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Laufberichte

Wettlauf mit der Lady in black

22.09.13

Mit den Industriellen Werken (IWB) bekam der Basel-Marathon 2013 nach der Kaufhauskette Manor im Vorjahr einen neuen Hauptsponsor, die Streckenführung wurde gegenüber 2012 jedoch nicht verändert. Für die  Marathondistanz ist der schlaufenartige Rundkurs durch das historische Stadtzentrum von Basel und über den Rhein zweimal zu durchlaufen, die Halbmarathonis haben nur eine Runde Zeit, einen Blick auf die schönsten Bauwerke und Sehenswürdigkeiten der drittgrößten Stadt der Schweiz zu werfen.

Es ist eine „Ewigkeit“ her seit meinem letzten Aufenthalt in Basel. Anfang der 1990er Jahre besuchte ich in den Messehallen die internationale Bildungsmesse „Worlddidac“, hatte damals aber kaum Zeit für eine ausgiebige Stadtbesichtigung. Eine Kollegin von mir, die öfters beruflich in Basel zu tun hat, schwärmt mir jedes Mal vor, wie reizvoll sie es findet, in der Altstadt zu flanieren und sich in ein Lokal zu setzen. Man würde gleich Anschluss finden.

Ich komme mit dem Intercity aus Zürich am Vortag an. Mir bleibt gerademal eine Stunde Zeit, um nach dem Einchecken im Hotel Schweizerhof mit der Tram Nr. 11 in Richtung Dreispitz zu fahren und dort in den Bus Nr. 36 umzusteigen. Diese Infos gibt mir der Portier,  um 16.45 Uhr bin ich im Shopping Center St. Jakob. Die Organisation des IWB Basel Marathons und die Pressearbeit wird von der IMG AG abgewickelt. Ich frage einen Verkäufer, ob er weiß, wo die Startunterlagen für den Marathon ausgegeben werden. Einen Wegweiser sehe ich nirgends, doch der junge Mann kennt sich aus: „Gehen Sie durch die Shopping Mall, ganz hinten sind einige Tische aufgebaut, dort werden sie bedient.“

Es ist wenig los, eine Frau händigt mir die Startnummer 316 mit dem angebrachten Transponder von Datasport auf der Rückseite aus. Shirt habe ich keines bestellt, man kann es um 15 Franken kaufen. Ich überlege kurz, ob ich mir eines in Größe L besorgen soll, nehme aber davon Abstand, weil ich so viele Marathonleibchen zu Hause habe, die in mehreren Kästen abgelegt sind und die ich wohl nie tragen werde.

Auf der Veranstalterhomepage wird  angekündigt, dass auch heuer wieder während des Laufes auf einer noch bekanntzugebenden UKW-Frequenz und über Internet ein „Run to the Beat“-Livestream für die passende Musik für jeden sorgen wird, vorausgesetzt, man hat einen mp3-Player oder ein Smartphone dabei und möchte sich von der Musik stimulieren lassen. Auf einem Poster steht nun die Wellenlänge, mit der das UKW-Live-Radio empfangen werden kann: 106,6 MHz. Ich persönlich werde diese Option nicht beanspruchen, weil ich nie mit Ohrstöpsel laufe, vielmehr beim eher seltenen Joggen in der Natur die Geräusche meiner Umgebung aufnehme. Keine Frage aber, es gibt viele junge und auch ältere Leute, die gerne Musik beim Laufen hören. Ich kenne nur vom Sehen einen ehemaligen Primar aus der Wiener Rudolfstiftung, der im Prater im Training oft mehr als einen Marathon läuft und stets mit Kopfhörern anzutreffen ist.

Noch verbleiben mit ein paar Stunden Zeit, um zurück in die Basler Innenstadt zu fahren und mich ein wenig dort umzusehen, wo morgen der Kurs verlaufen wird.  Im Hotel habe ich ein 24 Stunden gültiges Gratisticket für die Tram bekommen. Das nutze ich aus und fahre zum Barfüsserplatz, wo am Sonntag um 8.30 Uhr der Marathon gestartet wird und auch das Ziel ist. Ich spaziere vom Marktplatz zur Mittleren Rheinbrücke, knipse ein wenig, schlendere weiter zum Münster und gelange auf die Wettsteinbrücke, auf die morgen der Marathon gleich am Anfang führen wird.

Ich bleibe beim Basilisken stehen, den ich vielleicht am Renntag gar nicht so intensiv werde betrachten können, weil einem beim Laufen doch weniger Zeit bleibt. Die Aussicht von der Brücke auf den Rhein nach Osten und Westen bietet ein gutes Fotomotiv, auch die Fassaden der prächtigen Villen und restaurierten Albaner Bürgerhäuser aus vergangener Zeit, als die Stadt Basel ihre Position am Rheinknie gegenüber den nicht immer freundlichen Nachbarn festigte, dokumentiere ich fotografisch mit meiner Canon Ixus 220 HS, die mir inzwischen gute Dienste erwiesen hat. Eigentlich sind dies eher Vorratsbilder, denn morgen beim Lauf kann alles wieder anders aussehen, das Wetter und die Sicht schlecht sein, es vielleicht sogar regnen. Ich ertappe mich dabei, dass ich die Funktion eines M4Y-Läufers mit fast schon übergebührlicher Verantwortung angehe – es kommt vor, dass der Häuptling selbst vor Ort weilt und mehr registriert und fotografiert als man selbst, da kann es dann schon peinlich werden, wenn die eigenen Fotos wenig taugen.

