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Laufberichte

Grand mit Vier

11.06.11
Autor: Klaus Duwe

Durch das mittelalterliche Nikolaiviertel  führt die schmale Fleischergasse direkt zur gleichnamigen Kirche, die irgendwann um 1200 an der höchsten Stelle des alten Stadtgebietes errichtet wurde. Den 45 m hohen  und 400 Jahre alten Turm kann man besteigen. 

Vom holprigen Pflaster wechseln wir auf den staubigen Naturweg durch den Stadtwald. Links geht es über eine weiße Brücke zum Inselzoo, der der einzige Zoo in Deutschland auf einer Insel sein soll. Die Insel wurde bereits 1720 künstlich angelegt, die ersten Affen und Papageien zogen vor rund 100 Jahren ein.  Es ist schön hier. Ich kann mir vorstellen, dass sonst viele Jogger  im Park ihre Runden drehen.

Wir wechseln vom sonnigen Seeufer in ein schattiges Waldstück (km 3).  Manchmal sind die Wege recht schmal, manchmal sind sie flach, meist aber geht es rauf oder runter. Es gibt aber  (bis jetzt) keine langen oder giftigen Anstiege.  Alles spielt sich im gemütlichen, genussvollen Bereich ab. Bei km 5 kommt dann die erste Verpflegungsstelle  mit Wasser, Tee, Bananen und  Riegeln.

Nach einem weiteren Kilometer führt uns ein schmaler Pfad (neudeutsch:Trail) am Waldrand entlang hinauf zur Paditzer Straße.  Wir schauen über große Weizenfelder und Wiesen. Es ist warm geworden. Der Schweiß fließt in Strömen.  Statt zu klagen, nimmt man hin, was man sich ja selber eingebrockt hat und passt sein Tempo der Temperatur und dem Gelände an. Nur einer zieht gnadenlos durch: Steven Michel. Er ist der erste Marathonläufer, der uns überholt.  Er gewinnt auch mit großem Vorsprung. 

 „Ich bin adlig, ich bin die Frau von der Brücke,“ ruft uns die Dame mit dem Tambourin entgegen, lacht und hat ihren Spaß. Die Brücke (km 9), die sie meint, führt uns über die B 93, der wir auf einem parallel verlaufenden Feldweg folgen und noch zweimal per Unterführung queren. Jedes Mal ist das mit einem kurzen Anstieg verbunden. Sonst geht es meist abwärts. 

Das ist die Gelegenheit zu erklären, was ein Grand mit Vier ist. Dazu muss man wissen, dass  Skat immer zu dritt gespielt wird. Einer spielt gegen zwei. Durch Reizen wird bestimmt, wer dieser Eine ist. Das ist eine spannende Sache. Wie bei einer Auktion bietet man anhand seiner Karten bestimmte Spielwerte. Wer den höchsten Spielwert nennt, bekommt das Spiel. Das Gebot darf aber den Spielwert nicht übersteigen. Sonst hat man überreizt. Das kann man ausgleichen, indem man die Gegner  „Schneider“ oder „Schwarz“ spielt.  Bei „Schneider“ dürfen sie keine 30 Augen erreichen, bei „Schwarz“ dürfen sie überhaupt keinen Stich machen. 

Die Spielwerte sind festgelegt. Kreuz ist das höchste Farbspiel und hat 12, ein Grand hat 24. Beim Grand sind nur die vier Buben (Wenzel) Trumpf. Hat man alle vier, lautet die Reiz-Formel: Mit vier, Spiel fünf, mal Grand (24) = 120! Nur wenige Spielwerte liegen darüber.

Zwei Kilometer geht es nun bergauf. Nicht steil, auch in meiner Preisklasse wird das im Laufschritt bewältigt. Wir erreichen eine kleine Wohnsiedlung, wo uns einige Bewohner liebevoll empfangen und erfrischen. In einer Wanne steht sogar Eiswasser bereit.  Vom Falkenplatz aus ist es nicht weit zum Schloss. Wir entfernen uns aber nordwärts wieder vom Zentrum und erreichen über teils ziemlich rustikale Wege die Datschen auf der Poschwitzer Höhe und ein ganz ansehnliches Gewerbegebiet.

Zu DDR-Zeiten waren der Braunkohle- und Uranabbau von großer Bedeutung und gleich drei namhafte Firmen beschäftigten sich mit der Herstellung von Nähmaschinen. Keine überlebte nach der Wende. Mit den Arbeitsplätzen verschwanden auch die Menschen. Altenburg hatte einmal 55.000 Einwohner.  Heute sind es noch um die 35.000.

Im  Altenburger Kraftfutterwerk, wir laufen gerade an der riesigen Siloanlage vorbei, werden zwar jährlich 150.000 to Mischfutter hergestellt, aber dazu braucht man nur ein paar Dutzend Menschen.  Gegenüber ist die Südostfleisch ansässig. Das Unternehmen zählt zu den modernsten Fleischereibetrieben in Deutschland, was nichts anderes bedeutet, als dass man ebenfalls mit verhältnismäßig wenigen  Arbeitsplätzen auskommt. Sonst gibt es in Altenburg viele mittelständische und kleine Betriebe, darunter eine Senffabrik (ich will keinen anderen mehr) und, nicht zu vergessen, die über 500 Jahre alte Altenburger Spielkartenfabrik.

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Informationen: Skatstadtmarathon Altenburg
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