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Laufberichte

Es hat hier auch schon mal geregnet

 

Die Hornisgrinde ist mit über 1100 m die höchste Erhebung des Nordschwarzwaldes. Wenn der unbedarfte Läufer nun fürchtet, es hier mit einem harten Berglauf zu tun zu bekommen, kann ich ihn beruhigen.

Mit seiner 41. Austragung ist der Hornisgrinde-Marathon einer der ältesten Deutschen Marathons. In seiner Anfangszeit fanden Marathons noch dort statt, wo die Läufer auch im Training ihre Runden drehten: Also auf Feld- und Waldwegen in der Umgebung. Als man sich beim TV Bühlertal an die Planung für den ersten Marathon im Jahr 1973 machte, dachte man ganz ähnlich. Um große Höhenunterschiede zu vermeiden und angenehme Lauftemperaturen zu schaffen, verlegten die Verantwortlichen die Veranstaltung ins Höhengebiet, sparten aber die umliegenden Gipfel aus. Und da Tradition verpflichtet, ist die Strecke noch immer die gleiche: Auf 900 m Höhe kann der Marathoni ohne wirklich Höhenmeter zu machen, durchgehend im Wald, die Schönheit des Schwarzwaldes genießen.

 
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Start und Ziel ist die Talstation des Bühlertäler Skiliftes auf Hundseck. Dort sind genügend Parkplätze vorhanden - sollte man meinen. Als wir knapp eine Stunde vor dem Start eintreffen, sind bereits alle belegt und die ersten PKW-Lenker funktionieren den Seitenstreifen der B 500 zum Parkplatz um. Wir reihen uns ein.
Auf dem Weg zum Festzelt kommen uns viele Läufer entgegen. Der Sprecher kündigt gerade an, dass der 10 km Lauf um 8 Uhr gestartet wird. Dieser Lauf folgt einer ganz anderen Strecke als der Marathon und hat am Anfang eine längere, bissige Steigung. Um dort zum Start zu gelangen, müssen die Teilnehmer am Alten Kurhaus vorbei und erreichen nach 200 m den Startbogen.

Gestern wurde an dieser Stelle bereits der Halbmarathon ausgetragen. Der anspruchsvolle Kurs muss dabei zweimal bewältigt werden. Zusätzlich liegt der Start noch einen Kilometer weiter entfernt im Wald, um die vollständigen 21.1 km zu gewährleisten.

Bei der Anmeldung ist ganz schön viel los. Es sind aber wohl hauptsächlich 10 km Läufer, die hier hektisch letzte Vorbereitungen treffen. Am Schalter für die Ausgabe der Startnummern des Marathons bin ich momentan der einzige Kunde.
Die Dixis stehen wieder an gewohnter Stelle. Gerade füllt eine Helferin Toilettenpapier auf. Das kommt bei den wartenden Läufern gut an und es wird viel Lob gespendet. Für die ehrenamtliche gute Fee ist es auch selbstverständlich, auf die Sauberkeit der Toiletten zu achten und in Notfällen auch den Putzlappen zu schwingen.

 
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Vor dem Festzelt ist der Startbogen für den Marathon aufgebaut. Die Läufer verteilen sich großzügig auf dem Gelände. Um die 200 werden es wohl sein. Das Wetter ist herrlich. Es verspricht ein schöner, sonniger Tag zu werden. Kurz vor halb neun mahnt der Sprecher, man solle sich doch bitte an den Start begeben. Ohne Hektik folgt man der Anweisung. Und dann geht's los. Vierhundert Läuferbeine spurten über den Platz auf einen Waldweg zu. Perfekt gelingt das Einfädeln.

Der Weg führt zunächst eben, dann bergab nach Sand, wo die "Sandstraße" die B 500 kreuzt. Ungefährdet, von Helfern gesichert, überqueren wir die "Sandstraße" um gleich wieder im Wald zu verschwinden. Flach führt der Weg durch den kühlen Mischwald. Eine Lichtung ermöglicht den Blick auf das unter uns liegende undurchdringliche Blätterdach des Schwarzwaldes. Es geht weiter bergab. Wir laufen am Hotel Plättig entlang, dann scharf rechts und unerwartet steil bergauf.

