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Laufberichte

Habemus maratonam!

17.03.13

Wer hätte das gedacht. Dass "unser Papst", unser Benedikt aus Marktl am Inn, unser deutscher Heilsbringer, ja mehr noch, ein Bayer, ausgerechnet jetzt altersweise davon Abstand nimmt, sein Amt bis zum letzten Halleluja fortzuführen!

Schon Wochen vor dem Start des Maratona di Roma, Edizione 19, stellt sich daher die spannende Frage: Was wäre wenn? Proaktiv werden wir im Internet über "Risiken und Nebenwirkungen" für den Fall informiert, dass das Konklave nicht enden will, just am Lauftag weißer Rauch vom frisch gekürten Papst kündet oder dieser die Menschheit mit seinem ersten Angelus-Gebet auf dem Petersplatz beglückt. Eine Verlegung der Startzeit auf den Nachmittag und eine mehr oder minder ausgeprägte Streckenänderung stehen im Raum, doch die für uns wichtigste Botschaft lautet: Habemus maratonam - der Marathon findet statt, komme, was wolle.

Sechs Tage sind es noch bis zum Marathonstart, als am Dienstag, 12.03.2013 das Konklave beginnt. Immerhin bei zweieinhalb Jahren liegt der mittelalterliche Rekord. Ein paar Tage reichen den Kardinälen allerdings heutzutage, sich zur nötigen Zweidrittelmehrheit zusammen zu raufen. Gleich zu Beginn des Konklaves erfahren wir, was man sich laufstreckenmäßig für den worst case, einer Inthronisierung des neuen Papstes am 17.03.2013, ausgedacht hat: Eine Rundtour durch Ostiense, Ardeatina, Laurentino, Eur, Portuense,Testaccio. Ein Blick auf den Stadtplan genügt mir, um zu wissen: da will ich nicht hin. So sind die Spannung und das Bangen groß. Doch der "Papst-GAU" bleibt uns erspart. Schon am 13.03. erfährt die Welt: Habemus papam - Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien hat das Rennen gemacht und ist als Papst Franziskus der erste Pontifex Lateinamerikas. So ganz ungeschoren kommen wir Läufer aber doch nicht davon. Aber dazu später.

 

Die Welt in Rom

 

"Ti si apre un mondo" – dir eröffnet sich eine Welt. Alle Jahre wieder ersinnt die Kreativabteilung des Rom Marathon einen neuen besonderen Leitspruch, um die Menschen aus nah und fern zu Italiens größtem Laufevent zu locken. Nun ja, die Worte klingen bedeutungsvoll, bleiben aber etwas kryptisch, sodass man viel in sie hinein interpretieren kann. Die Vorstellung, dass sich einem in Rom marathonisch eine besondere Welt eröffnet, fällt allerdings schon deshalb nicht schwer, weil man hier die Gelegenheit hat, eine der ohne Zweifel großartigsten Städte der Welt, für viele gar deren kulturhistorischer Nabel, unter die Läuferbeine zu nehmen. Und da Veranstalter und Stadtväter bei der Ausrichtung an einem Strang ziehen, dürfen die Läufer den Marathon auf einem Kurs bewältigen, auf dem sie unterwegs all das, was die Stadt so berühmt macht, auch zu sehen bekommen. Zumindest normalerweise.  

 
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Weltoffenheit, das ist in Rom nicht nur ein frommer Wunsch. In besonderer Weise kann Rom für sich in Anspruch nehmen, dass sich hier die Welt zum Marathonlaufen trifft: Fast 43 % der über 14.000 gemeldeten Teilnehmer kommen aus dem Ausland, 82 Länder sind vertreten. Das schafft kaum einer der anderen "Großen" in der europäischen Marathonszene. Und bei einem großzügigen Zeitlimit von 7 Stunden wäre zum Kulturgenuss auch die eine oder andere Capuccinopause drin.  

