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Laufberichte

A tribute to Kraxi und seine Helfer

 

Wenn Hannes „Kraxi“ Kranixfeld ruft, kommen sie alle: Freunde von seinem Laufclub, Läuferinnen und Läufer aus dem In- und benachbarten Ausland und auch Zaungäste wie ich, denen es um Dabeisein geht. Der mit 1770 Höhenmetern ausgewiesene Marathon auf die Sommeralm erfreut sich in seinem 6. Jahr steigender Teilnehmerzahlen.  

 

 


Anreise

 

Kraxi hat die Schlusszeit großzügig auf 6 ½ Stunden ausgerichtet, sodass den härtesten Marathon der Steiermark – eine Beschreibung die man um „einen der landschaftlich schönsten Läufe mit Trailabschnitten“ ergänzen kann - eigentlich jeder Hobbyläufer bewältigen kann.

Heute bin ich früher als üblich aufgestanden, Tagwache war 4 Uhr 30. Erstmals begegne ich den Zeitungszusteller im Treppenhaus auf dem Wege in die Garage. In der Ausschreibung sind die exakten Navigationsdaten angeführt, doch die brauche ich nicht mehr. Den Weg nach Hartberg, ca. 150 km von Wien über die A2 entfernt, finde ich inzwischen auch so. Wer es bis dorthin schafft, nimmt die Abfahrt Pöllau und kommt bald einmal nach Winzendorf, denn knapp vor der Abbiegung sind Hinweisschilder angebracht, die man nicht übersieht. Wie bei mir üblich, habe ich mich erst am letzten Tag der Onlineanmeldemöglichkeit registriert – nicht wegen der 5 Euro Ersparnis, sondern als Ausdruck des Entschlusses, bei der 6. Auflage des Sommeralm-Marathons dabei sein zu wollen.

Ich erhalte die Nummer 53, hinter mir in der Reihenfolge des Anmeldens kommen noch welche nach. (Gemischte) Staffeln werden auch heuer wieder dabei sein. Genau genommen sind es drei Läufer/innen, die unterschiedliche Distanzen zu bewältigen haben: der erste Läufer auf dem vorerst noch nicht allzu steilen Streckenabschnitt 17,7 km, der zweite 13 km, schließlich der dritte die verbliebenen 11,5 km. Nur der erste einer Staffel kann auch als Einzelläufer weiterlaufen.

Werner Kroer ist wegen der zahlreichen Gemeinschaftsanfahrten in seinem Auto inzwischen mein Laufspezi geworden. Er war sich allerdings ein paar Tage vor der Lauf nicht sicher, ob er berufsbedingt am Sonntag überhaupt starten wird können, daher  haben wir uns diesmal keinen Treffpunkt ausgemacht. Er ist nun doch gekommen. Bedauerlicherweise erblicke ich den designierten Schlussläufer Franz Lang nicht, wir haben uns erst vergangenen Samstag in Luxemburg vor dem Nachtmarathon und dann auch auf der Strecke getroffen und unterhalten. So werde ich heute selbst vielleicht der inoffizielle Schlussmann sein – und vielleicht etwas „schneller“ als bei den bisherigen Teilnahmen ins Ziel zu kommen.

 

 
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Wir können einen Kleiderbeutel bei einem Kleinbus abgeben, der im Zielbereich vor der Stoakogl-Hütte parken wird – so war es auch in den Vorjahren. Bis zum Start um 7 Uhr 30 sind noch 10 Minuten Zeit. Im Vergleich zum Gehabe Hunderter oder gar Tausender Teilnehmer bei Citymarathons wirkt unter den ca. 60 Startern niemand auch nur annähernd nervös. Die Kollegen sind gut drauf, es wird gescherzt, der Schmäh rennt. Ich stelle mich ganz nach vorne, um ein paar Belegfotos zu bekommen – auch von Kraxi, der eine kurze Ansprache hält. 2014 war sogar der Bürgermeister unter den Rednern, der über die damals bevorstehende Zusammenlegung von Gemeinden in der Umgebung – es betraf auch den Ort Winzendorf – gesprochen hat. Seither sind zahlreiche neuerbaute Häuser und Rohbauten anzutreffen. Günstige Baugründe und die Nähe zur Stadt Hartberg sorgen für einen Aufschwung der Bautätigkeit in der Region.


