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Laufberichte

Spannendes Hin und Her

 

Ermsursprung heißt die Quelle südöstlich vom Bad Uracher Stadtteil Seeburg. Von hier auf der Schwäbischen Alb schlängelt sich die Erms auf 32,5 km Länge bis Neckartenzlingen, wo sie dann in den Neckar mündet. Auf der Karte kann man sehr schön erkennen, dass das Ermstal zu den größten Talsystemen gehört, welche die Schwäbische Alb einschneiden. Am strategisch günstigen Ort des Ermstal-Austritts gab es bereits zu römischer Zeit eine wichtige Siedlung Vicus Armissium, das heutige Metzingen.

Gibt man bei den großen Suchmaschinen „ Metzingen“ ein, so erhält man als erste Einträge Informationen zu „Outletcity Metzingen“. Ich kann mich noch erinnern, als der Nobelherrenausstatter Hugo Boss dort vor Jahrzehnten seinen ersten Werksverkauf etablierte. Es sollten Überhänge oder B-Ware zu vergünstigten Preisen abgegeben werden. Das Konzept hat sich anscheinend bewährt. Mittlerweile haben sich 80 bekannte Modemarken angeschlossen und bieten in der Innenstadt um den Lindenplatz herum ihre Waren an.

Aber Metzingen hat noch mehr zu bieten. Obwohl  1075 erstmals urkundlich erwähnt, lässt sich die Siedlungsgeschichte bis in die Jungsteinzeit vor 3500 Jahren zurückverfolgen. Um 1600 n. Chr. gelangten die Metzinger mit florierendem Weinbau zu bescheidenem Wohlstand. Nachdem im dreißigjährigen Krieg die halbe Stadt zerstört und weite Teile der Bevölkerung durch die Pest dahingerafft war, entwickelte sich rund hundert Jahre später das Textil- und Gerberhandwerk. 1820 wurde die erste Textilfabrik gegründet. Mittlerweile hat der kleine Ort in Baden Württemberg 22 000 Einwohner und bietet mit seiner schönen Lage am Rande der Schwäbischen Alb im Einzugsgebiet von Stuttgart eine hohe Lebensqualität.

Sehenswert ist der Kelternplatz mit seinen sieben Keltern, denen Metzingen auch den Beinamen „sieben Keltern Stadt“ verdankt. Die 1281 erstmals erwähnten Keltern waren nach und nach von verschiedenen Grundherren, so u. a. dem Kloster Zwiefalten, errichtet worden und dienten, wie der Name schon sagt, dem Auspressen von Trauben. Mit der Einführung neuer Keltertechniken wurden die Gebäude umfunktioniert. Heutesind dort ein Museum, die Stadtbibliothek, Veranstaltungsräume und Gastronomie untergebracht. Darüber hinaus beherbergt der Platz das Wengerterhäusle für Weinproben, den Klosterhof und den Universitätskeller. Alle Gebäude sind restauriert und bilden ein einmaliges Ensemble. Einen Besuch wert sind auch die Martinskirche, um 1500 an Stelle seines romanischen Vorgängers erbaut, und das alte Rathaus aus dem Jahr 1668. Naturliebhaber und Sportbegeisterte finden in Streuobstwiesen, Wäldern und Weinbergen viele Möglichkeiten zum Wandern, Radfahren oder Spazierengehen.

 
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Mit 63 Jahren erfüllte sich der Metzinger Gerd Schramm im Jahr 2008 einen lang gehegten Traum: Als passionierter Marathonläufer hatte er sich stets gewünscht, einen Marathon direkt vor der Haustüre zu haben. Mit seinen Erfahrungen als Organisator des Metzinger Spendenlaufs, dem Engagement fast sämtlicher Sportvereine  und der Mitwirkung der drei Gemeinden Metzingen, Dettingen und Bad Urach, konnte er seinen ehrgeizigen Plan in die Tat umsetzen. 1000 Lauf- und Walkingbegeisterte dankten es ihm und standen am 13 Juli 2008 zum ersten Mal am Start. Mit 2637 gemeldeten Teilnehmern im Jahr 2013 hatte sich der Ermstal-Marathon in seiner jungen Geschichte bereits zum größten Sportereignis im Landkreis Reutlingen entwickelt. Das kleine Orgateam war mit Herzblut dabei und perfekt aufeinander eingespielt. Dieser Umstand trug leider aber auch dazu bei, dass 2014 der Lauf nicht ausgetragen werden konnte. Denn wenn bei einem kleinen, eingespielten Team nur ein Teil ausfällt, bricht alles zusammen und so war es dann auch. Konsequent, wie man in Schwaben ist, fasste man schweren Herzens den Entschluss, den Lauf abzusagen. An der Qualität wollte man nämlich keine Abstriche machen.

Umso erstaunlicher, dass dann in diesem Jahr beinahe nahtlos mit Voranmeldezahlen um die 2000 an den Erfolg angeknüpft werden konnte. Auch Norbert und ich wollten uns das Ereignis in Heimatnähe nicht entgehen lassen. Der Wetterbericht war durchaus positiv: die Hitze sollte am Sonntag etwas nachlassen. Damit stand einem schönen Lauferlebnis nichts mehr im Weg.

Trotz der verwinkelten Gassen in Metzingen ist Parken in der Nähe des Kelternplatzes kein Problem. Bei unserer Ankunft bin ich überwältigt von dem Ambiente mit den schönen alten Fachwerkhäusern. Die Ausgabe der Startunterlagen für Marathon und Halbmarathon befindet sich in der großen Festkelter. Die Unterlagen für den 10 Kilometerlauf gibt es am Startort Bad Urach. Die 3 Läufe werden gleichzeitig gestartet. Marathon und Halber von Metzingen nach Bad Urach  und der Zehner auf gleicher Strecke in umgekehrter Richtung. Nachmittags gibt es dann noch einen Walkingwettbewerb und Schülerläufe.

