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Laufberichte

Marathon du Médoc - Der längste Karnevalsumzug der Welt

13.09.09

Zum 25. Mal fand am 12.09.2009 der Marathon du Médoc statt

Für all diejenigen Marathonis, für die nicht der reine Wettkampf im Vordergrund steht, sondern auch die pure Lust, gemeinsam mit anderen einen Lauf geradezu zu zelebrieren, für die ist der Marathon du Médoc genau richtig. Wohingegen Läufer, die sich sonst durch Alkoholabstinenz und Körnerkuren die letzten Gramm Körperfett für Bestzeiten weghungern, lieber daheim bleiben sollten.

Wer glaubt, beim  Köln Marathon die Hochburg der guten Läufer-Laune entdeckt zu haben, der irrt. Denn was sich mir und meiner Frau am vergangenen Samstag im Südfranzösischen Paulliac dargeboten hat, entzieht sich fast jeglicher Beschreibung.

Bereits am Vorabend des Laufes bietet der Veranstalter nicht einfach eine Pastaparty - nein - hier wird auf dem Schloß-Weingut diniert !  In diesem Jahr stand als Ausrichter das Chateau Pichon-Longueville an. Bei sommerlichen Abend-Temperaturen um die 20°C  wurde im Schloßgarten an lang gedeckten Tafeln zum 4-Gänge-Menü geladen, das für ca. 2500 der 8500 Läufer serviert wurde (Voranmeldung gegen Aufpreis erforderlich). Kurios die Menüwahl, denn selbst das Dessert enthält Nudeln und zu jedem Gang wird ein anderer Wein gereicht. Wer sich bereits jetzt warm machen möchte, dem stehen Parkett und Liveband zur Verfügung.

Wer den Abend gut überstanden hat, findet sich am nächsten Morgen zum Start auf der Uferpromenade in Paulliac ein. Zum diesjährigen Marathon lautet das Motto „Circus“ und so wimmelt es um uns herum voller Kostümierter. Ganze Gruppen erscheinen als Raubkatzen, Clowns oder Dompteure. Eine Horde zieht einen selbstgebauten Löwenkäfig hinter sich her. Eine andere Gruppe, als Piloten verkleidet, schleppt einen nachgebauten Starfighter in der Größe eines PkWs mit sich. Cäsar und seine Gladiatoren ziehen auf und ein Zirkusdirektor schwingt die Peitsche.

Ein Kran zieht ein überdimensionales Windspiel (Mobile) über die Köpfe der Läufer hinweg, an dem marionetten-ähnlich Menschen hängen, die auf Trommeln Sambarhythmen schlagen. Die Meute fängt an zu wippen und zu hüpfen.

Nach einem kurzen Countdown setzt sich die farbenfrohe Läuferschlange in Bewegung und drängt sich aus dem Städtchen. Vor uns liegen 42km durch eines der größten Weinanbaugebiete. Vorbei an 57 Chateaux erwarten uns 23 Versorgungsstände, an denen zur Weinprobe geladen wird. Darunter so ehrfürchtige Namen wie Chateau Lafite-Rothschild und Chateau Mouton-Rothschild. Neben den üblichen Bananen und Orangen werden an ausgewählten Stellen auch Froschschenkel und Austern gereicht. 

Bereits bei KM 1 bietet sich der Griff zum geliebten Traubensaft und noch eh sich die Masse richtig in Gang gesetzt hat, staut sich alles wieder am Ausschank. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich noch nie vorher langsamer in einen Marathon gestartet bin. So recht kann ich mich nicht an dieses Tempo gewöhnen, aber sonst scheint sich niemand daran zu stören. Die 10-KM-Marke passiere ich nach 1h 03 und ganz langsam zieht sich das Feld auseinander und ich kann etwas mehr meinen Rhythmus aufnehmen. Die Strecke wechselt zwischen Landstraße und Naturwegen. In den Parks der Chateaux liegt meist Kies.

Bei KM 15 nutze ich endlich selbst die Gelegenheit und gönne mir ein Gläschen Chateau Larose-Trintadum, dazu gibt´s knackige Rockmusik live.

KM 21 passiere ich nach ca 1 h 55. Es geht auf Mittag zu und die Temperaturen steigen an. Hunger kommt auf und ich freue mich schon auf den Versorgungsstand mit dem geräucherten Schinken.  Doch zunächst gilt es, die größte Erhebung der Strecke bei KM 27 zu überwinden. Ein kurzer Anstieg von 7 auf 32m ü. NN, das war´s ! Ich gönne mir als Belohnung ein Glas Chateau Le Crock und schieße mein 84zigstes Foto.

Bei KM 33 erreicht man den nördlichsten Punkt der Strecke. Nach einem kurzen Schlenker durch die Reben geht es auf die 5 KM lange Zielgerade, die mich entlang des Flusses Gironde nach Paulliac zurückführt.

Hier reihen sich die Versorgungsstände aneinander. Zunächst der Schinken, dann folgen die Austern, die mit Zitrone überträufelt besonders lecker sind. Das gegrillte Stück entrecôte (Rindersteak) lasse ich aus und nehme mir bei KM 41 lieber noch das Eis als Nachtisch.

Nach handgestoppten 03:49:43 h überschreite ich die Ziellinie auf der breiten Platanenallee. Aber Zeiten interessieren hier niemanden. (Offiziell werde ich später mit einer Bruttozeit von 03:56:09 h gelistet. Gesamtplatz 441 von 7557 Finishern.) Wichtiger ist zunächst der Gang zur Versorgung im Zielbereich. Hier warten weitere Köstlichkeiten.
Nach einer kühlen Dusche im Container sitze ich anschließend mit meiner Frau (04:14:15 h) auf einem der Liegestühle und wir stoßen mit einem Gläschen auf das Geleistete an. Später gehen wir zum Zielbereich hinüber, um uns den Einlauf der letzten Clowns und Raubkatzen anzusehen. Die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt, als eine Gruppe Gorillas per Purzelbaum über die Ziellinie rollt.

Nach 6h 30 schaltet die Uhr ab - Zielschluss. Wer jetzt noch kommt wird trotzdem noch begrüßt. Die Kostüme sind einfach zu gut, als dass man sie nicht mehr einlaufen lässt.

 


 

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