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Zäher Ringer

 

Der Psychologe sagt: „Kinder brauchen verlässliche  Eltern!“ Der Pädagoge nickt dazu; nicht nur ein bisschen, sondern mindestens so heftig wie ein Wackeldackel auf der Hutablage eines Opels. Dann kommt er in die Situation, in welcher seiner Zustimmung zu dieser Aussage gleich gelagerte Taten folgen lassen muss.

Im vergangenen Herbst haben mein Sohn und ich abgemacht, dass er mich an meinem Geburtstag nach Freiburg begleiten wird und ich ihn bei seinem zweiten Versuch unterstützen werde, einen Marathon unter fünf Stunden ins Ziel zu bringen. Diesmal nicht als offizieller Pacemaker wie damals in Luzern, wo ich ihn in den Seilen hängen lassen musste und er deswegen sein Zeitziel um eine Minute verfehlte.

Der Tag rückt näher und ich hätte achtenswerte Gründe, den Freiburg Marathon sausen zu lassen. Echtes Training war in den vergangen Monaten ein Fremdwort. Nicht weil ich nicht wollte. Äußere Umstände hielten mich bis kurz vorher davon ab. Wenn diese günstiger gewesen wären, hätte mich mein Fersenproblem ein- und ausgebremst. Aber ich will nicht Wasser predigen und Wein saufen, sondern ein verlässlicher Vater sein und mich der Herausforderung stellen. Wobei: Am Samstagabend hätte Lionel es mir nicht übel genommen, hätte ich geklemmt.

 

 
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Freiburg ist als Marathondestination praktisch. Knappe 100 Kilometer Anreise für mich, kurze Wege vor und nach dem Lauf und beim Auftakt der Saison bei den großen Marathons trifft man nach der Winterpause wieder alte Bekannte.

Wir werden zu einem Parkplatz keine hundert Meter vom Eingang zum Foyer der Messe gelotst, lassen die Taschen vorerst im Auto zurück und bummeln in aller Ruhe zwischen den Ständen der Marathonmesse zur Startnummerausgabe. Bei den Computern, an welchen man selbst die Nachmeldung eingeben kann ist eine recht lange Schlange. Die Wettervorhersage hat zahlreiche Schönwetterläufer überzeugt.

Die Startnummern werden erst bei der Abholung ausgedruckt, was langes Suchen der Unterlagen verhindert und den Service ermöglicht, allen Startenden eine Nummer mit Namensaufdruck abzugeben.

Das Frühlingswetter zieht uns nach draußen, da kann auch der Saharastaub in der Luft nichts daran ändern. In aller Ruhe schlendern wir in Richtung der Startblöcke auf der Madisonallee. 10‘000 Teilnehmer werden heute auf der Strecke sein. Schulen sind am Staffellauf S’cool Run dabei (7 Teilnehmer für den Halbmarathon), Staffelläufer teilen sich die doppelte Strecke in zwei Abschnitte zu zweimal 7km und 14km. Die gefühlte große Masse stellen nicht die mit gelben Startnummern versehenen Marathonis, sondern die Halbmarathonis.

 

 
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Um 11.30 Uhr geht es auch für den dritten Startblock los, in welchen wir uns eingereiht haben. Die Taktik hat sich Lionel zurechtgelegt, deshalb starten wir mit den Pacemakern für 4:30. Dranbleiben so lange wie möglich und dann den herausgelaufenen Vorsprung verwalten, so lautet seine Devise. Das Dranbleiben ist nicht ganz so einfach, denn schon auf dem ersten Kilometer zeigt sich, dass wir, wenn wir nicht direkt im Pulk hinter den drei Fähnrichen bleiben, immer wieder auf Startende auflaufen, die bereits hier das Tempo nicht mehr halten können und so mit sich selbst beschäftigt sind, dass ihnen nicht auffällt, dass sie andere behindern. Nach eineinhalb Kilometern heften wir uns deshalb an die Fersen der  Pacer und durchlaufen unmittelbar hinter ihnen das Gebiet beim alten Güterbahnhof, einer Tollwiese für Städteplaner. Wahnsinnig viel hat sich seit letztem Jahr noch nicht getan, aber die neu gepflanzten Bäume treiben aus und vor, hinter und neben uns gibt es genügend interessante Menschen mit unterschiedlichen Laufstilen zu sehen, dass es nicht langweilig wird.

Nach dem zweiten Kilometer kommt eine Spitzkehre, in welcher vom DJ-Pult aus wummernde Reggea-Beats die Muskeln massieren. Lionel fragt mich, ob dort auch eine inoffizielle Verpflegungsstation mit belebenden Kräutern sei. Vom Grill kam dieser Duft jedenfalls nicht.

Schon vor dem nächsten Kilometerschild ist die nächste Band postiert. Dass ich als Läufer immer nur eine kurze Kostprobe bekomme, ist eigentlich schade. Rock and run heißt das Motto. Noch rockt es und es läuft ganz flott.

Auf der Zähringerstraße hat sich das Feld soweit sortiert, dass keine Energie für Schlangenlinien und Überholmanöver verpufft werden muss. Die Straße trägt den Namen der Herzöge von Zähringen, deren Stammburg die Limburg bei Weilheim an der Teck war, und die sich ihrerseits nach der Burg Zähringen benannten, welche der westwärts gewanderte Bertold II. bei Freiburg errichtete. Unter anderem über die Heirat mit Agnes von Rheinfelden kamen umfangreiche Ländereien in der Nordwestschweiz dazu.

