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Laufberichte

Jeder Ultraläufer ist ein Beckenbauer

 

Der Regen klatscht gegen die beschlagene Frontscheibe, bald geht er in Schnee über und es wird kalt im Linienbus nach Zagora, der Karawanenstadt in der Sahara. Dies ist der letzte Bus, der den Hohen Atlas queren wird. Der nächste Bus, in dem französische und deutsche Läufer sitzen, wird mit den Vorderreifen über der Schlucht schwebend liegen bleiben. Seit 40 Jahren gab es hier nicht mehr so viel Schnee. Dramatische Bilder in FB, von riesigen Felsen, die auf der Straße liegen, und Marokkanern, die versuchen diese mit Hämmern kleinzuschlagen.

Auf der südlichen Seite des Hohen Atlas, ab dem Pass Tizi N´Tichka gibt es keine Wolken mehr, Fön nennt man bei uns dieses Phänomen. Die Sonne strahlt vom grellblauen Himmel und begleitet mich auf meinem jährlichen Ultra im längsten Weltkulturerbe der Welt.  

Es ist der Oued (Wadi) Draa, der auf der südlichen Seite des Hohen Atlas entspringt. Zagora ist die einzige nennenswerte Stadt in der 1100 Kilometer langen Flussoase und liegt am nördlichen Rande der Sahara. Die Stadt war einst wichtigste Zwischenstation der Trans-Sahara-Karawanen, die Gold aus dem Niger Gebiet brachten. Beladen wurden die Karawanen auf der südlichen Seite der Sahara, in Timbuktu.  

Die Beschützer der Karawanenstation in  Zagora waren die Almoraviden, zu Deutsch: „Krieger an der Grenze“, eine islamisch geprägte Berberdynastie, die weite Teile Spaniens (al- Andalus) beherrschte, und von den Europäern Mauren genannt wurden. Durch die Reste ihrer Burg (11. Jahrhundert) führt morgen unser Trail.

Vor allem gegen die immer wieder einfallenden Tuareg musste die Stadt beschützt werden. Heute beschützen hohe Zäune und Wachttürme, die alle 100 Meter entlang der Grenze zu Algerien stehen, vor dem Einfall weiterer Menschen, der Weg nach Timbuktu ist versperrt. Einzig das historische Hinweisschild  „Tombouctou 52 Jours“ mit einem blaugekleideten Tuareg erinnert an die goldene Zeit.

Jetzt beginnt wieder eine goldene Zeit, die EU pumpt viel Geld in die „Vorfeldsicherung“. Unter dem Label „Sicherheit“ wird europäisches Geld für alles verbraten, was hell und übersichtlich macht. Ich freue mich jedes Jahr über die neuen, eleganten, unsinnigen Investitionen am Rande der Welt.  Der autofreie Kreisel vor dem imposanten Provinzparlament hat 8 Ampeln, die die Sekunden anzeigen, bis sie  umschalten. Der letztes Jahr gebaute Springbrunnen ist  dieses Jahr durch eine Pflanzenwelt ersetzt worden. Der Polizist dreht sich demonstrativ weg, als wir bei Rot den Kreisel queren.

 

 
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Samstag, 9 Uhr

 

Unterhalb des Kreisels ist ein neuer Park, der Parc Touristic, dort ist die Veranstaltungszentrum des Zagora Sahara Trails über 47 km und 1000 Höhenmetern. Anmelden kann man sich noch kurz vorher. Die Helfer haben keine Schulbildung, die Übertragung der Läufernamen ins Web gelingt nicht: Ich laufe unter der Bezeichnung „nebel“. Dann gibt es noch „konauski claudia“ aus dochland, „nicola wahi“, „schatz ben jamin“ aus deutch, „Late entry“, „hAUTMANN mlCJ“ , „kouom gerhard“ aus dechland, „prisner behina“aus alileman, dann noch ein „Late entry“, aber „SEIFERT CORNELIA“ ist verständlich.

„konauski claudia“ will unbedingt „Team ultraSPORTS“ in der Ergebnisliste sehen, sie hat noch nicht chillen gelernt, denn sie fordert Unmögliches mit auch für Europa komplizierter Rechtschreibung.

