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Un giro turistico di 42 km

 

Die traditionell auf rosa Papier gedruckte Printausgabe der Gazzetta Sportiva kündigt am Vorabend des Marathons einen neuen Teilnehmerrekord an: 4916 Läuferinnen und Läufer haben sich für die volle Distanz angemeldet, 2570 Viererstaffeln kommen dazu, darunter „il re dei maratoneti“, Haile Gebreselassie, der bei der Planung des neuen Rundkurses konsultiert wurde.

Das mag beindrucken und so manchen bewogen haben, nach Mailand aufzubrechen. Bei mir sah die Sache anders aus: Zwei Wochen vor dem zeitgleich stattfindenden Vienna City Marathon waren erstmals auch alle Startplätze für die 42,195 km weg, sodass ich durch die Finger schaute. Für Paris erübrigt sich wegen des Andranges schon ein Jahr vor dem Event jede Anfrage und in Rotterdam war ich schon 2011. Für Milano spricht auch die in Italien lange Öffnungszeit bei Marathons.

Ich habe seit einigen Monaten gröbere Probleme mit dem linken Fuß – ein Hämatom im Knöchel und eine Bandverletzung erschweren mir das Laufen. Sobald es abschüssig wird, kommen die Schmerzen. Von drei konsultierten Orthopäden empfahlen mir zwei, mit dem Marathon aufzuhören und stattdessen Altersgymnastik, Schwimmen und Radfahren zu betreiben.

Ich fahre trotzdem nach Mailand, um ohne zeitlichen Druck meinen heuer erst zweiten Marathon zu laufen und auch um herauszufinden, was ich mir verletzungsbedingt und wegen der Abnutzungen in den Fußgelenken noch zumuten kann.  Die Stadt Mailand kenne ich von vielen Durchreisen und Stopps von früher, 2013 bin ich hier schon mal einen Marathon gelaufen.

Die Startunterlagen inklusive den in die Startnummer eingeklammerten Chip bekommt man im Palazzo Lombardi, 10 Minuten zu Fuß von der Stazione Centrale entlang der via Galvani. Ich habe als Unterkunft das Hotel Colombo gewählt. Die Organisatoren des Marathons haben etliche Hotels im Programm angeführt, die einen Late-Check-out bis 16 Uhr gratis anbieten.

 
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Samstagnachmittags ist der Andrang bei der Marathonexpo gering. Man schickt mich gleich einmal zum Informationsschalter. Das bei allen Marathons in Italien (wie z.B. auch in Frankreich) erforderliche ärztliche Attest habe man per mail-attachement nicht bekommen. Wohlweislich habe ich eine Kopie mitgenommen und übergebe sie der aufmerksamen Helferin. Ich kenne jemanden, der unterschreibt als Masseur gleich selbst solche Formblätter. So genau scheint man es also doch nicht zu nehmen.

Ich habe es schon oft erwähnt, dass kaum woanders der Läufer so viel Liebe zum Sport vorfindet wie in Italien. Wenn man sich früh genug registriert, decken die Zugaben wie Funktionsshirts, Taschen, Hauben, Nudelpakete etc. fast die gesamte Gebühr ab. Ein Hoch auf die Italiener, das sei hier angemerkt.

Auf einer Papierwand kann man sich mit einem Kuli oder besser mit einem Filzstift eintragen, so kritzle ich an oberster Stelle, die Leute mit 170 cm Körpergrößer schwerer erreichen, als Beleg „Marathon4you.de“ hin, dass O zeigt sich als Lachgesicht.

Es ist früher Nachmittag, mit der roten Metro fahre ich zum Mailänder Dom (Duomo Santo Maria Nascente), dem Wahrzeichen der Stadt, vor dem Hunderte Touristen versammelt sind und fotografieren.  Mit seinem weißen Marmor wirkt das Bauwerk pompös und symbolisiert auch die einstige Macht der Kirchenfürsten. Ich war  schon in der fünfschiffigen Basilika drinnen und auch schon einmal oben – der Zugang zur Dachterrasse führt über eine Treppe mehrere Hundert Stufen hinauf. Doch heute ist sowohl die die Tür zur Kirche als auch zum Turm zugesperrt.

Ich spaziere weiter die mondänen Einkaufsstraßen entlang, vorbei an der Mailänder Scala, die seit kurzer Zeit vom Ex-Intendanten und Kulturmanager der Salzburger Festspiele, dem 66-jährigen Alexander Pereira, geleitet wird. Wer in Mailand nur am Bahnhof als Knotenpunkt für Durchreisende in alle vier Himmelsrichtungen verweilt, bekommt kaum was mit vom Flair der Stadt, das sich besonders im städtischen Zentrum der mit ca. 1,3 Mio. Einwohnern nach Rom zweitgrößten Stadt Italiens zeigt.
Highlight ist die ab dem 1. Mai 2015 beginnende und bis zum 31.Oktober dauernde Weltausstellung Expo 2015, in deren Mittelpunkt das Thema „Ernährung der Welt, Energie fürs Leben“ in unserer globalisierten Welt steht. Dieses Wochenende werden kulinarische Shows geboten. Die Fußgängerzone am Castello Sforzesco ist zu einer großräumigen autofreien Zone geworden. Hier finden Veranstaltungen und Märkte statt. Zwei pyramidenförmige Gebäude beherbergen Informations- und Verkaufsräume für die Expo 2015.