 

 
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Ohne detaillierter in die Geschichte einzutauchen, kann vermerkt werden, dass die Zähringer mit verschiedenen Stadtgründungen dazu beigetragen haben, dass 12 Städte in Deutschland und der Schweiz auch heute noch enge Verbindungen miteinander unterhalten, unter anderem die Hauptstadt der Schweiz. Es ist wohl kein Zufall, dass diese Städte heute mit ihrer Kultur und ihren Bauten alle einen besonderen Stellenwert haben. Die Herzöge von Zähringen haben mit einheitlicher Rechtsprechung und der Verleihung von zahlreichen Rechten an die Orte Autonomie und Sicherheit zur blühenden Entwicklung gewährleistet.

An der nächsten Ecke ist Mrs. Robinson. Nicht in echt, aber als gutes Cover, vorgetragen von Stimmband; drei Herren und eine Dame, alle ungefähr in meiner Alterskategorie. Eine gute Alternative zum Laufen, doch so lange ich noch Marathon laufen kann, singe ich anderweitig und spiele Gitarre.

Unter einer Bahnlinie hindurch geht es ins Komponistenviertel. Die Straßen sind nach den Komponisten benannt, die ich den Schülern als minimalen Wissensstandard näher zu bringen versuche. Ist es Zufall, dass ich im Läuferfeld ausgerechnet beim Verpflegungsposten auf der Richard-Wagner-Straße Darth Vader entdecke?

Wer in dieser Gegend wohnt, der kann sich wahrlich nicht beklagen. Ruhige Lage, viel Grün - da lässt es sich leben. Auch laufen lässt es sich gut. Bands, Zuschauergruppen, Brunchgemeinschaften; bei solchem Wetter ist in Freiburg an der Strecke viel los.

 

 
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Am Stadtgarten entlang geht es auf den Leopoldring. Auf der anderen Straßenseite kommen die entgegen, welche am Staffelwechsel schon vorbei sind und die Schlaufe zurück zum Karlsplatz bereits im Sack haben. Nach der leichten Steigung bis zum Schwabentor geht es hinunter zur Kartäuserstraße. Wer uns hier entgegenkommt, hat schon sechs Kilometer Vorsprung, ist vermutlich aber mit der ersten Startgruppe losgerannt.

Nach der kurzen Begegnungsstrecke sind wir voll auf der Schleife hinaus zum Stadion des SC Freiburgs im Stadtteil Waldsee. Am zweiten, sinnvoll aufgebauten Verpflegungsposten genehmige ich mir Wasser und Iso, um wenig später in Sachen Hydrierung auf dem neusten Stand, und auch sonst immer noch frisch, am zehnten Kilometerschild vorbeizukommen. Wenig später geht es auf einer Brücke über die Dreisam.

Ein Viertel des Marathons ist eingetütet und den Herren Steiner geht es gut. Ich investiere ein bisschen Zeit und Energie fürs Fotografieren, indem ich ein paar Umwege einbaue. Dazu setze ich mich ein wenig von der Gruppe um die Pacemaker herum ab.

Beim Stadion, das immer noch das gleiche ist, obwohl es den ursprünglichen Namen Dreisamstadion zuerst auf Badenova-Stadion gewechselt hat, dann in Mage Solar Stadion umbenannt und über Stadion an der Schwarzwaldstraße zu  Schwarzwald-Stadion umgetauft wurde, beginnt der Rückweg in die Stadt. Ich heiße immer noch Daniel und laufe immer noch Marathon. Der junge Mann, der neben mir auftaucht ist Lionel. Er meint, dass wir vor den Pacemakern bleiben können, weil bei der Gruppe gerade Slalomlaufen angesagt war. Je weiter wir – nun direkt der Dreisam entlang - zur Stadt zurücklaufen, je mehr zieht er an. Ich äußere in Anbetracht der ursprünglich ins Auge gefassten Zielzeit meine Bedenken, doch ihm ist es lieber, einen komfortablen Vorsprung herauszulaufen und dann zu verwalten. In diesem Fall muss ich versuchen, ihm auf den Fersen zu bleiben.

Da zwischen dem letzten und dem nächsten Verpflegungsposten sechs Kilometer liegen, ist auf halbem Weg dazwischen noch eine Wasserstation aufgebaut. Auf der Brücke zum anderen Ufer sorgt auf der Ladebrücke eines LKW eine Band für gute Stimmung, davor ist ein Paar fröhlich am Tanzen. Auf der Begegnungsstrecke hinauf zum Schwabentor ist nicht mehr viel Begegnung, dafür gleich nachdem der Torbogen durchschritten ist. Zudem ist von da aus auch der Münsterturm zu sehen.

 

 
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Entlang eines der typischen „Bächle“ geht es an schönen Häusern vorbei. Ist man nicht verheiratet, muss man sich in Acht nehmen. Der Volksmund sagt, dass einen Freiburger oder eine Freiburgerin heiraten muss, wer in ein Bächle tritt. Bei aller Vorsicht sollte man doch die wenigen Momente nutzen und von der Engelgasse und der Kaiser-Joseph-Straße her einen Blick aufs Münster erhaschen.

Die Quasi-Umrundung des Münsters führt wieder zurück zum Schwabentor. Ein kurzer Blick nach links, ob auf der anderen Seite bekannte Gesichter entgegenkommen, dann geht es leicht bergab auf die Wallstraße, wo wieder ein vollausgestatter Verpflegungsposten wartet. Es ist schon früher Nachmittag und das Frühstück eine geraume Weile her. Ich halte mich an Bananen; Laborfutter bleibt, abgesehen von Iso, vorerst außen vor.

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Informationen: Mein Freiburg Marathon
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