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Laufberichte

In Altkünkendorf im Rausch der Sinne

 

Weder zu viel Biere intus noch was eingeworfen hat der Autor, keine Angst. Ich bin auf einem für die meisten von Euch unbekannten Terrain völlig nüchtern unterwegs. Der Schorfheide Marathon, 2016 zum 15. Mal, feiert ein kleines Jubiläum und von der Veranstaltung gehört habe ich bis vor kurzem  auch nichts. Henny hat den Lauf als Geheimtipp auf dem Kyffhäuserlauf bekommen, es soll ein Lauf für die Sinne und Seele in toller Natur sein. Sie hat sich angemeldet, dann aber wieder vergessen. Jetzt sind wir hier.

Altkünkendorf kennt keiner. Es ist ein Ortsteil von Angermünde, einer Stadt im brandenburgischen Landkreis Uckermark und Dreh- und Angelpunkt für den Schorfheide Marathon. Halt, werden einige einwenden, das ist doch MeckPomm. Falsch, die Kanzlerin stammt aus der Uckermark und hat ihren Stimmkreis wenige Kilometer nördlich, aber schon im angrenzenden Bundesland. Angermünde kannte ich bisher auch nicht näher, erst als ich mich mit der Organisation des Wochenendurlaubs befasste. Angermünde liegt etwa eine Auto- oder Bahnstunde nördlich von Berlin, von Bayern fast eine Weltreise. So haben wir kurzerhand die Fahrt auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlegt, etwas, was die Veranstalter auch befürworten. Ein wenig rumpelt es auf der Strecke, denn ab Berlin geht es mit Schienenersatzverkehr (ein fürchterliches Wort!) weiter, der im Berlin Gesundheitsbrunnen suboptimal ausgeschildert ist (gar nicht). Mit einer guten Stunde Verspätung erreichen wir Angermünde. Die Weiterfahrt erfolgt mit dem Biberbus, der Angermünde und die umliegenden Gemeinden anbindet. Die Fahrt bringt uns schon einen ersten Eindruck des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Wir entdecken sogar einige Markierungen der Laufstrecke auf der schmalen, gepflasterten Straße durch die Buchen- und Nadelwälder.

Altkünkendorf-Mitte heißt die Haltestelle in dem kleinen Ort, typisch, Kirche, Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehr zentral gelegen. Bis ins Jahr 1287 geht die Geschichte zurück, damals hieß die Ansiedlung „Konchendorp“. Aus dem 13. Jahrhundert stammt die evangelische Kirche und heute hat man Schwierigkeiten, das Gotteshaus mehr schlecht als recht zu erhalten. Die evangelische Landeskirche hat klamme Kassen und an Kirchensteuer kommt bei den Evengelen im Osten auch nicht viel Schotter zusammen. Leider.

Der erste Erkundungsgang bringt viel Neues. So ist hier, wie anders auch, der Zusammenhalt der Gemeinschaft sehr groß. Man feiert gemeinsame Feste unter den Vereinen und hilft beim Schorfheide Marathon auch mit. Im Garten der Kirche sind bereits Bänke und Zelte für den nächsten Tag aufgestellt. Startunterlagen gibt es aber erst am Lauftag. Einige Tage vorher haben wir uns noch für die Pastaparty (8 EUR) und das Frühstück am Renntag (4 EUR) angemeldet. Die Unterkunft haben wir in einer Ferienwohnung gebucht, die gerade 200 Meter von der Kirche entfernt ist.

 

 
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Briefing/Pasta Party

 

Für die Pastaparty ist schon alles gerichtet, als wir im Schullandheim (auch nur ein paar Meter von der Kirche weg) eintrudeln. Dort stellt Frederic Bewer (Gesamtleiter, Moderator) die Strecken gerade vor. Einzigartig, da viele Helfer aus der Nachbarschaft und einige aus Berlin und bis aus Dresden kommen. Zusammen mit seinen Vater hat er vor 14 Jahren diese Veranstaltung erfunden und unter dem Motto „Der Lauf für die Seele“ weiterentwickelt. Seit einem Monat ist der parteilose Bewer nun auch Bürgermeister von Angermünde.

