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Laufberichte

Mit Engagement und Herzblut

 

Harald Heyde ist Ultraläufer aus Passion. Keine Streckenlänge ist vor ihm sicher. Seit einigen Jahren macht er auch als Veranstalter von kleinen aber feinen Läufen von sich Reden. Das Marathon-Team Waldhessen ist Harald Heyde, und Harald Heyde ist das Marathon-Team Waldhessen. Mit seinen immer neuen Ideen bereichert er den Laufkalender jedes Jahr mit reizvollen Events. Wenn er dann genügend Helfer gefunden hat, kann es losgehen.

Im Jahr 2000 war die Idee zu einem Sechs-Stunden-Lauf geboren, der dann bereits 2001 in Bad Hersfeld ausgetragen wurde. Ein Umzug zwei Jahre später ins nahe gelegene Rotenburg a.d. Fulda hat sich gelohnt. Im Park von Schloss Rotenburg können die Läufer nahezu ungestört ihre Runden drehen. Die angrenzende Jugendherberge bietet Übernachtungsmöglichkeiten mit Frühstück und gleichzeitig die Räumlichkeiten für die Startnummernausgabe, Duschen nach dem Lauf und einen würdigen Rahmen für die Siegerehrung samt leckerem Abendessen.

 
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62 Teilnehmer sind in diesem Jahr angemeldet. Das Startgeld von 25 Euro wird Vorort bezahlt. Norbert und ich reisen bereits am Vorabend an. Harald begrüßt uns herzlich. Mit der Startnummer erhalten wir noch Infos und einen Gutschein für das Essen nach dem Lauf. Um 20 Uhr wird für die bereits angereisten Läufer der Film „I want to run“ über den Trans-Europa-Lauf 2009 gezeigt. Wir kennen den Film bereits. Aber im Kreis der anderen Läufer und in Anwesenheit von Klaus Neumann, der den Lauf damals gefinisht hat, ist es ein besonderes Erlebnis. Wir sind also top motiviert für den kommenden Lauf.

Am nächsten Morgen können wir ausschlafen. Frühstück gibt es ab 8 Uhr und der Start ist um 10 Uhr. Beim Blick aus dem Fenster staunen wir, dass Harald im Park bereits ein Zelt aufbaut. Aber, oje - es regnet. Schon wieder haben wir nach einer wunderbar warmen und sonnigen Woche Regen am Wochenende. Es ist wie verhext.

Nach dem Frühstück verstauen wir unser Gepäck im dafür vorgesehenen Kellerraum und begeben uns nach draußen. In Sichtweite haben der Lauftreff Butzbach mit ihren auffälligen pinken Shirts und „Vital Schneeberg“ in grün, jeder ein eigenes Zelt aufgebaut und versammeln sich dort zur letzten Teambesprechung. Die restliche, bunte Läuferschar hält sich zwischen Verpflegungs- und Zeitnahmezelt auf.

 
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Wo ist eigentlich der Start? Die Startlinie ist durch den Regen inzwischen abgewaschen und muss nachgemalt werden. Punkt 10 Uhr gibt Harald mit der Fanfare den Start frei. 52 Läufer machen sich auf den Weg. Nanu - das Tempo ist hier beschaulich. Um in einen flüssigen Rhythmus zu kommen, muss ich erst mal kräftig überholen.

Der Weg ist ziemlich uneben. Zuerst geht es an der Verpflegung um eine scharfe Linkskurve. Gerade hier ist eine Pfütze über den halben Weg. Nur wer ganz innen oder ganz außen läuft, behält trockene Füße. Es geht an den Teamzelten vorbei. Durch eine romantische Laube führt der Weg weiter. Hier wurde mit großen, teilweise unebenen Steinplatten gepflastert. Sieht zwar gut aus, ist aber anspruchsvoll zu laufen. Dann geht es an riesigen Bäumen vorbei, die mit ihren Wurzeln den geteerten Weg wellenförmig aufgebrochen haben. Hier gilt es gut die Füße zu heben. Wir laufen eine scharfe Rechtskurve und dann nach einer Linkskehre aus dem Park hinaus.

Rechts fließt hinter noch blattlosen Sträuchern die Fulda und links von uns können wir hinter der hohen Mauer den Park vermuten. Ein Pfeil weist uns links, es geht wieder durch ein Tor und wir erreichen nach einer kleinen Steigung den Innenhof des Schlosses. Die kleinen Pflastersteine fordern wieder ganze Konzentration. Ein Linksbogen führt kurz bergab. Ein paar hundert Meter weiter steht die Zeitmessung, und wir sind einmal herum. Die ersten 1.145 m sind geschafft. Blickkontakt mit Harald am Computer, und dann das Ganze wieder von vorne.

Es dauert mehrere Runden, bis ich mein Tempo gefunden habe. Mittlerweile haben sich die Läufer auf der ganzen Runde verteilt. Leider finde ich heute niemanden, der in meinem Tempo unterwegs ist. Es scheinen einige Marathon-Neulinge unterwegs zu sein, aber auch versierte Ultras. Eine bunte Mischung also.

