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Laufberichte

Lebensfreude und 4000 Jahre Geschichte

 

Es gibt hunderte Marathons in den Städten dieser Welt.  Weil  Jerusalem alleine schon als Stadt einzigartig ist, muss es auch der Marathon sein. In der Altstadt stehen äußerst wichtige Heiligtümer von Juden, Christen und Moslems. Hier lebte König David, hier war die Kreuzigung und Wiederauferstehung von Jesus Christus und hier begann die Himmelsreise von Mohamed. Seit vielen Jahrhunderten reisen Pilger aus der ganzen Welt nach Jerusalem, bei mehreren Kreuzzügen wurde um die Stadt gekämpft, aber auch viele andere historische Ereignisse sowie die noch relativ junge, wechselhafte Geschichte des Staates Israel prägen das Bild der Altstadt.  

Von Deutschland aus fliegt man in vier Stunden nach Tel Aviv, dann fährt man etwa eine Stunde bis Jerusalem. Es lohnt sich, mindestens einen zusätzlichen Tag für die Besichtigung der Altstadt einzuplanen, besser zwei oder mehr Tage, denn es gibt auch in den anderen Stadtteilen sehr viel zu sehen.  

 

 
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Die berühmte Klagemauer ist das wichtigste religiöse Zentrum der Juden, wo sich täglich Gläubige zum Gebet treffen. Auf dem seit Jahrzehnten umstrittenen, für Nicht-Moslems nur zu bestimmten Stunden des Tages zugänglichen Tempelberg, stehen der  Felsendom mit seiner goldglänzenden Kuppel und die Al Aqsa Moschee, neben Mekka und Medina das drittwichtigste Heiligtum des Islam.

Aber auch für Juden und Christen ist dieser Bereich wichtig. Hier ist der Fels, auf dem Abraham seinen Sohn opfern sollte. In der Grabeskirche pilgern Christen zu der Stelle, an der sich Kreuz und Grab von Jesus Christus befunden haben sollen. Hier beteten Menschen bereits im 1. Jahrhundert. Da sich in diesem verschachtelten Gebäudekomplex sechs verschiedene christliche Konfessionen dauerhaft streiten, verwahrt seit Jahrhunderten eine moslemische Familie den Schlüssel zur Kirche. In der Via Dolorosa tragen noch heute Pilger Holzkreuze entlang der Stationen auf Jesu Kreuzweg. Auch die restliche Altstadt ist äußerst interessant. Außerhalb der Stadtmauer befinden sich der Garten Gethsemane mit zwei interessanten Kirchen, ein uralter jüdischer Friedhof und darüber der Ölberg.

Von den biblischen Ereignissen in Jerusalem haben wir schon als Kinder erfahren, lange bevor wir vom Eifelturm oder vom Matterhorn hörten. Daher fasziniert es mich, dies nun mit eigenen Augen zu sehen. Doch Jerusalem ist weit mehr als nur ein Quadratkilometer voller Geschichte und Religion. Mich überrascht, wie grün und lebensfroh diese auf vielen Hügeln ausgebreitete Stadt ist, von der ich bis dahin ein völlig falsches Bild habe. Daher bin ich rückblickend mehr als froh, dass ich zu diesem Marathon gereist bin. Er verändert meine Sicht auf Israel deutlich.

Der Marathonstart ist am Freitag schon um 7 Uhr im Sacher Park, dem größten Park der Stadt, direkt unterhalb der Knesset, dem 1967 gegründeten israelischen Regierungssitz. Die frühe Uhrzeit und der ungewöhnliche Wochentag kommt daher, dass freitags für die Juden bei Sonnenuntergang der Sabbat beginnt, an dem bis Eintritt der Dunkelheit am Samstagabend keinerlei Arbeit verrichtet werden darf. Dies wird besonders von orthodoxen Juden so streng ausgelegt, dass in manchen Hotels die Aufzüge in dieser Zeit automatisch fahren, denn schon das Drücken des Knopfes wäre bereits Arbeit.

Die Gepäckabgabe klappt super schnell. Auf dem Weg zum Startblock sorgt ein Schlagzeuger für gute Stimmung. Als ich ins Ziel komme, trommelt er noch immer.

 

 
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Auf einer großen Bühne neben der Startlinie steht unter anderem auch Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat und winkt uns zu. Vielleicht ist Jerusalem die einzige Stadt, in der der Bürgermeister den Marathon veranstaltet. Barkat finishte selbst fünf große Marathons und weiß, dass ein großer Sportevent eine hervorragende internationale Werbung eine Stadt ist. Gestern meinte er bei der Pressekonferenz auf einer Aussichtsterrasse mit Blick auf die Altstadt, dass der Jerusalem Marathon auf der Shortlist der Marathons stehen muss, die man in seinem Leben laufen sollte. In meinem persönlichen Ranking ist er jetzt auf  Platz 1 in der Kategorie Citymarathons.