Dann die Pastaparty: So etwas habe ich in meinen 28 Laufjahren noch nicht erlebt und gesehen. Da sitzen Aktive, Helfer und der Chef zusammen an einem Tisch beim Nudelmahl. Doch halt, es werden hier gleich mehrere Sorten Nudeln, von Spaghetti bis hin zu Vollkorn- und Dinkelnudeln serviert, mit mehreren Saucen, dazu Getränke aller Art, mit und ohne Alk. Und Kuchen. Als absolute Spezialität aber wird vor dem Heim eine Wildsau gegrillt. Alles zu 8 EUR, Nachladen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht! Zum letzten Stückchen Kuchen muss ich mich fast zwingen. So eine Party wäre etwas für unseren Joe!

 

Vor dem Start

 

An der Dorfkirche werden am nächsten Morgen vor dem ersten Start (09.30 Uhr) der Marathonis bereits fleißig die Nummern und bestellten T-Shirts ausgegeben. Die Baumwollshirts wurden bereits gewaschen, damit diese gleich angezogen werden können. Wir sehen noch einige der Athleten, die mit dem Taxi oder mit dem Rad angekommen sind. Die Autofahrer werden bereits am Ortsbeginn auf Stellplätze eingewiesen.

 

 
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Großes Erstaunen, als die Henny die Startnummer 1 erhält. „Da müssen Sie aber als Erste wieder bei uns zurück sein“, so die Helferin. Na ja, erste Frau wird sie sicher nicht werden, aber es wird ihr erster Marathon werden, sollte sie durchkommen. Daran habe ich aber keinen Zweifel, schließlich hat sie heuer an Pfingsten bei einem IVV-Marathon in Bücheloh am Rennsteig diese Distanz gemeistert. Und es ist ihr Wunsch, dass hier in der Schorfheide ihre Premiere auf den 42,195 Kilometern sein wird. Ich möchte ihr helfen mit allem, was ich aufbieten kann. Sage aber gleich, dass alles an die Leserschaft weitergegeben wird, was es zu berichten geben wird. 20 Minuten vor unserem Start versammeln sich die Marathonis zum Briefing in der Kirche.

Es wird die Strecke vorgestellt. Nach anfänglichen zwei Dorfrunden tauchen wir in das Reservat Schorfheide/Grumsin ein. Um auf die erforderlichen Kilometer zu kommen, sind im Wald zwei Schleifen von je drei Kilometer Länge sowie ein Stich von knapp drei Kilometer zu bewältigen. Dann wird die große Runde um den Wolletzsee angegangen, die von zwei Streckenteilen auf freien Feld und entsprechender Sonneneinstrahlung gekennzeichnet sein werden. Frederik mahnt zu vorsichtigen Beginn und zum Trinken auf jeder der zahlreichen Verpflegungsstellen. Das Ende des Läuferfeldes bildet ein Radler, der Notverpflegung mitführen wird. „Genießt den Sonntag, es gibt keine Mindestzeit, wir warten auf jeden hier an der Kirche“, so Frederik.

Im illustren Feld sehe ich vom 100 Marathonclub Wolfgang Kieselbach und Klaus Bangert, vom SCC die Berliner Lauflegende Roland Winkler, sowie Vereinsbezeichnungen wie Marathon Maniacs, fettleibige Ballenstedter oder Alter Diesel ohne Kat. Die Startmatte macht Mucken und wird dann kurzerhand ausgewechselt. Ach ja, an der Startnummer ist ein Einmalchip angebracht, es gibt keine Kaution oder Miete. Man will aber die Nummern zurück, um sie im nächsten Jahr wieder zu nutzen. Prima Umweltgedanke. Mit sieben Minuten Verspätung werden wir zur Startlinie aufgerufen.

