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Laufberichte

Santa Cruz de Tenerife Marathon: Eine heiße Sache

 

Islas Canarias

 

2010 verbrachten Judith und ich das erste Mal einen Winterurlaub bei sommerlichen Temperaturen auf Teneriffa. Die größte der sieben Kanarischen Inseln ist von Deutschland aus in  4-5 Flugstunden zu erreichen, liegt auf Höhe des südlichen Marokko, 360 km vom afrikanischen Festland entfernt und bietet ideale Voraussetzungen für einen Lauf-, Wander- und Badeaufenthalt.

Außerdem befindet sich auf Teneriffa mit dem Vulkan Pico del Teide (3718 m) der höchste Berg Spaniens. Für mich immer wieder eine schöne Möglichkeit, den Schwellenwert für die Höhenkrankheit auszuloten. Auf eine fantastisch anmutende Hochebene (Cañadas) in ca. 2.000 Metern Höhe kommt man per Bus oder Leihwagen. Von dort geht es über einen sehr einfachen, aber langen Wanderweg weiter nach oben. Während dem gewöhnlichen Sterblichen spätestens auf 3.000 Höhenmetern langsam die Luft ausgeht, passiert es schon mal, dass ein Trailrunner locker an einem vorbei zieht.

Wer den Sonnenaufgang erleben will, kann in der Hütte Refugio de Altavista übernachten und frühmorgens auf den Gipfel steigen. Alternativ gibt's auch eine Seilbahn bis auf 3555 Meter. Für das letzte Stück des Weges benötigt man eine Zutrittsberechtigung der Nationalparkverwaltung, die man möglichst früh im Internet beantragen sollte. Ohne eine solche Genehmigung droht eine saftige Geldstrafe. Ganz oben gibt es Fumarolen, denen nach faulen Eiern riechender Schwefelwasserstoffdampf entweicht, was einem zu den Kopfschmerzen der Höhenkrankheit noch eine gewisse Übelkeit beschert. So langsam wie hier bin ich sonst nie unterwegs. Dafür ist der Blick auf Teneriffa und einige Nachbarinseln phänomenal und meist ist es auch angenehm warm. Die Kopfschmerzen verfliegen beim Abstieg übrigens ziemlich schnell.

Natürlich gibt es noch unzählige weitere schöne Wanderwege auf der Insel. Bester Ausgangspunkt für Exkursionen aller Art ist die Stadt Puerto de la Cruz im Norden. Inmitten schöner Natur und Bananenplantagen lassen sich Wanderer und Pensionäre gerne nieder. Die Busverbindungen in alle Richtungen sind ideal. Hier findet man auch schöne Strände mit dunklem Sand und den Loro Parque, in dem viele Papageienarten sowie eine Delfin- und Orca-Wal-Show zu bewundern sind. Da der Trend dahin geht, solche Tiere nicht mehr in Gefangenschaft zu halten, besteht hier die einmalige Chance, diese noch mal in „unnatürlichem“ Lebensraum aus der Nähe zu betrachten.

Die Freunde des Strandlebens und des süßen Nichtstuns finden ihr Glück eher im Süden der Insel: Dort ist die Landschaft karg, dafür regnet es aber fast nie. Der Aufschwung in diesem Urlaubsgebiet kam erst in den 1970er und 1980er Jahren, als man hierzulande die Vorteile eines sonnenreichen, warmen Winters zu schätzen lernte und die ersten Feriensiedlungen entstanden. Auch der neue Flughafen liegt hier. Wer riesige Hotelanlagen im amerikanischen Stil samt entsprechenden Unterhaltungsmöglichkeiten sucht, sollte sich in Los Cristianos oder Playa de las Américas einmieten.

Judith und ich haben uns nach zwei Urlauben in Puerto de la Cruz für eine kleine Ortschaft an der Westküste in der Nähe von Los Gigantes entschieden. Dort sind die Ferienanlagen kleiner als in Las Américas, aber das Klima ist genauso warm. Der Nachteil besteht darin, dass man außer dem westlich gelegenen Teno-Gebirge andere Wanderziele nur über längere Busfahrten erreicht. Nach unseren Urlauben im  Januar und Februar können wir diesmal feststellen, dass es bis in den Dezember noch hochsommerlich heiß ist. Erst von Januar bis April wird es frühlingshafter mit durchaus kühlen Nächten.

Die Insel ist bei 83 km Länge und bis zu 54 km Breite mittels Straßen und Autobahnen recht gut erschlossen. Da Los Gigantes genau am anderen Ende der Insel liegt, haben wir für die Nacht vor dem Marathon in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife ein Hotelzimmer direkt beim Start- und Zielbereich gebucht. Am Samstag reisen wir in zweieinhalb Stunden mit dem Bus an. Die Startnummernausgabe befindet sich im Messe- und Kongresszentrum in der Nähe des zentralen Busbahnhofs (Intercambiador). Busfahren ist hier übrigens sehr günstig. Für 10 km zahlt man mit dem Bono Via, einer Rabattkarte für mehrere Fahrten, ca 1  €.