 

EUR

 

Rom, einstiger Mittelpunkt des römischen Imperiums, da erwartet man ein antikes oder zumindest mittelalterliches Monument eigentlich hinter jeder Straßenecke. Wer nun denkt, in derartigem Ambiente auch seine Startunterlagen abholen zu dürfen, darf gleich einmal feststellen, dass Rom optisch auch ganz andere Seiten hat. Für die Startnummer muss man mit der U-Bahn Linie B bis zur Station "EUR Fermi" im Süden der Stadt fahren.

 
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EUR, das steht für "Esposizione Universale di Roma" und meint die Weltausstellung, die 1942 geplant war, aber "umständehalber" ins Wasser fiel. Geblieben ist ein Ensemble streng symmetrisch strukturierter, säulenumrankter Gebäudeklötze aus hellem Sandstein, an dem Freunde modernistischer Architektur a la Bauhaus Gefallen finden mögen. Letztlich wirken diese Relikte, mit denen sich das einstige faschistische Regime im Stadtbild verewigt hat, aber doch wie Fremdkörper. Aber einen Vorteil bieten sie doch: viel Platz, für Ministerien und Büros, und auch – im Palazzo dei Congressi – für eine standesgemäße Marathonmesse.

Hervorragend organisiert und trotz der vielen Teilnehmer entspannt und unbeengt ist sie. Nur bei der Pasta sollte der Hunger nicht zu groß sein. Nicht wegen der Portion, sondern wegen der langen Warteschlange an der Ausgabestelle. Umso schneller bekommen wir unsere  Startnummer und obendrauf ein Erinnerungs-T-Shirt und einen bunten Rucksack. Eine gute Idee, die Botschaft des Rom Marathon in alle Welt zu tragen.  

 

Ring frei in der Manege

 

"Rom klassisch" dürfen wir dagegen am Start erleben. Und wie! Die breite Via dei Fori Imperiali ("Straße der Kaiserforen") im Herzen des antiken Rom, direkt neben den Stätten des Forum Romanum und zu Füßen des berühmtesten aller Amphitheater, des Kolosseum, bietet eine Kulisse, wie sie für einen Marathonstart kaum beeindruckender sein könnte.

 
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Gleich einem Lindwurm windet sich der Läuferstrom in den Sonntagmorgenstunden von den  Ausgängen der U-Bahn-Stationen „Coliseo“ und "Circo Massimo" hin zu den unterhalb des Palatin in der Via di San Gregorio für die Gepäckabgabe aufegreihten LKWs. Die Stimmung ist trotz des Andrangs relaxt. Vielleicht trägt dazu auch die idyllische, geradezu klassisch italienische Szenerie bei. Turmhohe Pinien umranken die Straße und die historischen Relikte auf dem üppig grünen Palatin. Am antiken Triumphbogen Kaiser Konstantins und der trutzigen Fassade des  Kolosseum-Runds vorbei erreicht die Karawane die durch hohe Gitter abgegrenzten Zugangswege zu den vier Startblöcken. Ein wenig komme ich mir vor wie ein Raubtier auf dem Weg in die Manege. Die Eingangskontrolle ist streng, Diskussionen sind zwecklos. Uneinsichtigen zeigt ein Typ mit Türsteherstatur, wo es lang geht.

 
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Die Stimmung in den Startblöcken auf der Via dei Fori Imperiali ist großartig. Vor allem die  italienischen Läufer lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Musik schallt duch die Luft, Hubschrauber knattern am Himmel. Dazu die Sonne, die uns zumindest zum Start eine Audienz gibt und alles in ein warmes Licht taucht. Der Blick über die sich vor dem Kollosseum aufreihenden Menschenmassen, den ich dank 1,88 m-Perspektive bevorzugt genießen darf, ist überwältigend. Grande emotione! Nachdem die Handbiker auf die Strecke entlassen sind, heißt es auch für die Läufer um 9.30 Uhr "Ring frei". Mit einem finalen Jubelschrei aus Tausenden von Kehlen stürzt die euphorisierte Menschenmenge auf die Strecke.

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