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Berlinale mit Weltrekord zum 150ten

25.09.11
Autor: Joe Kelbel

Nicht am Hauptbahnhof, sondern im Badezimmer fiel schon zweimal eine Vorentscheidung beim Berlin-Marathon. 1997 erwischte es den Kenianer Jackson Kipngok. Er rutschte  in der Dusche aus und zog sich dabei einige Prellungen zu. Er konnte zwar an den Start gehen, mit der Entscheidung um den Sieg hatte er  jedoch nichts mehr zu tun. Noch schlimmer erwischte es im vergangenen Jahr die Japanerin Mizuki Noguchi, die ebenfalls im Badezimmer ausrutschte, sie musste ihre Teilnahme absagen.

Aber selbst bei absolut ungefährlich scheinenden Tätigkeiten ist man vor Verletzungen nicht sicher. Das musste der amerikanische Marathonläufer Ed Eyestone schmerzhaft am eigenen Leibe erfahren. Als er sich zum Gitarre spielen hinsetzte und dabei die Beine übereinander schlug, zog er sich eine Muskelzerrung im Oberschenkel zu.

Ich habe es bis zum Hauptbahnhof Berlin geschafft, verletzungsfrei, frisch geduscht, ohne vorher Gitarre gespielt zu haben. Unwohl ist mir schon, es ist zwar mein 150ter heute, aber ich mag den Trubel nicht besonders.

Schnell merke ich, dass alles wunderbar organisiert ist. Meine gestern in Brandenburg a.d.H. beim Schollenmarathon kennengelernten Freunde raten mir mindestens eine Stunde vorher vom Bahnhof zum Start zu gehen. Das ist nicht übertrieben.

 
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Ich tauche ein in eine Atmosphäre von mehr als 40.000 Läufern und fühle mich sauwohl. Kleiderabgabe gleich gefunden, der Weg zu meinem Startblock weit, aber entspannt. Im Tiergarten haben die Büsche auf die alljährliche Düngung nur gewartet. Männlein und Weiblein arbeiten quasi Hand-In Hand, um die Flora zu erfrischen. Auch die Blutsauger haben gewartet. In dem Gedränge ist es nicht einfach, sich der Dinger zu erwehren, sie sitzen überall auf der nackten Haut, haben wohl ihre Brutsaison diesem jährliche Ereigniss angepasst.

Zwischen überquellendem Mülleimer und Dixiklo quetsche ich mich Richtung Startblock. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, habe dann Zeit mich ganz nach vorne zu schmuggeln.

 
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Stehe unter der Bühne, über mir der Renndirektor von BMW, Wowi und Henry Maske. Bin erstaunt, dass Henry für einen Boxer sehr gut aussieht, auch Wowi sieht seriös aus. Dann kommen die Spitzenläufer aus Richtung Siegessäule in den Startblock. Haile wird hofiert. Viele Kameras. Viel Security. Makau ganz dezent an der Seite, sehr unauffällig, wird nur kurz vom Sprecher erwähnt. Alle klein und total unterernährt, unsere Hilfspakete haben wohl nichts bewirkt. 

Die Spitzenläuferinnen sehe ich gar nicht, sehr viel Orange der Orgaleute. Ich werde beiseite gedrängt von panischen Kameraleuten, bekomme erklärt, dass ich mich verpissen solle, es gehe hier ja schließlich um Spitzenzeiten. Überall Elektronik für Zeitmessung und Kameras, ich solle ja nicht drauftreten. Hektik, Geschubse, ich laufe meinen 150ten und bin doch nur eine Feder in der Brandung, dann geht es ganz schnell, viel zu schnell, meine Starts sehen anders aus, die Unterernährten flitzen los als hätten sie Durchfall.

Ich habe viel Zeit, um in meinen Block zu gelangen. 9:10 Uhr ist der Start der Bessergenährten. Hier fühle ich mich wohl, gemächlich geht es über die Startlinie. Ich freue mich unheimlich auf diesen Lauf, alles läuft bisher glatt, ganz große Klasse.

 
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Bis zur Siegessäule habe ich soviele Fotos geschossen, dass ich einen neuen 36er Film einlegen muss. Kleiner Witz- es war ein 72er! Unglaublich, aber es gibt Läufer, die lassen sich schon hier sehr viel Zeit. Schmerzverzerrte Gesichter auf den ersten Metern! Die zahlen dann quasi 100 Euro für einen Kilometer Berlin. Traurig.

An der Siegessäule teilt sich das Läuferfeld. Das ist schon beeindruckend, die einen links, die anderen rechts, ohne politischen Hintergrund. Die Siegessäule wurde  zur Erinnerung an die deutschen Einigungskriege errichtet. Ja, Deutschland existierte schon ein bißchen vor Adolf .

Nach dem zweiten Weltkrieg wollten die Franzosen die Säule sprengen, doch die Allierten stimmten nicht zu, da das Denkmal vor dem 01.Aug 1914 errichtet wurde. Dieses Datum, der Beginn des ersten Weltkrieges, war der Stichtag, der über Erhalt oder Beseitigung „militärischer Denkmäler“, gemäß einer allierten Richtlinie entschied. Die Bronzereliefs brachte man nach Paris, wurden nach der Vereinigung zurückgegeben.

„Ein Bärlyn (Bärlein) will ich in den Sumpf da setzen; das soll die Wenden zusammentatzen, dass kein Christ mehr zu brennen braucht!" so sprach der Sage nach Albrecht der Bär, der erste Markgraf zu Rudolf von Stralow, den Anführer der kleinen  Siedlung auf der Spreeinsel. Wo die Wenden ihrem dreiköpfigen Gott die Christen opferten, wurde die Petrikirche gebaut (heute Petriplatz).

Ernst Reuter Platz. Mit seinen Reden  stärkte der Oberbürgermeister Ernst Reuter während der Berlinblockade 1948 den Zusammenhalt der Berliner und den antikommunistischen Konsens. Legendär  sein Ausspruch: „Ihr Völker dieser Welt, schaut auf diese Stadt.“ Sein Sohn Edzard Reuter war bis 1995 Vorstandvorsitzender der Daimler AG.

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