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Laufberichte

Vom Worst Case zum Holy Trail

28.05.16

Nach der glanzvollen Premiere des Ultra Trail Lamer Winkel im Vorjahr mache ich mich auch heuer wieder voller Vorfreude auf den Weg in eine der schönsten Regionen des Bayerischen Waldes, unweit der Grenze zu Tschechien. Umrahmt von den dicht bewaldeten Höhenzügen des Künischen Gebirges im Norden sowie des Arberkammes im Süden bietet es beste Voraussetzungen für ein tolles Trailrunning-Event, wie ich im Vorjahr bereits erfahren durfte. Einzig das Wetter passte da nicht, das sieht heuer vorerst mal positiv aus, aber mit Einschränkungen. Es soll ein hohes Gewitterrisiko geben.

Einige Veränderung gibt es gegenüber 2015. Auf Anhieb fällt die neue Schreibweise auf, nämlich U.TLW oder ausgeschrieben U.Trail Lamer Winkel, mit dem Punkt zwischendrin und als „You-Trail“ gesprochen. Passt natürlich hervorragend zum U-förmigen Höhenzug des Lamer Winkels, der tatsächliche Grund ist aber der, rechtlichen Problemen mit den Kollegen aus Chamonix aus dem Weg zu gehen. Die Schreibweise „Ultra-Trail“ haben sich die Herrschaften nämlich schützen lassen.
Zwei Strecken werden wieder angeboten, beim „König vom Bayerwald“ bleibt im Großen und Ganzen bis auf eine etwa drei Kilometer lange, wetterabhängige Streckenänderung, alles beim Alten: 53 Kilometer und fast 2.700 Höhenmeter über 12 Tausender sind zu meistern. Hinzugekommen ist hier eine Sonderwertung nach neun Kilometern. Die drei ersten Läufer am Ecker Sattel werden mit Geldprämien belohnt. Voraussetzung für den Gewinn des Bergkönig-Titels ist allerdings, dass man auch das Ziel in Lam erreicht.

Eine kräftige Überarbeitung musste die kürzere Strecke über sich ergehen lassen. Der „Osser-Riese“ ist gewachsen von 13 auf jetzt 25 Kilometer mit 1.200 Höhenmetern. Vergrößert wurde auch das Gesamtstarterkontingent, 200 Teilnehmer mehr dürfen heuer teilnehmen. 450 beim „König vom Bayerwald“ und 250 beim „Osser-Riese“.

Während am 1. Dezember über Deutschland ein Sturm-Tief tobte, fegte ab Mitternacht nach Eröffnung der Anmeldung, binnen weniger Stunden ein ausgewachsener Wirbelsturm über das Anmeldeportal. Verhältnisse wie man sie eigentlich nur von besonders prominenten oder begehrten Veranstaltungen kennt. Dem Ansturm war selbst der Proxyserver des Zeitmess- und Anmeldeportals nicht gewachsen, was zu einem längeren Ausfall führte. Nach 17 Stunden waren letztendlich alle Startplätze des „König vom Bayerwald“ und nach 21 Stunden des „Osser-Riese“ ausverkauft.

Eine weitere Veränderung betrifft die Event-Location. Wurde die komplette Startunterlagenabholung und das Briefing im Vorjahr noch im Seepark Arrach abgehalten, so ist heuer alles um und auf dem Markplatz von Lam beheimatet. Eine tolle Idee hatte man auch bezüglich der Pasta-Party. Mit Abholung der Startunterlagen wird uns ein Essensgutschein ausgehändigt, den man in vielen Restaurants der beteiligten Gemeinden Lam, Arrach und Lohberg am kompletten Wochenende einlösen kann.

Um 19 Uhr findet die offizielle Eröffnung des U.TLW mit anschließendem Streckenbriefing statt, wo wir noch mal eindrücklich auf die Mitnahme der vorgeschriebenen Pflichtausrüstung hingewiesen werden. Es muss nicht unbedingt ein Rucksack sein, wir können sie auch in einer Plastiktüte oder ähnlichem Behältnis mitführen, meint Markus Mingo vom Veranstalter-Team wohl eher scherzhaft.

 

 
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Wunderbares Laufwetter empfängt uns am Samstagmorgen im Arracher Seepark, wo wir von der Blaskapelle Thürnstein traditionell bayrisch empfangen werden. Für die Anreise hierher hat jeder selbst zu sorgen, den Rücktransport nach dem Lauf, vom etwa 3 Kilometer entfernten Ziel in Lam übernimmt der Veranstalter per Buspendelverkehr. Anmelden muss man sich hierfür nicht extra, alle halbe Stunde fährt am Nachmittag ein Shuttle.