Schon vom Start an zeigt sich, dass Jerusalem eine ausgesprochen grüne Stadt ist. Ich habe wegen der nahen Wüste eine eher trockene Stadt erwartet, statt dessen laufe ich nun durch eine Metropole, in deren Straßen mehr Bäume stehen, Sträucher blühen und überall kleine Parks die Gegend schmücken als in jeder anderen Großstadt, die ich kenne.  

Auf den ersten Kilometern umrunden wir den Givat Ram Campus der Hebräischen Universität. Auch dieser Campus wirkt wie ein Park. Als die Hebräische Universität auf dem Berg Skopus nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948 nicht mehr für Israelis erreichbar war, da dieser Campus dann bis 1968 von zu Jordanien zählendem Gebiet eingeschlossen wurde, gründete man hier ein neues Universitätsgelände.

Wir laufen durch einen kurzen Tunnel, dessen Wandnischen mit lustigen Affen verziert sind. Während unserer erste Marathonstunde hängt eine geschlossene Hochnebeldecke so tief über der Stadt, dass zeitweise sogar die obersten Stockwerke einiger Hochhäuser und der Pfeiler der 2008 eingeweihten Calatrava-Brücke, wegen ihrer Form auch Harfen-Brücke genannt, verhüllt werden.  Bei windstillem, trockenem Wetter und anfangs 13 °C, am Schluss 16 °C herrschen ideale Laufbedingungen.

Bald danach komme ich am 1994 erbauten Obersten Gerichtshof vorbei. Nach etwa 5 km führt unsere Strecke oberhalb des Start- und Zielgeländes beim Sacher Park entlang. Rechts oben auf dem Hügel sehe ich einige Gebäude des Israel Museum, eines der größten historischen Museen der Welt. Hier werden unter anderem die Schriftrollen vom Toten Meer ausgestellt, die ältesten erhaltenen Texte mit biblischem Inhalt.

Dann kommen wir am byzantinischen Kloster des Kreuzes vorbei, das im 14. Jahrhundert das Zentrum der georgischen Gemeinde war, später der griechisch-orthodoxen. Gegen Mittag werden wir kurz vor dem Ziel direkt an der Mauer dieses alten Gebäudes vorbei laufen.  

 

 
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 Nun geht es durch angenehme Wohngebiete immer auf und ab. Heute gilt es nicht nur, 42,2 km zu bewältigen, sondern auch 800 Höhenmeter.  Das ist zwar keine alpinen Dimensionen, aber immerhin ungefähr doppelt so viele,  wie bei vielen Landschaftsmarathons. In Jerusalem wird niemand persönliche Bestzeit laufen, dafür kehrt er mit dem Erfolg nach Hause, etwas Besonderes geschafft zu haben. Ebene Abschnitte gibt es nur selten, die Steigungen sind aber meist moderat, so dass man sie noch gut laufen kann.

Zwischendurch kommt uns auf einer Straße das Feld der Halbmarathonis entgegen. Durch eine ausgeklügelte  Strecken- und Zeitplanung wird verhindert, dass sich die schnellen Marathonis irgendwann durch das Feld der langsamen Halbmarathonis arbeiten  müssen.

Ich sehe immer wieder Teilnehmer aus Deutschland, leicht zu erkennen an der Startnummer oder an den Shirts deutscher Vereine oder Veranstaltungen. Der Jerusalem Marathon ist ein sehr guter Beitrag zur Völkerverständigung, es sind Läufer aus 70 Nationen am Start. Ich rede mit Leuten aus Russland, China, Südkorea, Neuseeland, Brasilien und Südafrika.

Nach einer Stunde weicht der Hochnebel einem Sonne-Wolken-Mix. Ich komme vorbei am Islamischen Museum mit einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen dieser Art. An einer Kreuzung spielt eine gute Rockband. Später werde ich sie noch ein zweites Mal hören.

 

 
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Am Unabhängigkeitspark liegen bereits zehn Kilometer und einige ordentliche Auf- und Abstiege hinter mir. Vorbei an der Großen Synagoge geht es nun in Richtung Mahane Yehuda Markt. In diesem Bereich findet man typische Markthallen mit kleinen Gassen voller schöner Läden. Ein Bereich ist einer der Hotspots des Jerusalemer Nachtlebens mit vielen Lokalen und Livemusik in außergewöhnlichem Ambiente.

 

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Informationen: Jerusalem Marathon
Veranstalter-WebsiteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

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