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Das Original

 

Die Legende lebt auch mehr als 2500 Jahre nach der Schlacht bei Marathon: 490 v. Chr. soll der laufende Bote Pheidippides den Sieg der Griechen unter der Führung von Miltiades über die Perser mit Dareios I. an der Spitze in Athen verkündet haben und aufgrund der Anstrengung auf dem Aeropag tot zusammen gebrochen sein. Seit den ersten olympischen Spielen der Neuzeit im Jahre 1896 ist der Marathonlauf eine sportliche Disziplin.

Es ist daher naheliegend, dass jeder Hobby-Marathonläufer einmal im Leben den authentischen Marathon vom gleichnamigen Ort in die griechische Hauptstadt Athen absolviert und sich vorher oder danach auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Athen ansieht.

Ich habe mich in den 1970er Jahren als Student fast jeden Sommer auf den Kykladen aufgehalten, Athen war immer der erste Stopp bei der Anreise. Mehrmals schon war ich auf der Akropolis mit dem Parthenon und Nike Tempel, die meist besuchte Touristenattraktion der ca. 3,4 Millionen Einwohner zählenden Metropole. Im Zuge von Stopps bei einer Kreuzfahrt ins östliche Mittelmeer war ich mit der Familie mehrmals in den letzten Jahren in Pyräus, von wo aus  wir auf eigene Faust die City mit einer inzwischen gut ausgebauten Metro, vielen Busverbindungen und der Tram erkundeten. Mein Lieblingsort zum Flanieren in Athen ist die Gegend um den Syntagma-Platz und die Plaka, die Altstadt von Athen. Zum Baden empfehle ich Vouliagmeni, östlich von Pyräus gelegen. Früher donnerten in kurzen Abständen wenige Hundert Meter über dem Boden mit ohrenbetäubendem Lärm die Flugzeuge drüber, heute ist dort Ruhe. Die Griechen selbst gönnen sich hier am Strand und in Glyfada ihre Mittagspause mit einem Espresso oder Gläschen Retsina im Liegestuhl unter Sonnenschirmen.

Viel war und ist die Rede von den ökomischen Problemen Griechenlands. Ohne die Milliardenzuschüsse der EU, die so hoch sind, dass eine Rückzahlung Jahrzehnte dauern wird, wenn überhaupt, wäre das Land pleite. Mich persönlich stört, dass dabei offenbar ganz die kulturelle Bedeutung der Griechen weit vor dem Römischen Imperium vergessen wird. Architektur,  Dichtung, Philosophie, Politik, Naturwissenschaften, das gesamte Bildungsspektrum wurde im antiken Griechenland in der Polis einbezogen. Zu dieser Zeit waren im späteren Germanien, das die Römer auf ihren Feldzügen über die Donau und dem Rhein unter Cäsar bis hin zu Marc Aurel nie vollständig eroberten, wilde Gesellen in finsteren Wäldern am Werk. Das sollte man nicht vergessen, wenn über Griechenland befunden wird.

Sirtaki, Sorbas, Nana Mouskouri, Ouzo,  jeder Griechenlandurlauber findet dafür eine Zuordnung. Ich bin ein Griechenlandliebhaber und wünsche dem Land eine sehr baldige Konsolidierung.

Anfangs schienen mir 90 Euro als Startgebühr für den Marathon recht hoch, doch als ich die Informationen auf der Veranstalter-Webseite genauer lese, wird klar, dass viel dafür geboten wird.

Der Aua-Airbus 321 landet am Samstag pünktlich um 13.30 Uhr Ortszeit am Flughafen in Athen. Der Himmel ist bewölkt, für den Abend ist Regen angesagt. Am Ausgang des Flughafens ist ein Marathonstand aufgebaut, wo man herzlich begrüßt wird. Ich hole mir das Gratisticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel, das mit der Startgebühr abgedeckt ist und drei Tage vor und einen Tag nach dem Marathon Gültigkeit hat. Mit der blauen Linie Nr. 3 der Metro bin ich in einer Dreiviertelstunde bei der Umsteigestelle am Syntagma Platz. Mein Hotel liegt nahe Omonia, Kreuzungspunkt der Metrolinien 1 und 2.

