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Laufberichte

Laufend Gutes tun

30.06.07

20jähriges Bestehen der Laufgemeinschaft

 
Heute hat’s mich in den Frankenwald verschlagen. Dort findet eine einmalige Laufveranstaltung zum 20jährigen Bestehen der Laufgemeinschaft Ludwigschorgast statt. Und da ich gerne Erst- und auch einmalige Veranstaltungen laufe, muss mir der Klaus Duwe den Weg frei machen. Ich habe den Start nicht bereut.

 

Michael Kraus, eines der Gründungsmitglieder vor 20 Jahren, führt den Verein als 1. Vorsitzender an. Der Krankenpfleger am Klinikum Kulmbach holt seine Kräfte, die er in der täglichen Arbeit der unfallchirurgischen Ambulanz braucht, in seinen Ausdauerhobbies. So läuft er, steigt aufs Rad und auf Berge (auch per Ski) und fährt gerne Motorrad. „Das mach ich auch,“ höre ich wieder einige murmeln. Der Michael macht aber lauftechnisch ganz harte Sachen, so hat er einige bayerische Titel im 100 Kilometer Lauf und kann auch Erfahrung im Ultratriathlon vorweisen. Ja, und Abenteuerläufe in der ganzen Welt hat der Michael auch schon gemacht. Davon verrate ich jetzt mal nichts und empfehle den Besuch auf seiner Website unter www.laufend-erleben.de.

 

Wo liegt denn eigentlich der Frankenwald? Ich frage nur so zum Spass meine Arbeitskollegen, die jedoch mit dem Begriff nichts anfangen können. „Irgendwo in Franken,“ ist ihre Antwort. Nun, das Mittelgebirge im Nordosten Frankens liegt zwischen Thüringer Wald, Fichtelgebirge und dem Gebiet am Obermain. Die höchste Erhebung des Frankenwaldes ist der Döbraberg mit 794 Metern.

 

Den Naturpark Frankenwald bilden Teile der Kreise Kronach, Hof und Kulmbach. Und was kann der Besucher dort erleben? Er kann nicht nur unzählige Kilometer, vielleicht mit dem Frankenwaldverein, erwandern, sondern auch die Festung Rosenberg in Kronach, die Plassenburg in Kulmbach, die Hofer Filmtage, die Kulmbacher Bierwoche oder eine zünftige Kirchweih besuchen. Der Gaumenfreund sollte „Quärkla“, Frankenwälder Zicklein oder Schiefertrüffel probieren. Wer noch weitere Ideen möchte, dem sei ein www-Besuch auf www.frankenwald-tourismus.de empfohlen.

 

Ich reise in den Frankenwald früh am Morgen an. Wenig Verkehr lässt mich gut vorankommen. Lediglich auf der Gegenseite zwischen Bayreuth und Trockau ist die Richtungsfahrbahn Nürnberg aufgrund eines Lkw-Unfalles gesperrt. Kilometerlang stehen die Autos vor dem Hindernis.

 

Ludwigschorgast ist schließlich rund zehn Kilometer von der Anschlussstelle Bad Berneck entfernt. Nach knapp zwei Stunden biege ich in die Marktgemeinde ein. Der Parkplatz ist ausgeschildert, Einweiser zeigen mir den Weg auf einen Wiesenparkplatz. Bedecktes Wetter mit knapp 15 Grad scheinen gute Voraussetzungen für den Wettkampf zu sein.

 

Am Startplatz der Sportanlage in Ludwigschorgast ist schon reger Betrieb. Ich hole mir die Startunterlagen und nehme noch Kontakt mit Michael Kraus auf. Die Startgebühren für den Marathon gehen von 28 EUR bis 35 EUR bei Nachmeldung. Es ist auch eine Teilnahme am Halbmarathon oder Viertelmarathon und am Walking oder NordicWalking möglich. Ein Staffelbewerb für vier oder fünf Sportler über die lange Distanz ist auch ausgeschrieben.

 

Für das Startgeld erhalten wir ein schönes blaues Funktionsshirt ohne Werbung, einen Designerkrug einer Kulmbacher Brauerei nebst Füllung, einen Verpflegungsgutschein, den Eintritt zum Waldschwimmbad in Wirsberg sowie Urkunde und Ergebnisse aus dem Internet. Für die Sieger natürlich Pokale, Sachpreise und Medaillen. Bei der Tombola besteht noch die Möglichkeit einen MTB-Rahmen mitzunehmen.