 

Dorfrunden

 

Die letzten fünf Sekunden zählen wir herunter und dann setzt sich das kleine elitäre Feld in Bewegung. 20 Grad wird es jetzt in der Sonne haben, keine Wolke ist am Himmel zusehen. Schöne Bedingungen für die Zuschauer, die man aber erst am Ziel wieder sehen wird. Auf der Strecke werden außer den rund 30 Posten und den Leuten an den Verpflegungsstellen so gut wie keine Fans stehen. Es ist halt ein Lauf für die Seele, Du in der Natur und mit der Natur. Ich bin gespannt, wie das auf mich wirkt und auf Henny.

 

 
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Zwei kurze Dorfrunden sind zu laufen, keinen Kilometer lang ist die eine. Der Untergrund ist grobes Kopfsteinpflaster wie zu Kaisers Zeiten. Erster Vorgeschmack vielleicht, was da noch kommen mag. Aber keine Angst, noch im Ortsgebiet wechselt der Belag auf Kies, ein wenig Staub wirbeln meine Vorläufer auf. Die Sonne steht zwar noch tief, doch sie wärmt schon ein wenig. Wird es heute eine Hitzeschlacht? An die 30 Grad sollen es werden, ungewöhnlich für Mitte September. Verrückt!

Wir halten ein kurzes Schwätzchen mit Wolfgang Kieselbach und Klaus Bangert, doch nach zwei, drei Minuten machen die sich nach vorne davon. 500 Läufer werden in der Gesamtsumme akzeptiert, davon ist man heute noch entfernt. Ich bin gespannt, ob wir später noch ein wenig Gesellschaft bekommen werden von Teilnehmern auf den anderen Strecken.

Der Applaus an der Kirche und die Ansage von Moderator Frederik motivieren uns. Mittlerweile sind wir am Ende des Läuferfeldes. „Lasst Euch Zeit“ kommt vom Schlussradler Tobias, der sich dann wieder vornehm zurückfallen lässt. Unsere erste Runde endet, da kommt schon der Führende des Feldes, Uwe Laenger, von hinten und biegt nach der Kirche nach Süden ab. Ein paar Minuten später sind wir an der gleichen Stelle und verlassen Altkünkendorf.

 

Erste Kilometer in der Schorfheide

 

Den zweiten Kilometer haben wir bereits auf den Fluren zurückgelegt, das Feld hat sich schon auseinandergezogen, bei 60 Teilnehmern kein Wunder. Auf der schmalen Landstraße sind noch 500 Meter zurückzulegen, dann geht es in den weiten Wald hinein. Wir verlassen den Asphalt, rechts sehe ich bereits ein Schild, das das Naturschutzgebiet Grumsiner Forst markiert. In diesem 850 Hektar großen Reservat liegen Seen und kleine Moore. Durch den Schutz haben sich viele seltene Tierarten angesiedelt, wie der Schreiadler oder der Schwarzstorch. Letztere haben sich aber schon auf den Weg nach Süden gemacht, was ein verlassener Horst in Altkünkendorf belegt.

 

 
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Als Henny mal in die Büsche muss, höre ich plötzlich einen Schrei. Ob ein Untier sie beim Geschäft gestört hat? Ich muss mich kümmern und entdecke einen vielleicht drei, vier Zentimeter großen Frosch in voller Tarnung am Erdstamm der Buche sitzend.

An der ersten Verpflegungsstelle greifen wir bereits zu. Wasser, Cola und Iso stehen im Angebot. Wegen der Hitze haben wir abgesprochen, an jeder Tankstelle mindestens zwei Becher zu leeren. Lieber einmal öfter den Weg ins Gebüsch, als dehydriert Wahnvorstellungen zu erleiden. Bei Kilometer sechs sehen wir einige Häuser des Ortes Grumsin. Und dann erschrickt Henny abermals. Auf dem Weg liegt eine Ringelnatter. Ich untersuche das Objekt und stelle fest, dass die ohne Leben ist. Weiter.