 
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Auf der Website wird empfohlen, mit der Tram Nr. 4 von Syntagma aus zur Expo in der TaeKwondo-Halle bei Neo Falirou rauszufahren. Auch der Hafen von Piräus ist von dort nicht allzu weit entfernt. Meine Sorge, dass die bis 18 Uhr angegebene Öffnungszeit der Expo strikt eingehalten wird, erweist sich als unberechtigt. Um 19 Uhr kommen immer noch Nachzügler in die Halle, um sich die Startunterlagen abzuholen. Alle wichtigsten Ausrüster sind vertreten. Ich behaupte, dass die Athener Expo mit vielen Marathonmessen in Europa bestens mithalten kann. Wenn ich an Wien denke, dann auf nach Athen.

Ich bekomme eine schön designte Tragetasche, darin die Startnummer 7692 mit integriertem Chip, einen Kleiderbeutel, zwei überdimensionierte Hochglanzbroschüren mit Infos über das gesamte Programm und geschichtliche Fakten zum Marathongeschehen sowie ganz am Schluss nach einem Rundgang durch die Halle ein tolles, gut passendes adidas Funktionsshirt. Die Größe L ist gegen Ende der Messe schon fast vergriffen, doch eine attraktive griechische Standbetreuerin um die 40 hat noch welche unter dem Ladentisch abgelegt. Allerdings habe ich schon längst beschlossen, dass ich morgen wieder mit dem orangen Arbeitsdress laufen werde. Damit hat man eine bessere Legitimation für die Schnappschüsse beim Marathon.

Als ich nach 19 Uhr die Halle verlasse, regnet es in Strömen. Als Schirmersatz nehme ich einen Abfallsack, den ich über den Kopf stülpe. Obwohl es nur ca. 400 m bis zur Tram sind, werde ich klitschnass. Die Rückfahrt in nassen Klamotten kommt mir lang vor, erst um 20.30 Uhr betrete ich das Hotel Katerina in der Karoloustraße.  Zum Abendessen nehme ich mir dann Zeit und trinke leider ohne nette Gesellschaft am Tisch ein Viertel Retsina mit Wasser aufgespritzt  zum etwas fetten Lammbraten.

An die 30 Österreicher sind für den Marathon registriert, Börni Keiler ist einer von ihnen und Kassier des 100 Marathon Club Austria. Wir treffen uns am Morgen um 6.30 Uhr bei den Bussen am Syntagma Platz inmitten Hunderter wartender Läufer. Die Griechen sind Meister im Organisieren. Es bedarf einer gewaltigen Logistik und wohl mehr als einhundert Busse, um an die 9000 Personen nach Marathon hinaus zum Start zu transportieren. Wir sind gut postiert, trotz allgemeinen Gedränges schlängelt sich Börni geschickt durch und reserviert für mich einen Platz.

Auch er läuft das erste Mal den klassischen Athen Marathon. Als Finisherzeit hat er sich sub 4:30 h vorgenommen. Meine Ansprüche sind deutlich bescheidener, sub 5 h sollen es werden, nachdem ich vor 2 Wochen in Casablanca wegen eines Missgeschicks einen Kilometer zurücklaufen musste und so mit 5:12 finishte. Heute will ich das wiedergutmachen, doch wenn man das Höhenprofil  anschaut, so steigt der Marathonkurs ab Kilometer 11 bei bis ca. 31 fast kontinuierlich von 100 auf fast 250 m an. Diesen Anstieg sollte man keinesfalls unterschätzen, zumal ich ja in den letzten Wochen bemerkt habe, wie schlecht meine Form geworden ist. Die 4:36 in der Ebene auf der Praterallee beim LCC Herbstmarathon am 19.10. sind im zweiten Halbjahr meine beste Laufzeit geblieben. Hier in Athen steht jedoch wie nirgendwo sonst in der Welt der Gedanke, dabei gewesen zu sein, im Mittelpunkt. 

