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Laufberichte

Der Schatz im Silbertal

02.07.11

Heute laufen wir nachts mit lichtstarken LED-Stirnlampen bei Ultratrails über steinige Bergpfade. Früher steckten wir mit einer alten Armeetaschenlampe und ihrer bescheidenen 4,5V-Glühbirne einer Fahrradlampe unter der Bettdecke, lasen Karl May und ließen uns wegtragen in die Welt der Abenteuer. So etwas prägt und bleibt einem. Oder, um es in dem von Managern gebetsmühlenartig wiederholten Wort auszudrücken: Das ist nachhaltig. Deshalb kann es sein, dass diese Szenarien ineinander übergehen…

Es war kalt an diesem Morgen, als er im Nachtlager auf seinem Planwagen unter den Decken hervorkroch. Die wenigen Stunden Schlaf, welche ihm in dieser Nacht vergönnt blieben, waren vom Kampf gegen diese Kälte immer wieder gestört und wenig erholsam. Als der den Kopf aus dem Wagen streckte, sah er, was der um diese Jahreszeit unerwartete aber durchaus nicht unübliche Kälteeinbruch mit den ihn umgebenden Bergen getan hatte. Wie die Frauen der Quäker ihre gestärkten Hauben tragen, so hatte der winterliche Bote die Gipfel mit Schnee bedeckt.

Bei seiner nächtlichen Ankunft in San Antonio, Tyrol, hatte er das gar nicht bemerkt, denn er kam auf seinem Weg in den Osten nicht über den Pass, sondern nahm den Weg durch den langen Stollen, welchen Heerscharen von Diggern schon von Jahren in das Massiv getrieben hatten.

 
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Old Flatterband streckte seine Knochen und war schon bald wieder der Alte, wie sich das für einen Erfahrenen seiner Zunft ziemt. Nachdem er während zwanzig Jahren auf fast der ganzen Erdkugel unterwegs gewesen war, trieb es ihn aus verschieden Gründen aus den Plains zurück in die bergigen Gefilde, wo schon seine Vorfahren ihr Auskommen hatten, bevor auch sie in die Stadt zogen, wo es genügend Arbeit für alle gab.

Seit einiger Zeit war er für die in der Stadt der Gambler beheimateten m4y-Chronicle unterwegs und schrieb für sie Berichte von den Pheidippides-Trecks, die mittlerweile in beinahe allen Counties als Wettkämpfe ausgetragen wurden.  Auch an diesem Morgen war er mit solcherlei Angelegenheit betraut und bestieg die Sonderkutsche, die ihn mit weiteren Wettkämpfern zurück über den Pass ins Montafon County bringen sollte, wo schon zum sechsten Mal zu Beginn des zweiten Sommermonats der Mayor von Silbertal zu diesem friedlichen Wettstreit eingeladen hatte.

Die am Ort ansässigen Ordensbrüder des Heiligen Florians hatten ihre Schläuche und Pumpen ins Freie gestellt, um den Freiwilligen einen geschützten Platz für die Ausgabe der Nummernmarken zu schaffen, mit welchen die Teilnehmer des Trecks zur besseren Erkennung ausgezeichnet werden. In Erwartung des durch die bevorstehende Anstrengung nicht zu vermeidenden Schweißflusses entledigten sich  mehr und mehr Unentwegte ihrer vor der morgendlichen Kälte schützenden Umhänge und stopften sie in Gepäckballen, welche später von einer Kutsche an den Ankunftsort des Trecks gebracht wurden.

 
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Old Flatterband war verwundert, dass sich zu dieser Austragung nur 170 Mutige eingefunden hatten, unter welchen zu seiner großen Überraschung kaum ein bekanntes Gesicht auszumachen war. Auch keiner seiner Companions vom m4y-Chronicle war  zugegen. Er fragte sich, welche Jagdgründe wohl Red Bull Joe, Five Finger Wolf, Hopfentropfen-Anton und all die anderen an diesem Tag auf der Suche nach neuen Entdeckungen durchstreiften.

Zum Frühstück hatte er nur etwas altes Brot, Schokolade und Trockenfrüchte, trotzdem trug er keinen dieser Munitionsgurte, in welche sich einige der Treckers anstelle der Patronen jeweils Riegel und in kleine Beutel abgepackten, dick eingekochten Sirup einstecken.  Er war sich sicher, dass er ohne diese Hilfsmittel über die Runden kommen würde, denn schon im Vorfeld hatte er im weltweiten Bildtelegraphen-Netz gelesen, dass sich der Mayor nicht lumpen lasse und mit seinen Leuten entlang der Strecke zahlreiche Stationen mit Tranksame und Früchten aufbauen werde. Seine Fürsorge ging so weit, dass entlang der Strecke an verschiedenen Orten Kutschen zur Aufnahme erschöpfter oder verletzter Treckers bereitstanden. Reiter mit Radpferden würden auch den kahlköpfigen Doc in kurzer Zeit zur Stelle bringen, so es denn erforderlich würde.

Es erfüllte Old Flatterband mit Genugtuung, dass das Kommando zum Loslaufen nicht wie anderswo mit einem ohrenbetäubenden Knall aus einer Büchse oder Kanone kam. Auch er hatte zwar lange genug in der Army gedient, doch hatte der Meldedienst, dem er zugeteilt war, zu seinem Glück nicht viel mit den kombattanten  Truppenteilen zu tun.  Aber mit vielen der jungen Infanteristen konnte er es durchaus noch aufnehmen. Nicht mit Kraft und Schnelligkeit, aber an seiner Ausdauer konnte sich so mancher Jungspund die Zähne ausbeißen.

 
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Gemächlich machte er sich am Ende der losstürmenden Meute auf den Weg,  der auf der befestigten Straße der Postkutsche zuerst in Richtung des Zentrums von Montafon County führte. Kein Normalsterblicher würde sonst auf dem Weg nach San Antonio mit einem solchen Umweg  beginnen. Aber seit ein Council beschlossen hatte, dass ein Pheidippides-Treck eine genau einzuhaltende  Streckenlänge aufzuweisen habe, musste diesem Gebot Genüge getan werden. Als der dazu benötigte Punkt erreicht war, wurde auf einer Brücke der Litz River überschritten und der Rückweg nach Silbertal City angetreten, wo zahlreiche Schaulustige und die erste der schon erwähnten Trankstationen am Ort der Entlassung auf die Treckers warteten.

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Informationen: Montafon Arlberg Marathon
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