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Laufberichte

Wasser predigen, Wein saufen

 

Es hat sehr lange gedauert, bis ich zum ersten Mal beim Trollinger-Marathon in Heilbronn gestartet bin. Über 25 Jahre bin ich schon im Läufergeschäft und erst 2012 hat es mich in diese Region verschlagen. Und nun werde ich 2016 schon zum vierten Mal für euch die Kamera über die Strecke schleppen, den Kotzbuckel verfluchen und dem Weingenuss frönen.

Da es passt, urlauben Henriette und ich gleich das ganze Wochenende in Heilbronn. Am Samstag wollen wir den Tag mit Schlendern und Schauen und den Sonntag mit einer Stadt- und Landbesichtigung verbringen und euch zeigen, dass Heilbronn mehr als den Trolli Marathon zu bieten hat. 

 

Samstag, Tag zum Schauen

 

Wir haben Glück und finden ein Stadthotel nahe der City. So kann man seine Karre getrost in der Garage für drei EUR das ganze Wochenende parken und nur 15 Gehminuten sind es zu den Sportanlagen um das Frankenstadion. Dort findet der Lauffreund Start und Ziel, Nudelparty, Startnummernausgabe und was man alles sonst noch braucht.

Am Samstagvormittag schlendern wir die Allee (so heißt die Straße wirklich) hinunter zur Altstadt, wo die Kaiserstraße im rechten Winkel aus der Richtung zum Bahnhof daherkommt. Regionale Produkte werden auf dem Wochenmarkt auf dem Marktplatz vor dem Rathaus verkauft. Eine kurze Visite ist Pflicht.

Dann buchen wir in der nebenan liegenden Tourist Info eine „Stadtführung zur Marktzeit“. Die Stadtführerin nimmt sich bei der 60minütigen informativen Besichtigung die wichtigsten Gebäude vor. So erfahren wir vieles über das Rathaus mit seiner astronomischen Uhr, die Ehrenhalle im Innenhof, die evangelische Kilianskirche und den Götzenturm. 

 

 
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Am 4. Dezember 1944 wurde die Altstadt bei einem alliierten Luftangriff völlig zerstört, 6500 Menschen kamen damals ums Leben. In nur wenigen Jahren wurde die Altstadt in einer gewaltigen Kraftanstrengung wieder aufgebaut. „Wer sich damals beim Bau nicht bewegte, wurde gleich eingemauert,“ so die Stadtführerin mit einem zwinkernden Auge. Toll, wie die betagte Dame auch Kinder in ihren Vortrag mit einbezieht. 

Der nächste Programmpunkt ist ein Kurzbesuch des 27. Treffpunkt Europa, der Begegnung von europäischen Bürgern auf dem Kiliansplatz hinter der Kilianskirche. Den ganzen Tag werden im 15minütigen Rhythmus Darbietungen auf der Bühne gezeigt. Tänze, Folklore, Chöre und Modenschauen werden von Heilbronner Vereinen dargeboten. Für unseren Gaumenschmaus werden kulinarische Köstlichkeiten von Türken, Italiener, Kroaten, Bosnier, Sarden, Aleviten, Ungarn, Griechen, Chinesen und Afrikanern angeboten. Da muss doch für jeden etwas dabei sein.

Am Nachmittag marschieren wir zum Sportgelände an der Badstraße. Nur wenig Betrieb ist jetzt zu sehen. Viele Läufer werden ihre Unterlagen erst am Lauftag abholen. Einige Aussteller und Veranstalter machen Werbung und auch etwas Geschäft. In Minutenschnelle erhalten wir Startnummer und ein wenig Werbung im Umschlag. Nicht vergessen mitzunehmen darf man das Funktionsshirt, heuer in dezenter Neonfarbe, welches im Startgebühr enthalten ist. Gleich nebenan erhalten wir das Läufergeschenk der Genossenschaftsbank:  Läufersocken, von denen unsereins nicht genug haben kann. Am Eingang schließlich lassen wir uns die große Flasche Trollinger überreichen. Für die, die im Wettkampf an den Degustationsstellen vorbeilaufen wollen, oder für die, denen die Uhr den Rhythmus vorgibt. 