Der Marathon beginnt

 

Kraxi drückt den Abzug der Spielzeugpistole, es kracht ordentlich. Der Hund eines Läufers erschreckt, doch er wird an der Leine gehalten. Ich laufe drei Meter und bleibe dann stehen, bis nur mehr zwei oder drei Starter im Feld sind. So bekomme ich die an mir vorbeieilenden Kolleginnen und Kollegen  wenigsten einmal ins Bild. Überholen werde ich auf der Strecke aufwärts kaum jemanden, dafür reicht mein Leistungsniveau nicht aus. Doch mich hinten dranzuhängen und abwärts etwas aufzuholen, sollte möglich sein.

Doch ich merke binnen kürzester Zeit, dass alle vorne wegpreschen und hinter mir nur mehr der Schlussbiker mit drei verbliebenen Kollegen zu sehen ist. Ich ahne, dass es wieder ein Lauf werden könnte, bei dem ich mich fotografisch mehr auf die Landschaft, Labestationen und die eine oder andere Ablenkung beschränken werde müssen.

 

 
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Anfangs geht es vielleicht 100 Meter leicht ansteigend über eine grüne Wiese, dann ca. einen Kilometer auf einer asphaltierten Straße durch die Ortschaft, bevor die zu den Vorjahren unveränderte Strecke entlang einem Acker mit inzwischen 15 cm hohen Maispflanzen auf einem Wiesenstück in den Wald weitergeht. Die Topologie ist wellig, der Waldweg kann als Trail eingestuft werden. Verirren kann sich niemand, denn der Kurs ist mit rot-weißen-Bändern markiert. Zudem bieten die an den Bäumen, vom Hauptsponsor SMB angebrachten gelben Anzeigeschilder, eine weitere Orientierungshilfe.

Das Wetter war in der gesamten vergangenen Woche ziemlich unbeständig. Kleine Gewitterzellen betrafen auch einzelne Regionen in Österreich. Es kam zu Überschwemmungen und Muren. Auch heute soll es ab Mittag regnen. Noch ist es schön, nicht zu heiß, aber die Wolkenströme aus dem Südwesten werden Schlechtwetter bringen. So gesehen ist der frühe Start bestimmt kein Nachteil.

Ich blicke mich um, die drei Schlussläufer rücken näher. Aber ich habe nicht vor, mich auf einen Zweikampf einzulassen. Ich laufe mein Tempo und werde die Aufwärtspassagen im schnellen Gehen bewältigen. So habe ich alles unter Kontrolle und mühe mich für den „härtesten Marathon in der Steiermark“ gar nicht so ab. Schließlich geht es am kommenden Wochenende weiter mit dem Sammeln – mein 260. Einzelmarathon laut der Statistik bei marathonaustria.com steht an.

Ich bin vor den Verfolgern bei der Labe kurz vor der 5 km-Tafel. Ein Becher Wasser mit Iso aufgemischt reicht. Wir sind jetzt in der Umgebung von Rabenwald, dem Namen nach zu schließen sollte es hier einmal eine hohe Population der sonst als sehr intelligent und bei der Aufzucht der lange nicht flüggen Jungen mit großer Hingabe agierenden Eltern gegeben haben. So mancher Bauer – auch in der Steiermark – hat vor dem strengen Artenschutz oft eine tote Krähe als Vogelscheuche benutzt, damit die anderen Vögel die Wintersaat nicht herauspicken.

Auf einem Waldweg ist es dann soweit, zwei der drei Läufer hinter mir rücken auf. Mit Georg aus Oberösterreich rede und laufe ich ein Stück gemeinsam. Eine Kollegin hat es eiliger, der dritte liegt noch zurück. Und einen vierten noch langsameren sollte es auch noch geben, der dürfte aber nach gut 7 Kilometern abgerissen sein. Über Wiesen geht es weiter, die Landschaft ist wirklich schön. Auch wenn sich der Himmel langsam bedeckt und das Licht heute für Panoramafotos weniger geeignet ist.  Ich knipse trotzdem im langsamen Lauftempo, das Motiv ist ein Hochsitz für Jäger, die so aus luftiger Höhe das hügelige Gelände gut überblicken können. 

An die Obstplantage unter einem Schutzzaun erinnere ich mich deshalb sehr genau, weil sich damals im Juni 2014 schon die ersten Früchte heranbildeten. Diesmal dürfte der Hagel im Frühjahr auch im Pöllauertal zu großen Schäden geführt haben. In einzelnen Regionen des Burgenlandes und der Steiermark ist mit tlw. bis zu 90% Ernteausfällen bei den Marillen, Äpfeln und beim Wein zur rechnen. Die Landwirte hoffen, dass die Hagelversicherung die Schäden abdeckt. Vertraut ist mir auch das alte, langsam dem Verfall preisgegebene Bauernhaus neben der Straße, das offenbar niemand günstig aufkauft.

