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Die Legende lebt

21.03.10
Autor: Klaus Duwe

Der junge Abebe Bikila ist zwar nicht unsportlich, aber doch weit davon entfernt, es mit seinem sportlichen Talent und Können zu Ruhm und Ehre zu bringen. Er ist bei der Kaiserlichen Leibwache und nimmt gerade an einer Parade zu Ehren der Läufer teil, die für seine Heimat Äthiopien an den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne teilnehmen sollen. Er bewundert die Helden und nimmt sich vor, einer von ihnen zu werden. Bei der nächsten derartigen Parade will er auf der anderen Seite stehen.

Man kennt es - wenn der Mensch ein Ziel hat und sich auf den Weg macht, es zu erreichen, ist fast nichts unmöglich. 1956 besiegt Abebe Bikila bei nationalen Militärmeisterschaften völlig überraschend Wami Biratu, der die Landesrekorde über 5.000 und 10.000 m hält. Wenig später nimmt er ihm diese Rekorde ab, qualifiziert sich für die Olympischen Spiele 1960 in Rom und wird in letzter Minute nominiert. Sein Traum erfüllt sich, ist aber noch lange nicht zu Ende.

Abebe Bikila ist arm. Geld kann man mit Laufen noch kaum verdienen, außerdem ist das Olympiateilnehmern ja sowieso verboten. Sogar Laufschuhe sind für ihn Luxus. Sein einziges Paar war so verschließen, dass sie einen Marathon wohl kaum überstehen würden. Sicher hätten ihm die Schuster aus Herzogenaurach ein Paar gegebenen und sogar drei Streifen aufgenäht. Aber er will in neuen, ungewohnten Schuhen nichts riskieren und läuft so, wie er meistens tut: barfuss.

Die Bilder, wie Abebe Bikila am 10. September 1960 mit der Startnummer 11 auf der Via San Gregorio als Marathon-Olympiasieger barfuss über die Ziellinie rennt, gehen um die Welt. 2:15:16 Stunden – Weltrekord. Erster Olympiasieg für Äthiopien. Mehr noch: erste Olympische Goldmedaille für Afrika. Die Spiele haben ihren Helden.

Noch nie ist es einem Marathon-Olympiasieger gelungen, seinen Sieg zu wiederholen. Abebe Bikila schafft es. In Tokio 1964 triumphiert er erneut (in Schuhen), wieder Weltrekord (2:12:11). Abebe Bikila ist ganz oben, der Kaiser schenkt ihm einen VW Käfer.

Herbst 1968. Das Schicksal schlägt zu, erbarmungslos. Unverschuldet hat Abebe Bikila mit dem Geschenk des Kaisers einen Unfall und ist querschnittgelähmt. Aber er lebt und kämpft und nimmt an verschiedenen Sportwettkämpfen für Behinderte teil. 1973 stirbt er völlig überraschend an einer Hirnblutung, Spätfolge seines Unfalls.

Der Tag seiner Beisetzung wird von Kaiser Haile Selassie zum Nationalen Trauertag erklärt, 65.000 Menschen nehmen Abschied. Abebe Bikila war ein Sportler, wie ihn die Welt bis dahin nicht gesehen hat. Auf dem Friedhof  der St.-Joseph-Kirche in Addis Abeba ist seine letzte Ruhestätte.

Die Römer vergessen ihre Helden nicht. 50 Jahre nach dem Olympiasieg in Rom steht der Marathon in der Italienischen Hauptstadt ganz im Zeichen der legendären 11, Abebe Bikila. Auf Shirts und dem obligatorischen Rucksack, den jeder Teilnehmer beim 16. Rom Marathon erhält und selbstverständlich auf der Medaille, wird seiner gedacht. Die Legende lebt. 

Wiedersehen mit m4y-Hero „Pumuckl“ Dietmar Mücke

 
Marathon-Village
© marathon4you.de 9 Bilder

Mindestens fünfzig Läufer wollen es am Sonntag Abebe Bikila gleichtun und den Marathon barfuss laufen. Unter ihnen auch „unser Pumuckl“, dessen Taten sich bis nach Rom herumgesprochen haben. Im traditionellen Kostüm wird er der Presse präsentiert und im Nu von Kameras, Mikrofonen und Fotoapparaten umringt. Warum er das macht, ob das nicht weh tut usw. Inzwischen ist der Dietmar („Zivil ist meine Verkleidung, nicht das Kostüm“) mindestens so routiniert wie die Stars. Die Sympathien der anwesenden Journalisten sind ihm sicher. Und am Sonntag wird er die Herzen der Römer (und Römerinnen!) erobern. 

Schon tausend Mal wurde Dietmar gefragt, warum er barfuß läuft. „Aus Spaß und weil es möglich ist“, sagt er dann immer. 2:59 ist er in Frankfurt ohne Schuhe gelaufen und auf knapp 146 km hat er es bei einem 24Stunden-Lauf gebracht. Mit Schuhen erreichte er sogar 225 km, wurde Deutscher Meister und Mitglied des Nationalteams. Abebe Bikila ist für Dietmar ein Idol und zum 50. Jubiläum des historischen  Laufes in Rom zu sein, ein Herzenswunsch. Abebes historische  Startnummer 11 wird nicht vergeben. Dietmar hat die Nummer 74, Quersumme 11. Zufall?

Er lernt Abebe Bikilas Sohn Yetnayet kennen, erfährt von den Plänen, in Adis Abeba ein Museum zu errichten und am Jahrestag (10. September) einen großen Marathon in Äthiopiens Hauptstadt zu veranstalten. Und schon hat Dietmar ein neues Ziel …

 
© marathon4you.de 12 Bilder

Wir lernen einen weiteren, außergewöhnlichen Läufer kennen: Tristan Miller. Er kommt aus Australien und will in diesem Jahr 52 Marathons laufen. Die Experten vom 100 Marathon Club werden sich jetzt schütteln vor Lachen. Da gibt es ja welche, die bringen es auf über 100 im Jahr. Aber Tristan wird nicht auf den Teichwiesen oder irgendwo im Australischen Busch seine Runden drehen, sondern jede Woche bei einem anderen Marathon auf der Welt am Start sein. Angefangen hat er beim Neujahrsmarathon in Zürich, zwischenzeitlich war er unter anderem in Dubai, Mumbai, Marrakech, Tokyo, San Francisco, auf Zypern, jetzt in Rom, nächste Woche in Bratislava und im Sommer sehen wir ihn in Zermatt und in Davos, wo er seine ersten Bergläufe machen wird.  Um seinen Lebenstraum zu finanzieren, hat er sein Haus verkauft und lebt jetzt aus dem Koffer. Obendrein sammelt er noch Spenden für UNICEF. Und auch das muss man erwähnen: der 32jährige läuft die Strecken so um die 3:10/3:20!

 
 

 

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