 

Begegnungen I

 

Kurz nach Kilometer acht, es ist übrigens jeder zweite Kilometer ausgeschildert, beginnt eine Runde von etwa drei Kilometer. Wir hören den Lärm der nahen Autobahn 11, die von Berlin Richtung Stettin führt. Von hinten laufen bereits die ersten Marathonis auf, die sind bereits drei Kilometer weiter. Max Nolte aus Berlin ist der erste, dann braust eine Fünfergruppe heran, darunter Stephan Marschallek aus Fürstenwalde und Sonja Auerbach aus Pirna, eine starke W55-Läuferin. „Das sind alles Marathon-Urviecher“, stellt Hanny bei einem kurzen Schwatz fest.

 

 
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Das Autogeräusch wird weniger, unser Parcours wird sogar ein wenig gefällig, dann steigt er auf Pflasteruntergrund im Wald (!) wieder an. Bei Kilometer zehn sind wir wieder als Solisten unterwegs, die vor uns liegenden Marathonis sind abgebogen. Kurzzeitig sind wir alleine auf der zweiten Runde, dann kommt uns das große Feld der 10 Kilometer-Läufer entgegen. Auffällig viele Frauen sind darunter und viele Seniorenläufer in den höheren Altersklassen. Ein kurzes Stück müssen wir uns durch tiefen Sand wühlen, man glaubt, in der Wüste unterwegs zu sein. An der folgenden Tankstelle haben die freundlichen Helfer gut zu tun. „Hier brauchen wir einen Posten mit Abitur, denn die Athleten kommen aus allen Runden angelaufen und die wollen alle richtig eingewiesen werden“, so Frederik bei der Besprechung. Und in der Tat werden wir kundig eingewiesen. Auch hinter dem letzten Läufer des 10-Kilometer-Bewerbes ist ein Radler unterwegs. Tobias bleibt für ein kurzes Gespräch zurück.

 

Der Stich

 

Nur einen Augenblick später werden wir von einem Posten in den Stich eingewiesen, ein Wendepunkt muss jetzt angelaufen werden. Meine Beobachtungen bei den Kilometerschildern lassen mich auf eine drei Kilometer entfernte Wende schließen. Petra Dühnelt und Jaqueline Flett sind schon auf ihrem Rückweg. Einige weitere Marathonis sehen wir noch, dann reißt es ab. Wann kommt denn die Wende?

 

 
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Der Laufuntergrund weist teilweise Crosscharakter auf, Steine und Wurzeln wollen umgangen werden. Nur nicht stürzen. Wir sind nah am Waldrand, die angrenzenden Fluren können wir im dichten Bewuchs trotzdem noch sehen. Dann kommt endlich die Wende, Verpflegung und nach einem kurzen Schwatz geht es zurück. Wir staunen, dass der Rückweg fast nur bergab geht. Tempo machen können mit deswegen auch nicht, der Boden ist zu rustikal. Kurz nach dem Ende des Sticks müssen wir uns abermals durch ein tiefes sandiges Stück arbeiten. Ohne Schatten, die Sonne brennt schon gewaltig.

 

Begegnungen II

 

Wieder kommen wir auf ein Begegnungsstück, wo uns die 10-Kilometer-Läufer erneut entgegenkommen. Eine schöne Abwechslung. Und wir werden angefeuert, wir, die Dinos auf der langen Strecke! In Berichten im Internet habe ich gelesen, dass auf der Strecke mit Matsch zu rechnen ist. Aber heute ist alles trocken, keine einzige tiefe Stelle bisher. Wir tangieren bei Kilometer 19 den Heiligen See und nach der Halbzeit den Mühlenteich mit der Glambecker Mühle.

 

 
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Hier steht am Gewässer mit Namen Welse die letzte von früher drei Wassermühlen. Die Mühlen wurden mehrmals aufgelassen, brannten ab und wurden wieder für Mahl- und Schneidearbeiten aufgebaut. Heute gehört die letzte Mühle der Biosphärenverwaltung. Die umliegenden Teiche werden als Aufzuchtstation für Sumpfschildkröten genutzt. Beim 24. Kilometer laufen wir auf dem gut geteerten Radweg Berlin – Stettin. Aber den verlassen wir an der nächsten Tankstelle wieder. Hier werden jetzt neben den üblichen Getränken auch Bananen und Salzbrezeln angeboten.

