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Laufberichte

Der Lauf durch Kalifornien und Brasilien

28.06.09

Ein Marathonlauf durch Kalifornien und Brasilien, ohne Deutschland zu verlassen ist nicht möglich! Doch -  und zwar einmalig am Ostseestrand und durch die Salzwiesen in der schönen Probstei. Die Strandläufer vom TSV Schönberg bieten anlässlich des 20. Deich- und Salzwiesenlaufes und der 750-Jahrfeier der Gemeinde Schönberg einmalig einen Marathonlauf an.

Im Internet habe ich diesen Lauf gefunden und war sofort neugierig, wo die Probstei wohl liegt. Die Probstei ist eine Landschaft an der Kieler Bucht und besteht aus 24 Gemeinden. Der Name ist entstanden im Jahre 1226. Dem damaligen Landesherrn Graf Adolf IV. wurde das Benediktinerinnenkloster in Preetz geschenkt dessen Vorsteher Probst hieß. Das Gebiet um das Kloster wurde so „Klösterlich Preetzer Probstei“ genannt und später wurde es nur als „Probstei“ bezeichnet.

Probst Friedrich gründete wahrscheinlich das Dorf Probst in den Jahren 1245 bis 1250 auf einer ehemaligen slawischen Siedlung. In den Archiven des Bistums Lübeck wurde der Name Sconeburg 1259 erstmalig erwähnt. Die Namensgebung ist deutschen Ursprungs, denn Scone – schön und berg – wurden benannt nach dem Hügel auf dem der Ort liegt und den Eichen und Buchen die die Lage des Hügels als schön bezeichnet haben. Von 1259 bis heute sind es 750 Jahre und deshalb feiert Schönberg mit der Probstei 750 Jahre.

Der Deich- und Salzwiesenlauf findet schon seit 1990, jeweils am letzten Juniwochenende statt. Zum diesjährigen 20. Jubiläum findet neben dem Schnupperlauf 800m, Feldmarklauf 5km, Salzwiesenlauf 10km, Deichlauf 21,1 km und Walking 10km erst- und einmalig ein Marathon statt. Ich wollte dabei sein und meldete mich rechtzeitig an, denn es gab für den Marathon keine Nachmeldemöglichkeit.

Wir fuhren schon am Freitag in die Probstei um diese Gegend kennen zu lernen. Da noch Kieler Woche war, war es mit der Quartiersuche schwierig, außerdem hatten in verschiedenen Bundesländern schon die Sommerferien begonnen. Nach mehreren Versuchen sind wir in einem 250 Jahre alten Gasthof in Probsteierhagen untergekommen.

 
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Den Freitag und Samstag nutzten wir und sahen uns in Laboe und der Gegend um Schönberg um. Laboe liegt direkt an der Kieler Förde. Bekannt ist der Ort durch das 85m hohe Marine-Ehrenmal und das am Strand liegende U-Boot. Der Ort wurde 1240 als deutsches Dorf gegründet auf dem Platz eines alten slawischen Fischerortes namens „Lubodne“ zu deutsch „Schwanendorf“. Über den 1850 erbauten Hafen wurde fast die gesamte Ein- und Ausfuhr der Probstei abgewickelt. Mit Korn und Raps beladenen Fuhrwerke bildeten das Hafenbild bis in Zwanziger Jahre. Bekanntheit erlangte er durch die Segelolympiade 1936.

Der Samstag führte uns nach Schönberger Strand, um auf dem Deich spazieren zu gehen. Sehenswert ist für alle Technikfans der direkt am Ortseingang gelegene Museumsbahnhof mit vielen alten Lokomotiven und Schienenfahrzeugen aus längst vergangener Zeit. Die teilweise über 100 Jahre alten Fahrzeuge werden hier von einem Verein restauriert und in Betrieb genommen, denn die Dampf- und Dieselloks sowie Triebwagen und historischen Straßenbahnen verkehren im Sommer teilweise auf der Museumsstrecke innerhalb der Probstei.