 

Ich treffe vor dem Start wieder einige Bekannte aus früheren Läufen. Manfred Luginger, Erwin Bittel und Jürgen Teichert zum Beispiel. Einer hat standesgemäß die Startnummer eins schon angebracht. Das ist nicht Ludwigschorgasts Bürgermeister Fred Popp, sondern unser Horst Preisler aus der Hansestadt Hamburg. Erst kürzlich habe ich gelesen, dass er für den Marathon Nummer 1500 ein erlesenes Ziel ausgewählt hat. Heute ist er, glaube ich, bei Nummer 1502 angelangt. Erwin Bittel macht noch ein paar Verrenkungsübungen zu den Trommlerrhythmen der Down Town Samba Hof, bevor wir aufgerufen werden.

 

Wir erhalten noch ein paar Hinweise von Michael Kraus, so soll durch Holzarbeiten auf 500 Meter Länge unsere Strecke etwas „unkultiviert“ sein. Dann mach ma halt a Crosseinlage, denke ich. Fred Popp greift nach ein paar Begrüßungsworten zur Pistole. Schuss und Bahn frei für die Marathonis und Halbmarathonis.

 

Ein kleines, aber feines Feld von etwa 200 Ausdauerfreaks macht sich auf die Reise. Am Ausgang der Sportanlage steht die Sambagruppe und trommelt uns in die Dorfrunde. Ludwigschorgast hat rund 1000 Einwohner. Das heute noch bestehende Marktrecht wurde 1476 von Bischof von Philipp von Henneberg verliehen. Eine Steinburg mir einem Rundturm war bereits um 1200 vorhanden. Im Laufe der Geschichte wurde der Ort mehrfach zerstört.

 

Nach ein paar Metern Laufeinlage rennen wir am Rathaus vorbei. Im Rathaus ist eine Metzgerei und eine Wirtschaft untergebracht. Da können die Gemeinderäte nebst ihrem Bürgermeister nach jeder „Gmoaratssitzung“ noch ihren Durst löschen. Vor dem Gebäude steht ein schöner Brunnen, der dem Hl. Florian gewidmet ist. Es geht vom Ort hinaus zur Bundesstraße 303, wo wir links auf den Radweg abbiegen. Nach ein paar hundert Meter kommt abermals eine Linkskurve und wir laufen wieder Richtung Startgelände. Die Dorfrunde ham mer scho gschafft.

 

Wir biegen nun rechts in die Alte Wirsberger Straße. Ludwigschorgast lassen wir hinter uns. Die ersten Kilometer führen uns wellig, mehr bergan als bergab nach Wirsberg. Durch meine Fotografiererei sind mir schon einige Läufer davon. Das ist mir heute egal, da ich wieder die Gegend genießen will. Nach Wirsberg hinein verlieren wir zahlreiche Höhenmeter.

 

Hier ist dann nach etwa fünf Kilometer die Streckentrennung. Die kurzen Strecken biegen links ab. Wir laufen dagegen auf der Hauptstraße weiter. Wir verlassen Wirsberg durch das Tal der Schorgast. Vor dem Waldschwimmbad biegen wir rechts ab. Erste Anstiege, immer wieder von kurzen Gefällen unterbrochen, stellen uns entgegen. Die Tendenz ist jedoch bergan. Unser Feld hat sich mittlerweile gehörig in die Länge gezogen. So zwei, drei Läufer hab ich noch immer im Blickfeld.

 

Vor dem Spielplatz bei der Grundmühle haben wir wieder einige Höhemeter verloren. In Marktschorgast kann ich dann an Alois Zenk vom TSV Scheßlitz vorbeilaufen. Den Alois kenn ich vom DAK-Laufcup und von den Bayerischen Meisterschaften. Er macht als M55-Ak-Läufer einen saustarken Eindruck.

Den Ort verlassen wir dann in nördlicher Richtung, zuerst über freies Feld, dann wieder taucht unser weiterer Weg wieder in den Wald ein. Ich wechsele mit Bernd Steiner (DJK Laibstadt) und Wolfgang Böss ein paar Worte. Ihnen geht’s gut. Der Kurs ist weiterhin ansteigend.

 

In der Nähe des Singerweihers haben wir das Top des FrankenwaldEvents erreicht. Hier befinden wir uns auf einer Höhe von rund 560 Metern und somit über 200 Meter höher als am Start. Seit geraumer Zeit sehe ich den Kommissar Manfred Luginger vor mir laufen. Ich schließe auf, es geht bergab. Wir lassen’s rollen. Mal ist der schnelle Polizist vorne, dann wieder ich.