Beim Obsthof Allmer kommt ein weiterer Verfolger nach, den man ob seiner Leibesfülle die Kraftanstrengung ansieht: der Schweiß tropft auf den Asphalt. Der Kollege mit deutlichem Übergewicht sollte sich nicht so überfordern, sonst droht Ungemach. Und auch Georg, mit optischer Brille unterwegs und gut an seinem blauen Leibchen erkennbar, hat wieder aufgeschlossen. Aufwärts auf Apshalt lege ich einen Zahn zu, er fällt wieder etwas zurück.

Wie sieht meine bisherige Laufzeit aus? Die 5 km-Marke erreichte ich nach 34 Minuten, das war ok.  . Georg kommt wieder näher, überholt mich. Bei der Labe an der 10 km-Markierung treffe ich ihn dann wieder. Small-Talk mit den Betreuern ist bei ihm angesagt, ich bleibe nicht stehen. Die 1 h 15 bisher entsprechen in etwa meiner Laufzeit im Jahre 2014.

Allein auf weiter Flur, eingebettet in saftiges Grün, Wiesenblumen, eine Bilderbuchlandschaft. Mein Verfolger hat aufgeschlossen, so kommunikativ er an den Laben ist, so wortkarg ist er beim Lauf. Aber er hat Reserven und will an mir vorbei. Knapp vor der 15 km-Bodenanzeige gibt er sich einen Ruck. Georg eilt von dannen. Meine Garmin zeigt 1 h 57 an, die Halbdistanz müsste ich unter 2:45 schaffen. Das denke ich mir, Stress empfinde ich dabei aber keinen, weil ich mich beim schnellen Aufwärtsgehen eigentlich gar nicht anstrengen muss.

 

 
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Der Marathonverlauf bekommt wieder Höhenmeter, bevor ein ca. 2 km-Abschnitt zum Abwärtslaufen folgt. So lassen sich wieder einige Minuten gutmachen. Vereinzelt sieht man Bauernhäuser als Einzelgehöfte, die Gegend hier ist ziemlich abgelegen. Marterln bieten immer ein gutes Fotomotiv. Solche Bildstöcke sind in den Alpenländern weitverbreitet und stellen eine Form der Volksfrömmigkeit dar. Gläubige bekreuzigen sich, bleiben stehen und beten. Ich bekenne mich auch zur Volkstradition und zum Brauchtum. Damit kann man auch seine Zeit überdauern.

In der Ferne auf einer asphaltierten Straße erblicke ich die nächste Labestation – sie war auch 2014 direkt unter einer großen, ausladenden Eiche lokalisiert. Knapp 18 Km sind erreicht. Hier müsste die erste Staffelübergabe anzutreffen sein, doch alle Starter/innen sind schon längst weg bzw. haben ihren Part als Vorläufer beendet.

Ich frage die dank eines verfügbaren Autos mobilen Helfer, wie lange es her sei, dass einer im Feld hier stehengeblieben ist. „Koane 10 Minutn!“ Georg hat sich also einen Vorsprung von rund einem Kilometer herausgearbeitet.

Nachdem ich die Labestation verlassen habe und schon wieder gut 500 Meter entfernt bin, blicke ich zurück. Siehe da, der zunächst abgerissene gegenwärtige „Schlussläufer wider Willen“ hat aufgeholt. Begleitet wird er von einem Biker, er liegt nur mehr wenige Minuten zurück. Heute beim Start ist mir der Kollege sogar aufgefallen, weil er ein Leibchen des Welschmarathons trägt und vom Aussehen her in meiner Altersklasse startberechtigt sein könnte.

Bei einem Gehöft sind wie vor zwei Jahren wieder zwei aus Holz anfertigte und bemalte Darstellungen je eines weißen Storches mit einem Baby auf einer Stange befestigt zu bewundern. Der männliche Nachwuchs trägt den Namen Felix, den des Mädchens kann ich im Vorbeilaufen nicht erkennen. Die Frage ist nun: Handelt es sich um die gleichen Kinder wie 2014 oder werden die glücklichen Menschen hier im steirischen Alpenland jedes Jahr Eltern? Franz hätte es gewusst, auf den Schlussmann will ich aber nicht warten, daher lassen wir die Antwort offen.