Bevor wir in den abgesperrten Bereich zur Start-Aufstellung können, wird verschiedentlich die Pflichtausrüstung kontrolliert. Wie schnell es gehen kann mit einer Wetteränderung, haben wir im Vorjahr erfahren, wo am Morgen auch noch angenehme Temperaturen herrschten und nach einer rapiden Verschlechterung am Gipfel des Arber fast die Null-Gradgrenze erreicht wurde. Ich habe für einen solchen Fall alles dabei und brauche mir darüber keine weiteren Gedanken machen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Veranstalter und der drei Bürgermeister der Gemeinden geht’s auch schon los, um den „König vom Bayerwald“ zu ermitteln. Mit einem ohrenbetäubenden Knall werden wir von Böllerschützen auf eine etwa 400 Meter lange Runde um den kleinen See geschickt.

 

 
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Nach zwei flachen Kilometern über Feldwege und Wiesen überqueren wir die Regeltalstraße und verschwinden im Wald. Die ersten Anstiege sind technisch nicht allzu schwer, aber es sind bereits einige steilere Abschnitte auf dem „WoidBauern-Steig“ zu meistern. Durch die Höfe von Vorderöd ist noch ein kurzes Gefällstück über Asphalt dabei.

Bis zur ersten Verpflegungsstellte in Eck gibt es ein Zeitlimit von 1:30 Stunden, für den kompletten Kurs stehen uns 11 Stunden zur Verfügung. Am Ecker Sattel hat sich eine ordentliche Anzahl Zuschauer eingefunden. Der Bergkönig Matthias Baur ist hier nach 43 Minuten Laufzeit durchgekommen, Tom und ich sind eine unwesentliche halbe Stunde später dran, werden aber genauso jubelnd empfangen und von Max am Micro begrüßt.

Dann heißt es Getränke nachfüllen, erst in 15 Kilometern am Gipfel des Großen Arber kann wieder aufgetankt werden. Ein Liter Flüssigkeit lautet daher auch die Vorgabe in der Pflichtausrüstung. Leider ist Iso bereits aus, es gibt nur mehr Wasser.


 
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Unmittelbar nach Eck befinden wir uns auf einem der schönsten Abschnitte des Goldsteigs. Bis zum Gipfel des Arber könnten wir jetzt praktisch auch seinen permanent ausgeschilderten, markanten goldgelben Zeichen folgen, um auf der Strecke zu bleiben. Der komplette Goldsteig verläuft auf rund 660 Kilometern von Marktredwitz bis Passau auf drei Abschnitten durch den Oberpfälzer und Bayerischen Wald. und ist damit der längste Wanderweg Deutschlands mit Prädikat.

Mit dem Mühlriegel auf 1080 m passieren wir unseren ersten von zwölf Tausendern für heute, als Gipfel auszumachen ist er für mich allerdings nicht. Etwas besser macht es dafür einen Kilometer weiter der Ödriegel (1139 m). Markant steht die Felsformation auf einem kleinen Plateau, zudem hat jemand mit weißer Farbe seinen Namen an die Felswand gepinselt. Schön ist das zwar nicht unbedingt, traumhaft dafür aber die Aussicht hinunter in den Lamer Winkel.

Urwüchsig und wildromantisch geht es auf schmalen Pfaden auf dem Kammweg weiter, dazu mit einigen Kletterpartien. Ist zwar anspruchsvoll, macht dafür aber auch Riesenspaß. Das Schwarzeck ist schon von einiger Entfernung deutlich als Gipfel erkennbar, ein poliertes und in der Sonne glänzendes schönes Metallkreuz ziert seine Spitze. Wir dürfen ganz bis zum Kreuz auffi und müssen dafür etwas klettern. Die Bergrettung ist hier positioniert und passt auf, dass alle Schäfchen heil drüber kommen.

 

 
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Ein herrlicher Singletrail führt uns durch den Wald wieder ein Stück abwärts, bevor uns ein Steig in einer Waldschneise auf die freie Hochmoorfläche des Heugstatt (1261 m) führt. Bis in die 50er Jahre wurde die Gipfelwiese als Almweide für Jungvieh genutzt. Die Szenerie ist heute komplett anders. Es geht jetzt durch Blaubeersträucher und abgestorbene Baumreste über die Freifläche. Über den 1285 m hoch gelegenen Enzian folgen wir weiter dem Kammweg. Den Gipfel des Großen Arber haben wir hier für einige Zeit in unserem Blickfeld, so können wir unser nächstes Etappenziel zumindest mal anvisieren.

Direkt am Felsen unterhalb des Gipfelkreuzes des Kleinen Arber können wir auf einer gravierten Metallplatte unseren Weg ab Ecker Sattel nochmal zurückverfolgen. Mittlerweile sind doch einige dunkle Wolken am Himmel aufgezogen, die das Laufen zwar angenehm machen, aber auch die Aussichten für einen Gewitterschauer deutlich erhöhen.

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Informationen: Ultra Trail Lamer Winkel
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