 

Hans-Theo Huhnholt vom LC Bayern will einmal vor dem Polizisten sein und legt einen kleinen Sprint hin. „Dir ist wohl im Dienst zu Fuß keiner davon gekommen“, sage ich zu Manne. Der lacht und meint, „ein Sprinter schon.“ „Aber wenn der in Sichtweite geblieben ist, dann war’s a gutes Intervalltraining. Und tratzen host den dann auch noch können,“ entgegne ich.

Eine Verpflegung bei der Holzbrücke über den Perlenbach wartet. Ein Kilometerschild mit der 16 erkenne ich. An der Verpflegung erhalten wir Iso, Wasser, Cola, Riegel, Bananen und Äpfel. Ein Helfer sagt, „Ihr müsst eine kurze Rampe hoch, dann könnt Ihr es acht Kilometer laufen lassen.“

 

Uns so ist es auch. Zuerst führt die Strecke den Perlenbach hinab zur Grundmühle, anschließend laufen wir am Wasser der Schorgast entlang nach Wirsberg, wo wir die Singerweiher-Runde von 16,7 Kilometer Länge beenden. Die zweite Hälfte dieser Runde ist außerordentlich sehenswert, es geht immer entlang des murmelnden Wassers.

 

Wirsberg selbst hat rund 2000 Einwohner. Erste urkundliche Erwähnung erfand der jetzige Markt bereits Ende des 13. Jahrhunderts. Der Ort gehörte 1807 nach Frankreich und fiel 1810 wieder nach Bayern zurück.

 

Eisenbahnfreunde kennen das Deutsche Dampflokomotiv-Museum, das im ehemaligen Bahnbetriebswerk des Bahnhofes Neuenmarkt-Wirsberg untergebracht ist. Der Bahnhof ist Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn am Fuß der Schiefen Ebene. Neben Loks der Deutschen Reichsbahn und Deutschen Bundesbahn sind ca. 30 Feuerrösser dort zu besichtigen.

 

Unsere Marktbesichtigung in Wirsberg ist sogleich zu Ende, als wir auf die Achatzmühlen-Runde von 16,3 Kilometer gehen. Wir verlassen den Ort auf einer Asphaltstraße, wieder mal bergauf. Den Ortsteil Goldene Adlerhütte erreichen wir nach wenigen Minuten. Die Kurzstrecke biegt links ab. Wir verlassen die Kreisstraße KU 1 auch nach links. Vorbei an der Schlackenmühle erreichen wir die Alte Schmölz. Hier sehe ich Markierungen, die mir entgegenkommen. Aha, hier ist eine Schleife eingebaut, die uns zur verfallenen Achatzmühle führt. Ich sehe eine Kapelle, möchte sie fotografieren, lasse es aber bleiben, da mir ein Verfolger auf den Fersen bleibt. Hier ist das Wegstück, auf das wir aufmerksam gemacht wurden. Ich empfinde es nicht als so schwierig. Zwar ist der Weg durch Holzabfuhr etwas sumpfig. Wir können aber in der Mitte oder am Rand laufen.

 

Am Dörnhof, nach einem längeren Anstieg, ist wieder eine V-Stelle eingerichtet. Mein Verfolger hat den Anschluss verloren. Nach zwei, drei Kilometern sehe ich an der Alten Schmölz einige Verfolger auf dem ansteigenden Hinweg. Bei mir rollt’s wieder. Auf dem Naturlehrpfad Richtung Alderhütte sind zahlreiche Infotafeln angebracht. Mangels Zeit geht’s im Galopp weiter.

 

Hinauf nach Neufang (Kilometer 35) kommt nochmals eine Rampe von etwa 70 Höhemetern auf uns zu. Mit kleinen Schritten bezwinge ich den Berg und laufe in den Ort hinein. Petrus hat die Wolken zusammengeschoben und kann sein Wasser nicht halten. Es fängt an zu schütten. Jetzt bräuchte es nur noch hageln, denke ich im Angesicht, dass am Himmel sogar etwas Blaues zu sehen ist. Nach zwei, drei Minuten hört der Niederschlag schlagartig auf.

In Neufang biegen wir links ab. Ich sehe längere Zeit keine Markierung. Hat vielleicht der Niederschlag die Pfeile am Boden weggewaschen? Bin ich an einer Markierung vorbeigelaufen? Ich sehe auch keine Helfer und keine Läufer. Ich bin unsicher. Aber dann sehen ich an einem Verkehrsschild einen Spruch: Ab hier die Sau rauslassen. Daneben hängt ein Plüschschweinchen. Ich bin also richtig. Gas, denn unsere Strecke fällt wieder.

