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Laufberichte

Es lebe die Tradition

 

Wenn es um Marathons geht, sind die Wikipedia-Einträge meist eher schmal. Was an den Autoren liegen mag, aber auch an der Veranstaltung selbst. Ruft man den Eintrag für den „Leipzig Marathon“ ab, darf man gleich ein paar mehr Blatt Papier in den Drucker legen. Denn hier offenbart sich die Vita eines wahrlich langen, überaus wechselvollen Marathon-Daseins.

Schon 1897 wurde in Leipzig der erste deutsche Marathon überhaupt gelaufen, 1925 die erste offizielle deutsche Meisterschaft im Marathon ausgetragen. Seit 1977 existiert die heutige, breitensportausgerichtete Veranstaltung. Ohne Zweifel. Der Leipziger Marathon ist der deutsche Traditionsmarathon schlechthin. Bei so viel Tradition wundert es nicht, dass selbst ein  Buch („Marathon-Mekka Leipzig“) über den Lauf geschrieben wurde.

Nur zu einem passt das Attribut „Tradition“ nicht recht: zur Streckenführung. Denn die war in den vielen Jahren einem permanenten Wechsel unterworfen. Eine, zwei, drei, vier oder gar acht Runden, raus aus der Stadt, rein in die Stadt. Der Ist-Zustand mit Start und Ziel auf dem Sportforum und einem Zweirundenkurs mit hohem Sightseeingfaktor hat zumindest seit mittlerweile 2007 und auch heuer bei der 39. Austragung Bestand.

Noch etwas macht den Termin 2015 zu etwas Besonderem: Leipzig begeht in diesem Jahr 1.000 Jahr-Feier. Exakt 1.000 Jahre ist es her, dass Leipzig als „urbe lipsi“ im Jahre 1015 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das wird im Design des diesjährigen „Stadtjubiläumsmarathonshirt“ gleich auch entsprechend gewürdigt. 

 

Rund um das Sportforum ...

 

.... dreht sich in Leipzig auch schon vor dem Start alles. Reichlich Auslauf für Läufer und Besucher und viel Grün bietet das am westlichen Stadtrand gelegene Areal. Zwischen Festwiese und der Arena Leipzig entsteht rund um den Start-/Zielkanal flugs eine kleine Zeltstadt. Gleich dahinter spitzt das geschwungene Dach des Zentralstadions, heute Red Bull-Arena, über die Baumkronen.

 
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Die Startunterlagen bekomme ich ganz in der Nähe in der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. In der altehrwürdigen Ernst-Grube-Halle ist auch eine kleine, aber feine Messe eingerichtet. Was mir schon an Leipzig ganz generell aufgefallen ist, gilt auch für diesen Ort: Es geht ungemein entspannt zu: Gute Stimmung, kein Gedränge, keine Hektik. Im Innenhof der Fakultät gibt es Bratwürste und Schmalzgebäck, Bier und Kaffee. An langen Bänken und Tischen sitzend kann man die Sonne und das Treiben genießen. Auf die Pasta-Party am späten Samstagnachmittag verzichte ich allerdings. Zu verlockend ist die bunte Gastro-Szene in der Gottschedstraße gar nicht weit weg, vor allem wenn man als „Touri“ in der Stadt ist und etwas erleben will. 

 

Drei, zwei, eins ....

 

Kein Frühaufsteher muss man sein, um in Leipzig Marathon zu laufen. Damit lässt sich bestens an die entspannte Vortagesstimmung anknüpfen. Noch dazu lacht die Sonne bei angenehm kühlen Temperaturen vom Himmel. Ideale Laufbedingungen also. Trotz aller Unkenrufe finde ich unweit des Sportforums einen Parkplatz für mein Auto. Die meisten kommen ohnehin mit der Tram – oder mit dem Fahrrad. Ohne Zweifel: Leipzig ist Fahrradstadt. Das passt zur Stadtkultur. Und die vielen Parks und das umliegende Seenland lassen sich ohnehin so am besten erkunden.

 
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Um die 9.000 Läufer sollen es sein, die sich in diesem Jahr zu einer der angebotenen Disziplinen und Distanzen angemeldet haben. Im Angebot hat Leipzig dabei ein buntes Potpourri: Läufe über 4, 10, 21 und 42 km, für die Großen und die Kleinen, individuell und in Staffeln, für Inlineskater und für Rollstuhlfahrer und Handbiker. Die Starts sind über den ganzen Tag verteilt, sodass rund um das Sportforum immer etwas los ist, das Gelände aber nie überfüllt wirkt. 

Für die „Königsdisziplin“, den Marathon, haben sich heuer etwa 700 Läufer entschieden. Bevor wir Einlass in den Startkanal bekommen, dürfen wir zunächst erleben, wie die Inline-Skater auf die Piste geschickt werden. In drei Gruppen wird gestartet: Erst die „Professionals“, dann die Breitensportler. Allen gemeinsam: ein superdynamisches Outfit. Ein faszinierendes Bild ist, mit welchem Tempo es bei Ihnen von Anfang an zur Sache geht. Nun ja: Sie haben auch „nur“ 21 km vor sich, die der Schnellste aber in 35 Minuten bewältigen wird.

