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Laufberichte

Ein Sommertag im Schwarzwald

 

Der Schwarzwald liegt wieder im Trend. Wandern hat sein vorübergehendes Image als Rentnerbeschäftigung abgelegt, immer mehr Menschen ziehen Urlaub in Deutschland stressigen Fernreisen vor und auch bei ausländischen Touristen steht der Schwarzwald alias Black Forest hoch im Kurs.

Doch nicht nur für Wanderer ist der Schwarzwald ein ideales Revier. Viele hundert Kilometer großartige Trails warten noch darauf, dass sie ein Veranstalter für einen Wettkampf nutzt. Während es auf der französischen Seite der Rheinebene kaum noch einen Berg gibt, den man nicht bei einem Wettkampf erklimmen kann, gibt es bei uns kaum Angebote. Vor einigen Jahren füllte der begeisterte Trailrunner Hans Maier die Angebotslücke mit seinem Black Forest Trailrun, den er auch wahlweise in Kombination mit dem am Tag darauf statt findenden Panoramalauf als zweitägige Black Forest Trailrun Masters anbot.  Nach drei Veranstaltungen übernahm 2013 ein kommerzieller Veranstalter die Leitung, 2014 wurde der Lauf nach einigem Hin und Her abgesagt. 

2015 organisiert ihn bei der 5. Auflage wieder Hans Maier selbst,  unterstützt durch das Tourismusbüro. Die bewährte Strecke wurde weitgehend beibehalten, aber um einige kurze Trails und etwa 200 zusätzliche Höhenmeter ergänzt. Der Termin wurde von Frühsommer auf September verschoben, was auch 2016 wieder so sein wird. Für 58,4 km mit 2200 Höhenmeter hat man 9,5 Stunden Zeit. Die Strecke für den Panoramatrail am zweiten Tag ist überwiegend neu und mit 35,3 km und 1850 Hm deutlich länger als bisher, aber in diesem Jahr kann ich sie leider nicht erkunden, da ich nur am Samstag Zeit habe. 

 
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Der nicht weit von Freiburg entfernte Ort Simonswald an der Deutschen Uhrenstraße ist ein typisches Schwarzwalddorf.  Simonswald wurde 1178 erstmals urkundlich erwähnt. Die heutige Gemeinde besteht aus insgesamt fünf bis in die 70er Jahren unabhängige Orte. Die Region wird als ZweiTälerLand touristisch beworben.

Bei der Startnummernausgabe und vor dem Start wirkt heute die  lockere, entspannte Atmosphäre wie bei einem privaten Einladungslauf. Im Gegensatz zu meiner letzten Teilnahme hier scheint am Morgen die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. 

Um 8 Uhr laufen wir vom Sportplatz aus hinab ins Tal, vorbei an Kronenmühle und Schlossmühle und dann ein paar hundert Meter entlang der Gutach, die wir bald auf einer Brücke überqueren.

Nun führt uns der erste Aufstieg in die Höhe, anfangs auf breitem Forstweg, bald auf Trails. Eine Weile geht es bergauf, dann führt uns schon ein Trail wieder hinab. So wird es heute die meiste Zeit über bleiben. Kurze Aufstiege, kurze Abstiege, nur manchmal etwas längere.  

 
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Bei diesem traumhaften Wetter macht es wirklich Spaß, unterwegs zu sein. Mir kommt es heute mehr wie Urlaub denn als  Wettkampf vor, zumal ich mir vorgenommen habe, heute ohne Zeitdruck zu laufen und einfach nur rechtzeitig das Ziel zu erreichen.

Trails, breite Wege, Trails, breite Wege, immer wieder dieser Wechsel. Hier kommt sowohl der klassische Landschaftsläufer, der ab und zu richtig Gas geben will, als auch der Freund ruppiger Single-Trails auf seine Kosten. Diese Abwechslung ist einer der großen Vorzüge der Veranstaltung. Mal kann ich ganz entspannt laufen, dann  fordert ein steiler Abstieg Konzentration oder ein anstrengender Aufstieg bringt mich zum Schwitzen. Mal geht es über Wiesen mit weiter Aussicht, mal durch urigen Wald, mal durch forstwirtschaftliche Monokulturen, die Umgebung wechselt ständig. 

