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Laufberichte

Ein Kasten Bier war schuld

08.07.07

100jähriges Bestehen des TSV Herbrechtingen

 

Fotos: Manfred Ahrendts

 

100 Jahre TSV Herbrechtingen, das muss gefeiert werden, so dachte man in der Vorstandsetage des Vereins. Einer spendierte eine Kiste Bier, die wurde dann geleert, heim wollte man auch nicht und so entwickelte sich in dieser Hocketse der Gedanke, einen Marathon zu veranstalten.

 

Da mir bereits der Marathon in Heidenheim im vergangenen Jahr, auch wegen der Landesgartenschau, sehr gut gefallen hat, beschließe ich dieses Jahr, in Herbrechtingen an den Start zu gehen.

 

Der Ort, besser gesagt, die Stadt zählt immerhin gut 13000 Einwohner. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 774, als „Weiberheld“ Karolus Magnus (Karl der Große) die Villa Hagrebertingas an Abt Fulrad von Saint-Denis verschenkte. Letzterer gründete in der Folge das Kloster Herbrechtingen. Das Marktrecht verlieh Kaiser Barbarossa 1171. Ja, und bis zur Stadterhebung dauerte es noch ein paar Jährchen, denn erst 1974 wurde zum 1200jährigen Jubiläum das Stadtrecht verliehen.

 

Herbrechtingen ist via Autobahn 7 aus dem Norden und Süden schnell erreichbar. Ulm und Heidenheim sind innerhalb 30 Minuten mit dem Auto ebenfalls schnell anfahrbar. Wirtschaftlich finden wir hier viele kleinere und mittelständische Unternehmen wie Osram (kennt jeder), Zoeppritz und Liegeland (beide Textil). Eines der modernsten und größten Biomasse-Kraftwerke in Europa ist hier zu finden. Der mit der Stadt Giengen an der Brenz geschaffene Industriepark A7 bietet Platz für weitere Unternehmen.

 

Am Sonntag bin ich dann schon zeitig vor Ort. Einen Parkplatz finde ich gleich an der Sportanlage. Start und Ziel ist in Sichtweite, ha, das ist schon praktisch. Dort treffe ich Klaus Neumann und Jürgen Teichert aus Nürnberg. Letzterer absolviert den zweiten Streich seines Doppeldeckers. Er war nämlich am Tag zuvor in Hemsbach. Mit 1200 Höhenmeter war’s dort ein wenig hügelig. 

 

Kurz vor acht Uhr versammelt sich die Marathonmeute auf der Brenzbrücke zu ihrem Einsatz. Nach ein paar launigen Begrüßungsworten werden besonders die Marathonnovizen gewarnt: „Für die Herren Neulinge, an der letzen Steigung bei Kilometer 28, da habt Ihr 70 Höhenmeter auf einem Kilometer. Da wird hoch marschiert, für Euch ist es egal, ob Ihr da 6.30 oder 7.30 Minuten braucht.“

 

 
© marathon4you.de 3 Bilder

Ja, und nach einer kurzen Begrüßung durch den Bürgermeister schnappt sich dieser die Pistole und feuert uns auf die Strecke hinaus. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein bei jetzt noch angenehmen Temperaturen erwartet uns auf der 42,195 Kilometer langen Reise. Die ersten drei, vier Läufer machen schon ein gehöriges Tempo. Bis zum ersten Kilometerschild, schön groß und nicht zu übersehen, ist mir das „leading pack“ schon ein Stückchen voraus. Heute habe ich mir als Plan einen schnelles Rennen zurechtgelegt. Sollte die Temperatur gehörig ansteigen, so will ich es auf den letzten Kilometern auslaufen lassen. Deshalb habe ich die Kamera im Auto liegen gelassen.

 

Die ersten fünf Kilometer spulen wir im Eselsburger Tal ab, ein Naturschutzgebiet, dessen bekanntestes Merkmal die „Steinernen Jungfrauen“ sind, zwei schlanke Felsnadeln. Die Brenz umfließt hier in einer fünf Kilometer langen Schleife den Umlaufberg „Buigen“ (kommt von „biegen“). Das Tal bietet gute Klettermöglichkeiten für den Sportler. Wir sehen hier Wacholderheiden, Felsen und Feuchtgebiete. Eine Zählung erbrachte hier über 640 Blütenpflanzen- und Farnarten und mehr als 80 Vogelarten.

 

Bei Kilometer vier schaue ich auf die Uhr und stelle einen Schnitt von knapp 4.30 Minuten fest. Ganz schön flott. Vor mir zähle ich fünf, sechs Marathonis. Um mich herum sind zwei weitere. Die Halbmarathonstrecke zweigt ab. Die Halben laufen hier zwei flache Runden. Wir rennen gerade weiter.