Da es sehr viele schöne Dinge in der Probstei zu sehen gibt, haben wir uns nur einige für die kurze uns zur Verfügung stehenden Zeit angesehen. Sehenswert ist das Schloss Salzau nahe des Selenter Sees gelegen. Der im Kieler Stadtbuch erwähnte Rittersitz ist aus dem 13. Jahrhundert. Der gesamte Gebäudekomplex mit seinem großen Park, dem Torhaus, Scheune sowie vieler anderer Gebäude gehört seit 1988 dem Land Schleswig-Holstein und wird heute als Kulturzentrum, Tagungsort, Ausstellungsort und für viele musikalische Veranstaltungen genutzt.

Mitten in der Probstei befindet sich noch eine Erdholländer-Mühle die von vier Generationen bewirtschaftet wurde. Die Krokauer Mühle wurde 1969 verkauft und unter Denkmalschutz gestellt. Leider hat man direkt vor die Mühle ein unschönes 2-stöckiges Gebäude errichtet, das die Sicht auf die Mühle einschränkt.

Am Nachmittag gegen 17 Uhr fuhren wir zum Albert-Koch-Sportplatz dem Veranstaltungsort für den 20. Deich- und Salzwiesenlauf. Hier fanden wir eine sehr familiäre Atmosphäre vor. Mit viel Liebe und Akribie wird hier schon seit 20 Jahren eine Veranstaltung auf die Beine gestellt die in diesem Jahr durch einen Marathon ergänzt wurde. Speziell auch dafür gab es zum 1. Mal eine Nudelparty mit Startnummernausgabe. Hier wurden alle Teilnehmer herzlich empfangen und bewirtet. Auch die Begleitpersonen konnten kostenlos am Nudelessen teilnehmen.

 
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Heute am Sonntag ist Marathontag und 178 TeilnehmerInnen hatten gemeldet. Darunter war auch der „Weltmeister“ im Marathonsammeln Horst Preissler. Das NDR Fernsehen hat eigens dafür ein Team geschickt die einen Bericht über ihn gedreht haben. Der Start erfolgte auf dem Friedhofsweg am Sportzentrum.

Um 8:30 Uhr wurde das Feld von knapp 200 Läufer und Läuferinnen mit einer Glocke gestartet. Nach dem verlassen des Ortes führte der Weg über sogenannte Spurplatten aus Beton vorbei am Klärwerk durch die Salzwiesen. Nach km 5 zweigt die Halbmarathonstrecke Richtung Deich ab. Unser Weg führt uns an Fernwisch vorbei über die K 33 auf dem Wanderweg Richtung Barsbek.

 
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Barsbek liegt an der B 502 und geht auf den Fisch Barsch zurück der in den Gewässern, auch Beken genannt, um Barsbek herum reichlich anzutreffen ist. Der kleine Ort hat schöne alte Bauernhäuser und als Wappen einen Barsch.

Bevor wir den Ort erreichen geht es rechts ab nach Wendtorf. Den 1.150 Einwohner-Urlaubsort erreichen wir über die Strandstrasse (wir sind noch weit weg vom Strand). Es geht über die Schulstrasse vorbei an der Feuerwehr über die K 44 Richtung Feldscheide. Hinter dem Ort biegen wir ab Richtung Lutterbek.

Lutterbek ist ein kleiner Ort, in dem die Nonnen des Klosters Preetz von 1240 bis 1250 lebten. Die wenigen Häuser waren rund um den Dorfanger, an dem wir auch vorbeilaufen, angelegt. Zum Schutz vor Wölfen trieb hier nachts der Schweinehirt die Tiere der Hufner zusammen.

In der nähe des Weihers ist auch eine Getränkestelle, die wie allen anderen Stationen mit gutgelaunten und hilfsbereiten Helfern besetzt ist. An allen Straßenabbiegungen sind Feuerwehrleute (auch viele von der Jugendfeuerwehr), die einem den richtigen Weg weisen. Am Ortsende von Lutterbek gilt es einen kurzen heftigen Hügel zu überwinden zum Radweg nach Brodersdorf.