 
© marathon4you.de 18 Bilder

Am frühen Abend esse ich um 15 Franken ein Schnitzel mit Beilage, mit einem großen Bier lege ich über 20 ab. Den späteren Abend sitze ich vorm Fernseher, schaue mir die Sportschau an. Frühstück gibt es im Schweizerhof ab 7 Uhr. Ich gehe vors Hotel, um einen Wettercheck zu machen. Es ist recht frisch, scheinbar bewölkt oder doch nur Hochnebel, der die aufgehende Sonne verdeckt. Die Dame an der Rezeption schaut für mich im Internet nach, es könnte bewölkt bleiben, aber an die 20 Grad bekommen. Also bestes Laufwetter!

Mir bleibt nun noch eine halbe Stunde Zeit, um die 2 km zum Barfüsserplatz mit der Tram zu fahren. Ich habe meinen Rucksack geschultert, die nötige Kleidung zum Umziehen nach dem Lauf eingepackt. Im Prospekt steht, dass man nur auf Wertsachen aufpassen würde, also Geldbörse, Schlüssel etc. offiziell im Depot annehme. Im Obergeschoß des Stadt Casinos, wo man sich auch am Renntag nachmelden kann, befindet sich die Herrengarderobe. Hier kann man seine Sachen unbeaufsichtigt deponieren – Marathonläufer sind in der Regel ehrlich und verlässlich. Ich zweifle keine Sekunde, dass ich meinen Rucksack  nach dem Zieleinlauf wieder dort antreffen werde.

Während der Marathon in wenigen Minuten starten wird, haben die Halbmarathonläufer noch bis 9.15 Uhr Zeit. Es sind kaum mehr als 300 Marathonis versammelt. Ich knipse wie gewohnt, um etwas von der Stimmung im Bild einzufangen. Hunderte Medaillen liegen auf einer Bank, offenbar sind doch mehr Halbmarathonläufer gemeldet als ich zunächst vermutete. Dazu kommen noch der 10 km-Lauf ab 9.30 Uhr, ein Teambewerb um 11 Uhr und schließlich um 13 Uhr ein Jugendlauf.

Mir fallen die zahlreichen Pacemaker mit ihren bunten Ballons auf –  die Palette reicht von 3  bis  4 Stunden-Zielläufern im 15 Minuten-Abstand und dann weiter von 4:30 bis 5 Stunden – in Summe sind das sieben Gruppierungen, wobei z.T. mehrere Pacemaker für eine Zielzeit bereitstehen. Welche Finisherzeit könnte ich mir  ad hoc zutrauen? Die größten unverbrauchten Kraftreserven hatte ich heuer am 5. Mai als A-Eskorteläufer bei Christian Hottas 2000. Marathon in Hannover. Er gab die Devise aus, mit 5:30 zu finishen – eine Zeit, die mir keine Mühe bereitete. Ich denke, dass ich mich als 5-Stunden-Pacemaker einmal irgendwo bewerben sollte. Bei dieser Zeit dürfte eigentlich nichts schiefgehen – außer es hat 38 Grad wie heuer im Sommer in Pilsen, da habe ich über 5:40 Stunden für die 26 Runden in praller Sonne benötigt.

 
© marathon4you.de 13 Bilder

Nun gibt der OK-Chef Adrian Schlatter das Startsignal, es geht los. Der Mann vor mir im blau-schwarzen Shirt vom Westaustralia Marathon Club geht es energisch an. Wenn jemand von so weither zum Basel Marathon anreist, will er wohl auch eine gute Finisherzeit mit nach  Hause nehmen. Ich habe ja gestern schon einen Teil des Kurses besichtigt, doch heute kommt mir die Strecke von der Freien Straße, wo der Marathon beginnt, hin zum Bankenplatz und dann nach mehreren Richtungswechseln weiter auf die Wettsteinbrücke, ziemlich kurz vor. Am anderen Ufer führt der Kurs nach einer Wende am Rheinufer auf Kleinbasler-Seite wieder auf die Brücke zurück. Bald sind die ersten 2 km erreicht, die auf einer Tafel – wie im Verlauf des Rennens jeder Kilometer –   angezeigt werden. Die Sicht auf den Rhein hinunter ist ziemlich schlecht im Vergleich zum strahlenden Sonnenschein gestern am späten Nachmittag. Zu meiner Linken erblicke in am Ende der Brücke wieder den Basilisken, der auf einen Sockel thront. Meine Fotos vom Vortag sind gut geworden, auch jetzt beim Rennen bleibe ich stehen und fotografiere.

 
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Informationen: Basel Marathon
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