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Laufberichte

Über viele Brücken musst du laufen

25.10.09

Noch ist es bedeckt bei zirka 15 Grad, also eine angenehme Temperatur. Durch die breite Landstraße ist es uns möglich, schon kurz nach dem Start mit dem langsamen Aufholen auf die grünen Luftballons der 4 Stunden-Pace-Maker zu beginnen. Es geht auch sofort mit schönen Villen am Straßenrand los. In Fiesso d'Artico ist dann gleich etwas geboten. Unzählige Luftballons hängen über der Straße und die erste Band ist zu hören. So wird das auch auf den nächsten Kilometern bleiben. Im schönen Städtchen Dolo (km 6) ist dann schon die Hölle los. Ein Spielmannszug mit Fahnenwerfern erwartet uns und natürlich viele Bewohner in Sonntagskleidung, die sich den Marathon nicht entgehen lassen wollen. Die Kinder sind alle hübsch herausgeputzt und wollen gerne abgeklatscht werden. Außerdem scheint es angesagt zu sein, das kleine Hündchen liebevoll auf dem Arm zu tragen. Und so geht es weiter: Die Villen und Dörfer wechseln sich mit kurzen Abschnitten an der Brenta entlang ab und mir scheint, dass die 23 Bands sorgen bei den Zuschauern und Aktiven für gute Stimmung.

Hinter Dolo kommt ein großes Busdepot, an dem die Fahrer schon auf ihren Einsatz nach dem Marathon warten. In der Altstadt von Mira (km 11) ist ein nächster Stimmungs.-Hotspot. Inzwischen haben wir uns fast bis an die 4:00-Läufer herangearbeitet. Mein Halsschmerz ist fast nicht mehr zu spüren und ich stelle fest, dass wir schön mit 5:30-Schnitten vorankommen.

In Oriago (km 14) sehen wir dann die ersten Ausflugsschiffe, mit denen man die Strecke von Padua nach Venedig entspannter zurück legen kann. Besonders fallen mir hier die schönen Uniformen der Carabinieri auf. Die Kichenglocken läuten zum 11 Uhr-Gottesdienst. Auf der anderen Brentaseite stehen hübsche kleine Häuschen. Mit der Bewölkung ist es jetzt zu Ende und es wird richtig sonnig.

Alle 5 Kilometer gibt es Verpflegungsstellen mit Iso-Getränken in 0,4 l-Bechern und viel Inhalt und Wasser vom Sponsor aus Scorze, wie häufig in Italien in 0,5 l-Flaschen. Das mag nicht besonders umweltfreundlich sein, hat aber den entscheidenden Vorteil, dass man auch Flaschen mit Verschlusskappe nehmen kann, aus denen man dann unterwegs trinken kann. 2,5 Kilometer nach den Verpflegungsstellen gibt es dann immer auch Wasser für die Schwämme.

Hinter Kilometer 15 drehen wir dann so langsam Richtung Süden und haben damit die Sonne im Gesicht. Es geht nach Malcontenta, wo es die berühmte Villa Foscari zu sehen gibt. Hier verlassen wir dann auch die Brenta mit ihrem sanft geschwungenen Verlauf. Glaube ich meinem GPS, haben wir hier fast 200 Meter mehr zurückgelegt, da wir eben nicht immer die Ideallinie gelaufen sind. Hier werde ich auch das einzige Mal auf meinen Text „Ciao Italia – Andreas from Munich“ auf meinem Laufshirt angesprochen. In Mailand hatte ich da noch mehr Aufsehen erregt. Der Läufer kommt aus Sardinien und nimmt auch das erste Mal am Venedig Marathon teil.