Auf dem Kelternplatz ist ein großes Marathontor aufgebaut. Kurz vor 9 Uhr ist der Platz voll mit Menschen, die mit ihren farbigen Shirts einen krassen Gegensatz zum alten, ehrwürdigen Hintergrund bilden. Ungefähr 600 Läufer haben vor, zumindest die 21 Kilometer bis Bad Urach und wieder zurück zu laufen. Punkt 9 erfolgt der Start. Zuschauer säumen die Strecke und verabschieden die Läufer. Schon bald haben wir die letzten Häuser passiert und laufen auf dem Radweg an den Gleisen entlang. Am Bahnhof von Neuhausen kommen uns die schnellen Läufer entgegen, die die nun folgende kurze Wendepunktstrecke hinter sich haben. Wie schön, es ist kurzweilig zu sehen, wer so alles vor mir läuft.

 
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Dann habe auch ich den Wendepunkt erreicht und es geht zurück. Ich winke Kerstin zu, die als Marathon-Besenläuferin ziemlich am Ende läuft. Hannelore ist heute Besenradler und macht den Abschluss. Es geht nach rechts und wir laufen direkt auf die Weinberge zu. Hoffentlich müssen wir da nicht hinauf. Nein, kurz vorher werden wir nach rechts geleitet. Auf dem Radweg durch die Felder bleibt die Strecke flach. Wir haben bereits 3 Kilometer hinter uns. Jeder Kilometer ist auf beiden Seiten der Straße angezeigt, und weil man beim Marathon ja zweimal vorbeikommt, auch immer doppelt: also hier km 3 und km 24. Am Ortsausgang hat sich ein Grüppchen Zuschauer versammelt und Helfer verteilen nasse Schwämme im Akkord.

Dann höre ich mit einem Mal einen Radler laut klingelnd von vorne. Der Führende des 10 Kilometerlaufs kommt angesprintet. Johannes Berholdt, Jahrgang 94, hat einigen Vorsprung. Vermutlich rettet ihm dieser auch den Sieg, denn am Ende ist er mit der guten Zeit von 33:03 nur 3 Sekunden vor Daniel Noll, der an mir relativ locker vorbeiläuft. Gerade schalte ich den Fotoapparat aus, da erkenne ich eine hübsche kleine Frau mit Pferdeschwanz. Ihr Schritt sieht so locker aus, als wäre sie beim Sonntagnachmittag-Jogging. Dabei ist sie im Moment unter den Ersten des 10 Kilometer Laufs. Mit 34:59 pulverisierte Sabrina „Mocki“ Mockenhaupt  dann auch den bisherigen Streckenrekord bei den Frauen, ohne, da bin ich mir sicher, sich zu verausgaben.

 
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Über 900 Starter sind es beim 10 Kilometer Rennen und so ist auf den nächsten Kilometern einiges geboten. Wir erreichen jetzt Dettingen. Am Markplatz stehen ein paar unermüdliche, die uns mit kräftigem Applaus über die dort befindliche kleine Steigung helfen. Für den Start der Walker am Nachmittag ist bereits alles vorbereitet. Wir werden auf den Sportplatz geleitet. Hier gibt es Verpflegung. Georg meint, hier wäre ein nettes Plätzchen im Schatten. Ob wir nicht ein bisschen ausruhen sollten? Natürlich ist das nur Spaß, aber warm ist es inzwischen wirklich geworden. Ich benutze das angebotene Wasser eher zum Duschen, als zum Trinken und bin froh über die vielen Schwämme, die großzügig verteilt werden. Nach einer halben Sportplatzrunde geht es auf einen schmaleren Weg. Schilder weisen uns darauf hin, doch bitte rechts zu bleiben, wegen des Gegenverkehrs könnte es sonst eng werden.

Von der Polizei gesichert, überqueren wir eine größere Straße an der wir dann auf dem Radweg ein kleines Stück entlang müssen. Schnell erreichen wir wieder einen ruhigen Radweg abseits der Straße. Mittlerweile kommen bereits die ersten Halbmarathonläufer und auch die ersten Marathonis von vorne. Mich wundert nicht, dass Pamela Veith die führende Marathonfrau ist. Das Rennen ist zwar noch jung, aber wer sollte sie schlagen? Zwischen Streuobstwiesen führt der Weg wellig dahin. Ich genieße den Schatten einiger Kirschbäume und die schöne Aussicht auf die Burgruine Hohenurach.

 
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Bad Urach erreichen wir bei km 10. Ein Rasensprenger kühlt die vorbeikommenden Läufer. Wir werden auf den Sportplatz geleitet, wo die Platzrunde gleichzeitig der Wendepunkt ist. Zuerst gibt es aber noch Essen und Trinken und am Ausgang dann, auf Wunsch, eine Dusche. Über das Schulgelände des Graf Eberhard Gymnasiums geht es zurück. Ein Helfer prophezeit, dass es nun 100 Höhenmeter bergab gehen würde. Er meint natürlich den Höhenunterschied zwischen Bad Urach und Metzingen, der ungefähr 100 Höhenmeter beträgt und es daher nun tendenziell bergab geht. Tatsächlich geht es aber erst einmal hinauf. Und zwar ein gutes Stück bis zum höchsten Punkt der Strecke. Bisher war ich von den entgegenkommenden Läufern abgelenkt. Nun werde ich mich mehr auf die Strecke konzentrieren.

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Informationen: Ermstal-Marathon
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