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Laufberichte

Gescheidgut

17.06.12

Fotos: Kay Spamer

Steter Tropfen höhlt den Stein. Zwei Stunden sind wir nun schon unterwegs. Es geht über Berge, Täler, Schluchten und Höhlen. Es ist mehr als einhundert Millionen Jahre her, dass sich hier die Meereswellen im Wind brachen. Wie Nadeln in einem Nadelkissen stehen die Felsen an denen wir vorbei laufen. Die Augen nehmen dies alles noch wahr… die Ohren hören das Rauschen des Waldes, den Gesang der Vögel und das Pulsieren des Blutes bei jedem Atemzug. Die Gedanken genießen die Freiheit und schweifen ab.

Plötzlich: Klick, Klack. Metall auf hartem Fels. Karabiner werden in die Wand geharkt. An den mächtigen Überhängen der Felsen können wir die durchtrainierten Kletterer beobachten. Kurz danach kehrt wieder Ruhe ein, als wäre nichts gewesen. War vielleicht auch nichts? Bin ich schon wieder im Runners High?

Immer auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Event führt uns der Zufall heute in unsere heimische Wildnis. Uns erwartet keine hochpolierte Designertour mit einer Lifestyle-Pastaparty am Vortag der Veranstaltung.  Mit 140 Stundenkilometer in 2,5 Stunden über die Autobahn und wir sind im Paradies, um das uns die ganze Welt beneidet: die Schweiz. Nicht die mit dem teuren Franken,  ich meine die mit den EUROs. So kann man in der Fränkischen Schweiz zumindest in der Illusion leben, die Schweiz sei doch gar nicht so teuer.

 
© marathon4you.de 20 Bilder

 

Die fränkische Mentalität - trocken wie ihr Wein?


Sie werden als schnoddrig, launisch und verschlossen beschrieben. Wer jedoch wie wir aus Hessen kommt, wird sie als freundlich, offen und liebenswert erleben. Die Startnummernabholung erfolgt für die Marathonläufer erst eine Stunde vor dem Start. Schon der Weg dorthin bringt einen das erste Mal außer Atem. Am Waldrand, oberhalb der Muschelquelle ist das Transparent „Start“ über den schmalen Weg gezogen.

Herbert Peter, der Organisator, erklärt mit wenigen Worten was auf uns zukommen wird. Die Kleiderbeutel werden in den bereitgestellten Transporter gelegt und wer noch eine Toilette benötigt, der geht halt in den Wald. Zuschauer: Keine. Es ist soweit. Mit vielen schnoddrigen, launischen und verschlossenen Mitläufern und noch einigen Läufern aus den anderen Bundesländern, stehen wir am Start.


„Franken bewegt sich - Laufen Sie doch auch mal wieder!“


Seit 2003 bewirbt das Team vom Naturpark Fränkische Schweiz das Naturparadies in Deutschland. 2009 hatte Herbert die Idee für diesen Lauf. Den „Fränkische Schweiz Marathon“ gibt es bereits. Dieser wird jedoch ausschließlich auf Asphalt mit einem Hin- und Zurückkurs ausgetragen. Die umliegenden Gastwirte sind darüber nicht sehr erfreut, bleibt ihnen doch für die Zeit der Streckensperrung die hungrige und durstige Kundschaft aus.

Herbert hat Erfolg mit seiner noch jungen und spektakulären Trailrunning-Veranstaltung.  Jedes Jahr steigen die Anmeldungen für diesen Volkslauf. Das angestaubte Image der „Fränkischen Schweiz“ ist bei der Jugend etwas aus der Mode geraten. So wirkt auch Streitberg, eines der ältesten Kurorte der Fränkischen Schweiz - ein verlorener Traum aus besseren Tagen. Ein zauberhafter Flecken.

Noch ahnen wir nicht was auf uns zukommen wird und wissen nicht, wie viele Höhenmeter uns erwarten werden. Fest steht, dass wir von hier bis nach Obertrubach laufen werden. Dabei laufen wir einen Teil des Naturparks Fränkische Schweiz und das auf Qualitätswegen. Denn der Frankenweg trägt das Prädikat "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland".

Naturgenuss in schöner Landschaft ist in Deutschland immer schwieriger zu finden. Müll, Autos und Verkehrslärm haben sich an zu vielen Orten ihren Weg in die Wälder und Auen gebahnt. Der Deutsche Wanderverband hat einen Kriterienkatalog bei dem der Untergrund des Weges, Markierungen, landschaftliche Besonderheiten und kulturelle Attraktionen überprüft werden. Führt ein Pfad an einer Starkstromleitung entlang, bedeutet dies Punktabzug; werden mehr als drei Prozent der Strecke von Autos befahren und ist weniger als ein Drittel naturbelassen, so erhält die Gegend kein Zertifikat. Bislang haben das Gütesiegel nur der Eggeweg in Nordrhein-Westfalen, der Kellerwaldsteig in Hessen und der Frankenweg erreicht.


Start


Bereits nach etwa 100 Metern erreichen wir die Muschelquelle. Der Ort war einer der Lieblingsplätze der Kletterlegende Kurt Albert. 2010 fand hier die offizielle Abschiedsfeier für ihn statt. Eine Bild und einige kurze Stücke von Seilen und Karabinern erinnern an ihn. Nach einem anfänglichen auf- und ab wird die Strecke recht schnell zum Trail und steiler. Die ersten Läufer sind schon nicht mehr in Sichtweite, wir anderen schrauben uns schneckenförmig nach oben. Zu hören sind nur der Atem und das Zwitschern der Vögel dazwischen das Gelächter einiger Läufer, später, so viel sei verraten, wird es ruhiger werden.

 
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Orientierungsvermögen und Improvisationstalent ist nicht nötig, denn der Frankenweg ist  ein professionell ausgeschilderter Wanderweg. Bereits Tage vor dem Marathon war Herbert auf der Strecke unterwegs um die Beschilderung vorzunehmen. Wer sich hier verläuft ist selbst schuld oder sollte beim nächsten Mal lieber eine Brille aufsetzen. Wobei diese auch nicht nötig ist, denn die Schilder sind bereits von weitem gut zu erkennen. Teils sind es die Originalschilder des Frankenwegs, teils zusätzlich angebrachte DIN A4 Blätter und das etwa alle 50 – 100 Meter.

 
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Kurz vor KM 5 ist Neudorf erreicht. Ein schöner Morgen. Hier bei Neudorf weht der Wind durch die Wipfel. Windböen wogen über die Kornfelder. Es ist ein schöner Weg, hinunter nach Muggendorf.

 
 

Informationen: Frankenweg-Lauf
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