 

Bei Kilometer sieben in Anhausen überqueren wir eine vorbildlich abgesperrte Hauptstraße. Hier könnten wir das Kloster Anhausen anschauen, das Ausgangspunkt schöner Wanderungen ist. Das Kloster wurde 1125 durch Pfalzgraf Manegold gegründet.

 

 
Der Autor
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Anhausen wird schnell verlassen. Wir biegen links in den Wald ab, ein Schild mit dem Aufdruck „Ho-Chi-Minh-Pfad“ verheißt Abenteuerliches. Nun, einen Mitläufer lasse ich den Vortritt auf dem mit Wurzeln und Steinen gespickten Pfad. Wenn es den auf die Schnauze haut, dann habe ich vielleicht noch eine Sekunde Reaktionszeit. Na ja, so schlimm war’s nicht, aber die 50 eingebauten Höhenmeter kosten auf dem Wurzelweg schon ein wenig Zeit.

 

Wir verlassen wieder den Wald und rennen auf zwei Kilometer Länge durch die typische Alblandschaft mit Wiesen und Wacholderheiden. Die Führenden sind nicht mehr zu sehen. Mein Begleiter sagt, „die laufen in Richtung drei Stunden.“ Sein Laufplan für heute weist einen Long Jog über 35 Kilometer aus. Da lag dann ein Start hier ziemlich nahe, zudem seine Mutter ganz in der Nähe wohnt.

 

Dann führt unser weiterer Weg wieder in den Wald. Unsere Tendenz ist moderat steigend, wobei natürlich auch immer wieder leichte Gefälle kommen. Nur wenige Zuschauer, fast an zwei Händen abzählbar, kommen uns entgegen. Wir sind jedoch nicht allein, denn immer wieder kommen Helfer auf Fahrrädern von hinten oder von vorne und überwachen. Es wird also nichts dem Zufall überlassen. Die Strecke ist weiterhin mit roten Pfeilen am Boden und mit Markierungsschildern narrensicher. An unübersichtlichen Stellen finden wir Posten. Oder es sind gleich Verpflegungsstellen eingerichtet. Alle drei Kilometer können wir uns dann an Wasser, Ultra Buffer, Riegel und Bananen laben. Cola wird später auch ausgegeben.

 

Kurz vor der Halbzeit verlassen wir den Wald bei Küpfendorf. Dort sind wir etwas spät dran, denn Bewohner räumen in der Ortsmitte auf. Da hat man am Tag zuvor ein Fest gefeiert. Wir rennen jetzt auf einer leicht kupierten Hochebene, wo wir bei klarem Wetter sogar einen Ausblick auf die Alpenkette haben können.

 

 
Erstläuferin
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Nach zwei Kilometer über Felder erreichen wir jetzt am Heidenheimer Hochberg (647 Meter)  den höchsten Punkt unseres Kurses. Halbzeit. Eine Markierung weist uns darauf hin. Läuferfreundlich sind die Höhenmeter eingebaut, denn bereits 70 Prozent haben wir uns auf der ersten Hälfte schon erlaufen. Es geht bergab. Auf mehreren Kilometern lasse ich es rollen. Da kann man richtig Tempo machen. Lediglich an einer Stelle müssen wir auf die Bremse steigen, denn in einer scharfen Linkskurve hat sich eine „Tankstelle“ niedergelassen.

 

Am Ende des Gefälles, ein kurzes Stück ist mir fast zu abschüssig, befinden wir uns im Ugental. Bei dem kurzen Anstieg zum Staudamm merke ich schon mein Laufpensum an den zwei Tagen zuvor. Da lief ich am Freitag beim Pfaffenhofener Stadtlauf über knapp zehn Kilometer eine 38.30 Minuten und dann am Samstag beim Tag des Sports in Feldkirchen bei München über die gleiche Distanz etwas über 40 Minuten. Ja, die Füße maulen. Eigentlich zu Recht, aber das macht mich nur härter.

 

Gut, dass die Steigung nicht lange anhält. Auf den folgenden Kilometern lasse ich es wieder rollen. Dann aber kommt die Entscheidung. Die Steigung, vor der wir gewarnt wurden wartet. Auf mehr als einem Kilometer Länge müssen wir wieder 70 Höhenmeter erklimmen, damit wir aus dem Ugental herauskommen. Anfangs noch Schatten, dann laufen wir am Waldrand entlang mitunter in der Sonne.

 

Bei Kilometer 30 haben wir fast alle Steigungen hinter uns und es wird gut verpflegt. Ich kann mich nun von meinem Begleiter lösen und lasse es auf dem kupierten Weg wieder rollen. Wenige Gegner kommen von hinten angelaufen.

 

Der weitere Weg führt uns wieder nach Anhausen, wo im Ortsgebiet ein steiles Gefälle folgt. Ich überquere wieder die Hauptstraße und befinde mich dann wieder an der Brenz.