 
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Die Busfahrt zum Start vergeht schnell, wir sind kaum 30 Minuten unterwegs. Die Zubringerbusse fahren nicht die gesamte Laufstrecke, sondern eine etwas andere Route. Um 7.00 Uhr früh ist es hier draußen fast auf Meeresniveau aber inmitten der kargen Pendelli Berge recht kühl.  Den Ort Marathon mit einem Museum besuchen sonst nie so viele Menschen wie an diesem besonderen Tag. Doch die Organisatoren mit Hunderten Helfern vor Ort haben alles unter Kontrolle. Die nach Startnummern kontingentierte Kleiderabgabe bei DHL-Bussen erfolgt in eigens dafür bei der Expo ausgegebenen Säcken mit Namensetikette. Im Zielbereich beim Panathenäischen Stadion kann man seine Beutel wieder entgegennehmen.

Bis zum Start verbleiben uns noch fast 1 ½ Stunden, die jeder auf seine Weise nutzt. Die einen suchen die Mobilklos auf, andere ziehen das Gebüsch vor. Ich betrete eine orthodoxe Kirche auf einer Anhöhe mit Blick auf das Stadion von Marathon, wo viele Läufer einige Runden auf der 400 m Bahn drehen, um sich aufzuwärmen. Von Blasphemie zu sprechen wäre übertrieben, nur finde ich es unpassend, sich in der Kirche die Socken auszuziehen, seine Füße mit einer duftenden Salbe einzumassieren und einen Ort des Glaubens und der inneren Einkehr mit wenig Würde zu einem Wellnessbereich umzufunktionieren. 

Im Rahmen des Athen Marathons gibt es noch Randbewerbe über 5 und 10 km sowie einen Kinderlauf in der Stadt Athen, die wohl für Familienangehörige der vielen Tausenden aus aller Welt kommenden Läufer gedacht sind. Ein Halbmarathon steht nicht auf dem Programm, dafür wird in Athen ein eigener Termin angeboten, der für Mai nächsten Jahres festgesetzt wurde. Was wäre z.B. der Vienna City Marathon ohne 12.000 oder Graz ohne seine 3000 Halbmarathonläufer? Das gilt für viele Marathonveranstalter, die an die Wirtschaftlichkeit denken müssen. Athen ist anders, es ist das Mekka der Marathonläufer aus aller Welt. Laufe von Marathon nach Athen und du bist ein Held wie der Bote Pheidippides vielleicht mit einem Lorbeerzweig in der Hand. Der Mythos lebt, man glaubt an ihn.

Die Organisatoren des Athen Marathon sind bestrebt, den Event mit der internationalen AIMS (Association of International Marathons and Distance Races)-Tagung und der Verleihung des Best Marathon Runner of the Year am Vortag im Intercontinental Hotel aufzuputzen. Die Auszeichnung für das Jahr 2013 ergeht an Wilson Kipsang and Edna Kiplagat. Zudem findet in  Marathon am Grabmahl der gefallenen Athener eine Eröffnungszeremonie mit Entzündung der olympischen Flamme statt. Wer mehr Zeit hat und die Stadt zum ersten Mal besucht, der kann diese fixen Abläufe in sein Programm einplanen.

Ich verliere Börni aus den Augen, als ich mich ins Gelände begebe, um von oben eine gute Aussicht auf das Stadion von Marathon für einige Fotos zu haben. Der Platzsprecher kündigt mehrsprachig an, dass die Läufer nur bis 8.30 Uhr ihre Kleidersäcke abgeben können, doch um 8.45 Uhr macht er erneut eine ultimative Durchsage. Ich laufe auch eine halbe Runde im Stadion direkt hinter einem farbigen Pacer. Der Laufstil dieser Profis ist so locker und raumgreifend, dass man sich eingestehen muss, nie mit so einem Typ Schritt halten zu können.

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