Wir sind 57 Läufer, die den 47 Kilometer Trail angehen, einige Läufer haben wegen der Anreiseprobleme ihre Pläne geändert und fahren nun im Hohen Atlas Ski, 6 Euro kostet der Tagespass in Oukaimeden.  68 Läufer haben sich für die 27 Kilometer gemeldet, über 200 für die 10 Kilometer. Kinder und Jugendliche dominieren das Starterfeld, sie zahlen kein Startgeld. Lahcen Ahansal, der 10fache Seriengewinner des Marathon des Sables setzt bei der Organisation auf Nachwuchsförderung.

 

 
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Der Nachwuchs trägt recycelte Startnummern, fühlt sich zum ersten Mal im Leben wichtig. Zwischen dem Nachwuchs tummeln sich graue Vögel, die einfach nur mitlaufen wollen. Das wird geduldet, denn Lahcen wurde so Ende der 80er entdeckt. Der Nachwuchs hängt sich gerne an die europäischen Läufer und versucht Aufmerksamkeit zu erhaschen. Da wird an den Kleidern gerissen, gerufen, gefallen, gelacht, geflucht und viel Staub aufgewirbelt.

Am Hinweisschild nach Timbuktu geht es links auf die ehemalige Karawanenstraße, sie folgte ab hier  nicht mehr dem Draa, der wegen des  Bani-Gebirge einen Umweg nehmen muss, sondern nimmt den direkten Weg durch das Gebirge. Der Ultra Trail Eco Sahara, der im Februar wieder stattfindet (110 km), nimmt die exakte Karawanenroute durch das Bani.

Wir biegen nach links ab und laufen am Rande von Zagora Richtung Draa, den wir über eine neue Brücke trocken überqueren können. Viel wird gegen die vermehrt auftretenden Regenmassen unternommen, die Ufer werden mit hässlichem Beton verstärkt, Brücken werden erhöht. In Gebieten, wo einst Sanddünen waren, werden nun Melonen angepflanzt. In der Erntezeit transportieren über 600 Lastwagen die Früchte über den Hohen Atlas,  600 Lastwagen pro Tag.

Nun geht es an der östlichen Seite der Flussoase durch die Palmenhaine von Amazraou. Die Menschen hier haben richtig schwarze Hautfarbe, es sind die Nachkommen der aus dem Sudan stammenden Draoui, nach denen der Draa Fluss benannt ist. Sie sind in Zagora hängengeblieben, als wegen der Tuareg-Überfälle zunehmend der Goldhandel über den Atlantik abgewickelt wurde. Umschlagplatz wurde Ghana und Guinea, das den Titel Goldküste erhielt. Bis in die 50er Jahre existierte hier eine jüdische Gemeinde, Nachfahren der Händler, die einst den Handel mit der brandenburgischen Kolonie Groß Friedrichsburg (1683-1717) an der Goldküste betrieben. Initiator dieser Kolonie war der Pirat Benjamin Raule.  Er gründete die erste deutsche Aktiengesellschaft (1682). 30 Jahre lang hielt er das Handelsmonopol über Pfeffer, Elfenbein, Gold und Sklaven.

 

 
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Wir laufen durch enge Gassen, die mit hohen Lehmwänden vor Wind und Sonne geschützt sind. Die 10 Kilometerläufer kommen uns entgegen, es wird nun eng und staubig, gerade die kleinen Läufer machen viel Wirbel. Das normale Leben in der Oase geht trotz der hastigen Läufer ruhig weiter. Man quetscht sich an breit beladenen Eseln vorbei oder überholt Frauen, die kiloweise Tierfutter auf dem Kopf transportieren. Zuschauer gibt es wenige, die Männer arbeiten auf den kleinen Parzellen unter den hohen Dattelpalmen und formen kleine, quadratische Flächen, in denen Klee und Gerste gesät wird.