Der Marathonkurs steigt mitunter steil an. Ich blicke zurück, der Schlussmann ist auszumachen. Er liegt ca. 500 Meter zurück und wird noch immer von einem Mountainbiker begleitet. Infolge der langgezogenen Kurven beim Anstieg kann ich das von weiter oben gut einschätzen. Ob er mein Winken richtig deutet?  Bei der Labe steht diesmal eine noch nicht von ihrer dicken Schale befreite  Banane bereit. Ich begnüge mich mit einer Hälfte, die andere gönne ich dem nachkommenden Welschlauf-Promoter – auf dass er nicht zu weit zurückbleibe.

An den folgenden Kurs erinnere ich mich noch gut: Es geht abwärts auf einem steinigen, schottrigen und mitunter sumpfigen Waldweg Richtung Birkfeld. Neben der Bundesstraße bei einem Autohaus befindet sich die nächste Labe. Es hat inzwischen zu regnen begonnen. Als ich die 1 ½ Kilometer bis zur Abzweigung nach St. Georgen auf der Straße ganz rechts laufe – eine Sperre wäre für rund 60 Läuferinnen und Läufer kaum zu verantworten – fahren einige Autos sehr nahe heran. Daher bin ich erleichtert, als der kurze, aber steile Anstieg zur Kirche rauf beginnt. Kraxi hat in einer Kurve eine Tafel am Straßenrand auf einen Holzsockel befestigt: „Keiner hat gesagt, es wird leicht!“

Ab dem Gasthaus Grünbichler wird der Streckenverlauf wieder flacher, dafür der Regen stärker. Längst bin ich nass, auch meine Trailschuhe mit Außenbeschichtung sind nicht dicht genug. Die Labebetreuer sind vor dem Regen geflüchtet und haben unter dem Dach eines großen Carports einen Unterstand gefunden. Man bestätigt mir, dass der Kollege im blauen Laufdress vor weniger als 10 Minuten hier war, somit ist dessen Vorsprung gleichgeblieben. Ich denke, dass er eine Laufzeit noch unter 6 Stunden anstrebt.

Ich blicke zurück, mein Verfolger dürfte seine Schlussposition inzwischen mit Verantwortung wahrnehmen und bemüht sein, auch zu halten. Ich drehe mich mehrmals um, er kommt nicht nach. Für so manchen ist ein Lauf im Regen ein Erlebnis. Was mich betrifft, so macht mir das schlechte Wetter nichts aus, nur die Kameralinse beschlägt und infolge der Nässe kann man einen Tropfen auf dem Objektiv schwer wegkriegen. Auf den folgenden rund 15 Kilometern wird es wohl permanent regnen, die Strecke im Gelände daher auch gatschig sein. 

Nach 29 Kilometern zeigt meine Garmin nun eine Lauf-/Gehzeit von 3:54 Stunden an. Infolge der Steilheit des Kurses rechne ich mit einer Finisherzeit von ca. 6:10 Stunden. Das passt schon, schließlich betrachte ich den Sommeralm-Marathon als eine Art Sonntagsausflug ins Grüne, wenngleich das Wetter besser sein könnte. Aber die Natur kann den Regen gut vertragen, das satte Grün der Pflanzen lässt so einen Schluss zu. Entlang der Asphaltstraße auf dem Weg hinauf nach Sallegg spült das Regenwasser Würmer und Schnecken an den Fahrbahnrand. Ich achte sehr darauf, nicht draufzusteigen, was aber nicht immer so einfach ist.

Ab und zu kommt mir ein Auto entgegen, ein Begleitfahrzeig bleibt stehen. Der Fahrer fragt, ob bei mir alles in Ordnung sei. Jetzt bei 30 Kilometer und nach 4:05 Stunden auf der Strecke verbleiben mir fast noch 2 ½ Stunden für 12 Kilometer. Da kann der Regen noch so stark werden – am Anfang hat es sogar gehagelt –, der Wind von der Sommeralm zunehmen und das „summer-feeling“ trüben. „I hob ollas unta Kontrolle“, sage ich dem freundlichen Herrn in meinem Alter am Volant. Der wird sich vielleicht denken, „Hot des da olte Trottl übahaupt noutwendig, do im Regn umadum ze laufn“. 