Brodersdorf ist das „Dorf der Broder“. Dieser männliche Vorname ist hier in der Probstei und auf den nordfriesischen Inseln sehr geläufig. Im 13. Jahrhundert gab es noch nicht die Unterscheidung von Vor- und Nachnamen. Die Nachnamen bildeten sich heraus, indem dem Namen der Wohnort oder auch körperliche Auffälligkeiten (Lütt, Groth, Lang, Brun) hinzugefügt wurden, sowie durch die Berufsbezeichnung (Bäcker, Fischer, Fleischer).

Wir kommen nach Brodersdorf und biegen in der Ortsmitte rechts ab zum Radweg Richtung Laboe. Schon von weitem sehen wir das 85m hohe Marine-Ehrenmal. An der Einfahrt zum Ehrenmal überqueren wir die K 30. Den Ort selbst passieren wir östlich. Hier haben wir das erste Mal den Blick auf die Ostsee. Der weitere Weg führt uns über Neustein an den vielen Campingplätzen vorbei nach Stein, wo wir am Ortseingang über den Radweg den Bereich der Steilküste erreichen.

 
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Diese Steilküste, auch Kliff genannt, entstand in der Eiszeit und wurde durch Sturmfluten und Wasseraustritte über Tonlagen und deren Erosionen laufend verändert. Von hier aus kann auch die Schifffahrt und die Windjammerparade auf der Kieler Förde gut beobachtet werden.

Von jetzt an (ca. km 17) führt uns der Laufweg direkt an der Küste entlang. Wir laufen am Wahrzeichen von Stein vorbei, der tief ins Wasser ragenden Mohle. Kurz danach ist der große Sportboothafen bei Marina Wendtorf. Der Weg führt uns ein Stück auf der Deichkrone entlang. Jetzt haben wir auch den Wind von vorn und die Kilometer werden so um ca. 1 Minute langsamer. Der Wind ist uns voraus gesagt worden von Nord-Nordost. Jetzt wäre es ideal, hätte man jemand vor sich, der einem Windschatten geben könnte, aber auf diesem Teil der Strecke laufen die Teilnehmer in großem Abstand, so das jeder einzeln gegen den Wind kämpfen muss und das noch bis Km 37.

Kurz vor Heidkate verlassen wir den Deich und laufen jetzt direkt parallel zum Strand auf dem breiten Betonwanderweg entlang der Küste. Links hören wir das Rauschen der Wellen, rechts sehen wir den Deich.

Auf der Höhe von Holm, einem Ferienort, laufen wir an Kalifornien und kurz danach an Brasilien vorbei. Während wir von Kalifornien nichts zu sehen bekommen hat auf der Höhe von Brasilien ein Surferstand ein Ortsschild aufgebaut und begrüßt die Läufer über eine Flüstertüte mit „We are the Champion“. Sogar die Eisverkäuferin daneben hat die brasilianischen Farben an.

Wie es zu diesen originellen Namensgebungen kommt? In der Nähe seiner Hütte fand einst ein Fischer eine morsche Schiffsplanke mit dem Namen „California“, die er an seine Hütte nagelte. Ein anderer Fischer aus der Nachbarschaft sah das „protzige“ Schild und dachte sich „was du kannst, kann ich schon lange“ und schrieb auf ein Holzscheit „Brasilia“. Im Laufe der Jahre wurden aus den einsamen Fischerhütten kleine Orte, die heute zur Gemeinde Schönberg gehören.

Der nächste Ort, den wir erreichen ist Schönberger Strand, der auch schon von weitem durch seine Seebrücke zu erkennen ist. Am heutigen Standort war vor dem 1. Weltkrieg schon ein Schiffsanleger der jedoch zerstört wurde. Seit 2001 gibt es eine neue Seebrücke, die 260 Meter ins Meer ragt. Damals wie heute wird die Seebrücke als Promenade und Schiffsanleger genutzt. Jedes Jahr Anfang Juli gibt es ein großes Seebrückenfest.

