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Wadl- oder Katzenbeisser

 

Schon am Vormittag marschieren wir in die Altstadt per Pedes, denn ein wenig Bewegung schadet am Vortag des Marathons auch nicht. Am Marktplatz sehen wir das samstägliche Treiben, wo der Einheimische sich beim Bäcker und Metzger eindeckt. Gaumenfreunde holen sich für ein Festmahl Spargel aus dem Badischen.

„Lass uns in die Kilianskirche schauen,“ schlage ich meiner Begleitung vor, „denn ich war da noch nicht drin und für Kultur nehmen wir uns jetzt Zeit.“ Die gotische Hallenkirche stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, sie kann aber auch schon einiges älter sein. In dem evangelischen Gotteshaus kann der Altar (aus dem Jahr 1498) von Hans Seyfer besichtigt werden. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche beschädigt, beim Luftangriff am 04.12.1944 kam es zu fast vollständigen Zerstörungen. So brannten Teile der Kirche aus. Der Wiederaufbau begann schon 1946, zog sich aber fast 30 Jahre hin. Wer klassische Orgelmusik liebt, der kann jeden Samstag zur Marktzeit um 11.00 Uhr hereinkommen und einige Stücke hören. Als Gabe ist nur eine Spende erwünscht. Der junge Organist ist ein Meister seiner Klasse.

 
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Gegenüber der Kilianskirche dominiert das Rathaus den Marktplatz. Auch dieses Gebäude musste nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Auffällig ist an der Front des alten, historischen Rathauses die Kunstuhr, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Sie zeigt nicht nur die aktuelle Uhrzeit an, sondern auch die Mondphasen, den Tierkreis, Wochentag und Monat.

Die weitere Stadtbesichtigung führt uns dann zum Frankenstadion, wo wir uns die Startunterlagen holen. Die Helfer sind freundlich und in Sekunden haben wir den Startbeutel mit Nummer und Funktionsshirt in den Händen. Am Zelteingang erhalten eine große Flasche Trollinger. Und wer seine Socken vergessen hat, dem wird geholfen, denn die Genossenschaftsbank schenkt jedem Sportler ein funktionelles Paar. Wer seine Startbestätigung oder seine Startnummer dabei hat, kann am Wochenende die öffentlichen Verkehrsmittel im Bereich des HNV gratis benutzen.

Zum ersten Mal findet in Heilbronn am Kiliansplatz ein dreitägiges klassisches Open Air statt. Das bekommen wir am Rande mit und da die Zeit günstig ist, besuchen wir am Nachmittag das Konzert des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule Neckarsulm. Eine tolle Darbietung und das zum Nulltarif. Am späteren Nachmittag gehen wir zur Nudelparty, die auf dem Schiff „Neckarbummler“ stattfindet. Für sechs EUR kannst du dir den Teller mit verschiedenen Nudeln und Saucen aufladen. Nachschlag ist erlaubt. Genau das Richtige für sparsame Schwaben und hungrige Bayern.

 

Vor dem Start

 

Am Lauftag heißt es für die Marathonis früh aufstehen, denn bereits um 08.45 Uhr wird der Startschuss erfolgen. Die „Kurzstreckler“ können ein Stündchen länger liegen bleiben, denn sie müssen erst um 10.20 Uhr an der Startlinie stehen. Dafür habe ich noch freie Auswahl auf dem Parkplatz der Theresienwiese.

 
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Vor dem großen Zelt der Firma Lidl ist schon allerhand los. Der Discounter mit Geschäftssitz in Heilbronn wird wieder annähernd 1500 Sportler auf die Strecken schicken. Bemerkenswert ist, dass für jeden Teilnehmer Startgeld, Übernachtung und vieles andere geboten wird, egal, ob der Mitarbeiter aus der Region oder aus dem Ausland kommt. Der Arbeitgeber hat längst erkannt, dass Ausdauersport gut für die Gemeinschaft und die Belastbarkeit der Beschäftigten ist.

 

Start, erste Kilometer

 

Es ist Zeit, in den Startblock zu gehen. Keinerlei Gedränge, denn in wenigen Minuten sind wir an der Reihe. Erst in den letzten paar Minuten füllt sich der abgesperrte Bereich. Und dann wird herunter gezählt und wir werden von Bürgermeisterin Agnes Christner und dem Käthchen von Heilbronn pünktlich auf die Reise geschickt.