Die Berber, also auch die Großeltern der Ahansal-Brüder, kamen vor 100 Jahren aus dem Hohen Atlas nach nach Amazraou, und brachten den Draoui die Landwirtschaft bei. In Der Sahara sagt man, wer das Land bearbeitet, dem gehört es. Bevor nun in Marokko Grundbücher allgemeingültig werden, pflügt man den letzten Rest jungfräulichen Bodens um, oder bedeckt ihn mit Bauschutt, um so Anspruch zu erheben.

Der Draa quetscht sich bei Amazraou durch einen von West nach Ost führenden Gebirgszug, dem  Jbel Ghart. Wir verlassen bei km 17 die Flussoase und folgen diesem Gebirgszug nach Osten. Der Vegetationsgürtel wurde in den letzten Jahren weit ausgedehnt. Dafür errichtet man Zäune, Mauern und Pumpenhäuser, setzt Palmensetzlinge und wartet ab.  

Nach der gut gesicherten Überquerung der Straße nach M´ Hamid, dem letzten zivilen Posten an der unpassierbaren Grenze zu Algerien, gelangen wir in die Steinwüste, laufen einsam der brennenden Frühsonne entgegen. Es ist der schlimmste Abschnitt, Hardcore für den Willen, denn die Gegend ist trostlos, nur die weiß getünchten Steinpyramiden geben Orientierung in der Einsamkeit. Es ist nicht heiß, doch die Sonne sticht. Mit Touda und Abd liefere ich mir nun seit zwei Stunden ein Gefecht. Am Verpflegungspunkt bei km 21 überholen mich auch noch Claudia und Kuno und düsen ab, hinauf auf den Pass durch den Jbel Ghart, bis ich sie nicht mehr sehe.

Vor Jahren, bei meinem ersten Lauf, hatte ich mich hier verlaufen. Jetzt gibt es kaum noch Dünen, dafür kleine Dornenbüsche. Die Existenz von Gazellen erkennt man an deren Hinterlassenschaften. Oben am Pass mache ich traditionell mit Selbstauslöser ein Foto, eines dieser Bilder ziert das Cover meines Buches „ 100 Km für ein Bier“. Heute ist mein Bier bei km 35 gebunkert. Die Linie der weißen Steinpyramiden führt schnurgerade über 7 Kilometer dorthin.

Unter mir das Camp, in dem ich so manche Silvesternacht verbracht habe. Es sind andere Camps dazugekommen, Touristencamps, die sich nun auf dem verbliebenen Sand zusammendrängen. Der Wind trägt den Sand in die Welt, bis hinüber zum Amazonas. Nachschub versiegt, man baut Sand- und Pflanzenbarrieren, den Rest befestigt natürlicher Rucola. Wohin sind die Kamelknochen verschwunden, die einst zur Markierung der Laufstrecke dienten? Die kleinen Schakale können diese großen Knochen nicht zerbeißen.

 

 
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„Juuuu?“ fragt mich der Helfer an der Wasserstation, „Oui, c`est moi!“ Grinsend überreicht er mir vier Dosen Bier, die Lahcen für mich hier deponiert hat. Mein Tempo erhöht sich schlagartig, ich überhole Touda, Abd, „konauski aus dochland“ und „kouom gerhard aus dechland“.    

Nach 5 Kilometer durch Steinwüste erreiche ich wieder den Rand der herrlichen Flussoase. Ein Pulk Dreckspatzen begleitet mich: „Missyou, Missyou!“ rufen sie permanent-nervig, sie haben keine Schulbildung, wollen eigentlich  „messieur“ rufen.  „Teneacin, Teneacin!“  heißt  „Geld“, ist der Berberdialekt Taschelhit. Sie kommen also aus Algerien, haben gehört, dass Europäer gerne ohne Gegenleistung mit Dirham, Bonbons und Kugelschreibern um sich werfen.

Als man mir die Mandarinen aus den Rucksacktaschen klaut, werde ich zu Klaus Kinski, brülle die kleinen Ratten in Grund und Boden, hechte dem Dieb auf dem Fahrrad hinterher und kicke ihn in den Dreck, was allgemeines Gelächter produziert. Der Verpflegungspunkt an der Kasbah Cheikh Slimane wird auch von kleinen Ratten belagert. Sobald ich mir eine Dattel vom Tisch nehme, werde ich angefasst und angebettelt. „Ouarrrrrrrrrhhhh“ brülle ich, die Kerlchen springen weg, alles lacht, ich habe meine Ruhe.

