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Laufberichte

Gran Premio la Stampa

 

Jeder von uns hatte sicher schon einmal ein Stück Turin in seinem Geldbeutel: Die italienische 2- Cent-Münze trägt das Wahrzeichen der Stadt, die Mole Antonelliana, einen kühnen Bau von Alessandro Antonielli aus dem Jahr 1889 mit charakteristischer Kuppel und steiler Spitze. Das ursprünglich als Synagoge erstellte 167,5 Meter hohe Gebäude, damals komplett aus Ziegeln konstruiert, beherbergt heute das nationale Filmmuseum.

Nach unserer Teilnahme am Ravenna-Marathon haben wir eine schöne Woche in Norditalien. Ein bisschen entspannen in Rimini und Urbino, dann Toskana mit Lucca (dort gibt es auch einen Marathon, der noch auf unserer Liste steht) und Viareggio, schließlich über die Cinque Terre und Genua nach Turin. Immer so geplant, dass wir (fast) ohne Regenfälle vorankamen. Fazit: Im November ist es noch angenehm mild, es gibt fast keine Touristen und viele Hotels bieten unglaublich günstige Konditionen.

Nach über 30 Jahren Autofahren in Bella Italia bin ich von den Verkehrsverhältnissen in Turin sehr überrascht. Hat man sich mit den Gepflogenheiten der Einheimischen beim Kreisverkehr (immer alle schneiden) und beim Einfädeln (immer auf dem Beschleunigungsstreifen stehen bleiben) angefreundet, kommt man im Prinzip gut zurecht. Anders in der Hauptstadt der italienischen Autoindustrie: Da wird geschoben, gedrängelt, gehupt und rote Ampeln haben bestenfalls informativen Charakter... So etwas habe ich noch nicht mal im italienischen Süden erlebt, am ehesten noch in Rom vor 20 Jahren. Ich kann jedem nur den Tipp geben, ein Hotel in einem Außenbezirk zu wählen und sein Fahrzeug dort stehen zu lassen oder gleich auf das Auto zu verzichten. Turin ist bestens per Hochgeschwindigkeitszug oder per Flugzeug zu erreichen. Immerhin wohnen wir ganz zentral, mit einem Parkplatz im Hof und vielen weiteren Läufern im Hotel.

Turin hat zirka eine Million Einwohner und ist die Hauptstadt der Region Piemont. Die Ansiedlung, von den Römern gegründet, wurde 1563 Kapitale des Herzogtums Savoyen und 1861 nach der Vereinigung Italiens (Risorgimento) Hauptstadt des neuen Staates. Vittorio Emanuele II aus dem Hause Savoyen unterstützte die Einheitsbewegung und wurde erster König von Italien. 2011 fanden hier die 150-Jahr-Feiern zur Einheit statt. Nicht weniger als 14 Schlösser zeugen von der wichtigen Rolle Turins. Heutige Besucher finden sich aufgrund der rechtwinklig angelegten Straßen relativ leicht zurecht. Wer kleine Gässchen sucht, wird westlich der Piazza Castello fündig. Das aktuelle Ausgehviertel liegt um die Piazza Madama Christina mit dem angesagtesten Kebab-Laden der Stadt. Richtig gelesen, das wollte ich schon immer mal schreiben: Kebab liegt in vielen italienischen Städten voll im Trend, schmeckt wie bei uns, nur sind die Portionen größer und wesentlich günstiger.

Berühmt ist Turin auch für sein Ägyptisches Museum, eines der wichtigsten in Europa. Ebenso gibt es bedeutende Kunstsammlungen. Die Galleria Sabauda wird gerade in das Umfeld des Palazzo Reale (Königspalast) integriert. Auf der zentralen Piazza Castello liegt der Palazzo Madama, ein Gebäude, das über die Jahrtausende immer wieder ergänzt wurde. Die Basis bildet ein römisches Stadttor. Im Inneren gibt es Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerk aus verschiedenen Epochen zu bewundern sowie einen monumentalen Raum, der als Senatssaal verwendet wurde.

An der Piazza Castello befindet sich auch die Zeltstadt der Marathonmesse. Liegt es an deren überschaubarer Größe, dass man auf Beschriftungen der Schalter verzichtet hat? Wir müssen uns jedenfalls durchfragen. Eine lange Schlange hat sich bei der Anmeldung zum Stratorino-Lauf über 7,5 km gebildet. Wir Marathonteilnehmer werden an einen nahezu leeren Schalter verwiesen. Die freundliche Dame dort erzählt uns dann auch gleich, wo wir unseren Starterbeutel bekommen. Dieser enthält ein langärmeliges Asics-Laufhemd, ein Bavaria-Bier (aus Holland), Wasser und allerlei Pröbchen. Inzwischen hat uns der Regen doch noch eingeholt. Wir drehen eine Runde mit der historischen Trambahn - heute kommt leider ein fast moderner Wagen aus dem Jahr 1959 zum Einsatz. Danach geht’s ins Museum. Und dann muss ich natürlich noch U-Bahn fahren. Die Plätze am Kopf des automatischen Zuges sind für Kinder reserviert – ich mache mich klein. Als die Beine richtig schwer und die Schuhe völlig durchnässt sind, geht es zurück ins Hotel.

