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Laufberichte

Ach du grüne Neune!

13.06.15

Judith und ich sind in der Zeitung! Genauer gesagt in der Osterländer Volkszeitung. Der Redakteur wollte ein schönes Bild mit Teilnehmern des 7. Skatstadt Marathons in Altenburg machen. Also verpflichtet man uns und ein paar andere Läufer auf der Marathonmesse gleich zu einem Fototermin. Gut, die Hauptperson ist sicherlich Herbert Steffny, der am Vorabend der Veranstaltung ein Referat zum Thema „Herausforderung Marathon – Phänomen, Faszination, Vorbereitung“ halten wird. Sein Streckenrekord in unserer Heimatstadt München hat übrigens seit 1989 Bestand und liegt bei 2:11:30  Stunden.

 
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Für die 420 Kilometer Anreise haben wir fast sechs Stunden gebraucht, dann schnell ins Parkhotel am Großen Teich und zu Fuß zum Goldenen Pflug. Das ist nicht etwa eine altehrwürdige Gaststätte, sondern eine moderne Mehrzweckhalle, in der am Freitag die Messe „Rund ums Laufen“ abgehalten wird. In der günstigen Anmeldegebühr von 25-40 € ist eine große Skatstadtmarathon-Reisetasche enthalten. Meine letzte Sporttasche hatte ich 2002 in Regensburg bekommen, damit gibt es jetzt einen schönen Nachfolger.

Das Veranstaltungslaufshirt kostet 10 € und diesem haben wir es auch zu verdanken, dass wir heute hier starten: Vor zwei Jahren lieferten Judith und ich uns im Fichtelgebirge ein spannendes Rennen mit einem Pärchen in besagten Altenburg-Hemden. Die beiden wohnten auch dort und erzählten uns von dem schönen, aber herausfordernden Lauf in ihrer Heimatstadt, bevor sie schließlich davoneilten...

Nächste Frage war natürlich: Altenburg - wo? Mittig zwischen Leipzig, Chemnitz und Gera gelegen. Auf der Internetseite der Veranstaltung  ist außerdem zu lesen, dass es sich um den zweitbeliebtesten Marathon in Thüringen handelt.

Da sind wir sehr gespannt, was wir im Rahmen des Wettkampfs von der ehemaligen Residenzstadt sehen werden. Aber erst einmal steht ja noch der Vortrag von Herbert Steffny auf dem Programm. Er ist Autor eines bekannten Standardwerks zum Thema Laufen, das sich auch in unserem Bücherregal findet. Die nächsten anderthalb Stunden vergehen wie im Flug und sind mit vielen Tipps für den samstäglichen Wettkampf gespickt. Wir schließen aus dem Gehörten, dass wir die langen Trainingsläufe viel zu schnell angehen. Lieber Masse statt Klasse. Lieber noch den einen oder anderen Kilometer drangehängt, als zu lange am PC die Zeiten analysiert – ich werde mich bessern. Den Abend lassen wir im Garten des Ristorante da Angelo bei hochsommerlichen Temperaturen ausklingen.

Das Frühstücksbuffet ist schon gerichtet und gibt uns und einigen anderen Sportlern am Samstag die Möglichkeit zu einer Stärkung, bevor wir gegen 8:30 Uhr auf dem Markt stehen und die vielen schön renovierten Häuser bewundern. Am Rathaus wehen Fahnen mit Spielkartenaufdruck im Wind. 

 
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Die Kinder- und Schülerläufe gehen gleich nach dem Marathonstart über die Bühne. Der erste Startblock ist aber für die Marathonis reserviert. Mit dem Hauptmoderator Stefan Bräuer rufen wir in landestypischer Manier:  „Sieben, acht, neun, zehn – Klasse“ und weg sind wir.

Mit viel Elan hinunter zum Kornmarkt und dann mit Volldampf nach oben, über den Rossplan und die Fleischergasse zum Nikolaiturm. Die dazugehörige Kirche, erstmals erwähnt anno 1223, wurde im 16. Jahrhundert abgerissen, nur der Turm blieb stehen und lädt zum Besteigen ein. Jetzt aber nicht! Die Sambatrommler geben uns Schwung für die Umrundung des Platzes mit seinen netten Häuschen. Rasant fliegen wir die Langengasse Richtung Capitol-Kino hinab. Mein Motto heißt: Kurzer Bodenkontakt und lange Flugphase. Macht hier bei km 1 richtig Spaß. Allerdings muss man das Kopfsteinpflaster stets im Blick behalten und darf sich nicht zu sehr von den Sehenswürdigkeiten rundum ablenken lassen, sonst besteht Sturzgefahr.

 
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Unten liegt der Große Teich, an dem es nun entlang geht. Das Gewässer wurden schon im 12. Jahrhundert unter Kaiser Friedrich I Barbarossa angelegt. Die Insel, vor der sich Boote und auch ein Holzschwan in den Wellen wiegen, besteht seit 1720 und beheimatet heute einen kleinen Zoo mit einheimischer Tierwelt. Links laufen wir am Südbad vorbei.  Froschgequake empfängt uns am kleinen Tümpel in der Hellwiese, in der Ferne ruft ein Kuckuck. Idyllisch. Gut, dass wir nochmals vorbei kommen werden. Dann sind wir schon im dunklen Stadtwald. Die noch feuchten Wege bringen eine erhoffte Abkühlung. An der Skatbank-Arena dann die erste Verpflegungsstelle.