 

Verdorrtes Land

 

„In ein paar Minuten geht es auf die Felder hinaus, ihr solltet gut trinken“, werden wir noch von den Helfern ermahnt. Am Waldrand, noch im Halbschatten der Streuobstbäume, muss sich Henny die Schuhe richten. Einer ist zu locker, der andere zu fest geschnürt. Und dann verlassen wir den kühlen Wald. Auf den Feldern hat es jetzt knapp 30 Grad. Zumindest geht ein leichter Wind.

Der Posten bei Kilometer 26 hebt das entsprechende Schild und heißt uns herzlich willkommen. „Ihr schafft das, in drei Kilometer habt ihr das Gröbste geschafft“, entlässt unds der freundliche Mann. An der Seite steht sein Moped. Gerne würde ich mich als Sozius hinaufschwingen.

 

 
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An den Obstbäumen hängen reife gelbe und rote Äpfel sowie Birnen. Nichtdestotrotz sollte man nicht klauen, denn ein Schild besagt „Privateigentum“. Vier Kilometer bleibt es hügelig, dann kann ich bereits einen Ort erkennen, Wolletz. Der gleichnamigen See liegt rechterhand. Wenige Landwirte sind auf den Feldern und machen viel Staub. Um nichts?

Auf einem gepflasterten Rad- und Gehweg erreichen wir Wolletz, Kilometer 29. Neugierige Vietnamesenkinder hocken an einer Bank, beobachten uns Langnasen und fragen sich, was wir denn in der Hitze machen. Ich halte meine Hand länger hin, bis die begreifen, dann man die abklatschen kann. Gleich anschließend liegt die Fachklinik Wolletzsee, in der Patienten Ruhe und Erholung finden. Vor der Wende diente das ehemalige Jagdschloss den SED-Oberen um Erich Mielke als Sitz für ihre Jagd- und sonstigen Gelüste. Unsere Gelüste werden an der Tankstelle erfüllt. Gute Idee, dass man hier den heiß gelaufenen Marathonis eine Wasserwanne mit Schwämmen zur Abkühlung hingestellt hat. Das kühle Aqua tut gut.

 

Wolletzsee

 

Gleich nach der Verpflegung schwenkt unsere Strecke hinunter zum See. Zuerst kann man auf dem Weg bequem joggen, dann endet die Promenade, hügelig und schmal laufen wir weiter, ein Trailläufer würde jubilieren. Etwa fünf Kilometer sind bis zum Strandbad zurückzulegen, das wir schon sehen können. Die Ausblicke und Motive am See sind herrlich. Nur, laufen und gleichzeitig schauen geht nicht. Das muss zuerst Henny und dann ich erfahren, denn sie bleibt an einem abgesägten Bäumchen mit einem Stammdurchmesser von einigen Zentimetern hängen und kann sich gerade noch abfangen. Mir geht es genauso, nur eine Sekunde später. Glück gehabt.

 

 
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Um den See führt ein 16 Kilometer langer Wanderweg. Fünf auf ein Kilometer ist die Ausdehnung des fischreichen Sees. Er wird von der Welse, einem Zufluss der Oder, durchflossen. Entstanden ist der See in der Weichsel-Kaltzeit, als Gletscher hier endeten und die dazugehörenden Endmoränen die Landschaft formten. Der 32. Kilometer lässt lange auf sich warten, ich höre Henny schon maulen, ich selber fluche im Stillen.

An der Tankstelle beim Strandbad finden wir wieder etwas zum Trinken und Essen. Die Helfer haben sogar Wasser vom Bad hergeschleppt, das sie uns auf Kopf und Nacken schütten. Es kühlt. „Ich gehe jetzt mit dir ein paar Meter“, sagt ein Helfer zu Henny. Die lässt ihn jedoch stehen mit den Worten: „Heute wird nichts gegangen, alles gelaufen“. Jaja, so sind sie halt, die Frauen. Auf dem Waldmeisterweg und dem Otto-Elster Weg erreichen wir Kilometer 38. Jetzt soll es laut Briefing noch einmal knüppelhart  werden.