 

Verpflegungsstelle. Ein Polizist schaut, ein Helfer kehrt Becher und Dreck zusammen. „Wer kann fotografieren?“ frage ich in die Runde. „Haben Sie vielleicht ein Handy dabei?“ will der Polizist wissen. Der fragt an Schmarrn, denke ich. Rechtskurve. Alte Wirsberger Straße, es geht zurück. Noch drei Kilometer, zeigt ein Schild an. Kein Verfolger in Sicht, nach vorne ebenfalls Ebbe.

 

Ich lasse es die letzten Kilometer auslaufen. Zeitig höre ich schon die Lautsprecher im Ziel und die Sambagruppe. Den letzten Walker kann ich kurz vor dem Ortseingang von Ludwigstadt überholen. Die Sambagruppe hat sich links und rechts der Straße aufgestellt und bearbeitet ihre Instrumente, als ich durchlaufe. Gänsehautfeeling. Ein paar Kurven und dann ist wieder ein Marathon geschafft. Die mir angezeigte Zeit kann ich fast gar nicht glauben. 3.20.35 Stunden. Es ist gut gelaufen.

 

Bei der Siegerehrung stellt sich heraus, dass Thomas Koch und Harald Schricker (SGB Stadtsteinach) beide gesiegt haben, denn die sind gemeinsam den langen Kanten gelaufen. Rund 500 EUR (2 EUR pro Läufer) erbringt die Veranstaltung für die Nepalhilfe Kulmbach. Der Betrag wird für die Schulspeisung der Landschule Malekhu verwendet. Wenn man bedenkt, dass eine Mahlzeit für ein Kind am Tag 15 Cent kostet, ist das eine wertvolle Hilfe für den gemeinnützigen Verein.

 

Nepal selbst ist mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 160 US $ pro Jahr eines der ärmsten Länder der Welt. Die Erträge aus der Landwirtschaft könnten eigentlich die gesamte Bevölkerung ernähren, doch unzureichende Lager- und Transportmöglichkeiten, auch die ungleiche Verteilung des Landbesitzes lassen dieses nicht zu. Für weitere Informationen surfe man auf www.nepalhilfe-kulmbach.de. Der 1.Vorsitzende Peter Pöhlmann freut sich auf jede Spende, die ohne Abzug von Verwaltungskosten direkt in Nepal ankommt (Sparkasse Kulmbach-Kronach, BLZ 77150000, Konto 110130).

 

Teilnehmer:

Über alle Bewerbe gut 200.

 

Streckenbeschreibung:

Der Kurs ist hügelig mit gut 600 Höhenmetern und führt zu 2/3 über Naturwege und Forstwege durch wildromantische Täler und Höhen des Frankenwaldes. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Trotz der Höhenunterschiede gut zu belaufen.

 

Zeitnahme:

Transponder am Arm (5 EUR Pfand).

 

Auszeichnung:

Urkunde aus dem Internet. Gefüllter Bierkrug. Pokale, Sachpreise, Medaillen für die Gesamtsieger und Klassensieger. Funktionsshirt  für alle. Verpflegungsgutschein. Freier Eintritt in das Waldbad (ist da jemand hingegangen?)

 

Drumherum:

Duschen im Duschzelt oder in der Schule. Parkmöglichkeiten in der Nähe genügend vorhanden. Gepäckaufbewahrung am Ziel.

 

Verpflegung:

Getränkestellen alle fünf Kilometer mit Wasser, Isodrink, Cola, Bananen, Äpfel und Riegel. Im Ziel noch Melonen.

 

Zuschauer:

Wenig Zuschauer. Die lediglich in Wirsberg, an den Verpflegungsstellen und im Ziel.

 

Marathonsieger

Männer:

1. Thomas Koch und Harald Schricker (beide SGB Stadtseinach) 2.48.55,
3. Martin Lehner (SG Fichtelblitze) 3.07.15.


Frauen:

1. Jutta Kratzel (SGB Stadtsteinach) 4.03.38,
2. Christine Selsam (o.V.) 4.07.45,
3. Claudia Mandel (o.V.) 4.23.34.

 

Fazit:

Vielleicht gibt es eine Wiederholung. Wenn die Nepalhilfe das Geld ausgeht, dann muss halt wieder was organisiert werden. Vielleicht zum 25. Jubiläum. Wir würden uns das wünschen.

 


 

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