Diese Kasbah (Wehrburg aus Lehm) hier im Örtchen Diafa war bei meinem ersten Zagoramarathon  noch unbewohnt und  zerfallen. Die Regierung überließ den Flüchtlingen aus Algerien die Kasbah mit der Auflage, diese zu renovieren und Instand zu halten. Der jetzige König, Mohamed VI hat erlaubt, die Schüler in Tamazight tatt in der Fremdsprache Arabisch zu unterrichten. So ziert nun ein Schild „Kasbah Cheikh Slimane“ die Burg und erinnert an die einstige Heimat der Bewohner, die Taschelhit sprechen.

Der Draa Fluss hat irgendwann ein steiles Ufer gegraben, der Lauf über den Kieselhang ist schön, man muss aber vorsichtig sein, ein Fehltritt wäre eine Katastrophe. Ich hole vier Läufer ein, blühe auf und erreiche die Piste der N12, auf der ich nun etwa 500 Meter laufen muss. Ein Streifenwagen der Nationalgarde hält an. Mir ist es unverständlich, warum sie nicht wissen, was wir hier machen. Der Beamte ist ja nett, ich habe aber keine Zeit für Gespräche, muss meinen Vorsprung halten. Er dreht den Wagen, überholt mich mit Blaulicht, ich biege ab, hinauf zum Zagoraberg.  Der Beamte steigt aus und flitzt den Hang hinauf, um mich abzupassen. Dabei hält er die Hand am Pistolenhalfter, weil die Wumme bei seinem Sprint bedrohlich an seiner Hüfte schlenkert. Ich halte gerade eine Dose Bier vom VP bei km 35 in der Hand,  bin mir eigentlich keiner Schuld bewusst, als er mit der Hand auf der Pistole vor mir stehen bleibt. Ich grinse ihn an. Er grinst zurück, will nur wissen, warum ich diesen Scheiß hier mache. „Bessehha“- „Prost“ rufe ich ihm entgegen, setzte die Bierdose an und laufe weiter. „Bon Courage!“ ruft er mir hinterher.

Oft fragt man mich, ob es denn hier unten im südlichen Marokko sicher wäre. Nun, der König ist der Schirmherr der Läufe, die Lahcen Ahansal organisiert. Die Schirmherrschaft holt sich Lahcen bei einer Privataudienz in Marrakesch ab. Abgesehen von der Präsenz der Sicherheitskräfte gibt es ein ausgeklügeltes Meldesystem, mit dem die Reiserouten von Ausländern überwacht werden. Dörfer haben einen Verantwortlichen, der Meldung machen muss, wenn man einen Fremden sichtet. Was sich anhört wie Bespitzelung, wird im Outback in Australien seit Jahren so gehandhabt und hat mir dort  das Leben gerettet.

Der Aufstieg zum Zagoraberg dauert ein wenig. Rechts sind die Reste der Almoravidenburg (11.Jahrh)  zu sehen. Unter Führung der Araber begann Ali ibn Yusuf von hier aus die Eroberung von Valencia und Zaragossa in Spanien (1143). Die Abwesenheit des Fürsten nutzten die Almohaden (Bekenner der Einheit Gottes) 1147 zur Eroberung der Burg von Zagora, anschließend von Marrkesch, und gleich darauf von gesamt  al-Andalus, also Spanien.

 

 
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Der Blick geht weit nach Süden, weit nach Norden, und über die gesamte Laufstrecke. Erhabenes Gefühl, traumhaft das ewige Palmenband entlang des Draa. Vor 20 Jahren kam jemand auf die Idee, hier oben ein Hotel zu bauen, dann schritt die Unesco ein, jetzt haben wir eine Bauruine am schönsten Platz des Weltkulturerbes.

