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Laufberichte

Mit Liebe gemacht

 

Heute fahren wir, Andreas Gäbler und ich, zum Berlin-Marathon. Ja, ich weiß, da gibt es noch einen gleichnamigen Lauf im September. Aber ein Marathon in Berlin ist nun mal ein Berlin-Marathon und nur damit man beide auseinanderhalten kann, nennt sich der heutige Marathon „Berliner Vollmond-Marathon“.

Organisator ist Frank-Ulrich Etzrodt, genannt Uli. Oder Etze. Und den muss ich doch gleich mal fragen, wie man auf so einen Namen kommt – Vollmond-Marathon?

Meine Vermutung: Uli lag im Bett, dachte über einen Namen für seinen Marathon nach, ärgerte sich, dass der Titel „Berlin-Marathon“ schon vergeben war und in diesem Moment kam der Vollmond hinter den Wolken hervor und schien ins Zimmer. Das war die Erleuchtung…!

Leider habe ich mich da geirrt. Der Name ist geklaut - oder juristisch sauberer ausgedrückt: Uli hat die Namensrechte! Die hat er von einem Freund bekommen, denn einen Vollmond-Marathon gab es schon einmal, vor einigen Jahren im Fränkischen…

 
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Treffpunkt der Läufer ist im Vereinshaus der Kleingartenkolonie „Am Hohenzollernkanal“. Es geht angenehm familiär zu. Kaum bin ich da, bekomme ich auch schon Aufgaben übertragen. Macht mir nichts, kenne ich von zu Hause. Und wie von zu Hause gewohnt, erfülle ich meine Aufgaben ohne zu murren, hole Ulis Fahrrad und helfe Werbebanner befestigen.

Der Start erfolgt an der Mäckeritzbrücke, einige hundert Meter vom Vereinsheim entfernt. Der Marsch dahin entpuppt sich als gelungene teambildende Maßnahme. Es wird viel gelacht, man lernt sich kennen.

Ganz so viele Läufer wie beim Berlin-Marathon im September sind nicht am Start. Genau gesagt – wir sind 19. Wer lacht denn da? Fünf Prozent davon kommen aus Südafrika, fünf Prozent aus Frankreich. Das sollen die uns beim Berlin-Marathon erst mal nachmachen!

Übrigens: Am 9. August 2014 fand der erste Berliner Vollmond-Marathon statt. Damals waren 130 Läufer am Start. Ich kann euch auch erklären, warum es heute weniger sind. Denn wie sagte doch meine Frau Anita, als ich ihr verkündete, hier zur sogenannten Oster-Edition zu laufen? „Das kommt gar nicht in Frage, über die Feiertage bleibst du zu Hause!“ Andere Frauen haben das bestimmt auch gesagt. Und andere Männer müssen auf ihre Frauen hören! Und Frauen haben Ostern ohnehin keine Zeit, die müssen kochen.

 
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Gleich nach dem Start um 10 Uhr - bei strahlend blauem Himmel - erfolgen erneut teambildende Maßnahmen. Wir sind nicht alle gleich schnell – oder gleich langsam. Und so bilden sich sofort drei Gruppen, die sich auf dem Weg am Hohenzollernkanal - dem Europafahradweg Berlin-Kopenhagen - immer mehr voneinander entfernen. Aus der letzten Gruppe lässt sich das gut beobachten.

An der Tegeler Brücke gibt es einen besonderen Service. Extra für uns wird die Fußgängerampel auf Grün geschaltet. Wie beim Berlin-Marathon bringen wir den Verkehr zum Erliegen. Na ja, fast…  

Uli hat uns vor dem Start erzählt, dass die Strecke so markiert ist, dass sich keiner verlaufen kann. Da habe ich mir so gedacht: Der kennt mich nicht! Aber nun zeigt sich, dass man sich eigentlich gar nicht so doof anstellen kann, um bei dieser perfekten Kennzeichnung der Strecke vom Weg abzukommen. Weiße Pfeile sind aufgezeichnet, Bänder hängen an Bäumen und Masten. Uli Etzrodt und Hannes Hegewald waren am Vortag 10 Stunden damit beschäftigt!

