafenhallen kommen wir ins Fischerviertel El Serallo. Wie von spanischen Städten nicht anders zu erwarten, ein wunderschön neu gestalteter Platz. Nach Unterquerung der Bahn empfängt uns ein großes Gebäude: Die Tabacalera diente von 1932 bis 2007 der Zigarren- und Zigarettenproduktion und wurde inzwischen in ein Kulturzentrum umgewandelt. Dahinter Ausgrabungen: „Die Welt des Todes in Tàrraco“ samt Nekropole. Tàrraco war der römische Name von Tarragona.

Durch ein neueres Stadtviertel mit hohen Wohnhäusern geht es sanft bergauf. Am Brunnen Font de Centenari aus dem Jahre 1954 mit wasserspeienden Skulpturen in Form eines Eisbären, eines Elefanten, eines Krokodils und eines Nilpferds biegen wir in die Rambla Nova ein, die große Flanierstraße der Stadt, an der auch unser Hotel liegt. Und da der Spanier - wie schon gelegentlich berichtet - einen im Vergleich zu uns Nordlichtern um mehrere Stunden nach hinten versetzten Tagesablauf hat, konnte ich beim Aufstehen um 6:00 Uhr noch viel Partyvolk auf der Rambla sehen und natürlich die ganze Nacht auch hören.

 
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Würden wir jetzt mit Schwung weiterlaufen, könnten wir aus ca. 50 Metern Höhe hinabfliegen, wäre da nicht am Ende der Rambla der Balcó del Mediterrani, ein Aussichtsplatz mit einem schmiedeeisernen Geländer, das man unbedingt anfassen sollte. „Tocar ferro porta sort!“ („Eisen berühren bringt Glück“)  lautet die Devise, und das Geländer scheint für Tarragona ein so wichtiges Wahrzeichen zu sein, dass es sogar das offizielle Laufshirt ziert.

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