Ab und zu rede ich mit anderen Läufern. Manche kennen die  Berichte der früheren Ausgaben des BFT, einer schwärmt so wie ich noch von der Wasserschlacht 2013. Für einen anderen ist es der erste Lauf über solch eine lange Distanz.   
Nach viel Auf und Ab erreiche ich die Gustav-Beck-Hütte, von der aus man in der Ferne die Rheinebene, den Kaiserstuhl und dahinter die Vogesen erkennen kann. Beck wurde 1883 erster Vorsitzender der neu gegründeten Schwarzwaldverein-Sektion „Waldkirch-Emmendingen“. 

Man merkt deutlich, dass die freundlichen Helfer an den sechs Verpflegungsstellen bei dem Traumwetter heute ebenso viel Spaß haben wie wir Läufer. Da ich ohne Zeitdruck laufe, bleibe ich überall eine Weile stehen und plaudere mit den netten Leuten. Sie freuen sich, dass es auch in diesem Jahr wieder einen Fotobericht geben wird.

Zwischendurch führt uns ein breiter Forstweg mit leichtem Gefälle viele Kilometer weit bergab. Eigentlich mag ich solche Wege nicht besonders, andererseits kommt man hier schnell und kraftsparend ein ordentliches Stück voran.

Und dann folgt einer meiner Lieblingsabschnitte dieser Strecke. Ein verwunschener, manchmal stark zugewachsener Trail führt entlang des Ettersbachs in die Tiefe. Auf dem steinigen Untergrund kommt man nicht allzu schnell voran, aber auf diesem märchenhaften Pfad will man sich ohnehin nicht beeilen.  

 
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Viele Leute behaupten, dass wir Trailrunner verrückt sind. Ich gebe zu, dass ich mit ganzem Herzen einer dieser „Verrückten“ bin.  Aus dem Blickwinkel von Menschen, die das Wochenende nur mit Shoppen, Fernsehen und Familienbesuchen verbringen, wirkt unser Sport verrückt, ganz besonders, wenn man auch zwei Jahre danach noch mit Begeisterung an einen Lauf zurück denkt, an dem das Wetter extrem mies war und man  stundenlang durch strömenden Regen lief. 2013 erlebten Bernie, Jan und ich hier beim Black Forest Trailrun einen wirklich erinnerungswürdigen Tag. 
Den heutigen Tag kann man dagegen als fast perfekten Sommertag bezeichnen. Am unteren Abschnitt der Strecke entlang des Ettersbacha, mussten wir damals einen reißenden Bach überqueren, heute dagegen fließt hier nur ein ganz kleines Rinnsal bergab.

Ein langer Aufstieg führt uns nun in die Höhe. An zwei Kreuzungen scheint jemand die Streckenmarkierung entfernt zu haben, aber ich erinnere mich, dass man hier geradeaus gehen muss, was aber auch für Läufer, die noch nie hier waren, die offensichtliche Wahl ist.

Schließlich komme ich oben an der Platte an, einer windigen Hochfläche, an der entsprechend der Lage auch viele Windräder Strom erzeugen.  Auf rund 1000 m Höhe ist hier auch eine große Himbeer-Plantage. Weit in der Ferne sehe ich von hier aus auch den Feldberg. 

Nach dem Plattenhof erfreut mich eine neue Streckenführung. Statt wie bisher auf Asphalt weiter zu laufen, dürfen wir nun auf einem Trail ein Stück zum Waldrand hinauf, von wo aus wir auch den Plattensee, einen kleinen Stausee, erkennen. Dann geht es wieder hinab zur alten Strecke und ich erreiche bald die Verpflegungsstelle beim Wanderparkplatz Potsdamer Platz.