Nach Malcontenta drehen wir fast nach Norden und kommen langsam in das Industriegebiet von Marghera. Die Straße ist jetzt eine schöne Allee, allerdings gesäumt von einigen Öltanks und vielen Containern, die Schatten spenden. Der Halbmarathonpunkt ist vielleicht der unwirtlichste Punkt der Strecke. Ich habe den Eindruck, dass es hier zwar viel Industrie gibt, die aber irgendwie verlassen wirkt, was vielleicht auch am Sonntag liegen kann. Hier steht auch ein Bus der Feuerwehr für Läufer, die aufhören müssen. Es sitzen schon einige Personen drinnen. Schade, der zweite Teil der Strecke wird doch viel schöner. Leider verpasse ich wieder ein Getränk, da die Tische seit km 15 nicht mehr so lang sind und ich immer zu lange mit dem Zugreifen zögere. Aber ich habe auch gar keinen Durst.

Unserer Zwischenzeiten sind immer noch auf 4:00-Kurs und wir haben viel Spaß mit den Zuschauern. Besonders ein älterer Herr im Rollstuhl freut sich über mein Zurückwinken. Leider haben die meisten Läufer keine Zeit für ein freundliches Grazie. Ihnen geht es anscheinend um etwas Wichtigeres.

Kurze Zeit später sind wir auf der Einfallsallee nach Marghera, wo wir am Abend vorher noch knapp bekleidete Damen gesehen haben. Wenigstens eine ist jetzt auch zu sehen, die aber unter den Marathonläufern keinen Kunden akquirieren kann. Wir schwenken nach links und befinden uns in einem schönen Stadtteil mit viel Grün und ganz netten Häusern.  Aus Berichten kennt man Maghera und Mestre ja nur als Industriestädte, die Venedig verpesten, aber so sieht es hier wirklich nicht aus.

Kurz hinter Kilometer 25 kommt eine Band mit einem Michael-Jackson-Double, der wirklich gut ist. Ich bin bester Laune und freue mich auf die lange Fußgängerunterführung, die uns unter den Bahnhof nach Mestre bringt. Hier wird es das erste Mal etwas enger. Leider hält die Beerdigungslaufstimmung an: Da gibt es niemanden, der mal einen Jodler oder das italienische Pendant zur Aufführung bringt. Schade.

Mestre wirkt mit seinen großen Häusern großstädtischer als Marghera. Wir laufen eine Fahrradstraße entlang. So etwas gibt es also auch in Italien. Bei Kilometer 27 sehen wir das erste Mal wieder einen kleinen Hafen. Venedig, wir kommen! Zuvor gibt es noch eine Straße mit zwei einzelnen Schienen zu laufen. Hier wird eine spurgeführte O-Bus-Linie gebaut, die, so weit ich weiß, auch einmal über die Brücke nach Venedig verlängert werden soll. Genannt wird das Ganze übrigens Tram. Für den Läufer heißt das ein bisschen aufpassen, da die Schienen etwas aus dem Beton herausragen.

Bei Kilometer 29 überqueren wir eine moderne Hängebrücke, die über eine Hauptzufahrtsstraße nach Venedig führt und kommen in den Parco, in dem auch die Marathonmesse war. Die Venezianer sind sehr stolz auf diesen Park, der leider noch keine schattenspendenden Bäume besitzt. Wir müssen zunächst auf einen kleinen Hügel, der uns einen ersten Blick auf Venedig ermöglicht. Über uns fliegen die Flugzeuge zum Flughafen Marco Polo. Leider sieht man von hier oben auch, dass wir noch zwei Schleifen im Park machen müssen. Schade, dass wir stattdessen nicht auch im historischen Zentrum von Mestre waren.

Vor Kilometer 33 geht es über die Eisenbahn und wir schwenken von rechts auf die Straße nach Venedig ein. Jetzt wird es richtig spannend. Das Schild über der Straße wünscht schon ein Benvenuti, aber so weit sind wir noch nicht. Leider ist das auch der Punkt, an dem ich mich von Judith absetze. Ich habe viel gerechnet und festgestellt, dass es mir bei meinem 14. Marathon gelingen kann, endlich die Vier-Stunden-Grenze zu knacken. Judith hat seit km 30 Magenkrämpfe. Sie ist viel schneller als ich (Bestzeit von 3:24) und wird mich sicher wieder einholen. Wenn ich jetzt konstant 5:50/km laufe, könnte eine sub 4 gelingen. Ich fühle mich prima.

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