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Laufberichte

Auf Sendung

11.09.11

Vor zwei Wochen bin ich – zwar sanglos, mit meinem bellenden Husten, aber nicht klanglos – in Courmayeur aus dem Äther verschwunden. Ich fühle mich jetzt aber wieder so weit wiederhergestellt, dass ich in Basel wieder auf Sendung gehe.

Das mache ich zusammen mit rund vierhundert weiteren Marathonis und einem UKW-Sender mit der Frequenz 106,6. Richtig gelesen: Der Manor Run to the Beat Basel Marathon hat an diesem Tag einen eigenen Sender. Das ist eine Weltpremiere und sie wird die bei der Erstaustragung noch zu bemerkende Lücke füllen und der Philosophie der Run to the Beat–Anlässe besser Rechnung tragen. Die Programmzeitschrift listet vier Hauptkriterien für die Unterstützung des Laufens durch Musik auf:

Musik senkt die Empfindung der körperlichen Anstrengung, Musik kann aufputschen oder die Nerven beruhigen und zur besseren Konzentration verhelfen, zudem hat sie Einfluss auf die Körperbewegungen mit dem Effekt der Senkung des Sauerstoffverbrauchs um bis zu 6% und sie kann zur  Verbesserung der Lauftechnik beitragen.

Gestern Samstag wurden die Startnummern an der Läufermesse im Stadtcasino ausgegeben. Ich hole meine Unterlagen heute frühmorgens in der St. Jakob-Halle. Die Räumlichkeiten sind sehr großzügig, entsprechend ist alles übersichtlich und es steht genügend Platz zum Umziehen zur Verfügung. Auch die Toilettendichte ist angenehm hoch. Hinter der Halle warten ein paar LKWs, in welchen die Taschen für den Transport zum Ziel abgegeben werden können.

 
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Erstmals gehe ich nicht nur „chipped and tagged“ an den Start, sondern auch „wired“. Verkabelt laufe ich sonst nur dann und wann, wenn ich alleine unterwegs bin, denn ein Marathon ist für mich immer auch ein sozialer und kommunikativer Anlass. Diese Weltpremiere will ich mir aber nicht entgehen lassen!

Zwischen der Sporthalle St. Jakob (Wetten, dass ihr die aus dem Fernsehen kennt?) und dem St. Jakob Park ist alles für den Start bereit. Der St. Jakob Park ist Ersatz für das alte „Joggeli“, Heimat des FC Basel, und eine moderne Fußballarena mit Mantelnutzung. Nebst einem Warenhaus des Titelsponsors ist auch eine Seniorenresidenz mit Blick aufs Spielfeld Teil davon. Ich stelle mir vor, wie ich als Senior noch vermeintlich Versäumtes nachhole und in einer Phase von Spät-Hooliganismus in der Loge meines Alterswohnsitzes Petarden abfackle.

Auf Petarden und Ehrenstarter aus der politischen Szene wird beim Start verzichtet. Namen sind eh nur Schall und Rauch und so manch ein vom Volk Gewählter nur ein Rohrkrepierer. Ein satter Schuss aus der Pistole, und Adrian Schlatter, der OK-Chef schaut dem Feld nach. Für den Platz, welcher auf dieser breiten Straße zur Verfügung steht, ist es mit seinen rund 400 Seelen viel zu klein.

 
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Zuhinterst im Feld trabe ich los, gleich an der alten St. Jakobs-Kirche vorbei. Vor fünfhundert Jahren und zwei Wochen hätte man sich meiner und meines pfeifenden Hustens hier entledigt. Nicht in der Kirche, im Siechenhaus nebenan.

Die Wände der  langen Unterführung unter dem Güterbahnhof sind mit Graffitis geschmückt. Nicht nur Schmierereien, sondern teilweise gekonnte Kunstwerke. Zu meiner Schulzeit sahen die Wände noch nüchterner aus, Sprayereien gab es aber schon damals. „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ zum Beispiel. Die Folgerung im zweiten Teil des Satzes wurde allerdings weggelassen, da die weniger Belesenen sowieso nicht wussten, dass und wie der Satz weitergeht.

Beim Zeughaus nach der Unterführung haben wir uns für wenig Geld auch ausgemusterte Brotsäcke (Provianttaschen) der Armee geholt und sie provokativ mit „Peace, Freedom“ und anderen Schlagwörtern beschriftet. Viel Wasser ist seither den Rhein heruntergeflossen und ich habe Frieden und Freiheit nicht als Wörter irgendwo aufgeschrieben, sondern trage sie als Empfindungen beim Laufen in mir.

Wir haben noch keine zwei Kilometer hinter uns, da weist ein Straßenschild auf den bedeutenden Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt hin, der einer alteingesessenen Basler Familie entstammte. Man bemerke den kleinen Unterschied: Zum „Daig“ gehört nur, wer den Namen mit „ck“ und „dt“ schreiben darf. Lange bevor der bekannte Calvin seine Initialen auf jede von ihm entworfene Unterhose applizieren ließ, hatten die Basler ihr Label. Bloß, zu kaufen gibt es das noch heute nicht. Erhältlich ist es nur durch Erbgang und Heirat.

Wenn man dazugehörte, standen zumindest früher die Chancen gut, ein Domizil in der St. Alban-Vorstadt sein Eigen nennen zu können. In diese hinein schreiten wir durch eines der drei übrig gebliebenen Stadttore. Weitere schöne alte Bausubstanz gibt wenig später von der Wettsteinbrücke aus zu sehen. Links über der Pfalz steht majestätisch das Basler Münster in seinem roten, Wärme ausstrahlenden Sandsteinkleid. Vor dem großen Erdbeben von 1356 hatte es fünf Türme, seither sind es noch zwei.

Auf der Kleinbasler Seite geht es drei Kilometer dem Rhein entlang. Zwischen den Bäumen der Promenade hindurch hat man für zwei Kilometer einen schönen Blick auf das Großbasler Ufer und seinen gepflegten alten Häusern und Kirchen. Bei der Dreirosenbrücke ändert das Bühnenbild auf beiden Seiten des Rheins. Industriegebiet, welches vor allem am linken Ufer im Umbruch ist. Es ist kein sonderlich eleganter Anblick, doch gehört eben auch das zu einer Stadt und der Run to the Beat Basel Marathon findet mit Ausnahme weniger Schritte auf dem Gebiet der Stadt Basel statt.

Im Vordergrund liegen als Kontrast zwei elegante Flußkreuzfahrtschiffe vor Anker, auf welche sich gerade neue Reisegruppen einschiffen. Wenn dieses Prachtwetter auf ihrer ganzen Reise anhält, haben sie Glück.

Nach sieben Kilometer kommt bereits der zweite Verpflegungsposten. Trinken heißt die Devise, denn was jetzt nicht schon einverleibt wird, wird später fehlen. Mit einer Startzeit um 08.30 Uhr kommen wir noch in den Genuss einer angenehmen Lauftemperatur, doch man muss kein Meteorologe sein, um vorhersagen zu können, dass es bei diesem herrlichen Sonnenschein auf der zweiten Streckenhälfte ganz arg warm werden wird.

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Informationen: Basel Marathon
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