 

Härteprüfung

 

An der folgenden Wasserstelle lässt sich Madam mit Wasser begießen. Weiter. Dann werden wir von einem freundlichen Helfer abgeholt. Der joggt uns entgegen, beschreibt uns den weiteren Weg und springt dann ein paar Meter nach vorne, um uns frische Getränke einzuschenken. Mann, ist das ein Service. So freundlich wie es gestern angefangen hat, geht es weiter, aber das habe ich ja euch schon gesagt.

 

 
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Unser Schlussradler Tobias hat aufgeschlossen. Er hatte viel zu tun, denn er sammelte gleich die Streckenmarkierungen und Kilometerschilder ein. Die Ausschilderung ist vorbildlich, ein Verlaufen ist fast unmöglich. „Gleich kommt Kilometer 40 und der schräge Wiesentrail, schaut auf den Weg“. Mit diesen Worten werden wir entlassen.

Die Holunderbüsche biegen sich wegen der vielen reifen Früchte, die Vögel haben sie wohl noch nicht entdeckt. Hier brennt die Sonne voll herein, dazu geht es wieder nach oben und der Weg hängt nach rechts unten. Verdammt, nimmt das denn kein Ende? Konzentration. Tobias ruft: „Letzte Steigung“. Nach einigen Minuten nimmt die Steigung ab, der Trampelpfad mündet in einen Feldweg, erste Häuser sind zu sehen.

Am Ortsschild von Altkünkendorf will Henny ein Erinnerungsbild, sie ist gezeichnet, aber immerhin keinen Schritt gewandert. Im Gegensatz zu mir. Tobias geht nach vorne. „Ich muss euch ankündigen“. Reicht es noch für unter sechs Stunden, frage ich mich. Und dann biegen wir auf den Pflasterdamm (so heißt die Straße wirklich) ein, das Zieltransparent kommt schnell näher. Wir werden als Bayern, die mit der Bahn gekommen sind, angekündigt. Und dann ist alles Schöne schon vorbei.

 

Im Ziel

 

Frederik schüttelt uns die Hände und gratuliert. Danke, liebe Altkünkendorfer und angereisten Helfer,  ihr habt euch bestens in die Veranstaltung eingebracht. Schade, dass den Marathon nur 56 Läufer beendet haben, einige mussten wegen der Hitze aussteigen. Der Zeitnehmer überreicht uns die Urkunden und einer vom Uckermark TV will noch ein paar Worte von uns.

 

 
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Das Zielbier wartet (zum Nulltarif) und auch die leckere Kartoffelsuppe. Beim Kuchen muss ich schon wieder im Bauch schlichten und beim Eis streiche ich die Segel. Mein Gesamtfazit: Mit einem Wort TOLL! Ein Besuch lohnt sich, auch wenn man aus dem tiefsten Bayern kommt. Ich hoffe, dass man mich mit meinem O-Ton Süd auch verstanden hat.

 

 

Tipps für ein langes Wochenende:

 

Angermünde (eigener Bahnhof mit Anschluss nach Berlin) lohnt für einen Besuch. Eine sehenswerte Altstadt. In einem Café haben wir uns vor der Abreise noch den Bauch vollgeschlagen. Ein Stück Torte kostet 1,50 EUR!

Und wer noch einen weiteren Tag Zeit hat, dem empfehle ich eine Wanderung in der Schorfheide mit ihren rund 240 Seen, Mooren und Wäldern, wo seltene Pflanzen- und Tierarten einen perfekten Lebens- und Rückzugsraum gefunden haben. Eine Erkundung kann auch mit dem Rad erfolgen.

 

 

Marathon

Männer

1. Uwe Laenger, 1. FC Union Berlin, 3.10.34

2. Martin Kern, Zürich, 3.33.00

3. Danny Windisch, Team velostat Berlin, 3.36.45

 

Frauen

1. Steffi Elsner, Hoppegarten, 4.18.16

2. Patricia Kusatz, LG Mauerstand, 4.24.46

3. Nicole Sasse, Rangsdorfer Rennschnecke, 4.25.30

 

 

 

Informationen: Schorfheide Marathon
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