 
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Die ersten zwei, drei Kilometer verlaufen links und rechts des Neckar. Viele Zuschauer haben sich im Startgelände eingefunden und geizen nicht mit Applaus. Wir unterqueren die Rosenbergbrücke, kurz danach laufe ich auf Johann Kauk auf, der heute, dem Anlass entsprechend, die Startnummer 100 erhalten hat. Seinen 100. Marathon nimmt er heute in Angriff und weil das nicht alltäglich ist, läuft er gleich barfuß. Ich könnte das nicht. Mir reicht schon ein wenig Auslaufen nach einem knackigen Intervalltraining auf dem Rasen.

Wir überqueren den Neckar auf der Götzenturmbrücke und sehen nur kurz den Götzenturm, der im Jahr 1392 erbaut wurde. Der württembergische Amtmann Götz von Berlichingen wurde hier für einen Tag „eingekastelt“. „Laufen macht Spaß,“ ist auf dem Kilometerschild zwei zu lesen. Jede Markierung ist mit einem Spruch versehen. Jetzt verbreitet das Marathonvolk gute Laune, man unterhält sich und macht auch Witze. Gute Laune verbreitet auch ein Zuschauer mit einem Feuerwehrhelm auf der Birne, rußverschmiertem Gesicht und einem Grinsen bis hinter die Ohren. Er steht vor einer Einkehrstätte und hat wahrscheinlich schon ein paar Hopfensmoothies inne. „Feierwehr“ steht auf seinem Pulli und mit der Schreibweise habe ich mich nicht verschrieben. Ich gehe dagegen als echter Angehöriger der Floriansjünger auf die Strecke.

Kilometer fünf ist noch nicht ganz erreicht, da kommt schon die erste Tankstelle, die Wasser, Iso-Getränke und Apfelschorle im Angebot hat. Später kommen noch Bananen, Äpfel und Spezi ins Angebot. Ab Kilometer 7,5 werden zusätzliche Wasserstationen eingerichtet. Ja, in den vergangenen Jahren waren diese heißbegehrt, denn gerne war es hier heiß mit Temperaturen von 30 Grad und mehr. Heute ist es dagegen perfekt. Nur eine dünne Wolkendecke ist zu sehen, und das bei 15 Grad. Gegen Mittag soll sogar die Sonne hervorlugen. Kurz nach meiner Rast unterhalten uns Sontheims trollige Lemberger, eine Musikkapelle.

 

Hinauf zur Haigerner Höhe

 

Wir verlassen Sontheim auf einer Betonpiste, die schon leicht ansteigend ist. Etwa einen Kilometer führt uns nun die Laufstrecke über die Felder, dann erreichen wir Flein (Kilometer 7). 1188 wurde der Ort in einer Urkunde als Flina erwähnt. Der Name lässt sich umdeuten auf Kiesel oder harter Stein. Im Ort ist die auf einem Felssporn thronende Veitskirche früh zu sehen. Zwei Musiker bearbeiten ein Klavier mit vier Händen. Unterhalb der Kirche haben ansässige Vereine einen Marathon-Brunch organisiert. Die Stimmung ist bestens.

 
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Der Berg ruft, denn zum Ortsausgang nimmt die Steigung zu. 75 Höhenmeter sind bis zur Haigerner Höhe zu meistern, da werden einige schimpfen. Besonders die, die ein paar Kilo zu viel rumschleppen oder im suboptimalen Trainingszustand sind. Am Ortsausgang spare ich mit ein paar Meter am Kreisverkehr ein, denn ich laufe mittendurch. Dass ich auf der einen Seite zwei Meter hoch kraxeln und auf der anderen Seite herunterspringen muss, sei mir genehmigt. Ich lasse nämlich durch meine Fotoarbeit mehr Zeit liegen.

Wir verlassen ein paar Laufminuten später die Landesstraße und die Steigung nimmt weiter zu. Von zehn Prozent Steigung sind wir nicht mehr weit weg, denn erste Marathonis marschieren bereits. „Qual Dich du S.“, lese ich beim neunten Kilometer, und dass das S. für ein Borstenvieh steht, weiß ein jeder.

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Informationen: Heilbronner Trollinger Marathon
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