Dann sind wir, die Läufer mit der blauen 40er-Startnummer an der Reihe. Blaue Luftballons zeigen, wo sich die Zugläufer für Zielzeiten zwischen 3 und 5 Stunden positioniert haben. Die Cheerleader-Mädels wirbeln sich schon einmal warm, während wir händeklatschend auf den Startschuss warten. Um Punkt 10 Uhr ist es soweit. Ein Pistolenschuss, ein kurzes Ruckeln bis zur fiependen Startmatte – und los geht es.

Vorbei an langen Reihen klatschender und fotoschießender Zuschauer geht es geradewegs hinein in die von mächtigen Alleebäumen gesäumte Marschnerstraße und weiter in Richtung Leipzig Mitte. Ein kolossales, von einer mächtigen Kuppel gekröntes Bauwerk türmt sich im Gegenlicht am Horizont vor uns auf. Es ist der schon optisch gestrenge Monumentalbau des einstigen Reichsgerichts, seit 2002 Sitz des  Bundesverwaltungsgerichts und damit Deutschlands höchster Instanz in öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten. Mit seinen hohen Säulen im Eingangsbereich und der Kuppel obendrauf ist eine gewisse Ähnlichkeit zum Berliner Reichstag nicht zu verleugnen.

 

Sightseeing zwischen Rathaus und Augustusplatz

 

Mit dem Bundesverwaltungsgericht erreichen wir die Ringstraße, die das Stadtzentrum umschließt und der wir nun etwa einen Kilometer weit folgen. Für uns heißt das vor allem: Es ist Sightseeing angesagt. Direkt vor uns erstrahlt eines der beliebtesten Fotomotive Leipzigs im Sonnenlicht. Das Neue Rathaus mutet äußerlich mehr einem Palast als einem Verwaltungsgebäude an. Im Stil der Spätrenaissance Ende des 19. Jahrhunderts errichtet ist es heute Sitz der Leipziger Stadtverwaltung. Dass der festungsartige, den Komplex im Zentrum 114 m hoch überragende Rathausturm irgendwie „anders“ wirkt, ist kein Wunder, ist er doch in wesentlichen Teilen ein Relikt der mittelalterlichen Pleißenburg.    

 
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Ein Wegstück weiter fällt der Blick unweigerlich auf das die Grünanlagen am Ring weithin sichtbar überragende City-Hochhaus. Immerhin schon 45 Jahre alt ist es und mit 142 m war es einst höchstes Hochhaus in deutschen Landen. Aufgrund seiner markant seitlich zugespitzten Dachform ist es kein Wunder, dass ihm Kosenamen a la „steiler Zahn“ zugedacht wurden. Einst war das Hochhaus Teil des Uni-Campus, heute ist es einfach ein Bürohaus. Die 3 € für einen Besuch der Aussichtsplattform ganz oben sollte man aber investieren. Nirgendwo sonst hat man einen so perfekten Leipzig-Rundblick. 

Via Roßplatz macht die Ringstraße einen Knick nach Norden. Ein kompakter, ockerfarbener Gebäudeklotz macht sich gleich zu Füßen des City-Hochhauses breit. Das Gewandhaus – in der heutigen, dritten Edition 1981 fertig gestellt - kann man als hässliche Verirrung des betondominierten Baugeschmacks der 70er-Jahre sehen oder als wegweisendes Monument der Moderne, jedenfalls beherbergt es Leipzigs berühmtestes, traditionsreichstes Orchester. Seinen wahren Zauber entfaltet der Bau nachts, wenn das beleuchtete monumentale Deckengemälde im Inneren, Sighard Gilles „Gesang vom Leben“, durch die riesige Glasfassade erstrahlt.

Mit dem Gewandhaus erreichen wir Leipzigs größten Platz, den Augustusplatz. Viele berühmte Bauwerke säumen ihn, verwirrend ist allerdings deren Inhomogenität. Viel zu schnell rauschen wir vorbei, als dass man die vielen Eindrücke auf sich wirken lassen könnte. Der Hingucker des Platzes ist allerdings bei Tageslicht weder das Gewandhaus, noch das City-Hochhaus, auch nicht das Opernhaus und erst recht nicht das Krochhochhaus von 1928, sondern: Das erst 2012 fertig gestellte Neue Augusteum. Es ist der Mittelpunkt des niegelnagelneuen Uni-Campus Leipzigs. Eine extravagante Melange aus blau-grau schimmerndem Glas und poliertem Naturstein, wie Stäbchenparkett geschichtet, ziert die Fassade. In ihr findet sich gestalterisch auch die historische, einst abgerissene Paulinerkirche wieder. Manchem mag das Design zu gewagt erscheinen: Für mich ist es ein Meilenstein moderner Architektur, das der seit 1409 währenden Uni-Tradition Leipzigs würdig ist.

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Informationen: Leipzig Marathon
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