Vielleicht ist dies eine Überlegung wert: Warum stapft man bei Schlechtwetter mehr als 20 Kilometer durch die Gegend auf eine Alm? Der Abhärtung dient es nicht, es ist mehr der Vorsatz, ein Willensbeweis. Ich habe mir etwas vorgenommen, das bringe ich zu Ende. Beim New York City Marathon 2009 ermahnte die Läufer/innen bei der gigantischen Expo eine Tafel mit der Aufschrift „Never quit!“  Die Diskussion mit mir im Hinterkopf ist zu Ende, es geht weiter aufwärts.

In der Ferne zucken Blitzen am Himmel, das Donnergrollen ist aber kaum hörbar. Den Kühen und Kälbern auf den Weiden scheint der Regen nichts auszumachen. Ob sie der Bauer am Abend in einen Stall bringt? Die Sommeralm, mehrere Kilometer Luftlinie entfernt, wird in dunkle Wolken eingehüllt. Der Marathonkurs ist nun wieder etwas flacher geworden, bis Kilometer 35 geht es sogar abschnittsweise abwärts auf einer Asphaltstraße. Auf der Tafel am Straßenrand steht: „Umdreh‘n wär jetzt auch blöd.“ Da hat der Kraxi Recht, nur wird das eh keiner machen. Und wenn, dann bekommen auch alle Nichtfinisher das inkludierte Mittagsmenü beim Bauerhofer, falls sie vorbeikommen. Meine Uhr zeigt 4:56 bei der 35 km-Anzeige. Damit bestätigt sich meine Einschätzung: für die verbliebenen sieben Kilometer müsste ich einen Zahn zulegen, um unter 6 Stunden zu bleiben. Bei der Labe nehme ich diesmal keine Rücksicht auf den Schlussläufer: ich verzehre eine ganze Banane. Der Betreuer bestätigt meinen Entschluss: „Mia hom noch anige im Auto drin“ – will heißen: auch die Helfer müssen sich stärken.

Der Nebel wird stärker, auch der Regen lässt nicht nach. Die Strecke verläuft über eine Wiese – vor zwei Jahren stand hier eine Vogelscheuche, hinter die ich mich gestellt habe. Klaus hat das Sujet für den Header genommen.

Meine Trailschuhe sind inzwischen triefend nass, die Einlage im rechten Schuh ist verrutscht. Stehenbleiben kommt nicht in Frage, ich würde einige Minuten vertrödeln. Knapp vor Kilometer 38 zeigt die Uhr eine bisherige Lauf-/Gehzeit von 5:26 Stunden an. Vier Kilometer in der Ebene wären am Schluss eines Marathons in 30 Minuten zu schaffen, nicht aber für mich bei einem ansteigenden Kurs hinauf auf die Sommeralm.

 

 
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Die Verpflegungsstellen sind nicht nach 5 km-Abschnitten geordnet, sondern etwas zahlreicher. Doch bei dem Regen ist man nicht durstig, eher könnte ich einen Riegel vertragen. Trailrunner sind Eigenversorger, ich habe aber heute Morgen daran nicht gedacht, in meine Bauchtasche Zusatznahrung einzupacken. Auf ein Gel habe ich keinen Gusto.

Die Schlussstrecke des Sommeralm-Marathons ist mir trotz der schlechten Sicht wieder gut vertraut. Noch vor zwei Jahren habe ich an die Musik der Stoakogler gedacht, als ich mit dem Franz Lang beim Stoanihaus der Musik in der Naturgemeinde Gasen vorbeimarschiert bin. Der starke Regen drückt heute auf das Gemüt. Die Stoakogler haben zwar schon 2011 ihre erfolgreiche Karriere als eine der bekanntesten volkstümlichen Musikgruppen Österreichs beendet, ihre Hits wie z.B. „Mein Steirerland“ oder „Steirermen San Very Good“ sind aber weiterhin in den Ohren und Herzen der Fans.

Bei der 40 km-Bodenanzeige sieht man das Ziel in nicht mehr allzu weiter Ferne. Und die Marathonstrecke ist hier wieder ziemlich flach. Ich erhöhe mein Gehtempo. Die Schikane am Schlussabschnitt ist ein Anstieg von rund 300 Metern vorbei am Ziel, das man dann in einer großen Schleife auf einem Almwiesenweg und z.T. über Geröll erreicht. Am Ende sind es doch 6:16 Stunden geworden, damit liege ich um eine Viertelstunde über meiner Finisherzeit an der Seite von Franz im Jahre 2014. Kraxi gratuliert im Ziel als Erster. Der Regen hält an.