Trotz der kurzen Runde ist die Strecke überhaupt nicht langweilig. Man darf nur nicht den Fehler machen, nach jeder Runde an der Verpflegung anzuhalten. Das Angebot ist zwar verlockend: Wasser, Iso, Cola und Brühe, Trockenobst, Apfel, Banane und Laugenbrezeln und die netten Helfer laden zum Verweilen ein. Aber alle paar Minuten essen und trinken hält kein Magen auf die Dauer durch. Ich versuche die Runden auszublenden und nach bewährtem Muster alle 4 bis 5 Kilometer eine Pause zu machen. Das klappt ganz gut. Irgendwann gibt es dann auch noch Kuchen – was will ich mehr?

 
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Ich freue ich mich an der Frühlingsblüte im Park, beobachte im Vorbeilaufen den Fluss und genieße das herrschaftliche Schloss. Immer wieder stehen Betreuer an der Strecke und klatschen, wenn man vorbei kommt. Harald kommt entgegen, macht Bilder und feuert uns an. Bei den Teamzelten werden Motivationssprüche auf den Weg geschrieben. Eine Helferin kommt sogar auf die Idee, die Namen der Läufer auf den Asphalt zu malen. In jeder Runde kann man etwas Neues entdecken.

Hab ich schon erwähnt, dass der Regen mit Ertönen des Startschusses aufgehört hat? Es ist somit optimales Laufwetter. Sogar die Sonne lässt sich im Hochnebel erahnen. Entsprechend viele Spaziergänger sind im Park unterwegs. Ich versuche den Schnellen nicht in den Weg zu laufen und an den Langsameren in gebührendem Abstand vorbei zu kommen. Da heißt es immer aufmerksam bleiben. Für Abwechslung ist also gesorgt, und die Zeit vergeht relativ schnell.

Robert Etter, Schweizer Ultraläufer, führt lange das Feld an. Stefan Daum, mit knappen 80 km Sieger des Nürnberger 6 Stunden-Laufs letzte Woche, und Andre Schneider folgen mit etwas Abstand. Leider kann Robert das Tempo nicht bis zum Schluss durchziehen. Stefan nutzt seine Chance, macht aus dem geplanten Trainingslauf noch 76 Kilometer und gewinnt damit. Auch Andre rettet einen knappen Vorsprung. Da der Schweizer Robert hier aber sowieso nur als Begleitung für seine Landsfrau Andrea Schüpbach gemeldet hat, ist er über seinen dritten Platz am Schluss überhaupt nicht enttäuscht.

Andrea wollte endlich auch einmal einen richtigen Wettkampf machen. Gut, ein paar Zehner und Halbmarathons ist sie schon gelaufen. Aber der Ultra war bisher nur ein Traum. Da der Termin des Waldhessenlaufs so gut gepasst hat, läuft sie hier mal eben mit über 62 Kilometern zum Sieg. Ich bin sicher, dass dieses Ergebnis ausbaufähig ist. Im Schlussdrittel musste sie ihrer hohen Anfangsgeschwindigkeit Tribut zollen. Ines Grahnert ist mit gleichmäßigem Tempo unterwegs und am Ende nur eine Runde hinter ihr. Ines ist zum dritten Mal hier und hat nun die 60 km Marke endlich geknackt.

Das Zählen der Runden hab ich schon lange aufgegeben. Das übernehmen die Zähler am Computer. Ab und zu werden mir die Rundenzahlen angesagt. In der 37. Runde bekommt man eine gelbe Marathon-Fahne, die das erfolgreiche Erreichen dieser Distanz anzeigt. Ich würde gerne noch die 50 Kilometer voll machen und versuche deshalb mein Tempo einigermaßen zu halten.

Für die Schlussrunde bekommt jeder noch ein Fähnchen mit seiner Startnummer. Diese wird an der Stelle in den Boden gesteckt, wo man am Schluss stehen bleibt. Ich bin mir nicht sicher, ob mir 8 Minuten für eine Runde reichen und nehme daher die Fahne zur Sicherheit mit. Es reicht und ich komme hinter der Zeitmessung zum Stehen. So ein Glück - hier ist gleich die Verpflegung. Damit bin ich eine der Ersten, die ein frisch eingeschenktes alkoholfreies Bier genießen kann. Wir beglückwünschen uns gegenseitig und vertilgen die restliche Verpflegung. Norbert kommt auch und hat wieder die 60 km geknackt.

Das Duschen in der Jugendherberge erweist sich als „rustikal“. In Ermangelung von Umkleidekabinen zieht man sich im Gang vor den Duschen um. Dann geht es zum Essen. Suppe, Hauptspeise und Nachtisch sind rundum lecker und machen alle satt.

 
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Bei der Siegerehrung finden alle lobende Worte für die gelungene Veranstaltung. Harald und seine Helfer haben sich wieder selbst übertroffen. Die Zusammenarbeit mit der Jugendherberge klappt perfekt. Die Verantwortung für die Verpflegungsstelle an Bernhard Meyer abzugeben, war eine gute Entscheidung von Harald (man muss ja nicht alles selbst machen). Engagiert hat Bernhard die Läufer während des Laufes immer wieder daran erinnert, genug zu trinken und jeden Vorbeikommenden angefeuert.

Ich kann diese liebevoll geplante und mit Herzblut durchgeführte Veranstaltung nur empfehlen.

 

Informationen: 6-Stundenlauf Waldhessen
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