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Laufberichte

Läskiperse mit dem Turvenuija

22.08.09
Autor: Joe Kelbel

Der Finne sitzt stark gerötet in der Sauna und schwitzt.Wir nennen ihn Läskiperse. Und weil  Läskiperse einen dicken Bauch hat, braucht er kein Handtuch.

Als ich vor Jahren in Pohjanmaa (Finnland) war, da lebte eine Familie, deren Sohn noch nie ein Wort gesprochen hatte, obwohl er sechs Jahre alt war. Eines Samstags, als draußen die Sauna aufgeheizt wurde, da zupfte der Sohn den Vater am Ärmel und meinte: „Vater, die Sauna brennt!“ Alle Umstehenden sperrten vor Staunen  Mund und Nase auf. „ Lass sie brennen mein Sohn“, freute sich der Vater, „Hauptsache du bist nicht stumm. Warum hast du denn nicht früher schon gesprochen?“- „ Es gab nichts Wichtiges zu sagen!“

Die zweite Filmszene zeigt Läskisperse frei schwebend über einem See. Die rote Haut steht im starken Kontrast zu dem grellen Grün der Birken am Ufer. Läskiperses dicke Arme umgreifen seine Knie. Auch in dieser Szene ist kein Handtuch erforderlich, denn der See ist offensichtlich sehr kalt.

Was zwischen Szene 1 und Szene 2 liegt ist die Finnbahn. Sie besteht aus einem 10 Zentimeter dicken Bodenbelag aus Sägemehl, Sägespänen und Holzschnitzeln über einer Drainage aus Kies und Sand. Was die Finnbahn so interessant macht ist, daß unser stark geröteter Läskiperse seinen rasanten Lauf von der Sauna zum See absolut gelenkschonend durchführen kann. Der Namen Läskiperse  bedeutet sinngemäß Fettarsch.

Was die Finnen bisher nicht konnten: einen Finnbahnmarathon ausrichten. Dafür haben wir den André und den David. Die beiden sind die Macher der  Endorphinejunkies. Die Endorphinjunkies ist die Vereinigung der Ultrageilen von Dortmund.

Die Finnbahn ist in Dortmund Berghofen. Wo bis 2001 noch die Hochöfen und Schlote rauchten, entsteht ein regelrechtes Mammut-Projekt: der Phoenix-See mit angegliederten Wohnarealen, Dienstleistungszentrum, einer Marina sowie Freizeiteinrichtungen.  21.000 Euro hat NRW  für die 850 Meter lange Finnbahn der schwarz-grünen Bezirksregierung als Ausgleichfläche für den darunterliegenden Tunnel (B236), der nun die Städte Schwerte und Dortmund verbindet, spendiert. Bezirksbürgermeister Sascha Mader ist allerdings der einzige der Bezirksregierung,  der die 850 Meter der Laufstrecke bewältigen kann.  Er wird heute den Startschuß geben für den weltweit ersten Finnbahnmarathon.

 
© marathon4you.de 89 Bilder

Irgendwo in der Wiese steht ein Campingklo Marke „Kacktus“, umrahmt von romatischem blau-weissem Balkon-Sichtschutz, die neuesten Zeitungen laden zum Verweilen ein.

50mal werden wir die Runden drehen. Bei 12 Höhenmeter pro Runde wird dies ein regelrechter Bergmarathon über 600 HM werden. Alle 850 Meter kommen wir an einem Verpflegungspunkt vorbei - es gibt nur einen.

Jeglicher Anflug von Leistungsdruck und Bestzeitenjagd wird unterbunden. Es handelt sich um einen geselligen Marathonlauf, bei dem die Unterhaltung und die freundschaftliche Gemeinsamkeit im Vordergrund stehen. Ohnehin geht der Wert von  Marathonveranstaltungen mehr und mehr in Richtung  Gemeinsamkeit und Teamerlebnis.
So ist auch niemand erstaunt, hier keine Kenianer vorzufinden. Auch Startblöcke, Cup-Wertungen, Zug-und Bremsläufer fehlen. Dafür eine exellente Verpflegung, ähnlich der am Rennsteig, nur...., statt Haferschleim gibt es Sekt und Bier.

Die Rundenzählung wird von Helfern übernommen, doch fast jeder hat zur Sicherheit ein GPS-Gerät dabei. Start ist unspektakulär um 8:30 Uhr. Da der Sekt schon offen ist, klatscht der Bezirksbürgermeister locker in die Hände.

Schon nach wenigen Runden schmerzen die Sehnen. Der weiche Untergrund der Finnbahn erfordert einen erhöhten Kraftaufwand. Die Achillessehen schreien  nach wenigen Runden vollkommen genervt wie paarungswillige Katzen. Und dann schlägt er zu: der Läskiperse  mit dem Turvenuija, der gerötete Fettarsch  mit dem Torfhammer. Er läuft in der glühenden Hitze hinter mir her und schlägt mir seinen Torfhammer fortwährend  auf die Achillessehnen. Der Schuft erfreut sich an meinem Schmerz, haut mir in die Schenkel, in den Rücken und auf dem Kopf. Der Torfhammer zerreibt mir die Füße, die Arme, die Beine und den Hals. Blöder geröteter Läskiperse!

Nach der 35ten Runde gebe ich auf: ich werde zum Vorfußläufer. Anders hätte ich es auch nicht überlebt.Der Schuft ist zwar noch hinter mir, springt aber alsbald in den nichtgefluteten Phoenix-See.

Fazit: Die Finnbahn ist etwas für ausgereifte Läufer, die auch mal einen härteren Muskelkater riskieren können. Aber dewegen durchaus empfehlenswert.

Die Endorphinejunkies lieferten hier keine erstmalige Veranstaltung. Abgesehen von den  offenen Junkie-Meisterschaften, die schonmal eine gute Krankenversicherung erfordern, gibt es den überaus beliebten Glühweinlauf, der am 2ten Woende im Dezember stattfindet, und natürlich den großen Mattin-Marathon im Sommer. Wie mir André flüstert, können wir uns in Zukunft auf einige interessante Marathonevents gefasst machen. Der Anfang ist mit diesem  Finnbahnmarathon gemacht.

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Ich danke den Junkies und insbesonders den Machern des Finnbahnmarathons André Steinebach und David Wilde für diese gelungene Weltpremiere! Paljon kiitoksia!

 

 

Informationen: Finnbahnmarathon
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