Wir laufen kurz hinter Km 33 an der Seebrücke vorbei weiter am Strand entlang. Rechts gibt es hier viele größere Appartementhäuser, die teilweise zum Verkauf stehen. Nach Schönfelder und Stakendorfer Strand am Schenkeldeich bei Km 37 verlassen wir die Ostsee und den Wind von vorn und laufen landeinwärts.

Es geht über Feldwege ca. 1km nach Stakendorf. Der kleine Ort Stakendorf wurde im 13. Jahrhundert durch das Kloster Preetz angelegt. Das Ortsbild wird durch liebevoll restaurierte alte Gebäude, viele Teiche und alten Baumbestand geprägt. Im Ort lebte von 1808 bis 1820 als Dorflehrer Peter Plett, den die Gemeinde mit einem Gedenkstein ehrt. Peter Plett entdeckte die Pockenschutzimpfung und führte diese auch aus noch bevor der Arzt Edward Jenner die gleiche Entdeckung machte und damit weltberühmt wurde.

Am Ortseingang begrüßt uns die Feuerwehr mit einem Getränkestand. Wir laufen an reetgedeckten Häusern vorbei und verlassen den Ort gleich wieder. Der Weg führt in Wellen Richtung Schönberg über Spurplatten aus Beton. Km 40 - und noch kein Haus von Schönberg zu erkennen.

 
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Es geht weiter durch die Felder bis wir schon hinter dem Km-Schild 41 an der Jugendherberge in den Ort kommen. Nun geht es noch durch eine Wohnsiedlung und schon haben wir den Albert-Koch-Sportplatz erreicht. Noch eine halbe Runde auf der Tartanbahn und das Ziel ist erreicht. Liebevoll erhalten wir unsere Medaille umgehängt und können jetzt unseren Flüssigkeitshaushalt aufbessern, während im Hintergrund die Siegerehrung für den 10 KM-Salzwiesenlauf erfolgt.

Nachdem ich mich ein wenig ausgeruht habe gibt es noch einmal Aufregung, denn der NDR kommt an die Ziellinie um  Horst Preissler (4:41:55,2 Std.) zu empfangen. Er hat  einen weiteren Marathon seiner Sammlung von über 1800 hinzugefügt. Gleich hinter der Ziellinie gibt er ein Interview. Nach Einlauf des letzten Marathonis nach 5:34:11,2 Std. erfolgt die die Siegerehrung. Dabei loben die Athleten die Veranstaltung sehr und Wulf-Dieter Nolte und sein Team sollten es sich doch überlegen ob es wirklich der einzige Marathon bleiben soll.

Fazit: Ein wirklich schöner und gut organisierter Lauf durch eine herrliche Landschaft. Für das Startgeld von 25€ gibt es ein Funktionsshirt (nur für die Marathonis), am Samstagabend Pasta bis zum Abwinken und nach dem Lauf auch noch für jeden Teilnehmer einen Kaffee und ein Stück Kuchen kostenlos. Laut Veranstalter starten die Kids kostenlos, wobei die Mütter einen Kuchen für die Veranstaltung spenden. So sollen hier angeblich ca. 200 Kuchen und Torten zusammen gekommen sein. Eine tolle Idee.

Marathonsieger
Männer
1. Jörn Hesse  Dellingser SC  2:49:23,9
2. Holger Radtke     2:52:49,3
3. Walter Stephan     2:59:08,2

Frauen

1. Anke Rohwer  Ostroher SC  3:32:34,4
2. Lena Burmeister    3:34:28,1
3. Sabrina Gruhn  Team Luetjenbike 3:39:37,7

156 Finisher

 

Informationen: Ostsee-Marathon-Probstei
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