Das Hotel wurde 1880 errichtet. Es gehörte lange Zeit zu den besseren Hotels der Region, Adlige wie die österreichischen Kaiserin Elisabeth ("Sissi") logierten hier. 1986 ging das Hotel an die Max-Grundig-Stiftung über, später an die BW Verwertungsgesellschaft Bühlerhöhe von SAP-Gründer Dietmar Hopp. Die Gesellschaft vergab den Betrieb zuletzt an den spanischen Konzern "NH Hoteles". Da das Plättig-Hotel jeden Tag mehrere Tausend Euro Verlust gemacht hat, wurde es recht überraschend zum 18. Juni 2010 geschlossen und die elf Gäste im Schlosshotel Bühlerhöhe untergebracht.

Mittlerweile ereilte auch das Schlosshotel Bühlerhöhe ein ähnliches Schicksal. Das Fünf-Sterne-Hotel mit 90 Zimmern und einer grandiosen Sicht bis über die Rheinebene steht ebenfalls seit drei Jahren leer. Gegen die Gesellschaft des ukrainischen Eigentümers Igor Bakai war vor kurzem Insolvenzantrag gestellt worden, weil er die Unterhaltskosten nicht bezahlt hatte. Ein Lichtblick ist die Kaffeeterrasse, die, wie auch im vergangen Jahr, in der Sommersaison geöffnet hat.
Oben halten wir uns links und erreichen einen Weg aus Betonplatten, dem wir erst mal folgen. Nach km 6 steht die erste Erfrischungsstation mit Tee, Iso und Wasser. Wir verlassen die Betonpiste um auf einem hellen Schotterweg den jetzt lichten Wald und die Schwarzwaldaussicht zu genießen. Es geht wieder leicht bergab. Bei km 12 wartet dann die nächste Erfrischung. Diesmal stehen hier auch die für den Hornisgrinde-Marathon typischen, mit Wasser gefüllten Wannen. Mütze rein und auf den Kopf gezogen - eine Wohltat. Noch ist die Temperatur angenehm, aber was ich kühlen kann, muss ich schon nicht trinken. Das wissen auch noch andere und so mache nicht nur ich Gebrauch von diesem Service.
Wir biegen auf einen Single Trail ein und sind schon bei km 14. Mannshoher Farn rechts und links des Pfads lässt Urwaldfeeling aufkommen.

Mist, wir landen auf einer Straße und die geht auch noch bergauf. Dank wenig Verkehrs können wir trotzdem unbehelligt unseren Weg gehen. Johann, der eigentlich auf großen Citymarathons zu Hause ist, erzählt, dass er nur wegen des M4Y-Supercups heute hier ist. Auf diesen Wertungslauf vor seiner Haustüre wollte er auf keinen Fall verzichten. Umsonst versuche ich, ihn von den vielen Vorzügen des Landschaftslaufs zu überzeugen.

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Zur Belohnung dürfen wir jetzt doch noch bergab laufen. Es folgt ein weicher mit Nadeln und Tannenzapfen übersäter Waldweg. Der dunkle Nadelwald spendet willkommenen Schatten. Die Freude endet auf einem größeren Waldparkplatz, wo eine Helferin allein in der prallen Sonne steht und uns den Weg weißt: Wir müssen scharf rechts. Mit diesem Service hat sie sicher vielen Läufern einen ärgerlichen Umweg erspart. Man hätte diese Stelle auch absperren können, aber wenn ein Scherzbold die Markierung entfernt, ist das Problem vorprogrammiert. Und menschliche Ansprache tut hin und wieder auch ganz gut. Vielen Dank!

Bei km 15 steht dann die erste VP. Mit Brot und Banane gestärkt laufen wir weiter. Es geht nun mehrere Kilometer schattig und flach mal durch Tannenwald, mal durch Mischwald. Später öffnet sich der Wald wieder für eine wundervolle Aussicht. Es geht leicht aber stetig bergauf.

Km 21. Wir verlassen den Hauptweg. Weicher Waldboden macht das Laufen mühelos. Ich bin seit kurzem allein - ganz allein. Vor mir keiner und hinter mir keiner. Ich genieße diesen Moment in vollen Zügen. Er währt auch nur kurz. Es geht wieder auf den Schotterweg und die nächste Getränkestation kommt in Sicht. Mensch, ist das heiß! Der Helfer sagt, dass er schon lange hier steht und die Sonne ihn nun erst eingeholt hat. Er kann aber schlecht allein den Tisch mit den Getränken in den Schatten stellen. Dummerweise komme ich nicht auf die Idee ihm zu helfen!

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Informationen: SCHÖCK Hornisgrinde Marathon
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