Die Tauben vor unserem Fenster wecken uns am nächsten Morgen rechtzeitig mit ihrem unerbittlichen Gurren. Schnell sind wir im Startbereich auf der Piazza San Carlo. Es ist fast sonnig, und mit10 Grad herrscht eine ideale Lauftemperatur. Vom vorhergesagten dichten Nebel erst mal keine Spur.

 
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Zurück auf der Piazza San Carlo können wir uns schon zum Start aufstellen. Der Sockel des Reiterstandbilds bietet einen schönen Aussichtspunkt. Unter den Arkaden gibt es übrigens die nobelsten Cafés der Stadt. Dort kann man sich auch mit den berühmten Turiner Schokoladen eindecken. Probieren muss man natürlich die Pralinenspezialität Gianduja.

Auf einer Bühne am Start haben Herrschaften in historischer Kleidung Aufstellung genommen. Eine junge Dame singt zusammen mit allen italienischen Läufern die Nationalhymne. Danach gibt es noch eine kurze Ansprache des Organisators, der auch der Opfer der aktuellen starken Regenfälle gedenkt. Seine Rede wird jäh vom Startschuss unterbrochen. Die italienische Fernsehgesellschaft RAI, die den Marathon live überträgt, gibt hier den Takt vor. Den Bericht im Internet kann man sich in Deutschland leider nicht ansehen. Das verhindern die Verwertungsbestimmungen.

Die Startlinie verläuft nahezu über den ganzen Platz, sodass jeder Teilnehmer fast in der ersten Reihe steht, es aber nach 20 Metern einen gehörigen Stau gibt, da die Via Roma nicht den gesamten Pulk auf einmal aufnehmen kann. Aber ein Marathon wird ja nicht auf den ersten 250 Metern entschieden. Also Ruhe bewahren. Die Via Roma werden wir am Ende wiedersehen. Sie ist mit italienischen und Fahnen der anderen europäischen Länder geschmückt. Beim Zieleinlauf in  London ist nur Platz für den “Union Jack“. Auch an der Beflaggung kann man die Begeisterung eines Landes für Europa erkennen.

 
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Wenige Meter weiter sind wir an der Piazza Castello und es geht nach rechts in die von Arkaden gesäumte Via Po. Hier heißt es höllisch aufpassen: Die großen Steinplatten am Boden weisen gewaltige Höhenunterschiede auf. Trambahnschienen und die vielen Verkehrsinseln sind weitere Gefahrenquellen. Nicht ohne Grund hören wir bald einen lauten Knall und dann viele Mahnungen zur Vorsicht. Also einfach mal über einige hundert Meter etwas aufpassen. Leider verliere ich dabei Judith aus den Augen. Ist sie jetzt vor oder hinter mir?

Die Via Po weitet sich zur Piazza Vittorio Veneto. Vor uns die Brücke Vittorio Emanuele I über den Po, dahinter die Kirche Gran Madre di Dio und ein kleiner Gebirgszug, der Turin um mehr als 400 Meter überragt. Leider ist der bestenfalls zu erahnen, da hier noch der Hochnebel festsitzt. Etwas weiter nordwestlich könnte man mit einer Zahnradbahn zur Basilica di Superga fahren, von der man laut Reiseführer bei gutem Wetter einen herrlichen Blick auf die Stadt, die Alpen und die Ebene hat.

Auf dem Corso Moncalieri geht es zwischen Po und Hügel Richtung Süden. Ab hier ist der Straßenbelag bis ins Ziel übrigens einwandfrei. Die vielen Geschwindigkeitskontrollen lassen erahnen, was auf dieser Straße tagtäglich los sein muss. Nur der Marathontag sorgt hier vermutlich einmal im Jahr für etwas Ruhe. Auf den Hügeln kann man schöne Villen sehen. Sicher mit tollem Blick über die Stadt. Rechts fällt der Blick auf den Parco del Valentino auf der anderen Po-Seite mit seinem (nachgebauten) mittelalterlichen Viertel. Auf dem Fluss kann man auch mit einem Linienschiff fahren.

 
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Hatte ich mich bisher an den 4:15-Stunden-Pacer gehalten, so hänge ich mich nun an den 4:00-Stunden-Läufer, der mich von hinten überholt. Das muss man nicht verstehen, aber die Geschwindigkeit liegt mir. Unter den vielen Trägern gelber Turin-Marathonhemden habe ich Judith immer noch nicht entdeckt. Wo kann sie nur sein?

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Informationen: Turin Marathon
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