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4. Alb-Donau Walking-Marathon: „Durchgefressen“

 

Wenn schon eine Ausdauerveranstaltung in meiner Heimat angeboten wird, dann ist klar für mich: „Ich bin dabei!“ Bereits zum vierten Mal heißt es „laufend verbunden … von Donauwörth nach Neuburg“, womit die Streckenführung schon bekannt ist. Aber das Wie und auf welchen Wegen, das kennt nur der Insider (und Ortskundige) oder der Teilnehmer. Und die, die weiterlesen.

Ein ruhiger Lauf, ohne Zeitnahme und ohne Hektik, aber mit Verpflegung. Und die Überschrift sagt schon in Nuancen, was einen verpflegungstechnisch erwartet. Aber Zeit muss man mitbringen: Wer zu schnell ist, verpasst die Genüsse und muss sich mit einem knurrenden Magen plagen, denn die Tankstellen sind eventuell noch nicht aufgebaut und der Renner verdurstet. Wer dagegen etwas von der Landschaft sehen will und das eine oder andere Schwätzchen mit den Helfern hält, kommt gewiss nicht in Zeitnot. Und außerdem nutzen ein paar, so wie ich, den Alb-Donau Walking-Marathon für einen ruhigen Ausdauerlauf vor dem schnellen Herbstmarathon in München, Frankfurt oder sonstwo.

Die längste Strecke verläuft über 44,5 Kilometer. Wem das zu lange ist, der kann auf Distanzen von 32, 25, 17 und sieben Kilometer laufen, wandern, walken und marschieren. Der kostenlose Transport zu den Startorten erfolgt per Bus. Als Startgeld werden zwischen 10 und 20 EUR fällig. Dafür gibt es eine klasse Versorgung, Teilnehmerurkunde, Getränkegutschein im Ziel sowie eine Überraschung für die Finisher, wahlweise T-Shirt, Halstuch, Laufsocken oder ein buffähnliches Schweißtuch für die Birne.

 

Vor dem Start

 

Nachdem dieses Jahr die Veranstaltung auch im Volkssportkalender des DVV ausgeschrieben ist, stehen die ersten schon vor Öffnung der Meldestelle in der Mittelschule Neuburg bereit. Doch die Helfer haben die Lage im Griff, so dass der Bustransfer wie geplant um 07.15 Uhr abfährt. Nachmeldungen werden übrigens ohne Aufschlag entgegengenommen.

 
© marathon4you.de 5 Bilder

Nachdem unser Bus in Donauwörth aufgrund einer Baustelle auf der B2/25 eine Extraschleife durch Donauwörth drehen muss, sind wir etwa 15 Minuten vor dem Start am Freibad. Deutlich mehr Teilnehmer als vor Jahresfrist wollen sich die lange Strecke antun. Die rund zehn Grad sind für unseren Outdoorsport recht passend, doch was stört, ist der unangenehme Ostwind, der über das Freibad bläst und uns in wenigen Augenblicken frösteln lässt.

Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert begrüßt die Schar von rund 70 Marathonis. Wer einen Blick durch den Eingang des Bades wirft, erkennt, dass die 50 Jahre alte Freizeiteinrichtung in den nächsten Jahren von Grund auf renoviert und saniert wird, denn die ersten Arbeiten haben bereits begonnen.

 

Erste Kilometer

 

Dann geht es Schlag auf Schlag. Ich kann gerade noch den OB ein paar Sekunden für meinen Fotoauftrag abluchsen, schon haut er zwei Topfdeckel zusammen und die Meute macht sich auf die Socken. Die Strecke führt anfangs auf Asphalt nach Norden an der Alfred-Delp-Kaserne vorbei, die im Rahmen der Bundeswehrreform in diesem Jahr geschlossen wurde. Rund 1000 Soldaten und zivile Beschäftigte wurden versetzt oder mussten sich neue Jobs suchen.

 
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Vier, fünf Läufer ziehen im Affentempo los, als gäbe es etwas zu gewinnen. Ich habe den Eindruck, dass mein Lauf heute eine Alleinveranstaltung werden könnte. Linkerhand laufe ich am Circus Crocofant vorbei. Die Ställe werden gerade ausgemistet, entsprechend duftet es.

