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Laufberichte

Ein Stück Eiger (E51)

 

Bis Ende des 19. Jahrhunderts reichten der Untere und der Obere Grindelwaldgletscher praktisch bis an die Türen der Wohnhäuser von Grindelwald und man rühmte sich als das Gletscherdorf am Fuße der Eiger-Nordwand. Im vergangenen Jahrhundert hat vor allem der Alpinismus dazu beigetragen, den Namen Grindelwald in der ganzen Welt bekannt zu machen. Für Aufsehen in jüngster Zeit sorgte im Vorjahr der Eiger Ultra Trail, ohne dass dazu die berüchtigte Nordwand bezwungen werden musste. Aus 40 Nationen sind heuer die Teilnehmer vertreten, die weiteste Anreise kommt praktisch vom anderen Ende der Welt, aus Neuseeland.

Zugetraut haben den Machern Ralph Näf und Marcel Marti den Erfolg nicht unbedingt alle, am wenigsten Einheimische, Gemeinde und Hoteliers. Zumindest war man skeptisch. 300 Läufer wollte man im Premierenjahr erreichen, mit 1150 Meldungen konnte aber auf Anhieb ein Ausverkauf aller Startplätze erreicht werden.

Für 2014 sieht die Sache nicht anders aus, bereits im Februar musste die Anmeldung für die Läufe über 101 und 51 Kilometer geschlossen werden. Freie Plätze gab es nur noch für die 16 Kilometer. Heute sind die aber auch vergeben, somit sind wieder – trotz Erhöhung des Kontingents –restlos alle Startplätze vergeben. Über 1600 Läuferinnen und Läufer stehen in den Listen. Somit der Aufruf an alle Interessenten für 2015: Wer dabei sein will, sollte nach Eröffnung der Anmeldung im Oktober nicht zu lange warten.

Gefühlsmäßig mitten in der Nacht werde ich recht unsanft aus den Träumen gerissen. Obwohl am Vortag noch schönstes Sommerwetter herrschte, scheint gerade ein Platzregen hernieder zu gehen. Ich kann das überhaupt nicht fassen und finde keinen Schlaf mehr, das Schauspiel muss ich mir ansehen. Was sich wie das Prasseln von Regen anhört, ist das Getrampel von 1000 Läuferbeinen. Genau 50 Meter neben meinem Hotelfenster führt die Laufstrecke vorbei.

Um 4:30 Uhr sind die 500 Läufer des E101 auf die Strecke gegangen. Zweieinhalb Stunden später sind dann wir dran. Die E51 Strecke ist zwar nur halb so lang, aber mindestens genauso beliebt. Eine Besonderheit weist die E51-Strecke gegenüber den anderen aus, sie wird auch im Zweierteam, in der sogenannten Couples-Wertung ausgetragen. Die beiden Partner müssen gemeinsam die Strecke absolvieren und in das Ziel laufen.

 
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Eigentlich beginnt der Eiger Ultra Trail für alle Teilnehmer ja bereits am Freitag. Die Ausgabe der Startunterlagen erfolgt erst, wenn jeder E101 & E51-Teilnehmer seine komplette Pflichtausrüstung vorgezeigt hat. Jedes vorgeschriebene Teil wird auch kontrolliert. Neben Startnummer, Stirnband und einigen Giveaways ist noch ein Gutschein für einen Teller Pasta im Starterpaket enthalten, einlösen kann man diesen im nebenan aufgebauten Festzelt. Pflichttermine sind auch die Streckenbriefings im Kongresssaal um 19:45 Uhr für die Starter des E101, eine halbe Stunde später für die des E51. Alle passen einfach nicht gleichzeitig in den Saal.

 

Aufstieg zur Grossen Scheidegg


Nachdem alle Vorbereitungen und Einweisungen bereits am Vortag stattgefunden haben, reicht es mir locker, erst eine viertel Stunde vor dem Startschuss auf dem Sportgelände von Grindelwald einzutreffen. Noch befinden wir uns im Schatten der mächtigen Wand des Eiger, aber der strahlend blaue Himmel und die Wettervorhersagen künden uns hohe Temperaturen im Laufe des Tages an. Die ebenfalls in den Startunterlagen enthaltene Tube „Eiger Sonne“ mit Lichtschutzfaktor 30 zeugt von großer Weitsicht der Organisatoren.

Der Start erfolgt pünktlich um 7 Uhr. Persönlich schätze ich es ja immer, wenn es erstmal eine erste flachere Einrollphase gibt. Beim Eiger Ultra Trail ist das nicht der Fall, vom Fleck weg geht es ansteigend durch den Ort. Natürlich sind wir jetzt noch alle frisch und gut drauf, so fällt die mäßige Steigung noch nicht ins Gewicht. Für die komplette Runde des E51 gibt es ein Zeitlimit von 14 Stunden. Die Anfangskilometer auf noch komfortablen Asphalt- und breiteren Naturwegen werden noch niemanden den Schnitt vermasseln.

 
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Nach etwa zwei Kilometer kommt die erste Engstelle, beim Briefing gestern Abend wurden wir schon darauf vorbereitet. Der schmale Übergang über einen kleinen Nebenarm der Schwarzen Lütschine kann nur hintereinander passiert werden. Vom Veranstalter ist hier auch ein ausdrückliches Überholverbot mit Strafzeitankündigung ausgesprochen worden.

An den Flanken des Wetterhorns nimmt die Steigung spürbar zu. In Serpentinen geht es über Alpweiden auf Singletrails nach oben. Noch spendet uns die gewaltige Felswand Schatten, so empfinde ich die Temperaturen als sehr angenehm.

An unserer ersten Verpflegungsstelle an der Grossen Scheidegg sind 7 km absolviert, dazu haben wir bereits etwa1000 von insgesamt 3100 Höhenmetern des E51 geschafft. Beim Überqueren der Teerstraße werde ich vom Fahrer des gelben Postbusses per Hupe darauf hingewiesen, dass hier auch Fahrzeuge unterwegs sind. Die Passhöhe verbindet Grindelwald mit Meiringen im Haslital. Die auf beiden Seiten des Passes lediglich 3 Meter breite Straße ist allerdings für sonstige Kfz gesperrt, zählt aber zu einer beliebten Route für Rennradler.

 
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Uns bietet sich hier eine erste wunderbare Aussicht aufs Tal und die umgebenden Felswände von Wetterhorn, Schreckhorn und Eiger. Im Gegensatz zur Kleinen Scheidegg liegt die Grosse Scheidegg paradoxer Weise sogar etwa 100 Meter niedriger und ist zudem auch weniger besucht als die "kleinere Schwester". Das Groß im Namen bezieht sich auf die Bedeutung, der Übergang ins Haslital war in früheren Zeiten für die Grindelwalder wichtiger als der Pass nach Wengen und ins Lauterbrunnental.

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Informationen: Eiger Ultra Trail
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