Übrigens ist heute nicht nur Hannes, sondern die gesamte Familie Hegewald aus Falkensee unterwegs. Die Mutter und Ehefrau als Verpflegungsposten bei Kilometer 11 und 28, der Vater als Radbegleitung und Coach für die beiden verdammt schnellen Söhne Konstantin und Hannes (siehe Siegerliste).

 
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Berlin ist eine schöne Stadt mit einer außergewöhnlich schönen Umgebung. Das müsste sich inzwischen herumgesprochen haben und kann gleichfalls als Streckenbeschreibung dienen. Wir erreichen die Havelspitze, die Insel Eiswerder, Hakenfelde. Wer hier wohnt, braucht eigentlich nicht in den Urlaub zu fahren. Wer woanders wohnt, für den lohnt es sich, hier Urlaub zu machen. Angler versuchen ihr Glück, Boote liegen im Wasser, immer wieder begegnen wir Läufern oder Spaziergängern. Man kann das alles auch als Idylle bezeichnen.

Ich genieße das. Aus unserem Quartett ist ein Duo geworden. Und das erreicht bei Kilometer 11 die erste Verpflegungsstelle. Sieht etwas lustig aus, eine Frau mit einem kleinen Tischchen steht einsam – aber nicht verlassen! – am Wegesrand. Da greift jeder zu, der vorbeigelaufen kommt, ob er nun zum Vollmondmarathon gehört oder nicht. Das ist gelebte Willkommenskultur…

Mir fällt auf, das wir immer wieder über Brücken laufen müssen. Müssen? Nein, dürfen! Und wieso denke ich immer wieder an Venedig…

Ein längeres Stück fast bis zum Halbmarathon bewegen wir uns auf dem Mauerweg. Ich merke es nicht mal, denn da ist nichts weiter als Wald. Erst der mit mir laufende Stephan Schillhaneck-Demke klärt mich auf. Ich konnte schon Anfang der 90er Jahre nicht verstehen, warum man mit solch deutscher Gründlichkeit auch das letzte Stück Deutsch-Deutscher Grenze verschwinden lassen musste. Ich möchte die Mauer wiederhaben. Zumindest hier, ein kleines Stück – und bitte durchlässig…     

Ach so, jetzt sind wir ja im Land Brandenburg. „In Berlin, da kann man was erleben, in Brandenburg, da soll es wieder Wölfe geben…“ Dieses Lied von Rainald Grebe ist einfach genial, ich liebe es. Hoffe aber, dass Grebe eine andere Gegend in Brandenburg meint.

 
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In Hennigsdorf haben böse Menschen ein Kabel über die Straße gelegt. Ja, da kann man stürzen, sich verletzen oder noch schlimmer zu Schaden kommen. So was muss man verbieten. Ihr werdet jetzt denken: Schmidt, nun habe dich nicht so wegen dem bisschen Kabel. Wenn ich euch aber sage, dass am Ende des Kabels ein Blitzer hängt, werden alle Autofahrer unter euch sagen: Ja, der Schmidt hat Recht, verbieten!

Es wurde übrigens kein Läufer mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt. Bei mir hätte mich das auch sehr gewundert…

An der Halbmarathonmarke gibt es wieder zu futtern. Ausreichend – und Getränke gibt es auch. Und sogar gute Ratschläge – ich sei zu warm angezogen. Das stimmt, ich schwitze wie ein Schw... Ich könnte meine Jacke dort lassen. Schlau wie ich bin, mache ich das natürlich nicht. Denn der Himmel schickt schon seine Vorboten, und tatsächlich, kurz vor dem Ziel wird es auch noch schneien.