Wir verlassen die Wohngebiete und biegen auf einen schmäleren Waldpfad ein, wo ich nach kurzer Zeit am Kilometerschild 42 vorbeijogge. Ja, hier wird rückwärts gezählt. Aber nicht jeder Kilometer, sondern jeder zweite ist markiert. Und einige „krumme“ Entfernungsangaben stehen später an den Verpflegungsstellen.

Nach etwa vier Kilometer biegen wir auf den Edelweißweg ein, auf dem wir im Winter dem Langlaufsport frönen können, soweit uns Petrus Schneewolken im Winter schickt. Wenn man den langfristigen Vorhersagen glauben soll, soll der kommende Winter ein harter sein. Schaun mer mal.

Kleine Holzbrücken, ein recht dreckiger Tümpel, eine Jagdhütte lassen mich den Blick nach links und rechts werden. Wer hier mit offenen Augen umhergeht, kann sich am naturkundlichen Pfad weiterbilden, denn zahlreiche Info-Tafeln sind angebracht. Kurz vor dem Waldende wartet schon die erste Stelle für den Genießer: Wasser, Apfelschorle, Bananen und Äpfel und gleich etwas deftiges: Emmentaler. Auf einen Läufer kann ich auflaufen, doch wegen meiner Esspause läuft er mir davon. Er hat noch keinen Hunger.

 

Über die Monheimer Alb

 

Wir verlassen den Wald und sehen links der Ort Hafenreut, der zur Gemeinde Kaisheim gehört. Trotz Sonntag ernten einige Bauern ihren Mais. Die Aussicht ist grandios, aber der Wind stört ein wenig. Daher bin ich froh, wenn ich im Wald unterwegs bin oder wenn der Wind mich nicht angreifen kann. An einem Pferdehof bei Graisbach können wir erneut auftanken. Die Tankstelle liegt tief unten im Tal unweit des Griesbaches.

 
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An dieser Tankstelle, wo ich nun auf den mir unbekannten Läufer auflaufen kann, werde ich auf sein Schuhwerk aufmerksam. Zwei Gummisohlen, die er vom Schuhmacher zum Aufdoppeln normaler Schuhe geholt hat, sowie ein paar verknotete Bänder bilden seine Fußbekleidung. Natürlich ohne Socken. Ich bin von den Socken.

Wer sich hier seinen Magen vollhaut, braucht auf dem folgenden Wegstück keine Sprintwertung herauslaufen, denn es folgt eine Mordssteigung mit rund 50, 70 Höhenmeter. Wir gewinnen wieder Aussicht und der Gegenwind wird spürbar. Südwestlich sind die Ausläufer von Leitheim mit dem wuchtigen Schloss zu sehen.

18 Kilometer und zwei Stunden liegen hinter uns, dann laufen wir in das Behindertenwerk St. Johannes, die nächste Tankstelle wartet. Moderator Sepp Münsinger empfiehlt wärmstens die Gemüsesuppe auf vegetarischer Basis. Ist genau mein Geschmack. Ein wenig salzig zwar, aber genau richtig, da wir beim Laufen genug Schweiß und Mineralien verlieren. Ich futtere noch ein süßes Gebäckstückchen, bevor wir uns mit einem Wunsch weiter auf den Weg machen. „Im Ziel möchte ich eine Suppe auf Hopfenbasis!“ Ich höre Sepp noch lautstark lachen.

Im Jahr 2010 feierte die Stiftung das 150jährige Bestehen. 1860 errichteten die Barmherzigen Brüder eine Anstalt für unheilbar Kranke. In den 70er Jahren erwarb der Caritasverband die Anlage und baute dieses Zug um Zug aus. So stehen neben der Betreuung von behinderten Menschen auch eine Hofmetzgerei, Gaststätte, Kegelbahn und Supermarkt für alle zur Verfügung. Im Jubiläumsjahr wurde sogar eine Sonderbriefmarke aufgelegt. Wir verlassen Schweinspoint, laufen gefällig nach Marxheim hinunter, überqueren die Hauptstraße und es geht in der Diretissima hin zur Donau.

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