Ich besichtige anschließend den Innenhof des unter der Herrschaft der Sforza im 15. Jahrhundert im Renaissancestil erbauten Castello Sforesco, in dem heute u.a. auch die Universität Mailand ihren Sitz hat. Draußen im angrenzenden Sempione-Park genießen die Menschen bei einem Spaziergang oder auf einer Bank den lauen Frühlingstag inmitten blühender Bäume. Der Marathonkurs wird morgen hier vorbeiführen, natürlich auch am Dom und an anderen Sightseeing-Schauplätzen.

Ich bin in Mailand, das als ein globales Wirtschaftszentrum für Industrieprodukte, Mode, Design und auch dem Bankwesen und aus Sicht der Norditaliener vielleicht so etwas wie die heimliche Hauptstadt Italiens ist und wo derzeit ein wahrer Bauboom herrscht, nur wegen des Marathons. Will man wirklich mehr von der Stadt sehen, ihre historischen Bauwerke, die Museen und die neuen Stadtteile mit zahlreichen Wolkenkratzern erkunden, reichen auch drei volle Tage nicht aus. Daher setze ich mich gegen 20 Uhr in eine Pizzeria und stärke mich für den morgigen Marathon.

 
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Vom Hotel Colombia in der via Lepetit bis zum Startareal an der Porta Venezia sind es 15 Minuten zu Fuß. Der angrenzende Giardini Indro Montanelli bietet mit einer Vielzahl an Bänken ideale Möglichkeiten, sich umzuziehen und für den Wettkampf einzustimmen. Bei der Zuteilung in den Startblock 3 (sub 4 h) hat es jemand gut mit mir gemeint. Ich habe vor, mich an den 4:45er-Pacemakern zu orientieren. Als ich am Weg zum Kleiderbus Nr. 6 bin, treffe ich Paolo Gini mit Freunden. Ihn kenne ich seit mehreren Jahren von diversen Marathons vor allem in Italien. Paolo plant auch heuer wieder am Lago d’Orta eine Marathonserie: 10 Läufe an 10 aufeinanderfolgenden Tagen. Voriges Jahr wurde Werner Kroer, Obmann-StV. des Teams Austrias Unlimited mit Finisherzeiten um 4:30 hervorragender Gesamtzweiter.

Der Start für den Marathon an der via Palestro ist für 9.30 Uhr vorgesehen, die ersten Staffelläufer sind um 10 Uhr an der Reihe. Nach rund 3 ½ Minuten komme ich zur Zeitnehmung und drücke auf die Uhr. Dank eines wolkenlosen blauen Himmels spürt man trotz vorgestellter  Sommerzeit die wärmenden Strahlen der Sonne schon jetzt. Der Wetterbericht kündigt einen strahlenden Tag an. Meine zwei Lagen, ein langes Shirt mit engem Kragen über ein Singlet als Unterleibchen könnten zu viel sein.

 
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Wie bei jedem Marathon wird am Anfang gespurtet, die 4:30er-Truppe läuft deutlich unter 6min/km, auch die hinter mir folgenden 4:45er sind zu schnell unterwegs. Nach einer 180 Grad-Wende von der via Palestro über den Corso Venezia und nach Nordwesten über die viale Vittorio Veneto folgt ein kurzer Anstieg und mir wird bereits nach nur 1 km  warm. Der Kurs führt bei der Piazza Republica vorbei in Richtung der Mailänder „Twin-Towers“, Bosco verticale (vertikaler Wald) genannt, nahe der Metrostation Goia und in einer Schlaufe weiter zur Stazione Centrale. Nach rund 2 ½ km geht der Marathonkurs wieder zurück zur Porta Venezia, wo sich inzwischen weitere Zuseher eingefunden haben.

Entlang der viale Majno wird bald darauf die 5km-Marke erreicht. Ich nähere mich einer Läuferin mit der Aufschrift „è la prima“ am Rücken – es ist ihr erster Marathon. Ihr Tempo ist unter 6 min/km. Wenn sie das durchhält, könnte sie eine Zeit unter 4:30 schaffen. In der Tat bleibt sie hinter mir wie eine Klette. Als wir uns dem Dom nähern, überholt sie mich wieder. Einige Läufer folgen meinem Beispiel und knipsen mit ihrem ansonsten während des Laufens in einer Oberarmtasche eingesteckten Handy, mit dem sie auch die GPS-Daten aufzeichnen.

 
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Der Untergrund ist meine Sache nicht: große, unförmige Steinplatten, mein linker Fuß fängt wegen der Unebenheiten sofort zu schmerzen an. Ich bewege mich sehr vorsichtig und langsam dahin.  Hinter mir wird gehupt, aber warum? Die Schnellen sind ja vor uns, bei einem Rundkurs würde man sie auch nie zu Gesicht bekommen. Ich schau auf die Uhr, die ersten Staffelläufer sind vor ca. einer halben Stunde gestartet. Ehe ich zurückblicken kann, saust ein Farbiger mit geschätzten 20 km/h an uns vorbei – es ist Haile begleitet von einer motorisierten Eskorte. Als ich am Abend in die Ergebnisliste schaue, ist Haile die 11km in 35:25 gelaufen – das ist Weltklasse. In der Gazetta steht, dass er trotz seiner 41 Jahre jeden Tag zweimal trainiert.

In der Nähe der Piazza Cadorna, eine wichtige Umsteigestelle der Mailänder Metro, die man wie in London, Paris oder New York City nur über eine Sperre mit gültigem Ticket benutzen kann, befindet sich die zweite Labestelle. Es gibt Wasser und Iso (Salti), bei den folgenden Versorgungsstationen (Ristori) sollten dann auch Orangen- und Apfelspalten, Rosinen, Kekse und bei km 35 einmalig auch Enervit-Gels ausgegeben werden.

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Informationen: Milano City Marathon
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