 

Das Gewässer entspringt im Brenztopf bei Königsbronn und mündet zwischen Faimingen und Lauingen in die Donau. Da die 55 Kilometer lange Brenz nur etwa 70 Meter Gefälle aufweist, fließt sie entsprechend gemächlich. Oft mäandriert sie noch naturbelassen durch die Täler. Im Brenztal sind auch Karsthöhlen, wie die Spitzbubenhöhle bei Eselsburg, zu finden. Auch befinden sich hier mehrere Schlösser und Ruinen, so wie Schloss Hellenstein in Heidenheim, Ruine Hurwang bei Mergelstetten oder Ruine Hürgenstein oberhalb des Eselsburger Tals.

 

Ja, und bei mir ist jetzt der Schwung heraus. Zwar ist unser Weg im Eselsburger Tal schön schattig, aber mein Schweinehund hat mich fast ganz im Griff. An der Bindsteinmühle wechseln wir die Talseite. Die Halbmarathonstrecke biegt von rechts ein. Noch fünf Kilometer. Ich kann noch zwei, drei Wanderer oder Läufer auf der Halbmarathonstrecke überholen, muss aber die gleiche Anzahl Marathonis ziehen lassen.

 

Kurz vor dem Stadion reicht mir noch ein Junge einen Wasserschwamm, es geht ein paar Meter über eine Wiese, eine dreiviertel Runde auf der Tartanbahn schließt sich an. Geschafft! In 3.23.07 Stunden werde ich Gesamtdreizehnter, in der AK 45 Fünfter.

 

 
Joachim Kratzer und Olaf Schmalfuß: keiner will Vorletzter werden
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Regeneriert wird bei Wasser und Ultrabuffer, im Schatten und in der Sonne. Ich lungere noch eine Zeitlang herum, vertreibe die Zeit mit Ratsch und sehe dann die letzten beiden Läufer, die schätzungsweise von mehr als fünf Radlern begleitet werden. Der Joachim Kratzer und der Olaf Schmalfuß drehen zehn Meter vor dem Ziel noch mehrere Ehrenrunden, damit keiner als Vorletzter ins Ziel muss.

 

Was mich überrascht, dass bei den Bewerben über 5,1 - 10,8 - 21,1, Marathon und Walking die Ergebnisliste 635 Sportler aufweist. Sieben Marathonis kommen aus Herbrechtingen, darunter Dieter Mathes, der hat dann als Vorstand des TSV Herbrechtingen auch seine eigene Urkunde unterschieben.

 

Weitere Recherchen ergeben, dass einige noch in Hemsbach am Tag zuvor gelaufen sind. Zwei haben gar den ThüringenUltra geschafft, darunter der Olaf. Der brauchte für den heutigen Tag aber eine spezielle Motivation: Mehrere Verpflegungsstellen mit Bier und als Finisherauszeichnung eine Zweiliterflasche Hopfentee. Wohl bekommt’s.

 

Teilnehmer:

Im Marathon 81 Starter.

 

Streckenbeschreibung:

Der Kurs ist hügelig mit 450 Höhenmetern und führt fast ausschließlich über Naturwege und Forstwege durchs Eselsburger Tal und auf den Heidenheimer Hochberg. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Viel Schatten.

 

Zeitnahme:

Transponder am Arm.

 

Auszeichnung:

Urkunde aus dem Internet. Laufschuhe für die Zeitschnellsten. Sachpreise für die Klassensieger. Baumwollshirt und Medaille für die Marathonis.

 

Drumherum:

Geräumige Umkleide in der Oskar-Motzer-Halle und Bibrishalle. Parkmöglichkeiten in der Nähe genügend vorhanden. Verlosung von Preisen.

 

Verpflegung:

Getränkestellen alle zwei bis drei Kilometer mit Wasser, Ultra-Buffer, Cola, Bananen und Riegel.

 

Zuschauer:

Wenig Zuschauer, dafür kann die Natur in vollen Zügen genossen werden.


Gewinner Männer:

1. Marian-Jan Olejnik (Esslingen) 2.59.24,
2. Gerd Wörrle (TSG Schnaitheim) 3.01.26,
3. Morten Muschak (LT TSG Ehingen) 3.08.47.


Frauen:

1. Ulrike Herzog (Heidenheim) 3.32.22,
2. Maria Hamm (LT Herbrechtingen) 3.56.20,
3. Silke Konold (LT Herbrechtingen) 3.56.21.

 

Fazit:

Eine Strecke für den Naturliebhaber und Genussläufer. Nächstes Jahr ohne Marathon. Vielleicht gibt es einen Marathon mit Heidenheim im Wechsel. Das wäre prima.

 

Informationen: Eselsburger-Tal-Lauf (Marathon)
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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