Bei meinen ersten beiden Teilnahmen an diesem Lauf hatte ich mich gewundert, dass wir an einem „Potsdamer Platz“ vorbei kommen. Inzwischen fand ich beim Googeln eine Erklärung. Als vor dem zweiten Weltkrieg hier viel Wald abgeholzt wurde, befürchtete ein Förster, es könne hier bald aussehen wie am Potsdamer Platz in Berlin. Ob diese Geschichte stimmt, kann heute niemand mehr mit Gewissheit sagen.

Vorübergehend ist das schöne Wetter einer dunklen Bewölkung gewichen, wenige Minuten lang fallen sogar einige harmlose Regentropfen, doch sehr bald darauf setzt sich der Sonnenschein wieder durch. 

Erfolg und Misserfolg von Laufveranstaltungen lassen sich nie vorher sagen. Manch ein anfangs kaum bekannter Lauf entwickelt sich im Laufe der Jahre zum frühzeitig ausgebuchten Erfolg, andere verlieren von Jahr zu Jahr Teilnehmer. Besonders durch die vielen 2015 neu hinzugekommenen Trail-Veranstaltungen gab es für etablierte Veranstalter manche schmerzliche Überraschung. Dass auch der Black Forst Trailrun von starkem Teilnehmerschwund betroffen ist, liegt aber weder an der Strecke noch am allgemeinen Trend. Ich glaube, dass es eher daran liegt, dass der vorherige Veranstalter im letzten Jahr  zuerst eine Änderung des Konzepts versuchte und letztlich den Lauf absagte.

Viele potentielle Teilnehmer haben es wohl gar nicht mitgekriegt, dass der „alte“ Black Forst Trailrun wieder stattfindet. Aber auch die Verlegung von Frühsommer, als es eine ideale Trainingsstrecke für die großen Ultratrails war, auf den September mit seinem Überangebot an Veranstaltungen, hat sicher zu einem Rückgang der Anmeldungen geführt. 

Bei nur etwa 40 Startern wundere ich mich nicht, dass das Feld nun so weit auseinander gezogen ist, dass ich ab km 33 völlig alleine laufe und nur noch einmal an einer Verpflegungsstelle auf einen anderen Teilnehmer treffe.

Da ich am Potsdamer Platz 50 Minuten Vorsprung zum Cut Off habe, beschließe ich, die nächsten Kilometer mehr zu walken statt zu wandern. Zuerst geht es längere Zeit sanft bergauf und bergab. Schöne Wege, Sonnenschein, herrliche Aussichten mit Blick auf den Feldberg, die Rheinebene im die im Dunst kaum zu erkennenden Vogesen - wozu rennen, wenn man solch eine Landschaft auch in Ruhe genießen kann. 

 
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Bald nach der kleinen Kapfenkapelle (1022 m) beginnt dann der lange Abstieg nach Wildgutach. Hier sind auch einige Trails dabei, die ich von früher schon in allerbester Erinnerung habe. Der Birgfelsenpfad macht mir immer noch viel Spaß, auch weiter unten die Trails durch üppige Vegetation und vorbei an zwei kleinen Seen gefallen mir wieder sehr gut. 

Dann erreiche ich Wildgutach, ein Dorf mit etwa 100 Einwohnern. Gleich nach der Verpflegungsstelle folgt ein kräftiger, etwa 1,5 km langer Aufstieg auf einem breiten Forstweg. Ich genieße diesen Aufstieg und freue mich auf den  Höhepunkt des Tages. Eine Brücke führt über den Teichbach, dann darf ich einen herrlichen Trail vorbei an vielen moosbewachsenen Felsen und einem munter plätschernden Wildbach mit kleinen Wasserfällen laufen. Trailrunners Paradies! 

 
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Unten geht es über die Straße, ein kurzes Stück einen Asphaltweg hinab, dann wieder auf schöneren Wegen. Schließlich überquere ich auf einer kleinen Brücke die Wilde Gutach. Auch hier gibt es einige sehr schöne Trails.