Vor mir laufen zwei Herren vom SV Rote Socken mit dem Hemdaufdruck „Die Linken“. Ich frage gleich mal nach, warum an den Fußgängerampeln „Grün kommt“ steht, aber so recht scheinen sie meine kleine Witzelei nicht zu verstehen. Immerhin sind die Grünen bereits Regierungspartner der Linken und der SPD in Thüringen. Bei diesem Lauf werde ich noch einige interessante Mitstreiter kennenlernen. So bringe ich gerade zwei Angehörige des Marathon Country Clubs zusammen, die sich bisher nur von der Mitgliederliste kannten. Judith und ich sind mit einer Teilnahme in 11-12 Ländern noch nicht reif für diesen illustren Verein. Um auch eine Besonderheit oder einen Rekord vorweisen zu können, sollten wir eventuell eine Rangliste „Marathon laufende Paare mit starker Kurzsichtigkeit“ gründen. Aber auch ohne Rekorde sind wir heute in der Zeitung.

 
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Am Stadtpark entlang haben wir bald eine Brücke über die neue B93/B7 erreicht. Mal wieder so ein Höhepunkt im doppeldeutigen Sinn: Der Blick auf die Läuferschar und Landschaft ist sehr schön und wir können jetzt erst mal bergab laufen. Ein schneller Kilometer steht an, an dessen Ende ein Gestüt mit völlig desinteressierten Pferden auf uns wartet. Ein Greifvogel kreist über unseren Köpfen. Auch Seeadler brüten in Thüringen wieder. Und es gibt Wölfe und Luchse, denen ich aber im Moment nicht begegnen möchte. Unter erwähnter Bundesstraße hindurch geht es zurück auf die andere Seite. Einige Automobilisten auf unserem Weg werden von den Streckenposten angehalten und schauen grimmig durch ihre getönten Scheiben auf die Läufer. Die Motoren drehen hoch, um die Insassen mit der nötigen Kaltluft zu versorgen. Dahinter warten einige Radler in den Abgasen teilnahmslos auf ein Weiterkommen. Hey, nutzt doch die Zeit für einige Anfeuerungsrufe hier im schönen Thüringen, rufe ich ihnen zu. Oder sind wir schon in Sachsen?

Ein einheimischer Mitläufer klärt mich prompt auf: Der Kreis Altenburg bildet quasi den östlichen Zipfel Thüringens. Bis nach Sachsen sind es von hier noch ein paar Kilometer. Nach der Wende (ältere Läufer werden noch etwas mit diesem Begriff anfangen können) wurden die DDR-Bezirke wieder zu Bundesländern umfunktioniert. Im Rahmen eines Volksentscheids wollten die Altenburger zu Sachsen gehören. Da aber Schmölln im Süden ganz fest zu Thüringen tendierte, entschied man sich, auch Altenburg in Thüringen aufzunehmen. Und lebt jetzt im grünen Herzen Deutschlands, mit 17 % Arbeitslosigkeit. Von den 50.000 Einwohnern zu DDR-Zeiten sind nach dem Wegfall von Bergbau, Nähmaschinen- und Staubsaugerindustrie nur noch 37.000 übrig geblieben. Hier links in den Wohnblöcken, erklärt mein Nachbar, hätten viele Bergleute gewohnt, die für die Wismut AG Uran förderten.

Freuen können wir uns immerhin beide über die nagelneu ausgebaute Eisenbahnstrecke, an der es jetzt entlanggeht. Zeit für mich, über die verrotteten S-Bahn-Stationen in München zu granteln, und das amüsiert meinen Nebenmann dann auch wieder. Von der anderen Seite her erzählt mir ein Läufer, dass seine Trainingsstrecke um einen Grenzstein am Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Bayern führt.

Während der netten Unterhaltung sind wir schon wieder ein gutes Stück weitergekommen und befinden uns nun in einem Wohngebiet. Ich möchte ein Foto von der eindrucksvollen Erich-Mäder-Schule schießen und werde vom Ordner darauf hingewiesen, dass ich hier nicht abkürzen darf. Eine Schleife durch eine wunderschöne Blütenpracht in den Vorgärten der Häuslebauer steht an. „Zick-Zack-Weg“ steht auf einem Schild nach dem Falkenplatz. Hier müssen wir um einen Neubau herumlaufen. Durch die Kleingartenanlage Friedenseck geht es weiter. Spitzkehre bei der Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche, die Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg 1903 zur Erinnerung an seine verstorbene Gattin stiftete.

 
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Auf einem Feld hinter der Bahn wird Solarstrom „angebaut“. Das Portal des alten Schlachthofs „grüßt“ die Schwitzenden. Von vielen Balkonen eines Wohnblocks feuern uns Zuschauer an. In der Ferne eine riesige Siloanlage. Lange bin ich schon mit einem Hünen in gelbem Hemdchen zusammen gelaufen, erst jetzt lese ich, was auf der Rückseite steht: Fehmarnmarathon 6.6.2015. Also letztes Wochenende. Er erklärt mir, dass er dort teilgenommen hat und heute seinen 19. Marathon läuft. Kurze Pause. In diesem Jahr. Ja, Marathons machen süchtig, da kann ich beipflichten. Meine Arbeitskollegen freuen sich schon auf einen gutgelaunten Andreas, der ihnen von gelaufenen und geplanten Marathons erzählt. 

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Informationen: Skatstadtmarathon Altenburg
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