Wir erreichen Heiligensee. Den Ort kenne ich nicht, weiß nicht, wie groß er ist – auf jeden Fall ist er lang, aber wiederum nicht langweilig. Im Ort passiere ich das 25-Kilometer-Schild. Das muss ich natürlich fotografieren, vor allem, weil doch gerade in diesem Moment eine Läuferin aus der Gegenrichtung kommt. Ich geh vor ihr in die Knie. Das verwirrt sie etwas. Sie kann nämlich aus ihrer Perspektive das Schild nicht sehen. Und mal ehrlich, wenn ein Fremder vor mir niederknien würde, um mich zu fotografieren – das würde mich auch verwirren.

Bei Kilometer 28 treffe ich auf die letzte Verpflegungsstelle. Und was erlebe ich? Hier werden sogar schon die Spaziergänger versorgt! Aber es bleibt noch genug für mich, ich fülle meine Getränkeflasche auf – und ab geht es…

 
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Tegel kenne ich eigentlich nur durch den Flughafen. Jetzt lerne ich den Tegeler See kennen. Auch von einer Greenwich-Promenade habe ich noch nie was gehört. Die gefällt mir, mit ihren Platanen links und rechts vom Weg, mit den Fahrgastschiffen. Ja, lieber Uli, hättest du mal nicht so eine interessante Strecke ausgesucht, da hätte ich 14.05 Uhr auf die Uhr und anschließen gen Himmel geschaut. Denn genau zu dieser Zeit war der Namensgeber dieses Marathons so richtig voll. Aber wie auch andere Läufer im Ziel bestätigen, leider nicht zu sehen. Also das war schlecht organisiert…

Wieder am Hohenzollernkanal ist dann auch bald das Ziel erreicht. Ich merke, ich war auch schon schneller. Vor zwei Wochen zum Beispiel- aber da war ich auch noch kein Rentner…

Im Ziel werde ich von Uli, seiner Frau Evelyn, von Frau Meyer und Bruno aufs herzlichste begrüßt. Die lassen es sich nicht nehmen, auch noch auf die Letzten zu warten - also nochmal über 30 Minuten! - um ihnen die Medaille umzuhängen. So ist das bei Marathons, die mit Liebe organisiert werden…

Ach so, wer ist Frau Meyer? Der Erlös der Veranstaltung – 150 Euro - geht an sie, oder besser gesagt an den Verein „Von Kindern für Kinder“, dem sie vorsteht. Der Verein hilft Kindern, die ohne Pausenbrot in die Schule kommen, den Schulalltag zu bewältigen und lehrt den Kinder Tischkultur und wissenswertes über Lebensmittel.

Und Bruno? Ach, das ist nur ein Hund – aber was für einer! Wenn Uli Marathon läuft, ist sein  Bruno das Zugtier.   

So endet mein 74. Marathon. Ja, die Erbsenzähler unter euch werden wieder vorbringen, dass ich im Laufbericht von Rom geschrieben habe, dass ich dort vor zwei Woche schon meinen 75. Marathon gelaufen bin. Das stimmt – da habe ich vergessen hinzuzufügen, dass ich den Tauschjoker gezogen hatte. Weil der 75. doch etwas ganz Besonderes sein sollte. Aber wenn das dar Grund war, werde ich jetzt stutzig. Etwas Besonderes? Da hätte ich meinen 75. auch bei Uli Etzrodt laufen können!   

Wer es nicht glaubt, am 14. Mai gibt es auf der gleichen Strecke einen „Marathon zu Himmelfahrt“. Und den „richtigen“ 2. Berliner  Vollmond-Marathon gibt es am 29. August. Ihr müsst da nicht laufen. Kein Mensch kann zu seinem Glück gezwungen werden.
 
Sieger Marathon Männer

1.  Pascal Legrand                                        Frankreich                    03:17:51
2.  Konstantin Hegewald                              Falkensee                      03:26:55
3.  Hannes Hegewald                                    Falkensee                      03:40:45

Sieger Marathon Frauen

1.  Busisiwe Klimt                                         Südafrika                       04:19:39
2.  Claudia Benz                                            Berlin                             04:23:47     
3.  Patricia Kusatz                                         Berlin                             04:23:51    

 

 

Informationen: Berliner Vollmond-Marathon
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