 
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Am Samstagmittag ist auf der kleinen, aber professionell angelegten Marathonmesse recht wenig los. Man sieht aber einige Teilnehmer mit Gepäck. Viele Läufer sind von anderen Kanarischen Inseln angereist. Die Einheimischen genießen Vergünstigungen bei Flügen und Fähren.

Unser Hotel Adonis Capital liegt nahe der Plaza de España, dem zentralen Platz am Meer. Wir machen uns erst einmal auf nach La Laguna. Die ehemalige Hauptstadt liegt zehn Kilometer landeinwärts und ist mit Santa Cruz zu einer Region mit 400.000 Einwohnern zusammengewachsen. Seit 2007 verbindet eine schicke Straßenbahn die beiden Städte. Dabei sind 700 Höhenmeter zu überwinden, sodass es sich um eine der steilsten Trambahnstrecken weltweit handelt.

Die Universitätsstadt La Laguna hat wegen ihres Ensembles an Gebäuden aus dem 15. und 16. Jahrhunderts den Status des Weltkulturerbes. Viele Paläste und Kirchen können bewundert werden. Zahlreiche Bars und Restaurants laden auf einen Besuch ein.

Zurück in Santa Cruz flanieren wir noch ein wenig über die Ramblas, bevor wir uns im wunderschönen Parque García Sanabria unter die Einwohner mischen. Die Tagestouristen sind natürlich schon wieder in ihren Hotelpalästen. Im Schein vieler Lampen kann man unter riesigen Indischen Lorbeerbäumen flanieren und viele andere Pflanzen bewundern. Familien mit Kleinkindern, aber auch verliebte Pärchen zieht es am Samstagabend in diesen botanischen Garten.

Der Starterbeutel enthielt neben verschiedenem Infomaterial, einem Obst-Smoothie und Massageöl auch zwei Gutscheine: für zwei Bierchen zum günstigen Preis und für ein „Menú del Corredor por sólo 5 €“. Verzeichnet sind neun Lokale, die dieses Läufermenü anbieten. Leider müssen wir erfahren, dass der Gutschein nur am Marathontag gültig ist. Ein dickes Infoheft befindet sich auch in der Tasche, leider sind alle Grußworte und Berichte nur auf Spanisch. Gut, dass die Internetseite alle wichtigen Hinweise auf Englisch gab und dass die interessanten Infos zu den Startzeiten sich auch mit geringen Sprachkenntnissen entschlüsseln lassen. Nach einigem Kartenstudium konnte ich dann auch feststellen, dass es sich um einen Zwei-Runden-Kurs handeln muss.

Spanische Lebensart erfahren wir nachts im Hotel: Man hat uns ein ruhiges Zimmer im achten Stock nach hinten raus gegeben. Trotzdem hören wir das Treiben auf den Straßen bis in den frühen Morgen und Heimkehr der Zimmernachbarn bis drei Uhr früh. In Spanien ist man halt im Tagesablauf etwas später dran als in Deutschland. Dies gilt aber nicht für den Marathonstart, der pünktlich um 9:00 Uhr über die Bühne geht. Unser Hotel bietet schon ab 7:00 Uhr ein vorzügliches Frühstück an, und da wir auch ein late check-out bekommen haben, können wir uns für die paar Meter zum Start viel Zeit lassen. Es ist trotz Sonnenaufgang um 8:22 Uhr schon recht warm.

 

Paris

 

Aus unserem sorgenfreien Urlaub wurden wir während des Abendessens durch die im Lokal vorhandenen Fernseher gerissen. Erst hier erfahren wir, dass es in Paris bei diversen Anschlägen über 130 Tote gab. Freitags war ich noch über die Info von 19 Toten schwer erschüttert. Dies trifft uns umso mehr, als wir dieses Jahr einen wunderschönen Marathon-Kurzurlaub in Paris verbracht haben. Nicht nur die Stadt beeindruckte uns, sondern auch die anerkennenden Worte der Einwohner  - darunter ein schwer bewaffneter Sicherheitsmann an einer Metrostation -,  die uns oft auf unsere roten Finisher-T-Shirts ansprachen. So etwas war mir noch in keiner anderen Stadt passiert.

Letztendlich bleiben mir nur der Worte auf dem Marseille-Marathon-Shirt: „Je suis finisher – je crains dégun“ („Ich bin Finisher, ich fürchte niemanden“). In diesem Hemd in Charlie-Hebdo-Optik wäre ich heute gerne gelaufen, wenn ich es dabei gehabt hätte. Die Läufer und Zuschauer legen vor dem Start eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer ein.

 
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