Gegenüber vom Stadioneingang kann man zu einer Pastaparty auf ein Schiff einkehren. Auch hier ist nicht viel los. Für einige EUR bekommst du ein Pastamahl und Getränk. Und Nachschlag ist auch noch drin. Unseren Tag beschließt das Europafestival mit der letzten Trommeldarbietung des Deutsch-Afrikanischen Vereins.

 

Vor dem Start

 

 

 
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08.45 Uhr ist Deadline für die Marathonis, denn da sollte man im Startblock stehen. Die Parksituation auf der Theresienwiese ist entspannt, da die Halbmarathonläufer erst rund 1,5 Stunden später in Blöcken auf den Kurs gelassen werden. Gegen acht Uhr stellen wir unser Auto ab und spazieren in zehn Minuten durch Grünanlagen in Richtung des Stadions. Auf einer großen Wiese befindet sich der Treffpunkt für die unzähligen Lidl-Mitarbeiter, die aus ganz Europa gekommen sind. Auch Kaufland und Audi sowie die Genossenschaftsbanken haben ihre Mitarbeiter auch zu dem Teamevent eingeladen. Jedes Unternehmen hat seinen Platz auf dem weiträumigen Sportgelände gefunden. Für die Arbeitgeber ein nicht zu messender monetärer Vorteil, wenn sich die Belegschaft gesund hält und Sport treibt. Die Belastbarkeit bei sportlichen  Beschäftigen ist hoch und die Ausfallzeiten gering. Irgendwo habe ich gelesen, dass jeder verwendete EUR im Gesundheitsmanagement einen Rückfluss von 2,20 EUR hat.

Gleich neben dem Hauptzelt, wo sich die Letzten ihre Nummer holen oder nachmelden, kann man die Bekleidung abgeben, Aufkleber sind in der Startertüte bereits vorbereitet. Von der Ferne sehen ich noch Kati in Richtung Startaufstellung davoneilen. Nach dem obligatorischen „Häuserlbesuch“ gehe ich auch in den Startbereich.

 

Erste Kilometer

 

Recht entspannt geht es im Startblock zu. Michaela Danner und Ralf Giese halten sich weit vorne auf, beide sind in meiner Heimat starke Läufer. Der Ralf hat im Herbst den Spartathlon erfolgreich absolviert. Heute wird der Trollinger-Marathon für ihn nur ein „laues“ Warm-Up sein, mehr nicht. Ja, wenn nicht sein Arbeitgeber, der Autobauer aus Ingolstadt, eine Firmenmeisterschaft ausgeschrieben hätte. Da wird er ein gehöriges Wörtchen mitreden wollen. 

 

 
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Ein anderer ist Johann Kauk aus Ellwangen, der seinen 111. Marathon hinter sich bringen will. „Barfuß ist mir das heute zu schwer, es wird heiß und ich möchte keine Brandblasen auf der Sohle,“ so seine Einschätzung. Jetzt ist es zwar mit knapp 15 Grad im Schatten unter den Bäumen grad richtig, aber wie wird es in zwei, drei Stunden ausschauen? 25 Grad werden es wohl werden. „Die Stimme“ als örtliche Zeitung hat vorsorglich Anwohner aufgerufen, zusätzliche Wasserstellen und Rasensprenger für die Läufer zur Verfügung zu stellen.

Nach kurzen Reden der Stadtoberen wird herunter gezählt und der Startschuss reißt die letzten Schläfer im Feld aus dem Traum. Los geht’s! Mein Plan: In Richtung vier Stunden und dem Weingenuss ausgiebig frönen, ganz einfach. Hoffentlich liest das nicht unsere Rosi aus meinem Verein, die ist nämlich ausgebildete Ernährungsberaterin und wird mich verteufeln, wenn das an die Öffentlichkeit kommt. Dazu habe ich aber das auf einer Berghütte gelesen:

Der größte Feind des Menschen wohl,
das ist der Alkohol,
doch in der Bibel steht geschrieben,
du sollst auch deine Feinde lieben!

Den ersten Kilometer laufen wir in Richtung Altstadt am Neckar entlang, unterqueren die Rosenbergbrücke und überqueren den Schwabenstrom via Götzenturmbrücke mit dem gleichnamigen Turm. Am jenseitigen Ufer verlassen wir die Stadt auf schattigen Wegen.

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Informationen: Heilbronner Trollinger-Marathon
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