Die nächsten Kilometer wechseln längere Aufstiege mit kurzen, oft steilen Bergab-Trails, immer wieder garniert mit schöner Aussicht. Vor allem ein sehr langer Aufstieg über einen breiten Forstweg kommt mir auch beim dritten Mal viel weiter und anstrengender vor als er in Wahrheit ist. Das liegt aber nicht nur an der Strecke, sondern auch daran, dass ich bei meinem 49. Ultra alle Erfahrung in den Wind geschossen habe und jetzt dehydriert und hungrig den Berg hinauf schleiche. Zwischen Verpflegungsstelle 3 und 4 hatte ich beide Wasserflaschen leer getrunken, dann aber vergessen, sie aufzufüllen. Um den Unsinn noch zu steigern, verließ ich auch VP 5 ohne neues Wasser. Jetzt wird diese grandiose Dummheit natürlich mit Durst bestraft. Ebenso dämlich ist es, dass ich heute Morgen die furchtbar trockenen, als Snack für die Heimfahrt gedachten Riegel mit gesalzenen Cerealien in den Laufrucksack steckte und die „richtigen“ Riegel in meine Tasche mit dem Duschzeug und den Wechselklamotten ließ. Entsprechend beschränkt sich meine Ernährung auf der Strecke heute auf Obst, Kekse und Nüsse an den Verpflegungsstellen. 

 
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Doch egal, ich weiß, dass ich das Zeitlimit auf jeden Fall schaffen werde, kein Grund zur Eile! Auf und ab, auf und ab, zwischendurch am Bach entlang und an einer alten Getreidemühle vorbei, an einer kleinen Getränkestelle endlich die Flaschen auffüllen, noch einmal ein Stück hinauf, dann ein letztes Mal auf einem Trail hinab, wie heute Morgen am Bach entlang, noch schnell hinauf in den Ort, dann erreiche ich nach 8:55 Stunden das Ziel, wo viele der anderen Finisher in der Sonne sitzen und warten. Mein 49. in der DUV-Statistik gewerteter Ultra ist geschafft, nun folgen noch zwei Trail-Marathons, dann steht im November das 50er Jubiläum an. 

Bei der Siegerehrung kurz nach 17 Uhr bekommt Nicola Wahl, die sich erst gestern zum Start bei diesem Lauf entschied, als schnellste Frau der Trailrun-Wertung und als Altersklassensiegerin (und als einzige Frau in dieser Disziplin) eine Schwarzwalduhr und ein Wetterhäuschen. Konkurrenzlos, aber dennoch „Veni, vidi, vici“. Als schnellste Männer in der Trailrun-Wertung kommen Martin Storzt auf Platz 1, Hans Kroner auf Platz 2 und Vitali Abeziaev, der bei der Siegerehrung nicht anwesend ist, auf Platz 3.

Die Gesamtwertung der zweitägigen Black Forest Trailrun Masters gewinnen Tilo Minges und die einzige Frau in dieser Wertung Kirsten Wheeler.

2013 gab es hier noch 120 Finisher in der Trailrun-Wertung und 46 in der Masters-Wertung, in diesem Jahr sind es leider nur noch 14 in der Trailrun-Wertung und 19 in der Master-Wertung. Schade, denn für Marathonis, die erste Erfahrungen mit Trail oder langen Strecken machen wollen, aber auch für routinierte Trailrunner, die zwischendurch auch gerne mal schnellere Abschnitte laufen wollen, ist hier die Mischung aus Trail und Waldweg gut geeignet. Man sollte den Lauf nicht unterschätzen, denn die knapp 59 km mit 2200 Höhenmeter Auf- und Abstieg innerhalb maximal 9,5 Stunden zu laufen ist kein Spaziergang, aber die schöne Schwarzwald-Landschaft entschädigt für die Anstrengung.

 

Informationen: Black Forest Trailrun Masters
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