Ich hole meinen Kleidersack aus dem Transportbus und trockne mich in einem Stiegenaufgang der Almhütte ab. Ein Ersatzleiberl habe ich dabei. Wenige Minuten später trifft der Letzte im Feld ein, der heute seine, ihm am Start  zunächst nicht zugeordnete Funktion als Schlussläufer bestens ausgeübt hat. Auch er bleibt unter dem Limit von 6:30 Stunden.

Ein Bus bringt uns von der Sommeralm hinunter zum Gasthaus Bauernhofer, das inzwischen zu einem Wellnesshotel ausgebaut wurde. Hier haben alle Läufer/innen die Möglichkeit zu duschen. Im Startpaket ist ein Gutschein für ein Mittagsmenü mit Haupt- und Nachspeise enthalten. Ich entscheide mich für ein Wiener Schnitzel von der Pute, das so groß ist, dass mir der Kellner eine Alufolie zum Einpacken reicht.

Kraxi startet mit der Siegerehrung. Der Prokurist der Sponsorfirma SMB hält eine kurze Ansprache. Der letzte im Klassement kommt zuerst ans Podium. Allen wird eine Urkunde überreicht. Zuerst sind die Männer dran, dann die Frauen. Auch die Mitglieder der insgesamt sechs Staffeln werden geehrt. Die Gesamtsieger erreichten respektable Laufzeiten um 3:30 bei 1770 Höhenmetern, auch die Erste bei den Damen finisht noch unter 4 Stunden.

Nach der Siegerehrung kommt es zur obligaten Preisverleihung. Ich bin diesmal auch unter den Gewinnern – eine zusätzliche Tüte mit einem Schilcherwein und Nudeln ergänzt die schon erhaltenen Goodies im Startsackerl. Einige gewinnen prall mit steirischen Spezialitäten gefüllt Geschenkkörbe. SMB sponsert drei Sporttaschen mit integrierten Regenschirmen. Kraxi hat überdies Startplätze für diverse Marathons, darunter auch Zürich, in die Verlosung eingebaut.

Das gesellige Beisammensein geht gegen 17 Uhr zu Ende. Auf Wunsch werden die Läufer mit Kleinbussen zurück zum Parkplatz in Winzendorf gebracht. Ich sitze neben Werner im Fahrzeug. Mit seinen 5:37 hat er seine gute Form bestätigt. Wir reden über die Möglichkeit, vielleicht schon kommendes Wochenende wieder gemeinsam zu einem Marathon zu reisen. Die sechste Ausgabe des Sommeralm-Marathons ist insgesamt erfolgreich verlaufen. Noch nie war die Teilnehmerzahl höher.

 

 


Was kann man zusammenfassend sagen?


Der schöne Panoramamarathon vom Pöllauertal ins steirische Almenland wurde heute nach der Hälfte des Kurses vom Regen beeinträchtigt, wenn man an den Fotografen und seine Motive denkt. Auf die zufriedenstellende Betreuung an den Versorgungsstellen hatte das schlechte Wetter keinen Einfluss. Infolge der warmen Temperaturen wurde es den im hinteren Feld befindlichen Läufern trotz nasser Kleidung nicht kalt.

Der Rücktransport zum Gasthof Bauernhofer verlief prompt, die Duschgelegenheit im Wellnessbereich des ausgebauten Anwesens bot Gelegenheit, sich wieder voll zu regenerieren. Es gab wohl keinen Teilnehmer und keine Teilnehmerin, der oder die sich nicht schon während des Laufes auf das Menü und die anschließende Verlosung freute. Bei einem gestaffelten Nenngeld von 35,- bis  50,- Euro für Einzelläufer und für Staffeln von 90,- bis 120 Euro kann man in Anbetracht der vielen Serviceleistungen und der Gewinnchancen von einem guten Deal sprechen. Statt einer Medaille wurde allen Finishern ein mit Anlass und Datum versehener weißer Maromor-Kies ausgehändigt – ist mal was anderes.


Siegerliste

 

Männer:

Alexander Mai  (AUT) - 3:34:31  
Emil Jaidhauser (AUT) - 3:35:22  
Alois Radlmayr (AUT) - 3:36:378

Damen:

Reka Kovacs (HUN)- 3:51:54 
Daniela Amtmann (AUT) -4:13:03 
Christine Wenzl (AUT) -  4:16:12

 

Informationen: Sommeralm Marathon
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