Unser Weg führt weiter hinauf zum Gipfel (1031m) mit seinen militärischen Anlagen, die die Verbindung zur Bundeswehr in Timbuktu sicherstellen. Vier Jahre ist es nun her, seitdem Dschihadisten Timbuktu, die Stadt der 333 Heiligen Schriften, dem Erdboden gleich machten. Abdel Kader Haidara hatte die Schriften kurz vor dem Einmarsch der Islamisten in Sicherheit gebracht. Von hier oben sieht man die Bibliothek von Tamegrout, die viele der alten Schriften beherbergt. Interessant finde ich ein Buch, in dem der Stammbaum des Propheten Mohamed auf einen Mann mit dem Namen Jesus fußt. Neben der Bibliothek ist der grün bedachte Zaouia, das Marabout, die Begräbnisstätte von acht Heiligen  zu sehen. Nebenan erkennt man die gestapelten, bunten Töpferwaren, die dort hergestellt werden, und das Ksar (Wehrdorf) mit seinen verschachtelten Bauten und überdachten Gassen, wo Touris nicht gerne gesehen werden. Das ist selbst  für mich eine Mutprobe.

Der steile Weg hinab vom Berg zum Draa ist auch eine Mutprobe. Lahcen hatte im Frühjahr auf diesem Weg einen tödlich verunglückten Läufer gefunden. Das Bild der Leiche mit den abgedrehten Gliedmaßen, das er mir per WhatsApp geschickt hat, geht mit nicht aus dem Kopf.  Ich gehe vorsichtig seitwärts nach unten, werde das Ziel locker innerhalb des Zeitlimits erreichen.

Vor dem Hotel „La Fibule du Draa“ geht es links rum, wieder in die Datteloase. Das Hotel wurde vor drei Jahren von den Fluten überrascht, Touristen wurden mit dem Heli ausgeflogen.  Als ich schließlich am Ufer des Draa ankomme, überhole ich eine Gruppe „grey birds“, wie Hans diese nichtzahlenden Mitläufer bezeichnet. Sie gehören in Marokko zu einem Lauf einfach dazu. An einer zerfallenen Brücke hole ich mir nasse Füße. Zusammen mit dem Sand ist das eine grausame Mischung im Laufschuh,  die letzten drei Kilometer kämpfe ich mich ins Ziel.

 

 
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Rachid Elmorabity, der vierfache MdS-Gewinner, überreicht mir die Medaille. Er besteht auf den traditionellen vierfachen Wangengruß mit abschließendem Handschlag auf das eigene Herz.  Ich bin dieses Jahr 35 Minuten schneller, begebe mich umgehend zum Hotel, dem Ksar (Wehrdorf) Tinsouline, da es im Zielbereich keine Duschen gibt. Man friert schnell. Das Ksar Tinsouline wurde in den 50ern für die hier stationierten Fremdenlegionäre als Wellnessoase erbaut, damals bestand Zagora nur aus der französischen Kaserne. Jetzt hat Zagora 40.000 Einwohner. Die Regierung stellt den Nomaden aus dem Umland Wohnungen in der Stadt zur Verfügung, damit die Kinder die Schule besuchen können. Mein kurzer Weg zum Hotel wird von diesen Kindern begleitet. Sie möchten mich abklatschen, ein Ultraläufer ist hier ein Beckenbauer.

Die Finisherparty im ausgewählten Kreis wird von travellink organisiert, dem größten marokkanischen Reisebüros und Partner von interair, mit denen ich im November die Kombi Tafraout (72 km) und Zagora (47 km) anbieten werde. Immer wieder treffe ich in Deutschland auf Gerüchte, man würde verhaftet, wenn man in Marokko Alkohol trinkt, kurze Hosen trägt, oder bei Rot über die Ampel geht. Das ist Unsinn. Es gibt in Zagora sogar eine Kirche und eine Synagoge. Nur interreligiöse Beziehungen sind verboten. Also lasse ich Knutschereien heute ausfallen.

Auf dem Heimweg, etwa um 1 Uhr morgens, halte ich einen Wagen an. Er ist voll mit bekifften Jünglingen. Sie sind nett, laden mich zu einer Party ein. Aber ich weiß, wo hier in Zagora die Polizei steht und brülle den Fahrer an, er solle mich augenblicklich rauslassen. Wir haben uns köstlich amüsiert.

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